Wenn man sich vor der Wahrheit ekelt: 30.000 pädokriminelle Täter?

Laptop Innenleben Foto: Sebastian Klein/Wikipedia Lizenz: CC BY-SA 3.0

Horror vacui ist ein Begriff aus der Kunst. Er beschreibt das Bedürfnis der Maler, jede freie Fläche auszumalen, mit Formen und Farben zu füllen.  Ich fürchte mich vor dem Horror vacui. Die Angst, dass in meinem Kopf Bilder von dem zehntausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern entstehen. Bilder, die sich einfressen, weil sie Vorstellungen erzwingen, die unmenschlich, grausam, widerwärtig sind. Von unserem Gastautor Horst Kläuser.

Da liest man, fast wie die aktuellen Benzinpreise, dass nach Ermittlungen aus dem Bergisch Gladbacher pädokriminellen Fall 30.000 Täter festgestellt wurden. Dreißigtausend! Das sind mindestens 30.000 Kinder, vermutlich mit einem Faktor zu multiplizieren, der jedem Menschen mit Empathie die Sprache verschlägt.

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Mehr als „Berlin Madness“

Foto: Michael Kamps

Vor gut 20 Jahren hatten Fußballfans eine Ausstellung über Rassismus und Rechtsextremismus beim Fussball konzipiert, um die Öffentlichkeit über die Zustände in deutschen Stadien zu informieren. „Tatort Stadion“ wurde 2010 dann noch einmal runderneuert und in allen Bundesligastädten von engagierten Fans gezeigt. Die Ausstellung hat ganz entschieden mit dazu beigetragen, dass es in heutigen Fußballstadien sehr viel weniger Rassismus gibt. Von unserem Gastautor Thomas Hafke.

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie es in vielen deutschen Stadien zuging und wie weit verbreitet und selbstverständlich Rassismus unter den damaligen Fans war. Die Fans, insbesondere das „Bündnis aktiver Fußballfans“ (BAFF), die sich damals engagierten, waren eine Minderheit und wurden von Hooligans bedroht. In Bremen wurde eine Ausstellungstafel von ihnen gestohlen.

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Wohlstandskoma nach Corona?

Wie hart wird die Krise? Foto: Stefan Laurin

Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung zielen nicht nur darauf ab, die von der Corona-Pandemie und dem Lockdown ausgehenden wirtschaftlichen Schäden und Einkommensverluste bestmöglich auszugleichen. Von unserem Gastautor Von Alexander Horn.

Mit dem deutschen 1,3 Billionen Euro Rettungsschirm, den geplanten EU-Rettungspakete über 540 und 750 Milliarden Euro und dem nun von der Bundesregierung verabschiedete 130 Milliarden Euro Corona-Konjunkturpaket, will man auch die wirtschaftliche Rezession unterdrücken, die sich vor Corona abgezeichnet hatte. So soll verhindert werden, dass sich aufgestaute Probleme, die aus den wirtschaftspolitischen Rettungs- und Stabilisierungsorgien der letzten Jahrzehnte resultieren, nicht manifestieren. „Man hat des Guten schon zu viel getan“ beklagt der frühere Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn mit Blick auf die Rettungs- und Konjunkturprogramme.

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Kinder haben keine Lobby

Spielende Kinder, römisches Relief, 2. Jh. nach Chr Foto: Marie-Lan Nguyen Lizenz: CC BY 3.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani 

Geehrte Leserinnen und Leser,

In den letzten Monaten wurden einige sehr brutale Skandale in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch publik. Zu dem an sich schon widerlichen und durch nichts zu entschuldigenden Kindesmissbrauch kamen oft schlampige Ermittlungen und/oder Gleichgültigkeit von Behörden wie etwa dem Jugendamt hinzu. So im Falle der vermissten Madeleine McCann und dem deutschen Tatverdächtigen, der, wie man in der «Zeit» lesen konnte, aufgrund der Tatsache, dass ihn die Polizei praktisch vorgewarnt hat, genug Zeit gehabt hat, um eventuelle Spuren zu vernichten. Oder beim Pädophilen-Netzwerk in Münster mit dem Fakt, dass ein Stiefvater mit Kinderpornographie gehandelt hat, weshalb das Jugendamt schon seit 2015 in Kontakt mit der Familie war und man doch bis heute untätig geblieben ist.

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Deutscher Kulturrat: Antisemitismus als Präventionsstrategie? 

Achille Mbembe Foto: Heike Huslage-Koch Lizenz: CC BY-SA 4.0


Von unserem Gastautor Thomas Wessel

Die Gelegenheiten nehmen zu, sich für die Branche zu schämen, zu der man zählt. Der Deutsche Kulturrat, Sammel- und „Spitzenverband“ hiesiger Kulturkorporationen, hat jetzt erklären lassen, man könne quasi antisemitisch sein, um Schlimmeres zu verhindern, Holocaust und

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Halle und was man daraus nicht gelernt hat

Synagoge in Halle (Saale) Foto: Allexkoch Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte Leserinnen und Leser,

wie verschiedene Medien berichtet haben, ist es Stephan Balliet, dem Attentäter von Halle, fast gelungen, aus dem Untersuchungsgefängnis «Roter Ochse», das mitten in der Stadt Halle liegt, auszubrechen. Für gut 5 Minuten konnte sich der Attentäter frei innerhalb des Gefängnisses bewegen und nur die Tatsache, dass eine Türe verschlossen war, hinderte ihn an der weiteren Flucht.

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„In unserer Gesellschaft spielt die soziale Herkunft eine große Rolle bei den Bildungs- und Karrierechancen“

Christina Möller und Levent Aktoprak, Foto: Michel Boße/FH Dortmund

Inspiriert von dem französischen Intellektuellen Didier Eribon, der mit seiner soziologisch unterfütterten Erfolgs-Biografie „Rückkehr nach Reims“ auch hierzulande auf sich aufmerksam machte, hat die Soziologin Christina Möller und ihre drei Herausgeber19 Lebensgeschichten von Professoren gesammelt. In diesen Tagen ist das Buch erschienen mit dem Titel: “Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft“. Erstmals äußern sich in diesem Buch Professoren unterschiedlicher Fächer über ihren langen Weg zur Professur und zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Wissenschaft. Es ist eine kritische Lektüre. Levent Aktoprak sprach mit der Mitherausgeberin Christina Möller, Vertretungs-Professorin an der FH Dortmund. Unser Gastautor Levent ist Aktoprak, Autor, Moderator und Hörfunkjournalist beim WDR  und Deutschlandfunk

Levent Aktoprak: Frau Möller, das Thema gehört seit Jahren zu ihrem Forschungsgebiet. Woher rührt das  wissenschaftliche Interesse, hängt es auch mit ihrer Vita zusammen?

Christina Möller: Ein persönlicher Zugang zum Thema lässt sich angesichts meiner Biografie kaum leugnen. Ich stamme aus einem nicht-akademischen Elternhaus (mein Vater war Berufsfeuerwehrmann, meine Mutter Hausfrau) und habe nach zunächst sehr mäßigem

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Wen deutsche Politiker zu kritisieren wagen!

Gerhard Schröder Foto: Olaf Kosinsky Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte Leserinnen und Leser,
Der heutige Text ist wieder mal ein Quickie, aber ein Guter! In verschiedenen Medien durfte
man lesen, dass der Altkanzler Gerhard Schröder, der sich besonders gut mit dem KGB-
Zwerg im Kreml versteht, den ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andriy Melnik, in
einem Podcast als Zwerg betitelt hat.

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Die Reichsbahn und die jüdischen Bürger – Züge in das Elend

Mit Wagen dieses Typs wurden während des Holocausts Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Proesi, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

„Von Würzburg nach Theresienstadt“

von unserem Gastautor Thomas Weigle

Max Ansbacher war 1942 15 Jahre alt, ein Alter also, in dem die meisten von uns aus der Nachkriegsgeneration keinerlei existenziellen Sorgen hatten. Max Ansbacher berichtet aus seiner Jugend von Erlebnissen, die ich mir in diesem Alter kaum vorstellen konnte, auch wenn ich da schon Eugen Kogon gelesen hatte. Zunächst wurde er mit der Reichsbahn in einem sog. „Gesellschaftssonderzug“von Würzburg nach Theresienstadt im sog. Protektorat Böhmen und Mähren deportiert. Theresienstadt war das „Vorzeige-KZ der Nazis einige Kilometer von Prag entfernt, bekannt auch  durch den zynischen Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“ Auch gab es in diesem KZ eine Fußballliga, deren Ergebnisse teilweise überliefert sind.

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