Kinder haben keine Lobby

Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr Foto: Marie-Lan Nguyen Lizenz: CC BY 3.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani 

Geehrte Leserinnen und Leser,

In den letzten Monaten wurden einige sehr brutale Skandale in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch publik. Zu dem an sich schon widerlichen und durch nichts zu entschuldigenden Kindesmissbrauch kamen oft schlampige Ermittlungen und/oder Gleichgültigkeit von Behörden wie etwa dem Jugendamt hinzu. So im Falle der vermissten Madeleine McCann und dem deutschen Tatverdächtigen, der, wie man in der «Zeit» lesen konnte, aufgrund der Tatsache, dass ihn die Polizei praktisch vorgewarnt hat, genug Zeit gehabt hat, um eventuelle Spuren zu vernichten. Oder beim Pädophilen-Netzwerk in Münster mit dem Fakt, dass ein Stiefvater mit Kinderpornographie gehandelt hat, weshalb das Jugendamt schon seit 2015 in Kontakt mit der Familie war und man doch bis heute untätig geblieben ist.

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Deutscher Kulturrat: Antisemitismus als Präventionsstrategie? 

Achille Mbembe Foto: Heike Huslage-Koch Lizenz: CC BY-SA 4.0


Von unserem Gastautor Thomas Wessel

Die Gelegenheiten nehmen zu, sich für die Branche zu schämen, zu der man zählt. Der Deutsche Kulturrat, Sammel- und „Spitzenverband“ hiesiger Kulturkorporationen, hat jetzt erklären lassen, man könne quasi antisemitisch sein, um Schlimmeres zu verhindern, Holocaust und

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Halle und was man daraus nicht gelernt hat

Synagoge in Halle (Saale) Foto: Allexkoch Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte Leserinnen und Leser,

wie verschiedene Medien berichtet haben, ist es Stephan Balliet, dem Attentäter von Halle, fast gelungen, aus dem Untersuchungsgefängnis «Roter Ochse», das mitten in der Stadt Halle liegt, auszubrechen. Für gut 5 Minuten konnte sich der Attentäter frei innerhalb des Gefängnisses bewegen und nur die Tatsache, dass eine Türe verschlossen war, hinderte ihn an der weiteren Flucht.

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„In unserer Gesellschaft spielt die soziale Herkunft eine große Rolle bei den Bildungs- und Karrierechancen“

Christina Möller und Levent Aktoprak, Foto: Michel Boße/FH Dortmund

Inspiriert von dem französischen Intellektuellen Didier Eribon, der mit seiner soziologisch unterfütterten Erfolgs-Biografie „Rückkehr nach Reims“ auch hierzulande auf sich aufmerksam machte, hat die Soziologin Christina Möller und ihre drei Herausgeber19 Lebensgeschichten von Professoren gesammelt. In diesen Tagen ist das Buch erschienen mit dem Titel: “Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft“. Erstmals äußern sich in diesem Buch Professoren unterschiedlicher Fächer über ihren langen Weg zur Professur und zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Wissenschaft. Es ist eine kritische Lektüre. Levent Aktoprak sprach mit der Mitherausgeberin Christina Möller, Vertretungs-Professorin an der FH Dortmund. Unser Gastautor Levent ist Aktoprak, Autor, Moderator und Hörfunkjournalist beim WDR  und Deutschlandfunk

Levent Aktoprak: Frau Möller, das Thema gehört seit Jahren zu ihrem Forschungsgebiet. Woher rührt das  wissenschaftliche Interesse, hängt es auch mit ihrer Vita zusammen?

Christina Möller: Ein persönlicher Zugang zum Thema lässt sich angesichts meiner Biografie kaum leugnen. Ich stamme aus einem nicht-akademischen Elternhaus (mein Vater war Berufsfeuerwehrmann, meine Mutter Hausfrau) und habe nach zunächst sehr mäßigem

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Wen deutsche Politiker zu kritisieren wagen!

Gerhard Schröder Foto: Olaf Kosinsky Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte Leserinnen und Leser,
Der heutige Text ist wieder mal ein Quickie, aber ein Guter! In verschiedenen Medien durfte
man lesen, dass der Altkanzler Gerhard Schröder, der sich besonders gut mit dem KGB-
Zwerg im Kreml versteht, den ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andriy Melnik, in
einem Podcast als Zwerg betitelt hat.

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Die Reichsbahn und die jüdischen Bürger – Züge in das Elend

Mit Wagen dieses Typs wurden während des Holocausts Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Proesi, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

„Von Würzburg nach Theresienstadt“

von unserem Gastautor Thomas Weigle

Max Ansbacher war 1942 15 Jahre alt, ein Alter also, in dem die meisten von uns aus der Nachkriegsgeneration keinerlei existenziellen Sorgen hatten. Max Ansbacher berichtet aus seiner Jugend von Erlebnissen, die ich mir in diesem Alter kaum vorstellen konnte, auch wenn ich da schon Eugen Kogon gelesen hatte. Zunächst wurde er mit der Reichsbahn in einem sog. „Gesellschaftssonderzug“von Würzburg nach Theresienstadt im sog. Protektorat Böhmen und Mähren deportiert. Theresienstadt war das „Vorzeige-KZ der Nazis einige Kilometer von Prag entfernt, bekannt auch  durch den zynischen Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“ Auch gab es in diesem KZ eine Fußballliga, deren Ergebnisse teilweise überliefert sind.

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Berliner Schloss: König, Kreuz und Kniebeschwerden

Stadtschloss Berlin Foto: Thomas Wessel


An diesem Wochenende soll dem Berliner Retro-Schloss, neudeutsch Humboldt-Forum, eine Laterne aufgesetzt werden, die rund 12 m hohe Krönung eines 650 Millionen schweren Ideenbaus. Ich hätte da einen Vorschlag. Von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Die Laterne  –  Architektursprache für einen turmartigen Aufsatz eines Gebäudes, hier des Schloss-Surrogats  –   ist längst nach allen Märklin-Regeln nachgebaut, der Kran geordert, das Feuilleton empört. Dass man dem Schloss ein Kreuz aufpflanzen würde, war 2017 noch irgendwie hingenommen worden: Wenn Retro-Schloss dann Retro-Kreuz, das war so die Linie, das Kreuz sei Ornament wie ein Schnörkel am Gesims.

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Corona-Tagebuch aus einem israelischen Altenheim

Oliver Vrankovic (links) und Kollege

Unser Gastautor Oliver Vrankovic arbeitet in einem israelischen Altenheim, in dem viele Überlebende des Holocaust wohnen. Für die Ruhrbarone berichtet er in seinem Corona-Tagebuch über Arbeit und Leben in einem israelischen Altenheim während der Zeit der Corona-Pandemie.

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Motorräder: Sonntagsfahrverbot wie 1973?

Norton Foto: pyntofmyld – Norton Motorcycle Lizenz: CC BY 2.0

Nein, nicht für alle Räder, nur für Motorräder. „Zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorlä-“, von „Motorradlärm“, heißt die Entschließung des Bundesrats von Mitte Mai. Eine altertümliche Denke, 1973 waren Sweet mit „Hell Raiser“ das Sounddesign des Jahres, unser Vorschlag: Emissionshandel! Von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Dafür muss man zuerst ein Protokoll machen, Auszüge: „BO-Innenstadt, gegen Abend rauschen die ersten rein, 15 Minuten einparken KOMMKOMMKOMM, Bässe wummern, der draußen STOP!STOP!!STOP!!! Türen auf Türen zu zu zu, die nächsten röhren rein, Fenster runter Musik hoch, eindeutig Ennepetal, ab und an kommt man da durch, es gibt da solche Musik. Hier gibt es den ersten Streit, Kreischenbrüllen dauert 20 min, immer, Versöhnung dauert schneller, du

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Als Moralelite verliert man die Normalen

Nils Heisterhagen Foto: Privat


In einer vor kurzem veröffentlichten Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ macht der scheidende Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, der „liberalen Elite“ den Vorwurf, mitverantwortlich für den Aufstieg des Populismus zu sein und die normalen Leute zuletzt vernachlässigt zu haben. Von unserem Gastautor Nils Heisterhagen.

„Viele Menschen haben das Gefühl, mit ihren Problemen alleingelassen zu werden. Sie haben den Eindruck, dass ihre Interessen nicht hinreichend berücksichtigt werden“, so Voßkuhle. Der „großen Mitte“, in seiner Definition, „all jene, die nicht offensichtlich benachteiligt sind, sondern die eher unter dem Radar ein normales Leben leben“, habe die Politik zuletzt „vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht“.

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