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Warum der 8. Mai kein Tag der Befreiung ist

Tag der Befreiung? Soldat der roten Armee hisst Fahne auf dem Reichstag. Quelle: Jewgeni Chaldej

Tag der Befreiung? Soldat der roten Armee hisst Fahne auf dem Reichstag. Quelle: Jewgeni Chaldej

Auch dieses Jahr liest man allerorten, dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung sei und als solcher gefeiert werden müsste. Doch der 8. Mai ist kein Tag der Befreiung. Zumindest nicht für Deutschland.

Ins Bewußtsein der Bundesrepublik drang der 08. Mai als „Tag der Befreiung“ durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der in seiner Rede anlässlich des 40. Jahrestages im Bundestag sagte: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Er legte damit die Grundlage von der Abwendung der Betrachtung des 8. Mais als mit einem guten Stück Wehmut empfundenen Tag der deutschen Niederlage. Stattdessen entsprach er damit dem Wunsch der Bevölkerung des Weltmeisters in Vergangenheitsbewältigung, Deutschland, nach Wiedergutwerdung und Tilgung der Schmach. Er nahm eine Umdeutung vor, wonach nicht mehr Deutschland verantwortlich sei für den von seinem Boden ausgehenden Vernichtungskrieg, sondern die Deutschen eigentlich nur getäuscht wurden, denn „die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient.“

Und mit diesem erstaunlichen Kniff, einer Pirouette gleich, reihte Weizsäcker die eigentlich doch anständigen Deutschen in die Reihe der Opfer ein, die wie der Rest Europas, befreit worden waren. In ihrem Fall von einer verbrecherischen Führung, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die das Volk nur getäuscht hatte. Und die wiedergutgewordenen Deutschen freuten sich, sie hatten ja doch einen Grund zum feiern! Sie waren ja eigentlich gar nicht die Besiegten, das waren ja „die Nazis“.

 Wirkungsvolle Umdeutung der Geschichte

Diese Umdeutung war sehr wirkungsvoll. Schon 15 Jahre später, am 8. Mai 2000, konnte Bundeskanzler Schröder anlässlich der Ausstellungseröffnung „Juden in Berlin 1938 – 1945“ im Centrum Judaicum in seiner Rede feststellen: „Niemand bestreitet heute mehr ernsthaft, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung gewesen ist – der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und dem Grauen des Krieges. […]Aber mit dem 8. Mai ist auch die Erinnerung an Bombennächte verbunden, an die Vertreibung aus der Heimat, an die schreckliche Gewissheit, für eine mörderische Sache gekämpft zu haben.“

Es müssen erstaunliche Szenen gewesen sein, damals am 08. Mai, als es Millionen von Deutschen plötzlich am Tag der Niederlage wie Schuppen von den Augen fiel, dass sie gar nicht für eine gerechte Sache gekämpft hatten. Wie hätte man das ahnen können! Sicherlich sind am 08. Mai auch Deutsche befreit worden. Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Andersdenkende, Widerstandskämpfer und solche die man dafür hielt zum Beispiel. Sich als Land der Täter jedoch in die Tradition dieser Menschen zu stellen und deren Befreiung als die eigene auszugeben, das ist schäbig.

Die Allierten wollten Deutschland nicht befreien. Sie wollten Deutschland ein für alle Mal besiegen. Für Deutschland ist der 8. Mai nicht der Tag der Befreiung, sondern der Tag der Niederlage. Nicht der Tag der Befreiung, der er für die Menschen war, deren vollständige Ausrottung zu versuchen Deutschland unternahm, sondern der Tag der absoluten und bedingungslosen Niederlage Deutschlands. Diese Niederlage zu akzeptieren und das Opfer der zahllosen russischen, britischen, amerikanischen, französischen und polnischen Soldaten, zahlloser Partisaninnen und Partisanen und der bewundernswert mutigen Aufständischen im Warschauer Ghetto zu ehren und zu erinnern, sollte das Ziel dieses Tages in Deutschland sein. Nicht die eigene Wiedergutwerdung und vermeintlichen Aufarbeitungserfolge in einer Vergangenheitsbewältigungsparade zu präsentieren.

Man sollte wissen wann es angebracht ist, einfach mal in Demut die Klappe zu halten.

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22 Kommentare zu “Warum der 8. Mai kein Tag der Befreiung ist

  • #1
    Imanuel Jost

    Der Artikel besitzt hier und da etwas wahres, dennoch waren die meisten Deutschen betrogen worden. Nicht einmal wurde gesagt: "Wir attackieren um Lebensraum zu gewinnen". Immer wurde es so dargestellt als sei Deutschland angegriffen worden. Und die Menschen, ob sie es geglaubt haben, oder es nicht geglaubt haben, kämpften für ihre Heimat. Genötigt, dass selbst wenn sie nicht für eine gerechte Sache kämpften, dass dies immer noch besser sei für das Vaterland einzustehen, als die Vergewaltigung des Landes wie nach dem 1. WK noch einmal zu zulassen. Viele Arbeiter haben damals Freunde verloren, als die Franzosen ins Rheinland kamen, viele hatten Verwandte in Polen die zu mehreren Hunderttausend ermordet und vertrieben wurden 1920 – 1928. Viele hatten Freunde im Sudetenland, wo das Deutschtum verboten wurde, und beim Gebrauch der Sprache "Deutsch", dem tschechischen Polizisten klar wurde, dass er mit dieser Person jetzt alles machen darf, worauf er Lust hatte. Diese Angst, dass das nochmal passiert, hat die deutschen an die Waffen gehohlt und bedingungslos bis zum Ende kämpfen lassen. Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung, und zwar deshalb, weil die Deutschen nach diesem Tag das erste Mal nicht wie Menschen 3. Klasse behandelt wurden zu mindestens von den West-Mächten, eine Befreiung von diesem Glauben, dass wennschon Deutschland gewinnen muss, oder alles verloren ist.

  • #2
    Daniel

    „Man sollte wissen wann es angebracht ist, einfach mal in Demut die Klappe zu halten.“

    Zumindest den letzten Satz kann ich vorbehaltlos unterschreiben. Der Rest ist billiges distinktionsbedürfnis.

  • #3
    paule t.

    Man muss die Rede schon ungewöhnlich böswillig und verdreht interpretieren …

  • #4
    bob hope

    Sehr guter Text, der es auf den Punkt bringt. Weizsäcker dürfte dem Stahlhelm-Flügel der Union um Dregger und Co mit der Rede zwar keinen großen Gefallen getan haben, dennoch ging es ihm dabei auch ein wenig um die Reinwaschung seiner Biografie und der seiner Familie.

    @ #1 Immanuel Jost:

    Stolze Deutsche gefielen sich schon immer in der Rolle der „verfolgten“ oder, um es mit dem späten Karl Kraus zu sagen: „verfolgenden Unschuld“. Für jede Untat hatte man ein Alibi oder eine Erklärung parat. Und natürlich war der große „Verführer“ an allem schuld. 17 Millionen Wähler und 8,5 Millionen Parteigenossen waren betrogen worden. Und auch die vielen Mitläufer, Zu- und Wegschauer. So lange die Eroberungsmaschinerie lief und Land für Land erorbert wurde, muckte kaum jemand auf. Erst als die Einschläge näher kamen, die Söhne und Ehemänner an der Front fielen, die Nahrung knapp wurde und weder Holz noch Kohle zum Heizen da war, wuchs der Unmut, der sich aber eher in Resignation als in Widerstand äußerte.

    Nein, der Tag war für viele Deutsche eine Niederlage. Für die überzeugten Nazis, die auch viele Jahrzehnte nach Kriegsende den Untergang nicht verwinden konnten, eh. Aber auch für diejenigen, die zwar nicht mitgemacht aber zugesehen haben. Wobei es für Letztere eher ein moralische Niederlage war.

    Eine Befreiung war er für die wenigen Überlebenden in den Konzentrationslagern, für die Widerstandskämpfer, die nicht verhaftet oder ermordet wurden, für die Untergetauchten, für diejenigen, die Juden versteckt haben und ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, für die Kinder und Jugendlichen, die keine Wahl hatten… – die Bevölkerung in den besetzten Gebieten hatte zum Glück schon vorher ihre Befreiung erlebt.

    Dass dieser Tag in Deutschland immer noch kein offizieller Gedenktag ist, dass das öffentliche Leben einfach weitergeht, ohne an die zig Millionen Opfer zu denken, die dem deutschen Terror und Größenwahn zum Opfer gefallen sind, sagt leider einiges über das Land und dessen Bewohner aus.

  • #5
    Walter Stach

    Wie wie viele deutsche Staatsangehörige werden den heutigen 8.Mai als einen für Deutschland "besonderen Tag" registriert haben?

    Für wie viele deutsche Staatsangehörigen -unter den vermutlich wenigen, die den 8.Mai heute als einen für Deutschland besonderen registriert haben- dürfte der heutige Tag wieder einmal Anlass gewesen sein, darüber nachzudenken oder gar darüber zu diskutieren, wie "man" das Ereignis des 8.Mai 1945 begrifflich am besten erfassen sollte, also das Ereignis des Tages, an dem die am 7.Mai in Reims unterzeichnete Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft trat -um 23.01 MEZ-und an dem zugleich in Berlin " zusätzlich"" für das OKW Generalfeldmarschall Keitel und für das Oberkommando der "Roten Armee" durch Marschall Schukow eine Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde?
    War es der Tag
    der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht -nicht mehr, nicht weniger-?-
    "Formal-juristisch" wäre dem nicht zu widersprechen.

    Oder sollte der Tag wegen der Ursachen dieser bedingungslosen Kapitulation und wegen ihrer unmittelbaren/mittelbaren Folgen für Deutschland begrifflich "sinnvollerweise (?)" anders benannt werden -Tag der Befreiung Deutschlands? Tag des Endes der Hitler-Nazi-Diktatur? Tag des Endes des II. Weltkriegs? Tag der Befreiung Europas von der Herrschaft Nazi-Deutschlands?

    Darüber läßt sich nicht nur trefflich streiten. Darüber wird bekanntlich alle Jahre wieder seit dem 8.Mai 1945 in Deutschland heftig gestritten, weil es anders angesichts des Ereignisses gar nicht sein kann. So haben u. a . "wir" vor einem Jahr bei den Ruhrbaronen kontrovers diskutiert. Jetzt liefert der Beitrag des Gastautors Robert Heer für eine erneute Diskussion eine Vorlage.
    Ich will mich hier nicht weiter "zur Sache" äußern, sondern lediglich -sh. meine Frage einleitend-die Frage aufwerfen, ob und inwieweit der 8.Mai 1945 "überhaupt noch" als historisches Ereignis im Bewußtsein "der" Deutschen existent ist?
    Interessieren sich "die " Deutschen auch heute noch dafür, wie "man" dem Ereignis dieses Tages "am besten, am ehesten" begrifflich nahekommt?
    Meine subjektive Wahrnehmung am Ende des heutigen Tages ist die, daß die "allermeisten" Menschen am heutigen Tag, dem 8.Mai 2o18, keinen Anlass hatten, sich an den 8.Mai 1945 zu erinnern, geschweige denn darüber zu diskutieren, mit welcher Begrifflichkeit "man" dem Ereignis des 8.Mai 1945 am "besten", am ehesten nahekommen könnte.
    Wenn ich mit meiner Wahrnehmung nicht gänzlich daneben liegen sollte, könnte ich die Frage nach den Gründen dafür und nach seinen Folgen aufwerfen. Dabei kann es nicht darum gehen, ob das "gut" oder ob "schlecht" ist.
    Ich habe mir jedenfalls heute diese Frage gestellt und nicht primär die nach der "zutreffensten" Begrifflichkeit.

    "In Demut die Klappe" halten"
    -sh. letzter Halbsatz im Beitrag des Gastautors-.

    Na, ja.

    Mit seinem für mich be- und nachdenkenswerten Beitrag hat der Gastautor allerdings selbst gegen sein Postulat verstoßen, nämlich "die Klappe" zu halten ; und das finde ich "gut so".

    "Demut"….?
    "Rechte Demut weiß nimmer, das sie demütig ist; denn wo sie es wüßte, so würde sie hochmütig"
    -Luther, Deutsche Schriften.

    "O zahme, schimpflichtige, verhaßte Demut!
    Die Kunst des Raufens trägt den Sieg davon (Mercution).
    Shakespeare, Romeo und Julia III, 1.

    Das -in aller Demut meinerseits- zum vom Gastautor verwendeten Begriff " Demut".

  • #6
    Arnold Voss

    Schon sehr bald nach Kriegsende ging die Mehrzahl der Deutschen ohne jede Reue zurück an die Fleischtöpfe. Die Eliten übernahmen mit wenigen Ausnahmen ihre alten Posten in Wirtschaft, Kultur, Verwaltung und Wissenschaft. Der Durchschnittsbürger sah zu, dass er wieder Essen auf den Tisch und ein Dach über dem Kopf hatte. Eine ernst zu nehmende Entnazifizierung fand nicht statt. Stattdessen wurde selbst den schlimmsten Tätern zur Flucht verholfen. Das sogenannte Wirtschaftswunder ließ dann über alles und alle die große konsumptive Verdrängungsoße schwappen. Ich durfte das als junger Mensch live miterleben. Es war mehr als gruselig.

  • #7
    Walter Stach

    6-
    Arnold,
    ja, so war das in der Tat nicht nur unmittelbar nach dem 8.Mai 1945, sondern weit bis in die 1960er/1970 er Jahre. Die "bestimmenden", die "lenkenden und leitenden" Akteure in der Wirtschaft, in der öffentlichen Verwaltung, in der Gerichtsbarkeit und nicht zuletzt auch in den Medien waren mehrheitlich im sog. III.Reich willige Profiteure des Regimes und für diese war folglich der 8. Mai 1945 kein Tag der Befreiung, sondern ein bitterer Tag voller tiefgreifender und andauernder Enttäuschung; er war für sie nicht nur der Tag der Kapitulaton der deutschen Wehrmacht, sondern "ein Unglückstag für Deutschland". Dass dieser Tag dann vor allem für diese "Typen" nachtäglich als Anfang einer neuen Karriere in der Wirtschaft, in der Politik, in der Verwaltung, in der Jusitz verbucht werden konnte, hätte Anlass zu kritischen Nachdenken sein können "über den 8.Mai 1945 und seine Folgen", ein Nachdenken, das bekanntlich auch nicht ausgeblieben ist, aber gesellschaftspolitisch m.E. keine tiefgreifenden Wirkungen erzielt hat.
    Und angesichts dessen, was heute zu den Selbstverständlichkeiten in Deutschland zählt , besteht Anlass darüber nachzudenken, ob "die " Deutschen die Ursachen für die Ereignisse, die ihren dokumentieren vorläufigen Abschluß am 8. 5. 1945 fanden, und deren unmittelbare bzw. mittelbaren negativen Folgen für Deutschland gravierend waren, vergessen haben,nicht mehr daran erinnert werden wollen, ja sogar dazu bereit zu sein scheinen, die Schreckensherrschaft Hitlers nebst seiner NS-Schergen -auch solcher in der Wehrmacht- sowie das formal-juristische Ende dieser Herrschaft am 8.5. 1945 "umzudeuten" in ……?????

    Arnold,
    "jedermann" und der 8.Mai l945 und die Zeit danach?
    Dazu gibt es viel zu erzählen und dazu ist bekanntlich viel erzählt worden.
    Ich meine, daß die persönlichen Schicksale der Menschen im III. Reich , am 8.5. 45 und in der Folgezeit so unterschiedlich verlaufen sind, daß Verallgemeinerungen nur bedingt möglich erscheinen. Deshalb gehe ich darauf auch nicht näher ein, obwohl dazu z.B. aus meiner Familie Vieles zu erzählen wäre,
    z.B. über die Arbeit meines Vaters "unter Tage" vor und nach dem 8.Mai 1945, über das "Hamstern", über die Sorgen meiner Eltern um ihre Kinder, über die Neugründung des SPD-Ortsvereines in meiner Heimatstadt Waltrop bereits im Jahre 1945-u.a. mit meinem Vater-, über die Bemühungen der örtlichen KP um ein Bündnis mit den örtlichen Sozialdemokraten, über das Warten der Familie auf die erhoffte Rückkehr "ihrer Männern" aus der Kriegsgefangenschaft.
    Ich selbst kann sehr viel darüber erzählen, wie ich als 6-8 Jähriger die letzten Kriegstage erlebt haben, u..a. den Einmarsch amerikanischer Truppen in Waltrop, und wie wir als Kindern nach dem 8.Mai 1945 weiterhin Krieg gespielt haben, und zwar mit den Resten an Munition, Waffen pp. die sowohl die Wehrmacht als auch die durchziehenden US-Truppen hinterlassen hatten.

    Ich schildere dieses, um damit klar zu machen, daß es beim Blick auf den 8.Mai 1945 immer auf den persönlichen Standpunkt ankommt, auf dem "man" sich seinerzeit befand -zeitlich, räumlich, sachlich – oder um den "man" sich erst nach dem 8.Mai 1945 bemüht oder den "man" nach dem 8. 5. 1945 bewußt zu vermeiden versucht hat. Das gilt es m. E. zumindest (mit-) zu bedenken in einer Diskussion über den 8.Mai 1945 am 8. Mai 2o18 und über die "richtige Begrifflichkeit" für diesen Tag.
    Nicht zu streiten ist, weil Fakt, daß dieser Tag der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht war -sh.-5- im zweiten Absatz.
    Zu streiten ist -selbstverständlich- darüber, ob dieser Tag heute noch im Bewußtsein der Menschen in Deutschland von Belang ist oder nicht und ggfls. wie sich" die "Deutschen, wenn überhaupt, heutzutage seiner bewußt sind bzw. sich seiner bewußt sein wollen. Letzteres schließt ein das Registrieren gegensätzlicher Bemühungen des "Bewußtmachen-Wollens"-als Tag der…..; und das regelmäßig bestimmt von (partei-) politschen Positionen, Interessen und Zielen.

  • #8
    Hannes

    Für die Täter eine Niederlage, für die Opfer Befreiung, für die Reststaatsmacht Kapitulation. Für die Ermordeten?

    Kommt darauf an, in welche Traditionslinie man sich stellen möchte.

  • #9
    Alert

    du kannst es in deiner infantilen Anti-D-Ideologie einfach nicht wahrhaben, dass nicht alle Deutschen für Krieg oder für Hitler damals waren, kann das sein?
    orry, SOWAS nenne ich nicht nur schäbig und ideologisch verblendet, sondern wahnhaft und realitätsverweigernd :"D
    Historisch einfach falsch. Mehr Bildung!
    Als Antifaschist sage ich: nicht jeder Deutsche war ein Nazi oder ein Täter. Fakt.
    get over it.

  • #10
    Daim

    Hannes, jeder war Opfer und Täter. So wie auch heute noch im täglichen Normalleben.
    Und das hat nichts mit Traditionslinie zu tun.
    Das wird Dir jeder ernstzunehmende Soziologe/Psychologe bestätigen.
    Auch Du bist Opfer UND Täter.

  • #11
    horst

    " Und mit diesem erstaunlichen Kniff, einer Pirouette gleich, reihte Weizsäcker die eigentlich doch anständigen Deutschen in die Reihe der Opfer ein, die wie der Rest Europas, befreit worden waren. In ihrem Fall von einer verbrecherischen Führung, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die das Volk nur getäuscht hatte. " Ich frage mich, was diese Aussagen benennen will ? Soll bestritten werden, dass viele Betrogen waren? Soll bestritten werden, dass viele aus Angst vor dieser Führung (die ja nicht nur die "Führung" innehatte, sondern bis zum kleinen Blockwart und PG wirksam war) sich duckend mitmachten? Nicht jede/r ist schliesslich zum Widerstand gegen ein mörderisches System geboren. Viel anregender hätte ich es empfunden, wenn dieses "NUR" getäuscht ausdifferenziert worden wäre.Wenn beispielsweise die überdauerten RE Organisierungsversuche faschistischer Gruppen bereits 1948 sowie die Reaktionen darauf thematisiert worden wären… Das hätte spannend werden können- aber so ist nur etwas langweiliges Geschwurbel und Geraune rausgekommen: Man will halt was zum thema sagen und Positionierung betreiben…

  • #12
    Stefan Keller

    Sorry, das ist nationalistischer Bullshit. Die Juden, die Kommunisten, die Sozialdemokraten, die Schwulen, die Sinti und Roma in den Konzentrationslagern waren zu einem grossen Teil auch Deutsche. Sie wurden befreit am 8. Mai.

  • #13
    Grünfeld

    @Stefan Keller

    Lesen bildet Herr Keller. Zitat aus dem Artikel: "Sicherlich sind am 08. Mai auch Deutsche befreit worden. Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Andersdenkende, Widerstandskämpfer und solche die man dafür hielt zum Beispiel."

  • #14
    Stefan Keller

    Ach, das habe ich schon gelesen. Es geht um die Perspektive. Aus Sicht der Verfolgten, sofern sie noch lebten, ist es eine Befreiung. Wollen Sie Ihnen jetzt nochmals das Deutschsein absprechen, Herr Grünfeld.

  • #15
    Grünfeld

    Frau Grünfeld, Herr Keller. Ich verstehe den Autor freilich nicht so als wolle er den Genannten das Deutschsein absprechen, er schreibt im zitierten Satz immerhin das genaue Gegenteil. Vielmehr kritisiert er doch, dass gerade der Staat der ihnen all das Leid zugefügt hat und ihnen das Deutschsein absprach, nun eine Wende um 180 Grad macht und sie sich einverleibt.

  • #16
    Wolle

    was für ein dämlich-ekelhafter text! gehts euch eigentlich gut?
    klar habt ihr in teilen recht. das deutsche volk bestand mehrheitlich sicher nicht aus glühenden antifaschisten. aber es gab welche. und es gab opfer. viele. das dritte reich war eine brutale diktatur, dessen machthaber nicht demokratisch an die macht gekommen sind, sondern durch einen brutalen staatsstreich. die nsdap hatte unter den deutschen lediglich 11% mitglieder. selbst bei den letzten "freien" wahlen erreichte sie trotz des vorrangegangenen staatsstreiches keine mehrheit, sondern "nur" 44%.
    diese diktatur hat einen krieg angezettelt, von denen anzunehmen ist, dass er von beginn an keine mehrheitliche begeisterung bei den deutschen hatte. und schon gar nicht, nachdem deutschland selbst zertrümmert am boden lag, fast jede*r deutsche*r angehörige im krieg verloren hatte und ein ziviles leben so lange bereits nahezu unmöglich gewesen ist.
    es ist also mit großer sicherheit davon auszugehen, dass dieser tag, der 8. mai 1945, von den meisten deutschen als tag der befreiung empfunden worden ist. jeder versuch, diesen tag zum tag der niederlage für die deutschen umzudeuten, ist entweder revanchistisch oder bescheuert oder besser beides.
    ich bin bestimmt der letzte, der irgendwelche gründe hätte, den deutschen ihre mitschuld am geschehen abzusprechen. auch ich lehne nationen grundsätzlich ab. auch ich lehne die geschichtverfälschungen, nach denen die nazis nur eine kleine clique gewesen ist und sich die deutschen selbst als opfer fühlen dürfen, weitestgehend ab. aber genauso wie ich den begriff "nation" im positiven ablehne, tue ich das auch im negativen sinne. denn jede form von sippenhaft ist etwas, was meine feinde tun. ja, selbst dann, wenn es sich um deutsche handelt. es handelt sich um menschen. jede*r mensch ist für sein tun eigenverantwortlich und auch so zu bewerten. jede zuschreibung von ansichten, charakteren und möglichen handlungen anhand einer zuordnung nach etnischen, kulturellen, nationalen, religiösen oder geschlechtsspezifischen merkmalen ist nochmal was? – richtig. dann seid ihr nicht besser als eure feinde. der zweck heiligt eben nicht die mittel.

  • #17
    MARTIN MAHADEVAN

    Gerade der in diesem Zusammenhang immer
    gelobte und bis heute verehrte Richard v.
    Weizsäcker zeigt doch die tiefe deutsche
    Zwiespältigkeit zum 8. Mai 1945. Sein Vater
    Ernst war Staatssekretär Ribbentrops. Richard verteidigte ihn als ganz junger Jurist in Nürnberg
    und glaubte wohl bis zum Schluss an die
    Unschuld seines Vaters. Dabei gibt es unzweideutige
    Dokumente, die Ernsts Verwicklung in die Vernichtung der ungarischen Juden 1944 beweisen.
    Die Weizsäckers sind ein hervorragendes Beispiel
    für die Kontinuität von "Eliten" : Kaiserreich,
    3. Reich, BRD: Immer ganz oben.

  • #18
    Berthold Grabe

    Es war eine Befreiung und die Deutung mehr als legitim. Allerdings wurde das von den 68zigenr nie verstanden leider bis heute nicht, sie konnten die riesige Kluft zwischen den Verbrechen ihrer elitären Eltern und dem Nachkriegsbild nie verstehen, auch weil vor der Familie nie über eigenes Versagen gesprochen wurde. Diese Befreiuung galt wohl nicht für die involvierten Oberschichten bis hinein in den Mittelbau der Gesellschaft, der vor dem krieg erheblich kleiner war, als in der Bundesrepublik und auch nur wegen der weitgehenden Entmachtung der alten Eliten möglich wurde.
    Aber der Fehler der hier gemacht wird beruht auf einer gesellschaftlichen Fehleinschätzung der damaligen Verhältnisse, die bundesrepublikanisches Selbstverständnis nur für eine Kontiunität hält, was sie nie gewesen ist.
    Es kommt auf das Gleiche heraus, wenn man aufgrund der Stasiakten zum Schluss käme 90 % der DDR Bürger hätten hinter der DDR gestanden und damit hadert wie die vielen IM´s mit der vermeintlichen Rechtschaffenheit zusammenpasst.
    Die den Mauerfall auch mit großer Mehrheit als Befreiung empfunden haben.
    Nur wer begreift, das das massive persönliche Scheitern der Eliten und Co zutiefst menschlich ist und die Reden von Verantwortung etc. als selbstgeglaubte Fassade ohne Nachweis verstehen lernt, kann begreifen wie falsch die Geschichtsdeutung der 68ziger ist und im Grunde nur der Vergangenheit Abbitte leistet ohne Zukunft gewinnen zu können.

    #17
    Ja die Weizäckers sind eine Beispiel für eine solche Kontinuität, was aber nicht wirklich von Belang ist. Der Wiederaufstieg Deutschlands wäre ohne die Meisten davon kaum denkbar gewesen, es war auch die ausgedünnte Wissenselite, die aber gerade wegen ihrer Verstrickung an so vielen Stellen kleine Brötchen backen musste, das sie den gesellschaftlichen Wandel nicht verhindern konnte.
    Sie mussten als Vorzeigedemokraten agieren, was Deutschland vor einer Zereissprobe bewahrt hat, die wir ökonomisch und politisch nicht hätten überstehen können.

  • #19
    thomas weigle

    "Wenn ich mein Arbeitszimmer verlasse, betrete ich Feindesland." Zitat des damaligen Generalstaatsanwaltes von Hessen, Fritz Bauer, zitiert in der gestrigen Ausgabe der "Jüdischen Allgemeinen." Fritz Bauer hat große Verdienste um die Ergreifung Eichmanns erworben, und er hat maßgeblich die Frankfurter Auschwitzprozesse 1963ff initiiert.

  • #20
    rwetroja

    Klar ist der 8. Mai ein Tag der Befreiung. Die Welt wurde von den Deutschen befreit, den Nazis. So einfach.

  • #21
    Alex

    #20
    Dto.

    Ein Glück. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
    Ich bin froh, das nicht erlebt zu haben.

    Mich graust der Gedanke, daß es wieder genügend Verharmloser, Sympathisanten und ewig Gestrige gibt.
    Diese und die offene Verächtlichmachung der Demokratie, Angriffe auf Journalisten und Wissenschaftler und die Nachrichten über rechte Netzwerke in den Sicherheitsbehörden lassen schlimmstes befürchten.

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