Angst essen Seele auf

Mario Sixtus hat ein Blog gegen die Terrorangst gestartet. Und jeder kann mitmachen.

Im Mission Statement erklärt Sixtus worum es ihm geht:

Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte, sind überaktive Politiker. Sie wollen im Windschatten einer vermeintlichen oder realen Terrorbedrohung unsere Freiheitsrechte beschneiden, Überwachungsstrukturen schaffen und ganze Bevölkerungsgruppen unter Pauschalverdacht stellen. Geben wir der Angst nach, haben die Terroristen gesiegt. Das gönnen wir ihnen nicht! Daher rufen wir allen politischen Entscheidungsträgern zu: Wir haben keine Angst!

Und da sehe auch ich das größte Risiko. Bedeutet das, dass die Gefahr eines Anschlags nicht realistisch ist? Keine Ahnung, ich bin kein Terrorexperte, weiß aber, dass da draussen eine ganze Menge Idioten sind, die die Art wie wir leben als Bedrohung empfinden. Und das zu Recht. Denn der Westen, seine Lebensart, hat eine ungeheure Ausstrahlung. Nicht nur die Demokratie. Vor allem die Freiheiten, die der Westen den Menschen eröffnet sind verführerisch. Wir leben in eimem sehr hohen Maße selbstbestimmt. Lieben wen wir wollen, essen was wir wollen, trinken was wir wollen, lesen was wir wollen, ziehen an was wir wollen, sagen was wir wollen. Wir entscheiden über uns. Das feste Regelwerk von Religionen gilt für uns kaum noch. Das erregt nicht nur muslimische Fundamentalisten. Auch die hiesigen Kirchen würden das Rad gerne zurückdrehen. Nur in jahrhundertelangen Konflikten wurden sie domestiziert. Der Papst ist heute für die meisten Menschen in Europa ein alter Mann, der gerne Kleider trägt und dessen moralischen Autorität sich in Grenzen hält.

Angst essen Seele auf ist der Titel eines Fassbinder Films und in dem Satz steckt viel Wahrheit. Viele wollen   dass wir Angst haben. Unsere Angst ist ihr Triumph. Das gilt für irgendwelche Terroristen, die kaum erwarten können, sich in die Luft zu jagen ebenso wie für hiesige konservative Politiker, die den Terrorismus nutzen wollen, um unsere Freiheit zu beschneiden.

Natürlich kann etwas passieren. Und dann sollten wir reagieren. Robust, wie man so schön sagt. Aber auf keinen Fall mit Angst und dem Abbau unserer Rechte.

Angst haben müssen diejenigen, die den Menschen die Freiheit verweigern. Die sie einsperren wollen und Sorge haben, dass die Welt aus den Fugen gerät, wenn die Regeln aus alten Büchern nicht mehr gelten. Das Versprechen der individuellen Freiheit, unser antikes Erbe, das Geschenk Europas an die Welt, ist für sie eine Bedrohung.  Wie heißt es so schön in 300? „Dort kauern die Barbaren, ihre Herzen zu Eis gefroren.“ Daran hat sich auch 2500 Jahren nach Plataiai nichts geändert.

Und hier geht es zu Sixtus Blog Wir haben keine Angst

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26 Kommentare

  1. #1 | mediaclinique | ralf schwartz sagt am 24. November 2010 um 09:44 Uhr

    Liebe Innenminister, Terroristen und Medien, die Terrorismus-Definition macht Euch zu Komplizen…

    Liebe Terroristen, Innenminister und Medien, Ihr kennt des Terrors Definition und nutzt ihn zur Durchsetzung Eurer Politik – das ist wahrlich verachtenswert. DIAGNOSE „Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreit…

  2. #2 | schuri sagt am 24. November 2010 um 09:46 Uhr

    soso, die barbaren wollen unsere tolle freiheit, sprich: entscheiden zu koennen, welches fernsehprogramm, welchen supermarkt, welche automarke. weiss nich. der west – arabisch/islamistische konflikt ist vllt. etwas vielschichtiger, beginnt spaetestens in den algerienkriegen, eine lange geschichte von terror und sehnsucht nach freiheit, nicht unbedingt die zum konsum. aber weils barbaren sind, urspruenglich „blabla-sprecher“, fremdsprachige, muessen wir uns zum glueck nicht weiter mit ursachen, loesungen herumschlagen, ausser dem bisschen angst vor terror. lasst uns mauern bauen und dahinter unseren mut beschwoeren!

  3. #3 | "Wegen Terrorgefahr die Pressefreiheit einschränken" sagt am 24. November 2010 um 09:57 Uhr

    https://www.netzpolitik.org/2010/tolle-cdu-idee-wegen-terrorgefahr-die-pressefreiheit-einschranken/

    Tolle CDU-Idee: Wegen Terrorgefahr die Pressefreiheit einschränken

    Siegfried Kauder (CDU), Vorsitzender des Rechtausschusses des Bundestages, hat eine neue Idee: Warum nicht mal die Pressefreiheit etwas einschränken, schließlich ist ja Terrorgefahr. Gegenüber der Saarbrücker Zeitung erklärt er:

    „Wenn die Presse darüber berichtet, welche Orte besonders gefährdet sind, dann kann das unter Umständen ein Anreiz für Terroristen sein.“ Diese Informationen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Die Presse muss dazu verpflichtet werden, sich zurückzuhalten, wenn die Gefährdungslage wie jetzt hoch ist“.

    Schon klar. Gerade beim aktuellen Fall Reichstag kann man das sehen: Da werden die in Folge der Presseberichterstattung errichteten Barrieren und das massiv aufgerüstete Polizeiaufgebot zu einem zusätzlichen Nervenkitzel für jeden Terroristen.

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 24. November 2010 um 09:57 Uhr

    @Schuri: Barbaren meint in diesem Zusammenhang alle, die gegen die Aufklärung sind. Das können auch deutsche Katholiken sein. Aber das ist ja eigentlich klar. Und zu den neueren Wurzeln des Konfliktes empfehle ich von Lewis „What Went Wrong?“

  5. #5 | schuri sagt am 24. November 2010 um 10:21 Uhr

    @stefan
    Barbarendiskurse sind und waren von Übel und immer Anlass für Unheil, Schwarzweissdenke, Bush bzw. Ahmadinejad. Das kannst du wenden wie du willst. Da helfen auch keine Buchempfehlungen: Wer islamistischen Terror unserer Zeit nur als das antifreiheitliche Steinzeitherbeibomben von zugewucherten und vermummten und kaltherzigen Glaubenskriegern begreift, der wird nicht unter dreißig Jahren Hindukusch davonkommen.

  6. #6 | gerdos sagt am 24. November 2010 um 10:34 Uhr

    Heute morgen wurde meine Sekretärin verhaftet, weil in ihrer Bewerbung stand, dass sie 300 Anschläge pro Minute schafft.

  7. #7 | Herjeh2010 sagt am 24. November 2010 um 12:56 Uhr

    @Schuri 5,
    „Wer islamistischen Terror unserer Zeit nur als das antifreiheitliche Steinzeitherbeibomben von zugewucherten und vermummten und kaltherzigen Glaubenskriegern begreift, der wird…..“
    Was dann?

  8. #8 | Arnold Voß sagt am 24. November 2010 um 14:05 Uhr

    @ Schuri

    Wenn die Mehrheit der Islamgläubigen ähnlich differenziert über den sogenannten Westen denken würden wie du über ihren Kampf gegen eben diesen, dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Von den Islamisten ganz zu schweigen.

    Ohne eine innere Reform des Islam wird es auf Dauer keinen Frieden geben. Wir sollten also alles tun, um diese innere Reform von außen zu fördern. Denn den Islam wird es noch lange geben. Genauso die meisten anderen großen Religionen dieser Erde. Da hilft weder Aufklärung noch Aggression.

    Bedrohen und Umbringen lassen müssen wir uns allerdings deswegen von all den Fanatikern der göttlichen Ordnung auf Erden noch lange nicht. Wo auch immer sie dazu neigen gilt es ihnen die rote Karte zu zeigen. Einschließlich Platzverweis. Und das notfalls auch mit Gewalt.

  9. #9 | Herjeh2010 sagt am 24. November 2010 um 15:03 Uhr

    Bei diesem Aufruf geht es darum, daß politische Maßnahmen, die mich zunächst mal nicht in meinem täglichen Leben behindern werden. Es kann sein, daß sie es später einmal tun werden.
    Dieses „vielleicht wird das mal gegen dich verwendet“ wird aber als größere Bedrohung dargestellt, als sofortige Verletzung oder Tod durch einen evtl. Terroranschlag.
    Ich glaube, da sammelt einer Unterschriften für eine Sekte.

  10. #10 | Herjeh2010 sagt am 24. November 2010 um 15:07 Uhr

    Korrektur:
    Bei diesem Aufruf geht es um politische Maßnahmen, die mich zunächst mal nicht in meinem täglichen Leben behindern werden. Es kann sein, daß sie es später einmal tun werden.
    Dieses “vielleicht wird das mal gegen dich verwendet” wird aber als größere Bedrohung dargestellt, als sofortige Verletzung oder Tod durch einen evtl. Terroranschlag.
    Ich glaube, da sammelt einer Unterschriften für eine Sekte.

  11. #11 | schuri sagt am 24. November 2010 um 17:30 Uhr

    @herjeh
    ???, welcher Aufruf, was für eine Sekte, häh?
    @arnold
    hm, differenzieren kann also nur der Westen, das ist mir zu simpel, zu, sorry, nordamerikanisch gedacht, wer bipolar denkt, der kommt darin um. Mir geht es um etwas mehr Dialektik in Debatte und Weltpolitik – sprich: die Erkenntnisse einer geerdeten Aufklärung und nicht diesen pathetischen Freiheitsschmonz.

  12. #12 | Herjeh2010 sagt am 24. November 2010 um 18:08 Uhr

    @Schuri 11,
    Der Aufruf, der Anlaß zum Artikel war.
    Klick den Link in der letzten Zeile an.
    Der Stefan hat es uns doch leicht gemacht.

  13. #13 | Arnold Voss sagt am 25. November 2010 um 10:57 Uhr

    @ Schuri

    Schuri, du kommst aus dem Westen! Deine Differenziertheit ist Teil einer langen Geschichte der Aufklärung die es über viele gesellschaftliche Umwälzung und den damit verbundenen individuellen Bildungs- und Freiheitsmöglichkeiten bis in deinen Kopf geschafft hat. D.h. natürlich nicht, dass jetzt alle im sogenannten Westen so differenziert denken. Genausowenig bedeutet das, dass die westliche Politik, ja ein Teil des westlichen Intellekts nicht zu Vereinfachungen und zu einem recht primitiven Feindbild bezüglich des Islams neigen.

    Wenn du dir aber die islamische Seite anschaust, dann ist sowohl auf der intellektuellen als auch auf der politischen Seite diese Tendenz umgekehrt viel verbreiteter und größer. Von den Massen der Gläubigen ganz zu schweigen. Und das liegt auch daran, dass es eben die durch die Aufklärung verursachten gesellschaftlichen Veränderungen in der Mehrheit der islamisch dominierten Länder nicht gegeben hat.

    Das ist kein Grund sich für die besseren Menschen zu halten. Aber für die insgesamt aufgeklärteren schon. Der Westen hat also sehr wohl gelernt beim Islam zu differenzieren und er tut es, wenn man die Veröffentlichungen vor allem der seriöseren Experten ließt, ich bleibe dabei, wesentlich mehr als die islamische Seite.

    Selbst Samuel Huntington hat in seinem Buch „Clash of Cultures“ sehr umfassend aufgezeigt, dass die Islamische Welt eine ganz Menge überzeugender Gründe hat, den Westen zu kitisieren, ja sogar zu hassen.

  14. #14 | "Libertango" sagt am 25. November 2010 um 11:08 Uhr

    @ Arnold Voss

    ¡tranquilízate!

    https://www.youtube.com/watch?v=RUAPf_ccobc&feature=related

    „Libertango“ (The title is a portmanteau merging „Libertad“ (Spanish for liberty) and „Tango“)

  15. #15 | schuri sagt am 25. November 2010 um 11:49 Uhr

    @arnold
    Du schreibst, meine Differenziertheit – ich würde es Dialektik nennen – ist Ausdruck von „Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten“, die es in meinen „Kopf geschafft haben“? Bier? Kino? Jugendzentrum? Ach, verlesen, Freiheitsmöglichkeiten…
    Letztlich ist das aber das gleiche, wie wir soweiso nicht soo weit voneinander weg sind außer in der Lagerdenke. Die hilft nicht und nie, ist dumm, gar nicht aufgeklärt, sondern bestenfalls im Idealismus stecken geblieben.
    Wenn der Islam ein Identitätsproblem hat, eigentlich an Bindekraft und Attraktivität verliert und der Islamismus von den Strenggläubigen bis zu den Terroristen so etwas wie Angstblüten sind, was ist dann der westliche Kultur- und Freiheitskampf, das auflebende Beschwören westlicher, „jüdisch-christlicher Werte“, Afghanistan?

  16. #16 | Arnold Voss sagt am 25. November 2010 um 17:46 Uhr

    @ Schuri

    Schuri, ich bin Ungläubiger. Schon deswegen halte ich nichts vom Lagerdenken Islam versus Jüdisch-Christliche Werte. Aber Differenziertheit der Argumentation oder auch, wie du es nennst, Dialektik, kann es ohne grundlegende Informations- und Meinungsfreiheit, auch innerhalb des Glaubens, nicht geben.

    Und das genau ist das Dilemma der Reformierung des Islam. Die meisten islamischen Islamkritiker leben entweder im sogenannten Westen oder haben erhebliche Probleme in ihren Heimatländern. Immerhin gibt es in Europa erste Anzeichen eines Euro-Islam, der sich aus den hiesiegen islamischen Communitys ganz langsam aber sicher selbst entwickelt. Nicht zuletzt weil die Kritiker bzw. Reformer des Islam sich in Europa freier bewegen können.

    @ libertango

    Danke für diese wundervolle Interpretation meines Lieblingstangos von Astor Piazzola. Der Tango war unter der Diktatur selbst in seinem Heimatland Argentinien verboten bzw. galt er als subversiv. Als Tanz war er es aber auch vom Papst/Vatikan, von Stalin und von vielen anderen Despoten und Besserwissern dieser Erde. Er hat es trotzdem zum Weltkulturerbe geschafft und wird heute wieder auf der ganzen Welt getanzt.

    In streng islamischen Ländern allerdings hinter verschlossenen Türen weil er dort als ultimatives Zeichen westlicher Dekadenz und fraulicher Unsittlichkeit gilt. Die Taliban würden mich für meine liebste Freizeitbeschäftigung zusammen mit meiner jeweiligen Partnerin gleich an den nächsten Baum knüpfen.

    Beruhigt hat mich dein Musikvideo also nicht. Aber irgendwie versöhnlich gestimmt. Nichtzuletzt weil ich weiß, dass es z.B. auch in Istanbul eine große Tangoszene gibt und das nicht hinter verschlossenen Türen. Vielmehr findet dort jedes Jahr ein großes internationales Tangofestival statt. Gefördert von den Kulturbehörden.

    In Israel gibt es ebenfalls ein wachsende Tango-Szene die ihrem Vergnügen unter den missbilligenden Augen der Orthodoxen frönt. Wie gut, dass die urmenschliche Lust an der Musik, am Paar-Tanz und ähnlichen Lastern sich nicht einfach totschlagen lässt.

  17. #17 | Herjeh2010 sagt am 25. November 2010 um 20:27 Uhr

    @Schuri,
    mir geht es nicht um eine Ideologie (nicht mehr).
    Mir geht es darum, daß ich Individualist sein darf.
    Das ist die Freiheit, so zu sein, so zu denken, das zu tun, was ich tun möchte, denken können was ich denken möchte, tun was ich tun möchte.
    Das ist das, was ich meine, wenn ich von Freiheit spreche.
    Nur Individualisten können wirklich etwas mit dieser Art Freiheit anfangen.
    Diese Freiheit ist mit viel Blutverlust gegen den Willen von Ideologen. erkämpft worden. Hier in Europa waren es zuerst religiöse Ideologen, später politsche Ideologen.
    Die Freiheit selbst ist nicht ideologisch, sondern ein Wert, der für sich steht. Ideologien gruppieren sich um sie herum, oder wollen sie beseitigen.
    Wenn jemand diese Freiheit in Frage stellt, sie beseitigen will, ist er mein Feind.
    Wenn sich jemand auf die Freiheit beruft, sie aber nicht vorlebt, kann ich ihn kritisieren, aber er ist solange nicht mein Feind, wie er nicht versucht, meine Freiheit Individualist zu sein, in Frage zu stellen.
    Religiöse Fanatiker tun aber genau das, und Kaida und Taliban demonstrieren innerhalb ihres Machtbereiches deutlich, was mir blühen wird, wenn sie mal Einfluß auf meine Lebensplanung bekämen.
    Ich dachte, das sei für alle Menschen hier im Forum klar, aber ich lerne immer wieder, daß es Menschen gibt, die andere Gründe höher halten.
    Einer dieser Gründe scheint zu sein, daß ein Geschichtsverständnis suggeriert, daß „der Kapitalismus“ kolonialistisch, bzw, imperialistisch ist, und an allen Problemen dieser Welt die Schuld trägt, und daß die unterdrückten Völker sich nur verteidigen, also im Recht sind.
    Solche Fälle gibt es ja tatsächlich, aber wenn das so ist, sind deren Ziele begrenzt. Es geht diesen Volkern dann um die Freiheit. In solchen Fällen haben sie auch meine Solidarität.
    Für sich. Aber wenn diese Freiheit für sich bedeutet, daß meine, unsere Freiheit für sie zum Problem wird, ein Problem, daß aus ihrer Sicht so groß ist, daß es beseitigt werden muß, dann genießen diese Leute nicht mehr meine Solidarität.
    Dann sind sie meine Feinde. Dann sind sie doch nicht besser als die, von denen sie glauben, daß es ihre Unterdrücker seien.
    Da muß man schon untersuchen, welche Motive jemand hat. Da bitte ich alle um etwas mehr Analyse.

    @Arnold,
    Deine Bemerkungen zu Schuri teile ich. Aber gut, ich bin Schustersohn und liebe den direkten Stil, da habe ich mir erlaubt, das noch mal auf meine Weise zu sagen.
    Deine Bemerkungen über den Tango finde ich höchst interessant. Davon könnte ich mehr gebrauchen.

  18. #18 | Arnold Voß sagt am 26. November 2010 um 10:10 Uhr

    @ Herrjeh 2010

    Auch der deutsche Kaiser verbot seinen Offizieren den Tango Argentino, und die Berliner Tangoszene hat diesem Verbot im letzen Jahr sogar mit einer Tangoveranstaltung gedacht.

    https://www.myheimat.de/potsdam/kultur/tangoverbot-theater-tangokultur-workshops-milongas-ball-d127972.html

    Der nach meiner Ansicht entscheidende Satz zum Tango Argentino stammt von José Gobello, dem ersten Präsidenten der „Academia Porteña del Lunfardo“, eine Art Tangoakademie in Buenos Aires:

    Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut.

    Die Tango-Szene ist mittlerweile per Internet weltweit bestens organisiert. Von den Aktiven selbst und außerhalb Argentiniens so gut wie ohne jede staatliche Unterstützung bzw. Reglementierung. Im deutschsprachigen Raum gibt es seit gut 10 Jahren sogar eine sehr gut gemachte Zeitschrift namens Tangodanza, die diese Szene regelmäßig mit aktuellen Information, Diskussionen und vor allem mit allen Veranstaltungsterminen versorgt.

  19. #19 | schuri sagt am 26. November 2010 um 11:17 Uhr

    @herjeh
    ich muss Sie aufklären: diese seite ist kein „forum“, ich darf hier denken und (als autor) sogar schreiben was ich will. seltsam, das ein selbst ernannter freheitsliebender „individualist“ (hui) solche wendungen, „ich dachte, das wäre für alle menschen hier im forum klar…“ verwendet. und schon beschneiden Sie meine freiheitsrechte und merken vllt. wie schwierig das mit den grenzen der freiheit ist. von Ihrem unscharfen freiheitsbegriff, den sie universell auf sich selbst, auf „uns“ und auf völker anlegen, ganz zu schweigen.
    in internationalen konflikten sind immer die (freiheits)rechte von vielen vielfach und sich überlagernd betroffen. schwarz und weiß, frei und unfrei, gut und böse, das ist zu einfach, zu schlicht. so geht es etwa im streit um palästina nie voran.
    und auch in der auseinandersetzung mit dem islamismus und seinen terrorbuben geht es um interessen, um einflusszonen, um drohungen, um (drogen)geld und macht. von mir aus können Sie die welt in freunde und feinde aufteilen, das ist ihr gutes recht, „hilfreich“ (a.merkel) ist das nicht, klug auch nicht.
    @arnold
    ich hab schon verstanden, in der so genannten islamischen welt, tun sich und haben es intellektuelle schwerer. stimmt. aber sollen wir uns deshalb auch dümmer stellen als wir sind?

  20. #20 | Herjeh2010 sagt am 26. November 2010 um 11:25 Uhr

    @Arnold Voß
    „Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut.“
    Ist es das, was ihn für Despoten aller Art so suspekt macht?
    Von den Taliban oder Kaidas will ich ja gar nicht erst sprechen, weil die ja wohl gegen jegliche Musik sind, wie gegen Kultur überhaupt, aber bei den anderen Despoten scheinen kulturelle Entwicklungen immer schon problematisch gewesen zu sein.
    Man denke an die Vorstellung, daß Malerei „entartet“ sein konnte!
    Daß sie Bücher mit kritischen Inhalten verbrannt hatten, oder auf den Index gesetzt haben, läßt sich ja noch logisch analysieren. Aber warum Musik, warum ausgerechnet Tango? Es scheint da jednfalls nicht um die Texte zu gehen.

  21. #21 | Arnold Voss sagt am 26. November 2010 um 12:02 Uhr

    @ herrjeh2010

    Klar beantworten kann ich ihre Frage nicht. Ich kann da auch nur vermuten. Im übrigen war die sogenannte „amerikanische Musik“, wie z.B der Swing unter den Nazis ebenfalls verboten.

    Ich glaube, dass sowohl beim Swing als auch beim Tango und später auch beim Rock die Einheit von Musik und Tanz das Problem der Herrschenden war. Wobei es beim Tango Argentino auch eine politische Texttradition gibt, die historisch aber insgesamt nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

    Die Menschen fühen sich durch Musik berührt, und das tun gerade beim Tango auch viele, die ihn nicht tanzen. Beim Tanzen ist es eindeutig seine starke sinnlich-erotische Dimension die aus sich selbst heraus gegen jede von außen gesetzte Ordnung rebelliert und die wiederum mit der Musik zusammenhängt.

    Astor Piazzolas beühmter Libertango ist meines Wissen im Exil entstanden und, obwohl ohne Text, durch den Titel deutlich politisch positioniert. Er ist obendrein für fortgeschrittenden Tangotänzer auch gut tanzbar und wird bis heute regelmäßig und weltweit auf den sogenannten Milongas (Orte an denen Tango als Tanz stattfindet) gespielt. In ihm kommt also die innere Opposition des Tangos zu diktatorischen System des Denkens und Handelns in ihrer Gänze zum tragen.

    Im Übrigen ist der Tango Argentino im Gegensatz zum europäischen Tango auch vom Bewegungskonzept sehr frei. Die Tänzer improvisieren ständig im Rahmen weltweit vorgegebener Schrittfiguren, die sich wiederum selber immer weiter entwickeln. Und zwar von Unten, durch die Tänzerinnen und Tänzer selbst. Es gibt keine Behörde, keine Gremium oder sonst irgendeine von allen akzeptierte Instanz, die dauerhaft gültige Festlegungen treffen kann. Und die weltweite Tangogemeinschaft würde das auch nicht dulden.

  22. #22 | Scheherazade sagt am 26. November 2010 um 12:25 Uhr

    @ Arnold Voss

    „… Beim Tanzen ist es eindeutig seine starke sinnlich-erotische Dimension die aus sich selbst heraus gegen jede von außen gesetzte Ordnung rebelliert …“

    ich wollte gerade schreiben: „Die subversive Kraft des Eros …“

    und die haben *alle* Religionen erkannt, nicht nur der Islam.

  23. #23 | Herjeh2010 sagt am 26. November 2010 um 12:30 Uhr

    @Schuri 19,

    Mir ist unklar, wie jemand meinen hamlosen Satz: „Ich dachte, das sei für alle Menschen hier im Forum klar, aber ich lerne immer wieder, daß es Menschen gibt, die andere Gründe höher halten.“ so drehen kann, daß daraus eine
    Beschneidung der Freiheitsrechte anderer wird.
    Das Gegenteil ist richtig, denn ich liebe die geistige Auseinandersetzung.
    Die funktioniert aber nun mal nur, wenn es unterschiedliche Positionen gibt.
    Der Satz bedeutet einfach, daß ich schlicht erstaunt bin, daß Werte, die ich als hoch einschätze, von anderen Menschen anders bewertet werden.

    Zweitens: den Titel „freiheitsliebender Individualist“ habe ich mir keinesfalls selber verliehen.
    Der ist mir als Beschimpfung zugedacht worden. Man hat mich in meinen jungen Jahren, als „Superindividualist“ bezeichnet, weil ich keine Zeit und Lust hatte, jeden Tag für eine bestimmte linke Truppe, Flugblätter zu verteilen.
    Ich hatte damals gesagt: „Morgen kann ich nicht, weil ich morgen angeln gehen will.“ Das war zuviel des Guten, denn Angeln ist ja etwas, was man meist ganz alleine macht, und ich hatte den „Superindividualisten“ anhängen. Allerdings war das auch ein Schlüsselerlebnis für mich, das mich lange beschäftigt hat. Ich gehe halt nicht gerne die gesellschaftlich anerkannten günstigen Wege. Dafür habe ich in meinem Leben, oft genug Nachteile in Kauf nehmen müssen.

    Eine Begriffsverwirrung gibt noch.
    Ich dachte bisher, daß das hier ein Forum sei, und daß ein Forum ein Platz wäre, um Gedanken auszutauschen.
    Gut, daß Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben, daß Sie „Autor“ sind.

  24. #24 | Herjeh2010 sagt am 26. November 2010 um 15:45 Uhr

    @Arnold Voß (21),
    Wenn es nicht der Text ist, der stört, zeigt das doch einiges über die Psyche von Diktatoren. Und selbst wenn es die sinnlich erotische Dimension ist, die sich beim Tanzen auftut, dann scheint mir, wird es nicht besser, sondern schlimmer um deren Psyche bestellt zu sein. Das sind seelische Abgründe, deren unterste Schicht plötzlich im spot stehen. Wenn man den Grund dafür herauskriegen könnte, hätten es Diktatoren dann vielleicht etwas schwerer, ihre Pläne umzusetzen.

    Ich gehöre übrigens zu der Gruppe, nicht tanzen kann. Aber ich empfinde Tango dennoch. Er berührt mich, besonders einige musikalischen Experimente, die dem Tango Nuevo zugerechnet werden.Allerdings bin ich nur Gelegenheitshörer. Musik spielt nicht so eine große Rolle bei mir. Aber das bischen, was ich so mitkriege, versuche ich wenigstens intellektuell zu verstehen, und insofern muß ich mich bei Ihnen für Ihre Antwort bedanken.

  25. #25 | Rolf Bodenstein sagt am 6. Dezember 2010 um 20:26 Uhr

    goil eh, wo kommen wir da wohl noch hin? sodom & gomorrha ????

  26. #26 | Rolf Bodenstein sagt am 6. Dezember 2010 um 20:38 Uhr

    Ich gehöre übrigens zu der Gruppe, nicht schreiben kann. Aber ich empfinde Schrieb dennoch. Er berührt mich, besonders einige verschrobene Experimente, die dem Tango Nuevo der Schreibgestörten zugerechnet werden. Allerdings bin ich nur Gelegenheitsschreber. Schraffur spielt nicht so eine große Rolle bei mir. Aber das bischen, was ich so mitkriege, versuche ich wenigstens nicht, intellektuell zu verstehen, sondern mit dem Bauch, der Haut, der Bauchspeicheldrüse und jhren niedlichen Inselzellen. Terrorismus erlebt viele Formen. Ich hoffe, Ihr habt jetzt Alle etwas weniger Angst…

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