Alles außer Pop – Untergrund unter Wasser

Die Musikwelt zersplittert in Szenen und Unterszenen und wenn man bedenkt, wieviele Großstädte es auf der Erde gibt und dass es in jeder gute Bands zu entdecken gibt, dann kann man entweder verzweifeln oder vor Neugier jubeln. Ich bin jedenfalls per Zufall auf die Zwei-Mann-Krachband Among The Rocks And Roots gestoßen und über diese auf weitere Empfehlungen aus Richmond, Viriginia. Es gibt schließlich in den USA noch haufenweise Städte neben New York City, L.A., Austin oder Seattle. Richmond selber hat nicht viel mehr Einwohner als mein eigener Standort Mainz, aber die Metropolregion Richmond kommt auf über eine Million. Und aus Mainz kommen ja auch schon gute Bands. Eigentlich müsste man also all diese Metropolregionen all dieser Staaten und Kontinente durchforsten, um all die guten Bands zu finden, die da überall musizieren.

Aber jetzt hören wir erstmal Teenage Cenobite (bei Bandcamp oder Spotify). Die Postpunk/New-Wave-Welle spült ja unzählige Bands an und viele kann man sich gut anhören, aber viele klingen auch alles andere als neu. Was ja vielleicht auch der Sinn von Retro-Wellen ist, aber einen wie mich schnell langweilt. Teenage Cenobite haben irgendwie den obligatorischen Joy Division-Flair, sie haben Synthesizer, Drum Machines, postpunkige Bassläufe. Aber sie verwenden auch ganz schräge Lärmelemente, erschaffen einen verhallten und verspulten Geistersound, der Twin-Peaks-artige Bilder heraufbeschwört. Der Sänger klingt weniger wie Ian Curtis als wie ein betrunkener Roy Orbison und manchmal scheint es, als würden Teenage Cenobite eher Rock’n’Roll als Postpunk spielen, aber einen Rock’n’Roll, der in Zeitlupe unter Wasser abgespielt und hinterher durch einen Tremolo-Effekt gejagt wurde.

“Rules to break” heißt die EP von Teenage Cenobite, der hoffentlich bald ein ganzes Album folgt, und ja, auch in der Postmoderne gelingt es noch, das abenteuerlustige, regelfeindliche, gleichermaßen unheimliche wie herzerwärmende Lebensgefühl der Teenager-Jahre in Musik zu gießen.

Der Autor schreibt hier alle zwei Wochen über Musik. Über Musik redet er auch im Podcast Ach & Krach – Gespräche über Lärmmusik.

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