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Alles außer Pop – Metal-Meltdown ESC

Wenn man seine Kolumne „Alles außer Pop“ nennt, interessiert man sich natürlich nicht für den ESC. Ich habe die Veranstaltung nicht gesehen und ehrlich gesagt erst hinterher mitbekommen, dass sie überhaupt letztes Wochenende stattgefunden hat. Wenn aber beim Grand Prix (sorry, ich bin alt, so heißt das bei meiner Generation) „Punkrock“ (Eurovision.de), „Metalcore“ (morecore.de) oder gar „Grindcore“ (Linus Volkmann, vermutlich als Witz gemeint?) gespielt wird, fällt das natürlich in mein Ressort. Mir ist schon ein ums andere Mal aufgefallen, dass Leute, die mit ESC-Musik nichts am Hut haben, in eine emsige Erregung verfallen, wenn dort ausnahmsweise etwas gespielt wird, das grob skizziert in die präferierte Richtung geht. Einmal waren auch so Herren in Gwar-Masken da. Waren das nicht auch Ungarn? Ich finde das seltsam. Warum sollte man sich freuen, wenn eine weichgespülte, fast schon parodistische Variante der Musik, die ich mag, auf einer Veranstaltung auftaucht, die ich nicht mag?
AWS jedenfalls, die ungarischen Punkrocker mit ihrem vermeintlichen Grindcore machen sehr furchtbaren Rock, der einige Anleihen bei den schlimmsten Varianten kitschigen Metalcores macht, bloß halt ohne den Metal und ohne den Core. Metalcore war mal eine Weiterentwicklung von New School Hardcore, welcher mit zunehmender Hinwendung zu Slayer-Riffs von seinem ursprünglichen Chugga-Chugga a la Groundwork zu einem hochpolierten Metalaufguss wie Trivium mutiert war. Das Elend begann, als der sogenannte „Cleangesang“ eingeführt wurde. Statt dem einst legitimen Wechsel zwischen verzweifeltem Emo-Gezeter zu wütenden Hardcore-Shouts, wie es von den Veteranen New Day Rising und ihren Freunden vorgemacht wurde, wechselte jetzt Stadion-Metal mit Stadion-Rock. Einige Dreikäsehochs namens Avenged Sevenfold machten sich den Spaß, die Metalparts ganz wegzulassen und spätestens da bin ich alter Griesgram ausgestiegen. Wenn jetzt also AWS etwas auf dem ESC präsentieren, das mit breit produzierten E-Gitarren gespielt wird, können sie sich vielleicht auf eine Tradition stützen, die sich auf eine Tradition stützt, die mal ihre Wurzeln in etwas hatte, dass mit Metal und Core verwandt war. Aber bitte nennt das nicht Metal oder Core und Punkrock sowieso nicht (rührend, die Pressestelle von dieser Eurovision). Naja, und schon mal gar nicht Grindcore, kopfschüttel.
Vielleicht geschieht es dem Metalcore recht, jetzt ESC-fähig geworden zu sein. Bloß, bitte, macht das den ESC interessanter? Wer das mag, soll das mögen, ist einfach nicht meine Baustelle. Aber was soll der Unfug der hiesigen Bauarbeiter, irgendwie doch rüber zu schielen, zu den Glasfassaden der Riesenstadien? Wer gerne polierte Scheiben sieht, müsste doch gar nicht hier in der Grube mit dem Dreck sitzen. Wer hingegen dreckige Musik mag, der kann doch gleich beim Grindcore bleiben.
PS: Bin ich der einzige, der aus dem Song die Cranberries (Gott hab sie selig) heraushört?


Dieser Artikel ist auch verfügbar als Audio-Artikel – siehe weiter unten oder in unserem Podcast.

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Ein Kommentar zu “Alles außer Pop – Metal-Meltdown ESC

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    Jürgen

    Schöner Text. Cranberries muss ich mal in mich gehen. Aus dem slowenischen Beitrag habe ich Laibach rausgehört, Netta war Björk in schlecht, die Dänen Santiago in noch schlechter, der Holländer hat Guns’n’Roses gecovert und so weiter und so fort.

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