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AstraZeneca: Immerhin ist Wahljahr

Sonne, eine Tasse Kaffee. Bundesgesundheistminister Jens Spahn gehts gut. Foto: BMG Lizenz: Copyright

Endlich erfreuliche Neuigkeiten! Nachdem AstraZeneca vergangene Woche ankündigte, statt der erwarteten 220 Millionen Impfdosen lediglich 100 Millionen Dosen europaweit ausliefern zu können, hat Europas Vorzeigestaat mit einer pragmatischen Lösung reagiert.

Was musste sich die Bundesregierung in der Vergangenheit für Vorwürfe gefallen lassen: Zu wenig Tests, zu wenig Impfungen, zu wenig Masken, kein Konzept für die Öffnung von Schulen, Wahlkampf über Menschenleben, die Liste ist lang. Dabei kann man Mutti und ihrem Ziehsohn Spahn ja nun wirklich keinen Vorwurf machen. Wer hätte denn bitteschön Ahnen können, dass man Impfstoffe nicht nur rechtzeitig besorgen, sondern auch zeitnah verimpfen muss, um eine Pandemie zu beenden? Letztes Jahr war die Pandemie unsere Top-Priorität. Dieses Jahr kann das so nicht weitergehen. Immerhin ist Wahljahr.

Nie waren gute Neuigkeiten nötiger als jetzt. AstraZenecas Ansage, dass Europa auf absehbare Zeit lediglich 45% der angekündigten Impfdosen bekommt, ist genau der Befreiungsschlag, den Deutschland so dringend gebraucht hat. Denn wo keine Impfdosen sind, fällt eine fehlende Impfstrategie erstmal gar nicht großartig auf. Immerhin ist Wahljahr.

Dummerweise liegen in Deutschland noch ein paar Impfdosen auf Halde. Einsetzen kann man diese Dosen natürlich nicht, am Ende glaubt sonst noch ein Teil der Bevölkerung sie hätten ein Anrecht darauf geimpft zu werden. Schlimmstenfalls sogar noch „zeitnah“. Nein. Lieber erstmal tröpfchenweise Impfen und dann weiterschauen. Wer den Eindruck von Kompetenz erweckt, läuft sonst noch Gefahr, für Kompetent gehalten zu werden – das geht nicht. Immerhin ist Wahljahr.

Da sind diese 7 Sinusvenenthrombosefälle nach 1.6 Millionen Impfdosen, von denen Bundeskompetenzminister Spahn am 15.3. in einer Pressekonferenz berichtet hat, natürlich der perfekte Grund, die Impferwartungen noch weiter runterzuschrauben. Dass der durchschnittliche Mitbürger sich nicht die Mühe macht, die Inzidenz von Sinusvenenthrombosen zu googeln, wird so hingenommen. Am Ende würde man nämlich feststellen, dass die Inzidenz pro 1 Millionen Menschen zwischen 3 und 5 liegt. Bisher beläuft sich die Zahl der entsprechenden Thrombosefälle im Zusammenhang mit AstraZeneca auf 4.4 Fälle pro 1 Millionen geimpften. Und das, obwohl die geimpften Personen eine relativ heterogene Gruppe darstellen. Momentan werden ja 4 Kategorien geimpft:

1.) Ältere Menschen
2.) Menschen mit Vorerkrankungen
3.) Mitarbeiter im Gesundheitswesen
4.) Kommunalpolitiker, die versehentlich mit dem Arm in eine Impfdosis gefallen sind

Das allgemeine Thromboserisiko nimmt mit dem Alter zu, Sinsusvenenthrombosen treten häufig bei Menschen zwischen 30 und 40 auf. Vorerkrankungen können das Thromboserisiko weiter erhöhen. Die ersten drei Impfkategorien decken diese Risikogruppen recht gut ab. Die Fallzahlen liegen also absolut im zu erwartenden Schnitt. Und wenn Deutschland irgendwo absolut im Schnitt liegt, läuft irgendwas absolut schief.
Da die Wurst glücklicherweise zwei Enden hat, die Luft oben allerdings ganz schön dünn wird, die Ente aber hinten fett ist, ist klar, wohin die Reise für Deutschland geht. Nämlich im Zweifelsfall in Richtung Sicherheit. Sicherheit wird dieser Tage ohnehin großgeschrieben. Immerhin ist Wahljahr.

Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Frage, wieso man die Schulen trotz steigender Inzidenz bei Kindern geöffnet lässt. Denn die erkranken ohnehin überhaupt nicht an Corona. Und selbst wenn, stecken die das auch sehr gut weg. Abgesehen von denen, die es nicht tun, aber das ist nicht weiter wild. Kinder sind ja recht schnell ersetzbar. Und innerhalb der Familie stecken sie ja auch keinen an. Und selbst wenn, dann hat der Baden-Württembergische Landkreis Calw auch hier die Lösung. Zu hohe Inzidenzen werden einfach schöngerechnet, pardon – bereinigt. Dadurch wird sichergestellt, dass alles mathematisch Mögliche getan wird, um Lockdowns zu vermeiden. Koste es was es wolle. Immerhin ist Wahljahr.

Dankbarkeit ist das, was in der aktuellen Situation am meisten fehlt. Dankbarkeit dafür, dass wir endlich in Deutschland an einem Strang ziehen. Am Lockerungsstrang. Dankbarkeit dafür, dass wir anderen Ländern einzig aus Großmütigkeit die Impfstoffe lassen – auch wenn die Inzidenzwerte erbarmungslos steigen. Und Dankbarkeit dafür, dass Deutschland endlich nicht mehr Vorreiter ist, sondern gemeinsam mit Ländern wie Norwegen, Italien, Dänemark, Österreich und den Niederlanden ein europäisches Gemeinschaftsprojekt ins Leben gerufen hat:

Das Vertrauen in den AstraZeneca-Impfstoff nun endgültig und langfristig komplett zu zerstören. Immerhin ist Wahljahr.

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4 Kommentare zu “AstraZeneca: Immerhin ist Wahljahr

  • #1
    ke

    Es ist einfach nur erschreckend, wie schlecht unsere Politiker und Verwaltungen sind.

    Es wurden einfach zu lange experten für Gedöns befördert und Posten nach Gruppen vergeben. Dass das System Deutschland für die Globalisierung und für eine Pandemie leistungsfähige Verwaltungen braucht, merkt man jetzt.

    Merkel und Laschet ziehen sich aktuell komplett zurück, statt Führung zu zeigen. Offensichtlich wollen sie sich nicht beschädigen, wenn sie mit dem SChrott in Verbindung gebracht werden.
    Da interessiert auch nicht, dass wir aktuell die Marke Deutschland zerstören.

    Hoffentlich denkt der Wähler bei den nächsten Wahlen daran.
    Auch die Lautsprecher "Die Linke" und FDP zeigen in ihren Regierungen, dass sie absolut gar nichts hinbekommen. In ihren Ländern könnten sie zeigen, was sie drauf haben.
    NRW und Thüringen sind einfach nur schlecht regiert.

  • #2
  • #3
    Harry Berger

    Es kann keine Inkompetenz mehr sein; soviel geht gar nicht. Vermutlich steckt eher der Mutwille dahinter, der kommenden Regierung den maximalen Saustall zu hinterlassen.
    Schlimmere Annahmen sind natürlich auch möglich.

    lg

  • #4
    Björn Wilmsmann

    Puhh, nochmal Glück gehabt. Endlich ist ein nützlicher Schuldiger gefunden. Dann kann sich der deutsche Schlafmützenmichel ja jetzt wieder gemütlich schlafen legen. Denn so lange jemand anders schuld ist, ist in Deutschland alles in Ordnung.

    “Wir sind keine Römer, wir rauchen Taback.
    Ein jedes Volk hat seinen Geschmack,
    Ein jedes Volk hat seine Größe;
    In Schwaben kocht man die besten Klöße.

    Wir sind Germanen, gemüthlich und brav,

    Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf.”

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