40 Jahre MLPD: Erfolgs- und Glückwünsche von der Volksbank

Zum 40. Geburtstag der MLPD hatte die, vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestufte, Splitterpartei nach Gelsenkirchen-Horst geladen. 

Am 27. August 2022, wurde, im Rahmen der Feierlichkeiten zum Parteijubiläum, eine Karl-Marx-Statue enthüllt. Diese wurde neben der bereits vorhandenen Lenin-Statue aufgestellt. Der für mich spannendste Aspekt, neben den tieffliegenden Friedenstauben, beim Event:

Eine freundliche Grußbotschaft von den Klassenfeinden der Volksbank in Pirna zum Jubeltag der MLPD.

MLPD feiert mit Gesang, Fahnen und Tauben

Die Veranstaltung verlief komplett wie zuvor von mir erwartet: Reden über die Krise des bösen Kapitalismus, Flaggenschwenkerei, Gesang, Erwähnung des bösen revisionistischen Parteitags der KPdSU im Jahre 1956 – der das Ende des Sozialismus im Ostblock besiegelte. Zumindest nach dem Verständnis der MLPD.
Ein weiteres Thema war die Abwendung des bevorstehenden Dritten Weltkrieges, inklusive NATO-Bashing. Alles, wie man es auch von früheren Feierlichkeiten vor der Parteizentrale in Gelsenkirchen-Horst gewohnt ist.

Sogar Tauben, ähnliche Exemplare kamen bereits bei der Einweihung der Leninstatue vor zwei Jahren zum Einsatz, wurden während der Enthüllung des Denkmales freigelassen: Im Unterschied zu 2020 flogen diese jedoch diesmal im Tiefflug, ganz im ästhetischen Stile einer F-16, die unterhalb des Radars feindliches Territorium durchquert, auf die Zuschauer zu. Für mich eines der Highlights des ganzen Events.

Etwa 800 Besucher hatte die Polizei am Samstag gezählt, 1500 – laut Angaben auf der Website – die MLPD: Die Wahrheit dürfte meiner Meinung nach irgendwo dazwischen liegen.

Was das gestrige Event von der Aufstellung der Lenin-Statue unterschied: Wirklichen Gegenprotest gab es diesmal nicht. Eine Frau, die mit einem Pappschild ihren Unmut zum Event kund tat wurde vom Veranstaltungsort verwiesen. Auf dem Bahnsteig der, zum Parteigelände angrenzenden, Straßenbahnhaltestelle wurde die Frau, die nur ein Pappschild mit der Aufschrift „Schämt Euch!“ dabei hatte, von Mitgliedern und Sympathisanten der MLPD begleitet.

Eine Überraschung bei den Grußbotschaften

Grüße zum Parteigeburtstag konnte man auf dem Event an einer eigenen Stellwand lesen.

Wenig überraschende Grußworte gab es von der Partei DIE LINKE in Gelsenkirchen:

DIE LINKE Kreisvorstand Gelsenkirchen

Liebe Genossinnen und Genossen,

der Kreisvorstand der LINKEN Gelsenkirchen sendet euren Jubiläumsfeierlichkeiten aus Anlass von 40 Jahren MLPD auf diesem Weg seine solidarischen Grüße. Wo immer sich in diesen Tagen Antifaschisten, konsequente Kriegsgegner und Verteidiger von sozialen Rechte der arbeitenden Bevölkerung treffen, da sollte auch die LINKE vertreten sein. Das gilt ungeachtet der vielen Unterschiede, die die linken und fortschrittlichen Kräfte auch unsere beiden Parteien in vielen Punkten voneinander trennen. Leider führen diese Unterschiede allzuoft dazu, dass ein gemeinsames Vorgehen gegen Kriegsbefürworter, Militaristen, Rechtsradikale und Faschisten sowie deren industrielle Förderer und Wegbereiter nicht zustande kommt. Damit dürfen wir uns niemals abfinden. Wir begrüßen es deshalb ausdrücklich, dass verschiedene Linkskräfte zum diesjährigen Antikriegstag am 1. September wieder eine gemeinsame Kundgebung organisiert haben, auf der nicht nur eine oberflächliche Beschreibung der Weltlage und eine moralisierende Bewertung des Handelns einzelner Politiker vorgenommen werden wird, sondern wo eine tiefergehende Analyse der den aktuellen Kriegen zugrunde liegenden wirtschaftlichen Interessenlagen erfolgen soll. Eine solche Aufklärung ist zwingend notwendig, um den ideologischen Schleier der aktuell nahezu hegemonialen Vernebelungsstrategie zu durchbrechen, mit dem fast sämtliche bürgerlichen Kräfte die weitere Aufrüstung von Bundeswehr und NATO und die verschärfte Ausplünderung der arbeitenden Bevölkerung rechtfertigen. Wer daran Zweifel äußert, wird entgegen aller vermeintlichen demokratischen Regeln fast schon als Aussätziger oder Geisteskranker behandelt. Dem müssen wir uns konsequent entgegenstellen. Worauf können und müssen wir uns dabei stützen? Es ist kein Geheimnis, dass es derzeit innerhalb der LINKSPARTEI lebhafte Diskussionen um den politischen Kurs und um die zukünftige Politik der Partei gibt. Das liegt daran, dass die LINKE als pluralistische Partei sich aus verschiedenen weltanschaulichen Quellen speist. Unabhängig von der Position der einzelnen Diskutant*innen ist aber innerhalb der Partei die Überzeugung fest verankert, dass ohne die Anwendung und Weiterentwicklung des historischen Beitrags von Karl Marx und Friedrich Engels zur Analyse und zur Überwindung des Kapitalismus die heutigen Menschheitsfragen weder verstanden noch gelöst werden können. Das gilt ausdrücklich auch für die Frage von Krieg und Frieden und für die Überwindung der kriegstreibenden Kräfte sowie ihrer beherrschenden Meinungsmacht. Vor diesem Hintergrund ist eine stärkere Rückbesinnung auf marxistisches Denken für alle sich Links verstehenden Menschen ein Gebot der Stunde. Wir begrüßen deshalb die Initiative, durch Schaffung eines Gedenkortes und durch die Aufstellung eines Denkmals für den Begründer der marxistischen Denkweise, Karl Marx, in Gelsenkirchen einen Beitrag zur weiteren Propagierung systemkritischen Denkens und Handelns zu leisten.

In diesem Sinne wünschen wir euren Feiern einen erfolgreichen Verlauf.
Mit sozialistischen Grüßen
DIE LINKE Kreisvorstand Gelsenkirchen

Glückwünsche von der Kommunistischen Plattform und der Volksbank Pirna; Foto: Peter Ansmann
Glückwünsche von der Kommunistischen Plattform und der Volksbank Pirna; Foto: Peter Ansmann

Ein weiteres Grußwort von Dieter Lehmann (DIE LINKE / Kommunistische Plattform Sachsen):

Dietmar Lehmann, Vorsitzender des OV Sonnenberg der Partei DIE LINKE und Mitglied der Kommunistischen Plattform Sachsen sagt…

… ganz herzlichen Dank für die freundliche Einladung. Aus persönlichen, gesundheitlichen und finanziellen Gründen können wir leider an Eurem schönen Programm zum Jubiläum der MLPD nicht teilnehmen. Wir möchten aber Euch unermüdlichen Aktivisten und allen Sympathisanten der Partei für eine gerechtere Welt von ganzem Herzen unsere Glückwünsche zum 40-Jährigen Bestehen übersenden. Damit verbunden möchten wir Euch auch für Euer Engagement für die Vorbereitung und Verbreitung linker Gesellschaftlicher Aktivitäten sowie Wahrheiten zur Verbesserung der Lage der Menschen In unserem Lande herzlich danken. Die MLPD vermittelt uns das Gefühl nicht allein im Kampf für eine gerechtere Gesellschaft zu sein. Es ist schön zu wissen, dass es aufrechte Verbündete und Unterstützer für die Forderung nach einer einer friedlichen, sozial gerechten und solidarischen Gesellschaft gibt. Wir bewundern auch Eure Hartnäckigkeit sowie Zielstrebigkeit für die öffentliche Würdigung von Lenin und Marx durch Denkmäler.

Wir wünschen allen Mitgliedern und Sympathisanten der MLPD alles erdenklich Gute, Erfolg und viel Kraft für die künftigen politischen Herausforderungen.

Mit herzlichen und solidarischen Grüßen

i.A. Dietmar Lehmann

Vors. des OV Sonnenberg der Partei DIE LINKE und Mitgl., der
KPF Sachsen

Andere Grußbotschaften wurden bereits vor der Veranstaltung online veröffentlicht. Unter anderem eine Botschaft an die „Rote Fahne“, dem Zentralorgan der MLPD. Jean Ziegler, Träger des Gaddafi-Preises für Menschenrechte, Mitglied des beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats der UNO und Mitglied der sozialdemokratischen Partei der Schweiz gratuliert:

Das Einschläfern der Völker durch die Herrschaftsklassen heißt bei Karl Marx „Entfremdung“. Die gezielte Entfremdung des Kollektiv-Bewusstseins ist die Waffe der Machthaber. Sie funktioniert in den lebendigsten Demokratien. So auch in Deutschland. Die Rote Fahne ist in der europäischen Presse eine einzigartige Zeitschrift. Sie führt gegen die Entfremdung einen klugen, informationsreichen Kampf. Großartige, visionäre theoretische Texte, wie jene von Stefan Engel, koexistieren mit empirisch akribisch recherchierten Reportagen. Engels fundamental wichtiges Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ befreit das Bewusstsein der Arbeiterklasse und stählt ihren Widerstand gegen die gegenwärtig wütende militaristische Propaganda. Im Kampf gegen die kapitalistische Entfremdung erfüllt die Rote Fahne eine einzigartige historische Aufgabe. Zu eurem Geburtstag möchte ich euch, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meine Solidarität und Bewunderung aussprechen. Danke für die revolutionäre Geduld und Unbeirrbarkeit.

Wir machen den Weg frei: Auch für den Klassenfeind!

"Vertrauliche" Grußworte der Volksbank, Verfremdung der Rufnummer, Faxnummer und Email-Adresse durch die Ruhrbarone; Foto: Peter Ansmann
„Vertrauliche“ Grußworte der Volksbank, Verfremdung der Rufnummer, Faxnummer und Email-Adresse durch die Ruhrbarone; Foto: Peter Ansmann

Nicht auf der Website zu finden, ist ein Glückwunschschreiben an den Bundesgeschäftsführer der MLPD – das zwischen den Grußworten von den Genossen der SED-Nachfolgepartei etwas befremdlich wirkt:

Pirna, 31.05.2022

Herzlichen Glückwunsch zum 40- jährigen Geschäftsjubiläum

Sehr geehrter Herr Dumberger,
Sehr geehrte Damen und Herren,

seit nun 40 Jahren besteht Ihre Partei, zu diesem Jubiläum gratulieren wir Ihnen und Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ganz herzlich!

Wir freuen uns, dass wir ein ganzes Stück des langen Weges Ihrer Partei gemeinsam mit Ihnen als Ihre Partnerbank gehen durften. Auf diesem Wege möchten wir auch unseren Dank für Ihr Vertrauen in diese Partnerschaft zum Ausdruck bringen. Ihnen und Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wünschen wir weiterhin alle Gute und viel Erfolg für die nächsten Jahre und würden uns freuen, auch künftig Ihnen zur Siete stehen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Volksbank Pirna eG

Jens Köhler
Silvia Riedel-Quitschau

Für welches (revolutionäre) Vorhaben die Volksbank „alles Gute“ und „viel Erfolg“ wünscht – die sozialistische Weltrevolution steht ebenso auf der Agenda der MLPD wie ein Wahlsieg bei den Bundestagswahlen: Es wird aus dem „persönlichen/vertraulichen“ Schreiben nicht deutlich.

Es bleibt zu hoffen, dass der von der Volksbank genutzte Slogan „Wir machen den Weg frei“ bei Kunden dieser Art keine Wirklichkeit wird und die Bank den gleichen Weg beschreitet wie andere Banken in der Vergangenheit: Sparkasse Witten kündigt Terrorsympathisanten Konto

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4 Kommentare

  1. #1 | Aimee sagt am 28. August 2022 um 17:53 Uhr

    „…Jean Ziegler, Träger des Gaddafi-Preises für Menschenrechte, Mitglied des beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats der UNO  ..“

    Unglaublich, aber damit erklären sich viele Resolutionen der UNO gegen Israel: Gaddafi und Menschenrechte!

    Nicht nur die ÖR sind ein Skandal mit ihrer Finanzierung, die UNO und ihrem 2 Klassen- Apartheid-Flüchtlingswerk auch…..eine Sache, die die MLPD auch nicht kapiert.

    Unabhängig davon, welche Organisation in DE Konten haben…. WIE finanziert sich die MLPD, die gerade in Wahlkämpfen doch ziemlich fleißig überall Plakate aufhängt?

  2. #2 | Psychologe sagt am 28. August 2022 um 18:16 Uhr

    „Eine solche Aufklärung ist zwingend notwendig, um den ideologischen Schleier der aktuell nahezu hegemonialen Vernebelungsstrategie zu durchbrechen, mit dem fast sämtliche bürgerlichen Kräfte die weitere Aufrüstung von Bundeswehr und NATO und die verschärfte Ausplünderung der arbeitenden Bevölkerung rechtfertigen. “

    Eigentlich niedlich, dass die Linke den antikapitalistischen Waffenbruder implizit immer noch in Russland verortet. Schon ein bisschen drollig. Aber vielleicht ist es ja das, was Fukuyama mit dem „Ende der Geschichte“ wirklich meinte. Ganz nach dem alten WDR-4-Slogan „Gutes bleibt“.

  3. #3 | ein Westphale sagt am 29. August 2022 um 22:05 Uhr

    Könnte sich das Schreiben der Volksbank nicht zumindest etwas erklären durch den, wenn ich mich richtig erinnere, relativen Reichtum der Partei (ich glaube niedriger achtstelliger Bereich) und relativ üppigen Immobilienbesitz?
    Kann da durchaus gut nachvollziehen dass eine Bank Grußworte zum 40. Gründungstag an einen millionenschweren Großkunden schickt.

  4. #4 | Peter Ansmann sagt am 30. August 2022 um 00:27 Uhr

    @ein Westphale:

    Natürlich ist das Schreiben mit dem Vermögen der Volksbank zu erklären. Auch zu erklären ist, dass die Volksbank so ein Schreiben nicht öffentlich – bei der offiziellen Feier der Partei – ausgestellt sehen möchte. Weshalb im Schreiben „Persönlich / Vertraulich“ steht.
    Die MLPD hat aber in diesem Punkte den Grundsatz der Konspiration nicht wirklich ernstgenommen…

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