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Auf Lernstoffe verzichten? Religionsunterricht abschaffen!

Klassenzimmer einer Grundschule Foto: DALIBRI Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Landesschülervertretung Nordrhein-Westfalens fordert, den Lernstoff aus den Unterrichtsplänen zu streichen. Unter den Bedingungen der Pandemie könne nicht alles gelehrt werden, was für die Prüfungen nötig sei. Bleibe es bei dem für Normalzeiten vorgesehenen Pensum seine vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten benachteiligt, denn ihnen könnten die Eltern weniger helfen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) befürchtet nach einem Bericht der WAZ, dass so Wissenslücken entstehen könnten, die im Laufe der Schulbiographie Probleme bereiten könnten.

Wie gut, dass mit im Durchschnitt zwei Stunden in der Woche ein Fach unterrichtet wird, auf dass von heute auf morgen verzichtet werden könnte, ohne dass dadurch Probleme entstehen. Die Verkündung von Glaubensinhalten ist Sache der Religionsgemeinschaften, über ihre historische Bedeutung kann kritisch im Geschichtsunterricht besprochen werden.  Der ist, wie Mathe und Physik, allemal wichtiger für den weiteren Lebensweg der Kinder als Religionsunterricht.

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33 Kommentare zu “Auf Lernstoffe verzichten? Religionsunterricht abschaffen!

  • #1
    Chris Schibulsky

    Was ist Dir denn passiert? Die Vermittlung christlicher Werte wie Glaube. Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sind verzichtbar? Wohl kaum. Lasst uns lieber froh sein, dass dies in den Schulen noch thematisiert wird.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Chris Schibulsky: Für Hoffnung sorgte in diesem Jahr die Biotechnologie und nicht irgendwelche Pfaffen.

  • #3
    Susanne Scheidle

    Das sehe ich einerseits genau so: Religion ist Privatsache jedes einzelnen und kann auch im privaten Bereich vermittelt werden – oder auch nicht, je nachdem.

    Aber…
    Ich weiß nicht, wie der Religionsunterricht heute so gestaltet wird, höchstwahrscheinlich von Schule zu Schule verschieden. Ich kann mich aber daran erinnern, dass zu meiner Schulzeit im Religionsunterricht weniger Bibelkunde gelehrt, dafür aber oft über Dinge gesprochen wurde, die in den anderen Fächern zu kurz kamen, soziale Dinge, Politik, Weltgeschehen ganz allgemein. Das war nicht verkehrt, obwohl ich noch nie viel mit Religion am Hut hatte.

  • #4
    Thomas Baader

    "Die Vermittlung christlicher Werte wie Glaube. Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sind verzichtbar? "

    Schweden ist das vielleicht atheistischste Land der Welt. Finden Sie, dass die Schweden Nachhilfe in Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit benötigen?

  • #5
    DAVBUB

    @4: Im Umgang mit alten Menschen in Pflegeheimen während einer Pandemie schon. Die Bilder von Mittsommerfeiernden und überfüllten Straßengastronomien, während in den Altenheimen die Menschen starben wie die Fliegen, fand ich befremdlich.

  • #6
    Chris Schibulsky

    Der Begriff „Pfaffe“ ist beleidigend. Lass uns respektvoll bleiben. Zudem dachte ich, das es hier um Religion und nicht um Kirche geht. Und ja, ich bin froh und dankbar, dass die Biotechnologie Fortschritte macht. Trotzdem vermittelt sie keine Werte.

    Schweden ist kein gutes Beispiel. Es ist kein atheistisches Land. 2/3 der Bevölkerung gehören einer Religionsgemeinschaft an. Zugegebenermaßen mit einer fallenden Tendenz.
    Unabhängig davon ist Schweden alles andere als Hoffnungsanker oder moralisches Vorbild. Dieses Land hat in diesem Jahr komplett darauf verzichtet, seine älteren Bewohner zu schützen. Schweden hat eine deutliche Übersterblichkeit und seine ältere Generation dem unerreichten Ziel der Herdenimmunität geopfert. Für mich kein moralisches Vorbild.

  • #7
    Angelika, die usw.

    Die Meinung (siehe Artikel) kann man haben (und wird sicherlich von vielen geteilt), aber…

    es gibt Konkordate und Kirchenverträge

    siehe:
    https://www.dbk.de/themen/kirche-staat-und-recht/konkordate-und-kirchenvertraege

    Wer nun möglicherweise meint, das alles könne man schwupps ändern, der liegt falsch.

  • #8
    Der heilige Hein

    DAVBUB
    Um über den falschen oder richtigen Umgang mit Menschen in Pflegeheimen zu schauen brauchen wir nicht bis nach Schweden.
    In Deutschland werden Menschen in (auch sich christlich nennenden) Pflegeheimen und Krankenhäusern gefoltert. Richtig gelesen: gefoltert. Zu wenig Personal soll Arbeit und Betreuung erledigen, für die wir nach Angaben von unabhängigen Forschern ca. 120.000 mehr Pflegekräfte bräuchten. Menschen werden fixiert, müssen auf Toilettengänge warten oder liegen lange in ihren Ausscheidungen. Nahrung und Getränke werden nicht regelmäßig angereicht, notwendige Medikamente verspätet, Mobilisation unvollständig durchgeführt…..halt gefoltert.

  • #9
    nussknacker56

    #8
    Ihnen scheinen die Begrifflichkeiten durcheinander geraten zu sein. Zu unterstellen, dass in Pflegeheimen gefoltert wird, ist eine unhaltbare Konstruktion. Damit bagatellisieren Sie Folter, denn diese erfordert unter anderem einen Vorsatz und eine Systematik, die nicht gegeben sind. Und Sie diskreditieren zusätzlich die Arbeit der absolut überwiegenden Zahl von Pflegekräften, die ihr Bestes tun, um den Insassen gerecht zu werden. Dass die Situation im Pflegebereich kritikwürdig ist, heißt noch lange nicht, dass diese beliebig mit unpassenden Begriffen belegt werden können.

  • #10
    Eva Loos

    Ein guter Religionsunterricht vermittelt Wissen über Religion. Weil immer weniger über Religion gewußt wird, wird umso mehr Unsinn geglaubt. Religionsunterricht ist kein Glaubensunterricht sondern eine öffentliche Form der Auseinandersetzung über Religion. Ich finde es gut, dass wir in Deutschland RU haben. Wir sollten das nicht allein den verschiedenen Glaubensgemeinschaften überlassen, was gelehrt wird. Religion ist keine Privatsache. Es geht alle etwas an, was die Inhalte sind.

  • #11
    DAVBUB

    @8: Das teile ich nicht. Die Menschen in den Alten-und Pflegeeinrichtungen werden vielleicht vernachlässigt. Von gut ausgebildeten, zumeist wohl auch gutwilligen Mitarbeitern wg. Arbeitsverdichtung bzw.- Überlastung nicht so versorgt, wie es sich gehört und es ihnen zusteht. Es wird auch schwarze Schafe geben, die gibt es überall. Aber sie werden nicht vorsätzlich gefoltert. Das ist eine unglaublich perfide Unterstellung gegen die Pflegekräfte, die sich oft in Ihrem Beruf aufreiben, permanentem Druck von allen Seiten (Heimbetreiber, PDL, Angehörige, Bewohner) ausgesetzt sind, und dennoch in den meisten Fällen versuchen, den Bewohnern das Leben erträglich zu machen.
    Sie sollten sich schämen.

  • #12
    Henni

    Auf Reli-Unterricht verzichten hieße auch auf Praktische Philosophie/Philosophie verzichten. In diesem Fach werden nicht nur Werte vermittelt, sondern auch zum kritischen Denken erzogen. Es geht um Fragen, was wir überhaupt wissen können, worin wunderbar die Frage eingebettet werden, kann, wie Wissenschaft funktioniert oder wie sich Wissen, Meinen und Glauben unterscheiden. Auch ist es das Fach, in dem Fake-News-Aufklärung geleistet werden kann und vieles mehr.

  • #13
    Susanne Scheidle

    @ nussknacker #8

    Zitat: "(…) Sie diskreditieren zusätzlich die Arbeit der absolut überwiegenden Zahl von Pflegekräften, die ihr Bestes tun, um den Insassen gerecht zu werden (…)"
    "(…) Dass die Situation im Pflegebereich kritikwürdig ist, heißt noch lange nicht, dass diese beliebig mit unpassenden Begriffen belegt werden können (…) Zitat Ende.

    Entschuldigung, aber der Begriff "Insassen" scheint mir etwas unpassend für die Bewohner eines Altersheims.

  • #14
    Bochumer

    Oh. Das Konkordat haben die Nazis mit dem Polen geschlossen, damit die Kirchen auch schön stillhielten. Es wird höchste Zeit, dass zu korrigieren. Die Kirchen haben zudem unter Beweis gestellt, dass ihre Vertreter von Kindern besser ferngehalten werden sollten.

  • #15
    Der heilige Hein

    Hallo nussknacker,
    man kann es auch falsch verstehen wollen. Die tätigen Pflegekräfte habe ich nicht angegriffen – es fehlen lediglich ca. 120.000 für die anfallende Betreuung. Und dafür gibt es Gründe: unregelmäßige Arbeitszeiten, keine Dienstplansicherheit, schlechte Bezahlung, Hierarchien.
    Dafür ist Politik verantwortlich, tut nix. Folter durch Unterlassung.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Eva Loos: Religionsunterricht ist kein religionswissenschaftlicher Unterricht, sondern orientiert sich am Bekenntnis der jeweiligen Religion. Über Religionen können Historiker besser aufklären als Theologen.

  • #17
    Berthold Grabe

    Religionsunterricht ist eigentlich eine unverzichbarer Bestandtei lder bildung.
    Selbst dann ,wenn sie konfessionelle erfolgt.
    Das bedeutet nicht, das Kritik daran immer unberechtigt wäre, vor allem weil es einen signifikanten Teil der Lehrer gibt, die nicht neutralgenug agieren, auch bei konfessionsgebundener Lehre.
    Aber es ist naiv zu glauben, das es bei staatlichen Ethikunterricht anders wäre, die strotzen genauso häufig mit ideologischen Engstiirnigkeiten wie so mancher konfessionell gebunden Lehrer.
    Ich persönlich habe sehr guten katholischen Religionsunterricht an einer von einer katholischen Sozietät geleiteten Schule erhalten, der weit das Niveau staatlichen Ethikunterrichts überschritt. Trotz manchmal auch rein tradierter Vermittlung bekenntnistypischen Stoffes.
    Meiner Erfahrung nach kommt die heftigste Kritik am Religionsunterricht am häufigsten aus den Ecken, die gerne mit ihrer eigenen Ideologie indoktrinieren wollen.
    Der Religionsunterricht ist da ein Ärgernis, weil er unabhängig vom politischen Zeitgeist agiert und angestaubte Ineffektivität nur Alibi um ihn angreifen zu können.
    Letztlich geht es um die alleinige Hoheit in den Köpfen, die diese Akteure gerne der Politik als Monopol zubiligen wollen.

  • #18
    Berthold Grabe

    @16
    da widerspreche ich aus Erfahrung vehement. sie haben zwar Recht, das Religion häufig nicht Religionswissenschaftlich daherkommt, aber Historiker haben von Religion so viel Ahnung wie eine Chemiker über Wirtschaftswissenschaften.
    Es gehört mittlerweile zum konfessionellen Religionsunterricht Religionskritik und andere Religionen und Weltanschauungen in ihren Prinzipien zu vermitteln.
    Was meistens wesentlich kompetenteres Wissen erzeugt als der unklare Ethikunterricht.
    Religion wissenschaftlich zu unterrichten halte ich für Unsinn.
    Auch das kann ich aus Erfahrung sagen, weil dies in religiös philosophischen Spezialitäten mündet, die für ein solides Wissen über Weltanschauungen auf Schulniveau uninteressant sind.
    Das käme einem Leistungskurs Philosophie nahe.
    Ich würde eher für mehr Kompetenz der Lehrkräfte werben und für eine Überarbeitung der Lehrpläne als den Religionsunterricht abzuschaffen.

  • #19
    Berthold Grabe

    @2
    Biotrechnologen unterrichten nicht an Schulen, das tun Biologielehrer, die nicht selten ebenso schlecht wie irgendwelche Pfaffen sind, wir leben auch nicht mehr in den 50ziger oder 60ziger Jahren, wo der nächst beste Pfarrer den Unterricht gestaltete, egal wie plemplem der war.
    Was übrigens auch in anderen Fachrichtung nicht unbedingt selten gewesen ist und bis heute anhält.
    Inkompetenter Unterricht ist keine Spezialität von Religionslehrern und frühere Statusbesonderheiten von irgendwelchen Pfaffen ist längst Geschichte.
    Ich denke es wäre angebracht ihre veralteten Vorurteile zu überdenken.
    Ich selbst habe sowohl Kompetenz wie Inkompetenz Geistlicher aus nächster Nähe genossen und keinen Unterschied zu weltlichen Lehrer feststellen können in der Verteilung dieser Kompetenz.
    Es hat mich gelehrt weder weltlichen noch geistlichen Lehrern alleine aufgrund des Anspruchs Glauben oder übermäßiges vertrauen zu schenken.
    Es ist ein Beruf mit größerem Vertrauensanspruch, der aber nicht seltener als bei Ärzten nur allzu häufig nicht gerechtfertigt ist.
    Das mag vor 50 Jahren noch anders gewesen sein, allerdings hätte man damals auch nicht gegen Ärzte anstinken können aufgrund der damalig üblichen gesellschaftlich zugebilligten Stellung.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Berthold Grabe: Religionen sind Protoideologien, die man nur aus ihrer Zeit heraus verstehen kann. Und sowas zu erklären ist der Job von Historikern. Ich persönlich glaube an Gott, sehe aber keine besondere Verbindung von ihm zu den tausenden Religionen die es gibt. Sie sind Menschenwerk.

  • #21
    Wolfram Obermanns

    Nur mal so am Rande:
    Religionsunterricht ist freiwillig. Die Erziehungsberechtigten haben das so entschieden, bis der Pennäler alt genug ist, sich selbst zu entscheiden.

    Welche Probleme der Verzicht auf Religionsunterricht an staatlichen Schulen mit sich bringt, kann man am Zustand des französischen Islam ablesen und an Revolten der Provinz gegen die religiösen Analphabeten in der Pariser Zentrale.

  • #22
    ke

    Der Religionsunterricht aus den 80er Jahren war OK. Es wurden nicht nur die Grundlagen der eigenen Religionen vermittelt, sondern auch viele andere Grundlagen. Das kann man natürlich auch in anderen Fächern vermitteln.
    Aktuell sehe ich es auch nicht als Priorität.
    Insbesondere müssen die Schulen zum ersten Mal an die Pandemie angepasst werden. Bis die Impfung uns erreicht, wird es ewig dauern.
    Da sollte jeder Lehrer genutzt werden, um das Kern-Know-How als Notplan zu vermitteln. Fachfremdes Unterrichten sollte von Akademikern bis Klasse 10 zu erwarten sein.
    Die Nutzung von Ferienzeiten insbesondere im Sommer muss auch ein Thema werden.

  • #23
    Mak40625

    @#14: Es wurden sowohl vor 1933 als auch nach 1945 Konkordate geschlossen, um die jeweiligen Rechtspositionen abzusichern. Das Reichskonkordat von 1933 war rückblickend nicht gut, aber auch deswegen, weil seine Regelungen nicht eingehalten wurden – v.a. von den Nazis.
    Abgesehen davon: DIe Alternative zum Religionsunterricht ist ein Unterricht, der alleine von den jeweiligen Gemeinschaften gehalten wird – und welches Problem das mit sich bringt, zeigt sich bei den islamischen Verbänden. Ein Religionsunterricht in der Schule unterliegt staatlicher Kontrolle, die Ausbildung der Lehrer erfolgt nicht im Geheimen, und das ist allemal besser als ein Abdriften in versteckte Ecken.
    Schließlich: Im Religionsunterricht haben wir nicht nur etwas über die "eigene" Religion gelernt, sondern auch über andere Religionen – und Anleitungen erhalten, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Um blinden Gehorsam ging es nicht.

  • #24
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Läuft wohl nicht so gut: "Kadriye Acar unterrichtete islamische Religion an einem Gymnasium in Leverkusen. Als sie über Frauenrechte sprach und von weiblichen Vorbeterinnen erzählte, wurde sie entlassen – kein Einzelfall."
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/islamunterricht-an-schulen-konservative-vereine-bekaempfen-missliebige-lehrer-a-00000000-0002-0001-0000-000169240288

  • #25
    Harry

    Den Ausführungen von Stefan Laurin stimme ich ausnahmsweise zu. Auch religiöse Ideologie sollte keinen offiziellen Platz in öffentlichen Schulen haben. Allerdings denke ich, dass die Schüler ganz bestimmt nicht durch den Relgionsunterricht überfordert sind. Dashalb wäre die Weglassung des Religionsunterrichts auch keine nennenswerte Entlastung, sondern einfach nur vernünftig.

  • #26
  • #27
    Angelika, die usw.

    Es ist alles noch viel komplizierter.
    Die Religionslehrer (ob nun kath. od. evangel.), auch die Referendare, brauchen eine kirchliche Unterrichtserlaubnis. Infos siehe link (Missio, Vocatio).
    https://lehramtswiki.uni-due.de/wiki/index.php?title=Kirchliche_Unterrichtserlaubnis

    Priester und Diakone haben die Beauftragung per Amt/Weihe, wird nicht extra erteilt.

    Die Missio (kath.) kann auch wieder entzogen werden (im evangel. Bereich weiß ich nicht Bescheid),
    z.B.:
    https://www.sueddeutsche.de/bildung/katholische-kirche-wer-ein-zweites-mal-heiraten-moechte-hat-ein-problem-1.3029251

  • #28
    Richard Heller

    #12 @Henni

    Das Fach, in dem sich mit Moral, dem Leben. dem Universum und dem ganzen Rest auseinandersetzt, heißt "Philosophie". Ich habe noch den Unterricht in den 80ern genossen. Jetzt anlässlich der GG5.3/Mbembe-Diskussion habe ich mich mal mit diesem "brillianten Denker" und seinen Ergüssen und Herleitungen (und vor allem auch seiner Corona-bedingt nicht gehaltenen Ansprache) befasst. Wenn ich damals meinem Philosophielehrer eine Klausur auf diesem Niveau abgeliefert hätte, dann hätte er mich angerufen (weil netter Mensch) und mich gefragt, ob ich nicht lieber krankheitsbedingt am Klausurentermin verhindert war und eine Enschuldigung vorlege, statt dass er mein Machwerk korrigert (weil netter Mensch mit Ansprüchen).

    Wegen meines protestantischen Hintergrunds habe ich auch den Religionsunterricht der späten 70er und der 80er Jahre besucht, obwohl ich ungetauft war und bis heute bin. Ich habe Religion erst zur Oberstufe abgewählt, obwohl ich Jahre vorher endgültig zum Atheisten geworden war (schleichender Prozess, der mit dem Osterhasen in der Grundschule angefangen hatte). Warum solange trotzdem Religion? Um den Zeugnisschnitt aufzumotzen.

  • #29
    Philipp

    Ich denke, dass das vor allem eine demographische Frage ist. Für Menschen unter 35 spielt organisierte Religion kaum noch eine Rolle und die Zahlen derjenigen, die eine Laufbahn zum Priester/Pfarrer einschlagen ist verschwindend gering (und wird immer weniger). Damit schwindet auch die Legitimität des Religionsunterrichts und man sieht jetzt schon, dass theologische Fakultäten unter Druck geraten und Stellenstreichungen in Nebenfächern wie "Christliche Archaologie/Sozialwissenschaft" an der Tagesordnung sind.

    Ein Fach, welches zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören kann und sich bereits heute großer Beliebtheit unter Studienanfängern erfreut, wurde noch gar nicht genannt: Psychologie.

    Es wird (noch) selten angeboten an deutschen Gymnasien, das muss aber nicht so bleiben. In England und v.a. den USA ist es ein ganz normales und sehr beliebtes Schulfach.

    An der Universität Essen wurde es gerade als Studienfach neu eingeführt und der damit verbundene Kapazitätsaufbau ließe sich sicher für eine Lehramtsausbildung nutzen.

  • #30
    Berthold Grabe

    @20
    Sie haben insofern Recht, das vor allem die Rituale ohne Zeitgeistkontext kaum zu verstehen sind.
    Aber gerade der Islam mit exerziert vor, wie man ohne kompetenten Religioonsunterricht basierend auf einer theologischen Wissenschaft aus diesen alten Ritualen den größten Unsinn produzieren kann (Islamismus)
    Dassit auch wieder im Chrsitentum auf dne vormarsch aufgrund massiver religiöser Unbildung

    Im Übrigen greift ihre Vorstellung von Religion als Protoideologie zu kurz.
    Sie bieten über reine Ideologie hinaus eine Vorstellung vom Ideal menschlichen Seins und Anspruch, ihre Crux ist es, das menschliche Begriffe und der Mensch selbst zu begrenzt sind, um eine solche Beschreibung nur sinngemäß´zu akzeptieren, Der Mensch strebt nach Gewissheit und somit Verbindlichkeit der Beschreibung, womit dann das beschriebene Abstraktum durch eine Verabsolutierung der Beschreibung ersetzt ersetzt wird.
    Das passiert umso schneller je mehr Macht mit Religionsausübung oder Vertretung verbunden ist.
    Und wird sowohl von gläubigen wie ausnutzenden Klerikern gleichmäßig vorangetrieben.
    Ideologie dagegen schreibt von vorne herein ein verfahren fest ist also deutlich engstirniger und primitiver als Religion, obwohl Religion wenn sie gut und erfolgreich ist, wegen der der langen Zeiträume häufiger so gesehen wird als oberflächliche Ideologie.
    Im übrigne versuchen Moralisierer auch in der Ideologie solcherlei Engstirnigkeiten festzuschreiben, womit der Rechtstaat Gefahr läuft zum primitiven Religionsersatz zu werden.
    Nur die Dualität von Religion und Säkularisation garantiert letztlich Liberalität und kann den Drang absolute Moral oder glauben zu formulieren in seine Grenzen verweisen.
    Weshalb die aktuellen Schwierigkeiten viel mit dem Verlust religiösen Einflusses bei uns zu tun haben.

  • #31
    Berthold Grabe

    Man könnte auch behaupten Ideologie ist Aberglaube und Religion ist weit mehr aber lediglich dem permanenten Risiko ausgesetzt Aberglauben zum Opfer zu fallen.
    Im Übrigen könnte auch Atheismus eine Religion sein, ist aber bisher nie über Ideologie hinausgekommen, dafür fehlt der tiefere philosophische Ansatz um mehr zu sein.

  • #32
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Berthold Grabe: Ideologien sind immer diesseitig. Religionen sind spirituell begründete Ideologien und somit Protoidelogien aus einer Zeit, als die Welt ohne Spiritualiät kaum denkbar war.

  • #33
    Berthold Grabe

    @32
    Spiritualität ist nur das Ergebnis aus der Formulierung eines Ideals. Es funktioniert nicht ohne spirituellen Anspruch, weil ansonsten Ideale beliebig wären.
    Recht und Gesetz müssen sich zwar an Idealen orientieren, können aber das Ideal selbst nicht beschreiben.
    Weshalb ja eigentlich auch im "Sinne" von Gesetzen und nicht nach deren Buchstaben gerichtet werden soll nach dem Grundgesetz.
    Auch wenn das zunehmend zum Nachteil unseres Rechtsstaates ausgehöhlt wurde aus ökonomischem und opportunen Interesse.
    Und wenn das Ideal beliebig wird verliert man auch den gesellschafltichen Grundkonsens.

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