Wer regiert das Revier?

Vorsitzender des Regionalrates Münster,
Engelbert Rauen. Foto: Bezreg-MS

Die Mitglieder der Regionalräte haben sich gegen die geplanten Strukturreformen des Landes ausgesprochen. Nicht nur, dass sie die Neuaufteilung des Landes in drei statt bislang fünf Regierungsbezirke ihre Pöstchen kosten wird, erzürnt sie. Auch dass der RVR schon bald für das Ruhrgebiet planen soll, bereitet ihnen Kopfzerbrechen. Sie möchten weiterhin bestimmen, wo sich im Ruhrgebiet Unternehmen ansiedeln sollen, wo ein Einkaufszentrum entsteht oder wo eine U-Bahn-Linie gebaut werden darf.
Wahrlich ein Grund für Kopfzerbrechen – aber weniger in den Regionalräten als im Ruhrgebiet, denn kaum jemand ahnt, wer da über das Ruhrgebiet entscheidet. Nicht nur, dass zahlreiche Regionalratsmitglieder aus Städten wie Düsseldorf und Münster kommen, die von der politischen Schwäche des Ruhrgebiets profitieren und mit dem Revier im Wettbewerb stehen. Bei vielen Mitgliedern muss auch die Frage erlaubt sein, ob sie sich überhaupt ein Bild von den Problemen der Region machen können.
Da ist zum Beispiel Engelbert Rauen, der Vorsitzende des Regionalrates in Münster. Herr Rauen ist zweifelsohne ein honoriger Kommunalpolitiker – aber er kommt aus der schönen Gemeinde Wettringen mit gerade einmal 8.177 Einwohnern. Wie soll sich Rauen in die Verkehrsprobleme eines Ballungsgebietes mit mehr als fünf Millionen Einwohner hineindenken?
Gleiches gilt für seinen Kollegen aus dem Regionalrat Düsseldorf, Hans-Hugo Papen, aus dem Örtlein Rheurdt mit gerade 6.651 Seelen. Im Ruhrgebiet gibt es zahlreiche Sportvereine, die mehr Mitglieder haben als Rheurdt Bürger.
Auch ob sich Eva-Maria Buderus aus Balve (12.544 Einwohner, Regionalrat Arnsberg) oder Hermann-Josef Droege aus Wilnsdorf in die Probleme des Reviers hineinversetzen können, darf bezweifelt werden. Wilnsdorf liegt im Kreis Siegen-Wittgenstein, direkt an der hessisch-rheinland-pfälzischen Grenze.
Keinem der genannten soll abgesprochen werden, dass sie sich für die Probleme des Ruhrgebiets einsetzen – aber ob die Kompetenz vorhanden ist, darf bezweifelt werden. Genauso gut könnten sich die Herren und Damen auch mit den Problemen des Robbenfangs auf Grönland auseinandersetzen oder versuchen, das NASA-Marsprogramm zu optimieren..
Es wird Zeit, dass das Ruhrgebiet für sich selbst plant und für sich selbst verantwortlich ist – und ambitionierte Dorfpolitiker sich weiterhin um die Probleme ihrer sicherlich ambitionierten Gemeinden kümmern, aber sich nicht länger mit den Problemen des viertgrößten europäischen Ballungsraums beschäftigen. Oder kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass die Strassenführung in Paris von einem Landwirt aus dem Zentralmassiv mitentschieden wird?
Stefan Laurin

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ingeborch
16 Jahre zuvor

Ja sicher, zu viele Köche verderben dem Brei, abba andrerseits muss ich auch kein Schnitzel sein, für um mir vorstellen zu könn, wie man sich inne Pfanne mit siedenden Öl am fühlen is‘, ne.

Jens Weissenberg
16 Jahre zuvor

ein Regierungsbezirk Ruhr würde nicht nur zu mehr politischem Handlungsspielraum in der Metropole führen, sondern hätte auch eine Signalwirkung für uns alle. Was in der Metropole Ruhr, auch aus historischen Gründen, noch unterrepräsentiert ist, ist der (eigeninitiative) Gestaltungswille seiner Bürger…aber wo es nichts zu entscheiden gibt…
die Metropole Ruhr wird durch die Mühle der Landespolitik gedreht und von Arnsberg, Münster und in doppelter Hinsicht von der Landeshauptstadt Düsseldorf aus „fremdbestimmt“. Das ist wahnsinnig rückwärtsgewandt! Viele Politiker sehen in der Metropole offenbar immer noch „ihren“ rheinischen oder „ihren“ westfälischen Industriebezirk. Es wird endlich Zeit, dass sich die Metropole Ruhr selbst regiert!

Mir gefällt Euer kritischer und pointierter Journalismus sehr gut. Und das „im Dienste“ der Metropole Ruhr. Wahre Ruhrbarone! (-;

Jens Weissenberg
16 Jahre zuvor

Du sagst es, Stefan.

Journalisten, die sich ihrer Gesamtverantwortung für die Metropole Ruhr bewusst sind, die wissen, dass ein grundlegender Wandel der Region zur neuen „Metropole Ruhr“ gerade auch in den Köpfen und in den (politischen) Strukturen stattfindet, und deshalb diese Strukturen und Menschen beobachten, kritisieren und damit ein Stück kontrollieren…solche Journalisten braucht die Metropole! Ein solcher Journalismus, der Fragen aufwirft und Antworten fordert, ist souverän und fördert den Wandel!

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