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Antisemitische Kundgebung in Bochum: “Wo seid ihr, Armeen der Muslime?”

Armee der Muslime Foto: Wessel

600 zum allergrößten Teil türkisch- und arabischstämmige Muslime und Rechtsradikale demonstrierten gestern in Bochum gegen Israel. Immer wieder kam es zu antisemitischer Hetze und Verstößen gegen den Coronaschutz. Die Polizei schaute weitgehend tatenlos zu. Von Thomas Wessel und Stefan Laurin.

In Bochum fand gestern die größte antisemitische Kundgebung des Ruhrgebiets statt. Um die 600 vor Muslime und Rechtsradikale türkischer und arabischer Herkunft waren auf dem Platz vor dem Rathaus in der Innenstadt zusammengekommen, um gegen Israel zu demonstrieren. Immer wieder hallte der Ruf Allāhu Akbar – Gott ist am größten – über den verregneten Platz. Neben türkischen und iranischen wehten auch die Fahnen der rechtsradikalen Grauen Wölfe und bekannter Failed-States wie Syrien, Libanon und Palästina im Wind. Auch ein Porträt des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein war zu sehen. Am Rand der Kundgebung sah man einen schlaffen Lappen der MLPD an einer Stange hängen. Immer wieder forderten die Teilnehmer „Free Palestine“ und riefen die Parole „Kindermörder Israel“, die an alte antisemitische Mythen anknüpft.

Auf Schildern konnte man  Parolen wie “Wo seid ihr, Armeen der Muslime?” und „Stop doing what Hitler did to you“ lesen. Ebenso massive wie stundenlang andauernde Verstöße gegen den Coronaschutz störten weder die Polizei noch das Ordnungsamt der Stadt Bochum. Im Gegensatz zu Köln oder Berlin, wo die Regeln zum Teil schnell durchgesetzt und Kundgebungen oder Demonstrationen beendet wurden, entschloss sich die offenkundig überforderte Einsatzleitung nicht einzuschreiten. Erst als die Teilnehmer der Kundgebung sich anschickten, durch die Innenstadt zu ziehen, wurde dies von der Polizei verhindert. Die Aufforderung, doch bitte weiterhin auf dem Rathausplatz öffentlichkeitswirksam die Meinung kund zu tun, kamen die Teilnehmer indes nicht nach und verließen nach und nach den Platz. Als sich die Kundgebung nach über zwei Stunde bereits in Auflösung befand, erklärte der Ordnungsdienst der Stadt Bochum sie wegen Coronaverstößen schließlich doch noch für beendet.

Immerhin hatten die Antisemiten die Innenstadt nicht für sich alleine. Nur wenige hundert Meter entfernt, auf dem Dr-Ruer-Platz, fand zeitgleich eine mit 500 Teilnehmern gut besuchte Kundgebung gegen Antisemitismus statt, zu der ein Bündnis unter anderem von Jusos, Grünen und DGB aufgerufen hatte. Mit SPD, CDU, Grünen und FDP hatten sich am Tag zuvor die vier demokratischen Parteien im Rat der Stadt in einer gemeinsamen Erklärung gegen Antisemitismus und für das Recht Israels auf Selbstverteidigung ausgesprochen.

 

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33 Kommentare zu “Antisemitische Kundgebung in Bochum: “Wo seid ihr, Armeen der Muslime?”

  • #1
    Team Veranstaltungsleitung

    Bitte bleiben Sie bei der ganzen Wahrheit. Es wurden mehrere Reden in deutscher Sprache gehalten in denen sich die Veranstalter klar von Antisemitismus, Rassismus, Faschismus und Gewalt gegen Juden und Synagogen distanziert haben.

  • #2
    Stefan Laurin

    @Team Veranstaltungsleitung: Das Antisemiten und Rechtsradikale das Bild bestimmten, hat die Veranstalter allerdings nicht gestört.

  • #3
    Thomas Wessel

    @ Team Veranstaltungsleitung | Während der eigentlichen Kundgebung gab es keine Reden, erst als sich die Demo teilte – und der weit größere Teil sich anschickte, in Richtung Dr.-Ruer-Platz zu ziehen, was die Polizei sofort geblockt hat – blieb eine kleine Gruppe am Rande des Platzes zurück, im geschlossenen Kreis stehend, und in diesem Kreis wurden Sätze formuliert wie Sie oben schildern: „Wir verurteilen …“

    Solche Differenzierung hätten alle hören sollen, tatsächlich gehört haben es vielleicht 30 oder 40 Leute drumherum. War das eine andere Demo? Oder Teil der angemeldeten?

  • #4
    Gidorah

    @Team Veranstaltungsleitung Naja, Pediga und Querdenken distanzieren sich auch vom Nationalsozialismus, trotzdem werden sie zurecht dafür kritisiert dass sie Rechtsradikalen eine Bühne bieten.

  • #5
    Aaron Botterbloom

    Für heute, 16.5. wird in Gelsenkirchen eine weitere als „Anti-israelische Demonstration“ getarnte antisemitische Kundgebung Türkisch-nationionalistischer und islamistischer Gruppen erwartet und zwar um 17.30 Uhr am Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Das Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung will dagegen Position beziehen und plant von 16.00 Uhr an eine Gegenkundgebung vor Ort.

    https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/gegen-rassismus-aufruf-zu-gegenkundgebung-in-gelsenkirchen-id232295035.html

  • #6
    Pit

    Völlig politisch korrekte israelkritische Demos sind ähnlich wie bei den Corona-Maßnahmenkritikern glaub ich unmöglich.
    Wie soll man vollständig bei einer offenen Veranstaltung verhindern, dass nicht auch z.B. islamische Judenhasser oder im Corona-Fall Rechtsextreme die Veranstaltung kapern und ihre Ideologie verbreiten?
    Gut, man könnte nicht mehr demonstrieren, was aber auch nicht wirklich im demokratische Sinne zielführend wäre.
    In der Presse bekommen selbstverständlich die Extremisten die größte Aufmerksamkeit, die damit auch berechtigte Anliegen (z.B. Kritik an den Räumungen in Ostjerusalem) in den Dreck ziehen und unsichtbar machen.

  • #7
    Team Veranstaltungsleitung

    Hier ist ein Link zu einer der Reden. Die Reden gehörten zur offiziellen Kundgebung, jedoch hat ein störender Teil die Anweisungen der Veranstaltungsleitung ignoriert.
    Das bedauern wir. Wir wollten, dass alle den Reden lauschen.
    Jeder kann an einer Demo oder einer Kundgebung teilnehmen. Darauf hat man leider keinen großen Einfluss.
    Hier ein kleiner Ausschnitt, indem der Antisemitismus verurteilt wird:

    https://m.tiktok.com/v/6962837574469586182.html?u_code=db5dk9dk3c5i75&preview_pb=0&language=de&_d=db5dmffmkf9if2&share_item_id=6962837574469586182&source=h5_m&timestamp=1621162370&user_id=6798872942459929606&sec_user_id=MS4wLjABAAAAiWTU-7-q7Zl-Ncg77Qwgo8LN5hkyl5Yr9KbgWAzbTdULlOYWajI9TIxs6eh0QTNA&utm_source=whatsapp&utm_campaign=client_share&utm_medium=android&share_iid=6959829597471622918&share_link_id=d53a0e04-f299-4181-8483-954fb02d1850&share_app_id=1233

  • #8
    Team Veranstaltungsleitung

    Die Reden waren Teil der offiziellen Kundgebung. Aufgrund mehrerer Störer, die unsere Anweisungen missachtet haben und lautstark am trommeln waren, konnten nicht alle den Reden folgen.
    Bei Tiktok gibt es Ausschnitte aus den Reden. Leider kann jeder an einer Demo oder Veranstaltung teilnehmen, auch mögliche Störenfriede.
    Wie haben zu einem friedlichen Miteinander aufgerufen und den Antisemitischen klar verurteilt. Daher würden wir uns wünschen , dass Sie diese Tatsache in ihrem Bericht der Bollstaz halber auch erwähnen.

  • #9
    thomas weigle

    @Pit
    Die Häuser, um die es in Ost-Jerusalem geht, gehörten bis 1948 jüdischen Bürgern. Die dort lebenden jüdischen Menschen wurden 1948 von der jord. Armee getötet oder vertrieben. Die Palästinenser fordern immer und immer die Rückgabe ihres früheren Eigentums. Für Juden gilt das offensichtlich nicht.

  • #10
    Raven

    P.S.: Kann mit jemand hier erklaeren, warum nichts gehen die Grauen Woelfe unternommen wird?

  • #11
  • #12
    thomas weigle

    Cem Ozdemir stellt m.W.n. als bisher einziger Politiker zwar nicht direkt die Frage nach den Grauen Wölfen, aber er stellt die Zusammenarbeit mit der Türkei auf allen Ebenen deutlich in Frage,auch stellt er direkte Fragen an den Zentralrat der Muslime und diesen türkischen Moscheeverein. Wenn er als möglicher Außenminister nach der BTW da nach seinen jetzigen Maximen handelt, ist der Maas schnell vergessen.Und man muss sich als Deutscher nicht mehr wg der deutschen Politik gegnüber Israel schämen.

  • #13
    Thomas Wessel

    @ Team Veranstaltungsleitung #7 | Das ist, was ich in #3 meinte: Der Ton bei Euch war auffällig anders, das fand ich schon gestern gut, um das hier sehr deutlich zu erwähnen. Klang wie „Lasst uns reden“, so klangen die anderen nicht.

    Euer Statement war nach 1,5 Stunden, die Zeit vorher haben die anderen skandiert, und als Ihr dran wart, war die eigentliche Demo vorbei und die meisten Leute im Aufbruch. Beendet wurde die Demo schließlich vom O-Amt.

    Wenn Ihr die Veranstaltungsleitung hattet, hat man sie Euch dann gleich anfangs aus der Hand genommen? Wer war das, der Eure Demo gekapert hat?

  • #14
    Psychologe

    @ Team Veranstaltungsleitung:

    Ich bezweifele zwar sehr stark, dass man bei Euch überhaupt weiß, was Antisemitismus eigentlich ist. Aber sei es drum.

    Wenn die Distanzierung denn aufrecht war, so ist es doch insgesamt grenzenlos naiv, so ein Ding hochzuziehen. Das war mal ein Debakel mit Ansage. Muss (und kann!) man vorher wissen, ob man so etwas die Bühne bieten will. Vielleicht sind da andere Aktionen, über die man mehr Kontrolle hat (Internet, Podiumsdiskussionen – meinetwegen per Zoom), eher das Mittel der Wahl.
    Andernfalls muss man sich den Vorwurf gefallen zu lassen, farlässig mit seiner Verantwortung umzugehen. Und so schrumpfen auch die öffentlichen Verurteilungen des Antisemitismus denn auf irgendwas zwischen Feigenblatt und Lippenbekenntniss zusammen.

    Am Israel Chai!

  • #15
    Albert Rech

    leider dienen solche Artikel nur dazu den Zuwanderern pauschal Antisemitismus zu unterstellen, während Probleme wie urdeutscher Antisemitismus, Fremdenhass und die AfD unter dem Teppich gekehrt werden.

  • #16
    Stefan Laurin

    @Albert Rech: Wir haben sehr oft über Neonazis berichtet, aber gestern waren nun einmal Muslime auf der Straße. Keiner hat sie gezwungen, antisemitische Parolen zu rufen. Wie man sich bettet, so liegt man.

  • #17
    Michael Wenzel

    Ich zitiere:
    " Mit SPD, CDU, Grünen und FDP hatten sich am Tag zuvor die vier demokratischen Parteien im Rat der Stadt in einer gemeinsamen Erklärung gegen Antisemitismus und für das Recht Israels auf Selbstverteidigung ausgesprochen."

    Zählen UWG, Stadtgestalter und ggf. die Linke für Sie nicht zum demokratischen Spektrum?

  • #18
    Stefan Laurin

    @Michael Wenzel: UWG und Stadtgestalter schon, Linkspartei/SED und AfD nicht.

  • #19
    Raven

    Ich möchte wissen: Hat Erdogan und diese DITIB und die Grauen Wölfe – haben die etwas mit diesem
    antisemitischen Dreck da zu tun? Und was war das da mit der Fahne in Hagen? Was ist da passiert?

  • #20
    DAVBUB

    @ 19, Raven: M.W. hat in Hagen der BM auf dängen der Polizei und angeblicher Beschwerden von Bürgern die Fahne abgehängt. Daß die Polizei, die ja noch erschöpft sein muß von der Jagd auf schlittenfahrende Kinder und gewissenlose Menschen, die nachts vor die Haustür tritt, nicht noch ein Faß aufmachen wollte, kann ich verstehen. Die hätte ja sonst ein deutsches Rathas beschützen müssen, dafür sind offensichtlich keine Kapazitäten vorgesehen; klappt ja schon bei den jüdischen Einrichtungen nicht…
    Nicht überliefert ist, ob die Beschwerden auf deutsch oder türkisch oder den verschiedenen arabischen Dialekten vorgetragen wurde.

  • #21
    Günter Nierstenhöfer

    Hallo Ruhrbarone
    ich habe die Demo vom Rande (Ecke alte Post) her beobachtet und bin erschüttert über Ihren sehr tendenziös einseitigen Bericht. Erstaunlich Ihre ‘Insider’ (?)-Informationen "zum allergrößten Teil türkisch- und arabischstämmige Muslime und Rechtsradikale"! und Ihre Kenntnis des Islams "Allahu Akbar – Gott ist am größten" mit unter die antisemitischen Parolen einzubeziehen !

    Entsprechend untermauert IHRE Bildauswahl Ihre ‘journalistische’ Berichterstattung:
    1. türkische, iranische Fahnen und die der Grauen Wölfe und der ‘MLPD-Lappen’. Ich habe auch eine oder 2 Personen mit der Grauen Wölfe-Fahne und WENIGE türkische und iranische gesehen – hatte viel mehr davon erwartet. Wer das kontrollieren möchte, mag sich die Bilderstrecke der BO-WAZ ansehen.
    2. Die Auswahl des Plakats, das Sie zur Teilüberschrift Ihres BERICHTS machten.
    Ich habe mindesten 10 handgeschriebene fotografiert, von denen viele sich positiv zu Juden, manche auch ausdrücklich gegen den Staat Israel positionierten … Die haben Sie wohl nicht gesehen – vielleicht weil diese mehr am Rande waren … und von jungen Menschen bes. Frauen, sogar Kindern hochgehalten wurden … Aber die passten ja wohl nicht in die TENDENZ Ihrer ‘Berichterstattung’ ?!… Wohl ebenso wenig die vielen Menschen (bes. junge Frauen, Männer, Familien, Jugendlichen), die ich beobachten konnte und – mit wenigen habe ich gesprochen – äußerten sich sehr differenziert, kritisch und alles andere als antisemitisch !

    Leider konnte ich aufgrund der wellenartig lautstarken Lautsprecher-Parolenrufe kaum richtig inhaltlich was verstehen, wohl aber irgendwas von ‘Deutschland …mitfinanzieren’ und "Kindermörder Israel", die ich in der Pauschalisierung "Israel" unakzeptabel finde. Dass aber fast 50 Kinder durch das israelische Militär getötet wurden, ist leider eine Tatsache.

    Zum Schluss: bevor Sie mich in einer antisemitisch / antiisraelische ‘Ecke’ vermuten: Ich vor vor ca. 5 Jahren das letztmal (von ca. 6-malen) in Israel und habe nach dem Oktoberkrieg 1973 eine Arbeitsgruppe junger MEnschen dort geleitet und bin inzwischen über 70 Jahre !

  • #22
    der, der auszog

    @DAVBUB (#20), Raven (#19)

    Der Polizei ist im Zusammenhang mit Hagen kein Vorwurf zu machen. Vielmehr handelt es sich um eine unterwürfige Geste der Hagener Stadtverwaltung gegenüber der dort lebenden muslimischen Community in Absprache mit dem Hagener Oberbürgermeister Erich Olaf Scholz.

    Die Welt schrieb dazu am 14.5.:
    "Das nordrhein-westfälische Innenministerium widersprach am Abend der Darstellung der Stadt. Ein Sprecher erklärte, dass die Stadtverwaltung die Entscheidung, die Fahne abzuhängen, selbstständig gefällt habe. „Es gab keine Aufforderung dazu seitens der Polizei Hagen.“

    ergänzend ein Zitat aus der Westfalenpost einen Tag später (15.5.2021):
    "Mikail Isik und Nadim Akbaba leiten den Rat der Muslime in Hagen und baten Oberbürgermeister Schulz, die israelische Flagge einzuholen."

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article231141571/NRW-Stadt-Hagen-haengt-Israel-Flagge-ab.html

    https://www.wp.de/staedte/hagen/heftige-kritik-am-einholen-der-israel-flagge-in-hagen-id232290385.html

  • #23
    Tuncay Nazik

    Stellungnahme zum Nahost Konflikt
    Wir haben bereits unseren Standpunkt, insbesondere was die Angriffe auf die Synagogen betrifft, in unserer Freitagpredigt nochmals auf Deutsch, Türkisch und Arabisch verkündet.
    Wir setzen uns für Frieden auf beiden Seiten ein, sowohl Frieden für Palästina, als auch Frieden für Israel. Die islamische Gemeinde hat, trotz Einwände an die einzelnen Redner:innen, an der „Demo gegen Antisemitismus“ am 15.05.2021 in Bochum teilgenommen. So möchten wir unsere Solidarität mit unserem jüdischen Geschwister in Bochum verdeutlichen.
    Es gibt ein türkisches Sprichwort, welches ungefähr so übersetz werden kann:
    „Feuer verbrennt nur die Stelle, auf die es fällt". Es ist bisher so viel
    Leid und Unrecht im Nahostkonflikt geschehen, so viele unschuldige Menschen
    sind dem zum Opfer gefallen, dass sich jede Empfehlung oder ein gut
    gemeinter Rat eines Unbeteiligten, für die Opfer von beiden Seiten, wie eine
    Verhöhnung anhört.
    Und nichtsdestotrotz möchten wir einiges nicht ungesagt lassen. Wer Israel
    kritisieren will, soll es tun. Wer Hamas kritisieren will, soll es tun. Wir
    werden nicht antisemitisch, wenn wir die Siedlungspolitik und Mescid Al Aksa
    Besetzung der israelischen Regierung am Ende des Ramadans kritisieren. Wir
    fallen nicht vom islamischen Glauben ab, wenn wir die abscheulichen
    Raketenangriffe der Hamas kritisieren.
    Die jüngste Provokation von Hardlinern der israelischen Seite ist
    inakzeptabel. Und wenn Menschen sich dagegen wehren wollen, ist das nicht
    verwerflich.
    Inakzeptabel ist es allerdings, wenn die palästinensische Verteidigung von
    den Hamas vertreten wird und mit ziellosem Raketenbeschuss Zivilisten in
    Israel getötet werden. Wer sich als Muslim nicht kritisch mit den Hamas und
    seiner Vorgehensweise auseinandersetzt und Hamas als unantastbar verteidigt,
    handelt nicht muslimisch.
    Dass sich der Nahostkonflikt nicht mit Gewalt lösen lässt und die
    Raketenangriffe der Hamas nur den Hardlinern in Israel zugutekommt, zeigen
    die neuesten Entwicklungen in der israelischen Politik.
    Wer das aber zum Anlass nimmt und unsere jüdischen Geschwister beleidigt
    oder Häuser Gottes – Synagogen – angreift ist auch unser Feind. Den jeder
    Stein der eine Synagoge trifft, bewerten wir als einen Stein, der auf das
    Grab des Propheten geworfen wird.
    Wer „Scheiß Juden“ brüllt, brüllt auch meine Propheten Moses und Aaron an.
    Wer meine jüdischen Geschwister beleidigt, anspuckt und angreift, greift
    auch meine Religion an.
    Wer meine jüdischen Geschwister als „Hurensöhne“ beschimpft, beschimpft auch
    die Mutter der Gläubigen Savda R.A.
    Das zeigt leider, wie tief antisemitische Denkweisen in vielen Köpfen sitzt.
    Lasst uns gemeinsam gegen jede Art von Extremismus vorgehen. Deswegen
    solidarisieren wir uns uneingeschränkt mit unseren jüdischen Geschwistern in
    Deutschland.
    Viele fragen uns warum wir nicht an Propalästinensischen Demos teilnehmen.
    Weil unsere Erfahrungen gezeigt haben, dass solche Demos leicht zu
    manipulieren sind. Weil wir nicht wissen wer dahintersteckt. Weil wir auch
    das Mindeste an antisemitischer Ausschreitung nicht akzeptieren.
    Warum können wir Muslime, Juden, Christen, Araber, Israelis nicht gemeinsam
    gegen die Gewalt in der Region protestieren?
    Mit Besorgnis nehmen wir wahr, wie manche Muslime in den sozialen Medien
    Hass und Hetze gegen Jüd:innen verbreiten. Nicht anders ist es auch in
    vielen jüdischen Foren. Auch da scheint der antimuslimische Rassismus seinen
    Weg gefunden zu haben.
    Meine Religion schreibt mir vor „O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs
    Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll
    euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist
    näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures
    Tuns“. Wer handelt denn gerecht, wenn Jüd:innen in Deutschland Anfeindungen
    ausgesetzt sind? Ist es gerecht israelische Fahnen zu verbrennen? Viele
    empören sich doch auch wenn der türkische oder ägyptische Präsident
    beleidigt wird oder türkische Fahnen verbrannt werden?
    Wie würden wir uns fühlen, wenn bei jedem Terroranschlag radikalislamischer
    Gruppierungen vor den Moscheen „Scheiß Muslime“ gebrüllt werden würde?
    Viele unserer jüdischen Freunde fragen uns, warum islamische Länder China
    nicht boykottiert haben, obwohl dort seit Jahrzehnten Uiguren unterdrückt
    werden. Die Türkei importiert aus China Impfstoffe und nimmt Kredite auf.
    Oder Saudi-Arabien, das seit fünf Jahren tausende Menschen in Jemen
    bombardiert. Auf die Fragen habe ich leider keine zufriedenstellenden
    Antworten.
    Lasst uns gemeinsam gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus
    vorgehen.
    Wir können den Nahostkonflikt nicht beenden. Aber wir können ein friedliches
    Zusammenleben in Deutschland aufbauen. Frieden und Liebe ist ansteckend.
    Vielleicht wird das friedliche Signal aus Deutschland, ja eine positive
    Auswirkung auf andere Länder haben.
    Dafür setzen wir uns ein und dafür beten wir.
    Möge Gott ein friedliches Zusammenleben, nicht nur im Nahen Osten,
    ermöglichen und das Leid der Unschuldigen vermindern.

    Islamische Gemeinde Herne- Röhlinghausen e.V.

  • #24
    Thomas Wessel

    @ Günter Nierstenhöfer #21 | Was ist das für eine Demo, bei der sich 1. „wenige“, 2. „am Rande“ und 3. für alle (außer Ihnen) unhörbar „differenziert“ äußern? Der durchgehende Text, Sound und Gestus der Demo war alles andere als differenziert. Das „Team Veranstaltungsleitung“ hat – siehe #7 – hinterher erklärt, ihm sei die Demo geklaut worden. Von wem?

  • #25
    Thomas Wessel

    @ Tuncay Nazik #23 | „Inakzeptabel ist es allerdings, wenn die palästinensische Verteidigung von den Hamas vertreten wird.“

    Das ist ein alles entscheidender Satz, den hätte man auf der Demo hören müssen: Hamas vertritt nicht die Interessen der Palästinenser, deshalb keine Solidarität mehr mit Terror. Danke für Ihr Statement, wieso haben Sie es nicht schon am Sonnabend in Bochum gesprochen?

  • #26
    Richard Heller

    @ Team Veranstaltungsleitung

    Ich bin dem Link #7 gefolgt und muss feststellen, dass die Berichterstattung hier bei den Ruhrbaronen bestätigt wird.

    – von einer Distanzierung von Antisemitismus ist da nichts zu hören
    – überhaupt ist in diesem Gebrüll wenig zu hören
    – zu hören ist aber das Antisemitismusmerkmal "doppelte Standards": "Wir sind die Stimme der Unterdrückten" – von Israel wird da nicht unterdrückt, sehr wohl aber von Hamas und der Autonomiebehörde
    – das "free Palestine"-Plakat bezieht sich worauf? "From the river to the sea"? Also Beseitigung Israels?
    – Bezeichnung "besetztes Palästina" – ebenfalls vom Jordan bis Mittelmeer?
    – Israel als Kindermörder – das ist doch ein ganz alter antisemitischer Topos
    – "This is genozide" – auch antisemitisch, da falsch, dämonisierend, delegitimierend und doppelter Standard, da die Palästinenser angefangen haben und viel mehr Raketen abgefeuert haben

    Wenn sich die Demonstration tatsächlich mit den Palästinensern solidarisiert und für ein Ende der Kampfhandlungen eintritt, warum wendet Ihr Euch nicht an die Verursacher? Also an die Hamas? Die hat mit den Raketen angefangen. Israel hat zugesagt, sofort mit den Einzelbombardierungen nach vorherigen Warnungen aufzuhören, wenn die Hamas keine Raketen mehr abfeuert.

    Die ganze Demonstration ist somit im Kern antisemitisch. Der Gegenbeweis wurde nicht angetreten.

  • #27
    Günter Nierstenhöfer

    @ Thomas Wessel # 22
    "Der durchgehende Text, Sound und Gestus der Demo war alles andere als differenziert."

    Ob aber die Lautesten – insbesondere, wenn sie die entsprechende Technik in den Händen hatten – wirklich die große Mehrheit waren ?… Daran zweifele ich. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, Sie haben die anderen ,Differenzierten’ erst gar nicht wahr genommen / wahrnehmen wollen !
    Zumindest Ihr Kollege Weeke von der WAZ hat mit solchen gesprochen. (s. "Bochum: Aufgeheizte Stimmung bei Pro-Palstina-Demo" – WAZ 15.05.)

  • #28
    Ratze

    Das Problem ist die Hamas Wo war denn der Aufschrei als die Hamas die PLO Kader gezielt getötet hat im Gazastreifen?Ich für er meinen Teil wünsche den Israelis viel Erfolg beim Töten aller Hamas Mitglieder.Traurigerweise wird es auch viele Unschuldige treffen.Aber das lässt sich bei dieser Form der Kriegsführung durch die Hamas nicht verhindern.

  • #29
  • #30
  • #31
    thomas weigle

    @ Ratze Diese oder andere unschöne Ereignisse mit mörderischen Ergebnisse unter Arabern, sind doch whataboutism. Habe ich grade wieder an anderer Stelle zu lesen bekommen, als ich ähnlich wie du argumentiert habe.

  • #32
    Team Veranstaltungsleitung

    ,,Wir hassen keine Juden, wir wollten keine Synagogen abbrennen." Ja, das ich auf jeden Fall Antisemitismus in Reinform. Wen wollt ihr hier eigentlich verarschen?
    In anderen Abschnitten der Rede wurde ganz klar der Antisemitismus verurteilt.

    Liebe Grüße
    Team Veranstaltungsleitung

  • #33
    Fritz Lönne

    @Thomas Wessel #25

    Klar, kalter Kaffee, aber bei Recherchen bin ich auf diesen Bericht gestoßen und muss davon ausgehen, dass Sie wirklich wenig recherchiert haben. Die Islamische Gemeinde Herne- Röhlinghausen e.V. war Unterstützerin der pro-israelischen Kundgebung auf dem Der. Ruer Platz. Oder denken Sie, dass so etwas per se nicht zusammen passt? Bei den Kolleg*innen von Bo-alternativ hätten Sie das nachlesen können.

    Also doch unwahrscheinlich, dass die Gemeindevertreter*innen auf der antisemitischen Kundgebung zugegen waren …

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