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ALIENS, METT UND SEX MIT KATZEN – UND EIN GLAS BLANCHET

– eine Nacht mit dem Lack-Nackt-Nerd-Model –

„Zimmer 101, einfach rein, links, professionell am Empfang vorbei, Aufzug 1. Etage.“ (Bambi Lovedoll)

– Der Text ist im aktuellen Ruhrbarone-Magazin “GRENZEN” erschienen. –

 Schlange drückt die SMS weg und lässt das Handy in der Seitentasche seiner grau-geblümten Cargoshort verschwinden. Er und Joswig stapfen durch den Regen. Sommerregen. Es ist Samstagabend, die Luft steht gewitterschwer und klebrig in der Villenstraße zum Bochumer Marriott-Hotel.

Welcome to Bambiland, dem Land, in dem deine geheimsten Fantasien wahr werden – für Geld. Über 17 000 Bilder online. Lack und nackt, sexy, ironisch, verrucht. Tritt ein, Bambi rapes your Eyes.

„Mann, lass mich mal mit unter deinen Schirm.“ Joswig macht einen langen Ausfallschritt, rettet seine Chucks vor den dunklen Tiefen einer Pfütze, und taucht unter Schlanges Knirps ab. Wasser rinnt von seinen Haaren über die Nasenspitze in eine weiße Plastiktüte mit Bierflaschen. Gerade am Kiosk gekauft. Vorbereitungen fürs Hotelzimmer.

Das Bambiland spricht für sich: Titten und Tattoos, Piercings, Ponys und Pustekuchen. Alternative Porn für zahlungswillige Männer – angereichert mit ein wenig Literatur, Blog-Texten. 5000 Freunde bei Facebook, das doppelte bei Myspace. Bambis Pussy lächelte schon für Arte, RTL2, Hustler, FHM und Brigitte in die Kamera.

Schlange blinzelt durch seine blau-getönte Pornobrille. „Alter, wir solln direkt hoch aufs Zimmer. Erwartet die uns jetzt halbnackt im Fetisch-Fummel, oder was?“

Wer kennt das nicht? Im Business herrscht der Ausverkauf der Oberflächlichkeiten – selbstverliebt und substanzlos.

„Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist das eh ne hohle Frucht.“ Joswig schnippt seinen Regen getränkten Kippenstummel weg. „Müssen halt gucken, ob bei der ganzen Klamotte ne vernünftige Geschichte rumkommt.“

„Wenn das so ne bekackte Klischee-Tussie ist, hau ich wieder ab.“ Schlange grinst.

Joswig nickt. „Aber erstma müssen wir rein und am Empfang vorbei. Wir sehen aus wie zwei verdammte Penner.“

Die Wattenscheider Schule, die Herren Schlange und Joswig treffen auf Bambi Lovedoll, Undercover-Journalisten auf uncovered Model. Geplant ist ein Text für ihr kommendes Titten-Buch. Madame schreibt und lässt sich shooten, die Wattenscheider Schule schreibt und kippt sich die Shots. Cool Story, Bro! Cheers.

Joswig trieft auf die Cremefliesen der Empfangshalle. Misstrauisch blitzt der Concierge über den mahagonibraunen Tresen seiner Rezeption. Schlange schüttelt den Knirps aus. Joswigs rotes Haupthaar klebt spärlich am Kopf, die Kleidung ist patschnass. Sie grüßen und trotten klimpernd-professionell zum Aufzug.

Gegenüber von Zimmer 101 kracht im Hotelflur eine Ladung Eiswürfel in den Bauch einer Eismaschine. Schlange und Joswig schauen sich an – ein feistes Chauvi-Grinsen im Gesicht. Klischees sind da, um gelebt zu werden. Sie klopfen.

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 Die Tür öffnet sich.

„Jungs, kommt rein.“

Bambi Lovedoll ist klein. Und angezogen. Weißes Feinripp, Bluejeans, rotlackierte Nägel an den nackten Füßen. Bella Bambina.

Schlange und Joswig schieben sich ins Hotelzimmer. Großes Bett, schwarze Stilettos auf dem Boden, eine Sporttasche mit Latex-Klamotten – mit Strümpfen, Tops und Handschuhen – in einer Ecke. Das helle Interieur steht eng gedrängt.

Joswigs Hintern plumpst auf die Matratze, Schlange knallt sich in einen Sessel. Bambi nimmt am Schreibtisch Platz. Neben ihr ein Macbook mit ihren Nacktfotos, eine Flasche Weißwein und ein Teller Sahnenudeln. Geschäftsfrau 2.0: Apple, Pasta, Pornopictures und ein Glas Blanchet.

Drei Jahre virtual friendship zwischen den Internet-Kunstfiguren trifft auf echtes Leben. Klick. Small Talk. Die Wattenscheider Schule ist verwirrt, fasziniert und erleichtert. Zwei klamme Hunde treffen auf femme d’affaires. Joswig zieht ein Bier aus der Tüte, Bambi nippt am Wein, Schlange versteckt sich hinter einem Glas Scotch. Rauchen ist in dem Hotelzimmer nicht gestattet. 180 Euro Strafe.

Bambi: „Habt ihr beide echt solche Zweifel gehabt?“

Schlange: „Dass du n Schuss hast?“

Bambi: „Ja.“

Die Jungs in einem Wort: „Jipp.“

Joswig: „Aber, ich mein, damit kannst du ja heute Abend nur gewinnen.“

Bambi lacht. Herzlich als würde sie zwei Rotzlöffeln über das Haar streichen. Bambi sitzt einen Kopf höher als Joswig, zwei über Schlange. Die Jungs entspannen sich. Die Rollen sind verteilt.

„Ja, okay. Ich dachte eigentlich, dass ich noch halbwegs seriös wirke. Aber dann wohl nicht.“

„Naja“ Joswig räuspert sich. „Trotzdem werden viele Leute über dich denken: Wow, was ist denn das für ne heiße Schnecke. Die hat doch jeden Abend etliche Orgien.“

„Haha, ja genau.“ Bambi lächelt Joswig an, während der verträumt an seiner Bierpulle nuckelt. „Ich wette, ich bin hier die Bravste von uns dreien.“

„Wahrscheinlich.“ Joswigs Lippen verlassen den Flaschenhals. „Wobei mein Bild von dir ging wiederum in eine ganz andere Richtung. Ich dachte, die ist bestimmt total die Spießerin.“

Pause. Bambi schluckt. „Ja? Hmm, ja, ist doch okay.“

Bambi traf auf die Wattenscheider Schule – damals im Kosmos Myspace.com. Ihre Nachricht: „Hört ma, Jungs. Ich hab hier über 9000 Freunde. Ihr seid der erste Blog, den ich überhaupt like. Zeigt mal ein bisschen Dankbarkeit.“ Jahre später das Wiedersehen bei Facebook, jetzt das Hotelzimmer.

„Ich muss ja zugeben, ich hab mir vorher auch eure Facebook-Profile angeschaut. Meine Freundin meinte: Sag mal, hat der da wirklichen einen Schnäuzer? Und ich: ja. Und sie dann: Alter Vatter, das funktioniert. Und ihr habt den Haken bekommen.“

„Klasse.“ Schlange lässt vom Whiskey ab. „Und jetzt hasse zwei Penner im Hotelzimmer sitzen.“

„Na ja, ihr habt mich jetzt nicht wirklich überrascht.“

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„Ich muss mich jetzt auch nochma für die Plastiktüte voll Bier entschuldigen.“ Joswig beugt sich nach vorn. „Das macht man ja eigentlich nicht.“

Bambi lacht. „Ich hab für das nächste Buch einen Dating-Guide geschrieben. Schlanges kurze Hose ist da viel schlimmer.“ Sie dreht sich demonstrativ zu ihm und stemmt eine Hand in die Hüfte. „Geht gar nicht. No go.“

Freude übermannt Joswig: „Ist doch super. Dann isser raus.“

„Da ist er total raus.“

Der Rotschopf tritt euphorisch nach. „Und dann noch die Tennissocken.“

Schlange atmet tief ein: „Weiße Tennissocken. Bitte. Da besteh ich drauf.“

„Ach, soweit guck ich dann gar nicht mehr. Bei den Knien hört s auf. Schon raus.“

Joswig wie im Rausch: „Absolut. Wird nur noch schlimmer.“

Bambis Bürostuhl schwenkt langsam zu ihm. „Ähh, und du?“ Sie mustert ihn süß lächelnd. „Trägst du gar keine Socken? Das wär ja fast noch unangenehmer.“

Der Rotschopf schaut betreten auf seine Chucks. „Doch. Das sind diese kurzen Sommersocken.“

Bambi: „Nein.“

Joswig: „Doch.“

Bambi: „Neeiiin.“

Schlange wittert seine Chance und prescht los. „Sneakersöckchen.“

„Die gibt es auch für Jungs?! Die find ich bei Mädchen schon schlimm.“

Joswig sackt in sich zusammen „Super, dann bin ich jetzt wohl auch raus. Mist.“

Wieder erfüllt Bambis Lachen das kleine Hotelzimmer.

Joswig lässt sich zurück aufs Bett fallen. „Na hör ma, ich find die praktisch.“

Das war es dann wohl, die Eiswürfel sind raus. Bambi Lovedoll ist mehr als Bambi Lovedoll. Die Frau ist selbstbewusst, schlagfertig und hat ein Gespür für Ironie. Punktsieg für Bambi, Bauchlandung für die Wattenscheider Schule. Desillusionierung 2.0: Kurze Buchse, Sneakersöckchen und ein Glas Blanchet.

„Ich hab zwei Hobbys: Sportwetten und 4chan.“

Joswig freudig: „Yeah! 4chan.“

Schlange gelangweilt: „Ach, 4chan.“

Spiegel Online schreibt über das Internetphänomen 4Chan.org: „eine Mem-Schleuder, eine Brutstätte für ansteckende Ideen, aber auch ein abgründiger Ort, an dem Scheußlichkeiten, rassistische und sexistische Tiraden und Bilder weit jenseits der Grenzen des guten Geschmacks veröffentlicht werden. […] Die Welt von 4Chan ist dunkel und seltsam, wie das Innenleben eines verwirrten Provinz-Teenagers um 3 Uhr morgens.“

Bambi grinst: „Über viele Videos kann ich laut lachen.“

Joswig jubiliert: „Ist doch großartig.“

Schlange resigniert: „Macht dich menschlich.“

Joswig resümiert: „Ja, wer über 4chan lachen kann, kann kein schlechter Mensch sein.“

Schlange nimmt noch einen Schluck Whisky „Mir geht diese ganze Internet-Scheiße ziemlich am Arsch vorbei.“

„Hmmm.“ Bambis Stimme klingt schnippisch. „Dann bist du wohl ein schlechter.“

„So schlecht is er auch nicht.“ Joswig schaut seinen Freund an. „Immerhin hast du doch einen E-Mail-Account, nicht wahr?“

„Ja. Zum Arbeiten.“

„Und dann guckst du nicht zwischendurch mal auf andere Seiten?“ Bambi macht große Augen. „Hast du auch kein internetfähiges Handy?“

„Ha. Soll ich dir mal meinen alten Knochen zeigen?“

„Ey, wenn das Typen zu mir sagen, holen die nicht ihr Handy raus.“

„Das scheiß Ding hat noch nicht mal ne Kamera.“

Joswig zerrissen zwischen dem Wunsch nach Versöhnung und dem Feuer der Häme. „Ist ja gut. Man muss auch nicht. Es gibt auch eine Welt ohne Internet.“

Bambi schreckt auf. „Ja, aber die ist … blöd.“

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„Was steht eigentlich in deinem Nacken?“ Joswig reckt seinen Hals.

Schlange antwortet für Bambi: „Prinzessin.“

„Aaaahh.“ Fräulein Lovedoll gibt sich offen amüsiert. „Das habt ihr Jungs also recherchiert. Natürlich. Verstehe. Und das hat den Eindruck dann noch bestärkt, nicht wahr?“

Joswig schürzt die Lippen. „Joa, Prinzessin, Diva, Dummchen. Alles das gleiche.“

 Epic Fail. Übertrage Deine Gesetze nicht auf andere. Obwohl du weltweit vernetzt bist, bleibst du in Deinem Dorf. Anfängerfehler. Newfag meets Nudefag.

Bambi lächelt milde. „Okay, ich bin Einzelkind. Gewolltes Mädchen. Ich hatte eine gute Kindheit. Trotzdem bin ich jetzt nackt im Internet.“

Schlange nickt: „Ist ja meistens so. Die Behütesten… Sag ma, machst du das eigentlich nur für die Kohle? Ich mein, man definiert sich ja schon irgendwo über seinen Beruf.“

„Das ist ja nicht mein Beruf. Ich habe einen richtigen Job.“

Joswig: „Studentin.“

„Quatsch. Ich habe auch noch ein Tattoo- und Piercing-Studio. Bin selbstständig.“

„Das sind aber viele Standbeine.“

Zwei Shootings pro Woche, ein Studium der Politologie, der Piercingladen. Dazu müssen noch tausende Fans im Netz bei der Stange gehalten werden. Traffic generiert sich nicht von selbst. Bambi ist ein Arbeitstier, seit fünf Jahren im Geschäft, perfekt organisiert. Bevor Schlange und Joswig eintrafen gab es noch eine Fotosession im Hotelzimmer.

„Wo habt ihr denn hier Fotos gemacht?“ Schlange schaut sich um.

„Joa, überall. Hier und da. Du sitzt gerade auf meinem Fotzensaft.“

„Ahaha.“ Joswig grient zufrieden. „Und das in kurzer Hose.“

Schlange: „Ach, komm hör auf.“

Joswig hat mittlerweile drei von vier Flaschen intus, Schlanges Whisky-Pulle nähert sich der Zweidrittel-Marke, und das Licht der Schreibtischlampe verfängt sich nur noch in der unteren Hälfte von Bambis Weinflasche. Die Fenster werden geöffnet. Endgültige Verbrüderung im Wunsch nach Nikotin. Scheiß auf die 180 Euro.

„Du rauchst aber langsam.“ Bambi schaut Schlange an. Er steht als einziger noch am Fenster.

„Jipp, mache alles langsam.“

Joswig: „Ja. Dafür hasse ich ihn auch. Das ist der einzige Mensch, den ich kenne, der auch noch die Milch von seinen Cornflakes löffelt. Das dauert Stunden.“

„Ohh, nicht schon wieder diese Geschichte.“ Schlange nimmt den letzten Zug von seiner Kippe.

Joswig erzählt weiter. „Da werd ich echt verrückt. Ständig dieses Klimpern. Da ist am Ende nichts anderes mehr in der Schüssel als Milch. Und der löffelt die.“

Schlange schnippt den Stummel weg. „Naja, man braucht halt seine Ruhepoole.“

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 Bambi schenkt sich ein neues Glas Wein ein. „Je älter man wird, desto schwieriger wird es wohl, noch den Deckel drauf zu machen.“

Joswig: „Deckel?“

Bambi nimmt einen Schluck. „Was soll ich mir einen Jungen anlachen, der gerade mal 22 ist.“

Joswig: „Ach so, Deckel.“

Bambi sinniert weiter und lässt ihren Wein sanft im Glas schwenken. „Das heißt, ich muss bei 30 anfangen und bei 40 irgendwo die Grenze ziehen.“

Joswig: „Hackt ihr grad auf mir rum?“

Bambi schaut auf. „Wieso, bist du schon vierzig?“

„Nein. Aber geh drauf zu.“

Schlange ergänzt. „Naja, steil drauf zu.“

„Arsch.“

Bambi: „Okay, aber bei der K.O.-Liste wärst du noch nicht raus.“

Joswig besserwisserisch: „Doch, wegen der Söckchen.“

Bambi holt Luft. „Jedenfalls habe ich mir gesagt, wenn irgendwann gar nichts mehr geht, werde ich Mops-Züchterin. Dann kauf ich mir ein Pfund Mett und sag: Jungs, kommt mal ran. Mutti hat Leckerli für euch.“

Schlange mit Whisky getränkter Stimme: „Mach das lieber mit Katzen und Büchsenmilch. Die haben die rauere Zunge.“

Bambi: „Ich hab sogar eine Katze.“

Joswig sofort: „Okay, spätestens jetzt bist du raus.“

„Nun kommt wieder seine Katzenphobie.“ Schlange lehnt sich in seinem Sessel zurück.

Bambi erschrocken: „Wirklich?“

Joswig: „Ich hasse Katzen. Die scannen mein Gehirn und ändern meine Gedanken. Davon bin ich fest überzeugt. Das sind Außerirdische und planen eine Revolution.“

Bambi: „Äh, wie ändern die deine Gedanken? Machen die dich verrückter?“

„Keine Ahnung. Irgendwie verändern die die. Und die Gedanken von den Frauen, die die Katzen haben auch. Das ist schrecklich.“ Joswig grinst vieldeutig.

Zukunftsängste 2.0: Aliens, Mett und Sex mit Katzen und ein Glas Blanchet.

Bambi lehnt sich nach vorn. „Jetzt muss ich aber doch noch einmal nachfragen: Ihr habt euch einfach durch mein Profil gewühlt und dann gesagt: Die Alte ist verrückt.“

Joswig: „Nö. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab mich überhaupt nicht durch dein Profil geklickt.“ Schlange räuspert sich: „Naja, man kennt halt genug Perlen, die sich aufstylen, von irgendeinem Möchtegern-Fotografen ablichten lassen, die Scheiße bei Facebook hochladen und anschließend den Beruf auf Model setzen. Tolle Fassade, null Substanz.“

Bambi lächelt müde. „Deswegen würd ich mich selbst auch nie so bezeichnen. Kate Moss ist ein Model.“

Schlange: „Als was würdest du dich dann bezeichnen?“

„Ich hampel rum, habe Spaß, mach Quatsch.“

Joswig: „Erotischen Quatsch.“

„Jaaa.“

Joswig: „Na, komm. Du bist dir deiner Wirkung schon bewusst.“

„Ich bin fotogen.“

Joswig: „Und du weißt, du hast n geilen Body.“

„Ach, da kommt es wahnsinnig viel auf die Kamera und das Licht an. Ich hab die Homepage nicht, weil ich sage, da kaufen die Leute ihren Zugang, um sich einen drauf wichsen zu können. Natürlich ist das wahrscheinlich die Realität.“

Joswig: „Wahrscheinlich.“

„Jaaaa…“

Joswig: „Aber kannse mit leben.“

„Joaa…“

Der Rotschopf zieht die Mundwinkel hoch: „Ist ja nur ein bisschen Eiweiß.“

„Hmmm.“ Bambi nippt nachdenklich am Wein. „Einer hat mir mal Sperma geschickt. In so einem Filmdöschen. Randvoll. Da hatte ich Geburtstag. Das war schon echt widerlich. Manchmal schicken mir die Leute auch Videos, wo sie mein Facebook-Profil offen haben und darauf wichsen. Ich sehe dann nur die Tastatur und den Schwanz.“ Sie macht eine kurze Pause. „Ach, das muss echt nicht sein.“

Joswig: „Ne ne, klar. Aber gehört zur Rolle dazu.“

Bambi nickt. „Ist halt eine Begleiterscheinung.“

Joswig grinst: „Und eigentlich wollen die dir ja auch nur Respekt zollen.“

Schlange: „Ist ja quasi ein Geschenk.“

Bambi winkt ab.

Joswig: „Ja sia – n nacktes Nerd-Model. Was besseres kann man sich gar nicht vorstellen.“

„Jetzt wird es mir ein bisschen unangenehm.“ Bambi rutscht auf ihrem Bürostuhl hin und her. „Ich hab halt ein großes Bett, da passen zwei rein. Aber da liegt immer nur einer drin. Also ich. Der zweite Platz ist dann belegt durch ihn“ Sie zeigt auf ihr Macbook. „Morgens klingelt das Handy, dann guck ich erstmal, was los ist. Whatsapp, SMS. Dann wird der Laptop angemacht, durch die E-Mails geschaut und Spiegel online, Bild, FAZ und TAZ.de – noch bevor ich dusche.

Joswig: „Bei mir läuft das aber genauso. Nur mit Kaffee und nem richtigen Rechner. Ich bin da wieder back to the Roots.“

Bambi: „Ein richtiger Computer? Aber der kann doch gar nicht mit ins Bett.“

 

Fotos: Julian Paul (the good), Wattenscheider Schule (the ugly)

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2 Kommentare zu “ALIENS, METT UND SEX MIT KATZEN – UND EIN GLAS BLANCHET

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