Berliner Schloss: König, Kreuz und Kniebeschwerden

Stadtschloss Berlin Foto: Thomas Wessel


An diesem Wochenende soll dem Berliner Retro-Schloss, neudeutsch Humboldt-Forum, eine Laterne aufgesetzt werden, die rund 12 m hohe Krönung eines 650 Millionen schweren Ideenbaus. Ich hätte da einen Vorschlag. Von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Die Laterne  –  Architektursprache für einen turmartigen Aufsatz eines Gebäudes, hier des Schloss-Surrogats  –   ist längst nach allen Märklin-Regeln nachgebaut, der Kran geordert, das Feuilleton empört. Dass man dem Schloss ein Kreuz aufpflanzen würde, war 2017 noch irgendwie hingenommen worden: Wenn Retro-Schloss dann Retro-Kreuz, das war so die Linie, das Kreuz sei Ornament wie ein Schnörkel am Gesims.

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Corona-Tagebuch aus einem israelischen Altenheim

Oliver Vrankovic (links) und Kollege

Unser Gastautor Oliver Vrankovic arbeitet in einem israelischen Altenheim, in dem viele Überlebende des Holocaust wohnen. Für die Ruhrbarone berichtet er in seinem Corona-Tagebuch über Arbeit und Leben in einem israelischen Altenheim während der Zeit der Corona-Pandemie.

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Motorräder: Sonntagsfahrverbot wie 1973?

Norton Foto: pyntofmyld – Norton Motorcycle Lizenz: CC BY 2.0

Nein, nicht für alle Räder, nur für Motorräder. „Zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorlä-“, von „Motorradlärm“, heißt die Entschließung des Bundesrats von Mitte Mai. Eine altertümliche Denke, 1973 waren Sweet mit „Hell Raiser“ das Sounddesign des Jahres, unser Vorschlag: Emissionshandel! Von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Dafür muss man zuerst ein Protokoll machen, Auszüge: „BO-Innenstadt, gegen Abend rauschen die ersten rein, 15 Minuten einparken KOMMKOMMKOMM, Bässe wummern, der draußen STOP!STOP!!STOP!!! Türen auf Türen zu zu zu, die nächsten röhren rein, Fenster runter Musik hoch, eindeutig Ennepetal, ab und an kommt man da durch, es gibt da solche Musik. Hier gibt es den ersten Streit, Kreischenbrüllen dauert 20 min, immer, Versöhnung dauert schneller, du

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Als Moralelite verliert man die Normalen

Nils Heisterhagen Foto: Privat


In einer vor kurzem veröffentlichten Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ macht der scheidende Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, der „liberalen Elite“ den Vorwurf, mitverantwortlich für den Aufstieg des Populismus zu sein und die normalen Leute zuletzt vernachlässigt zu haben. Von unserem Gastautor Nils Heisterhagen.

„Viele Menschen haben das Gefühl, mit ihren Problemen alleingelassen zu werden. Sie haben den Eindruck, dass ihre Interessen nicht hinreichend berücksichtigt werden“, so Voßkuhle. Der „großen Mitte“, in seiner Definition, „all jene, die nicht offensichtlich benachteiligt sind, sondern die eher unter dem Radar ein normales Leben leben“, habe die Politik zuletzt „vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht“.

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Welchen Weg will Werder Bremen gehen?

Thomas Hakfe vor dem Stadion von Werder Bremen Foto: Privat

Der finanziell schwache Bundesliga Verein Werder Bremen dürfte einer der größten Verlierer der Pandemie werden. Weder konnte sich die Mannschaft richtig auf den Abstiegskampf vorbereiten, noch wird es dem Verein gegönnt sein bei Abbruch in der 1. Liga zu verbleiben, wenn es nach der DFL ginge. Und auch die Fans, die meist treu zu Trainer und Verein gestanden sind, fangen an sich große Sorgen zu machen, werden wütend oder schmeißen sogar die Flinte ins Korn.

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Die Reichsbahn und die jüdischen Bürger (Teil 3)

Mit Wagen dieses Typs wurden während des Holocausts Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Proesi, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

Von unserem Gastautor Thomas Weigle.

Nachdem die Wehrmacht zusammen mit der Roten Armee Polen erobert hatte und im Freundschaftsvertrag vom 30.9.39 die beiden Raubstaaten Polen für „dauerhaft aufgelöst“ erklärt hatten, wurde deutscherseits ein Teil des ehemaligen polnischen Staates zum Generalgouvernement erklärt. Zum Generalgouverneur wurde Hans Frank von Hitler ernannt.

Dieser, so Goebbels in seinem Tagebuch, regiere nicht nach Hitlers Meinung, sondern herrsche. Frank verbot sich alle Versuche von außen, in „sein Reich“ hineinzuregieren. Die Jahre seiner Herrschaft, die  v.a. durch besondere Brutalität gegen über Juden und Polen geprägt waren, zeichneten sich auch durch einen permanenten Kleinkrieg mit Reichsbehörden und SS, hier besonders mit dem für sein Gebiet zuständigen HSSP Krüger, aus.

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Tabubruch des Bundesverfassungsgerichts

Bundesverfassungsgericht Foto: Mehr Demokratie Lizenz: CC BY-SA 2.0

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Staatsanleihekaufprogramm der EZB adressiert die Aushöhlung von Demokratie und Wohlstand. CDU/CSU und SPD können damit nichts anfangen. Von unserem Gastautor Alexander Horn

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu dem mehr als zwei Billionen Euro schweren EZB-Staatsanleihekaufprogramm PSPP[1] sorgte für einige Verblüffung. Erstmals bescheinigten die Verfassungsrichter der EZB und obendrein dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), nicht im Rahmen ihrer jeweiligen Mandate gehandelt zu haben. Die EZB habe „mangels hinreichender

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Update: Wie hält es Fridays for Future mit dem Antisemitismus?

Irritierende Aussagen finden sich bei der Rhein-Sieg Ortsgruppe der Klimabewegung Fridays for Future. Dort wurden gestern Posts verbreitet, die wohl die dortigen Personen als „Palästinensersolidarisch“ bezeichnen würden. Von unserem Gastautor Trevor Rhûnparth.

Natürlich sind es die üblichen Lügen vom Landraub, von der großen Katastrophe, die sich nur in den palästinensischen Opfernarrativen wiederfinden. Altbekannt und langweilig sind. Man könnte so Leuten natürlich eine Frage stellen: Ob sie sich gegen die Hamas engagieren, denn

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Der zweite Weltkrieg – Der „Sitzkrieg“ und ein Plan


Hitler mit Generälen bei Lagebesprechung Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1971-070-61 Lizenz: CC-BY-SA 3.0


Sitzkrieg, Phoney War oder Drôle de guerre, den komischen Krieg, nannten die Beteiligten die Zeit zwischen Oktober 1939 und Mai 1940, für Skandinavien galt das nur bis zum 09: April. Doch es war nur der Schein einer seltsamen Periode eines europäischen Kriegs, der in der Praxis nicht stattfände.

Das Weltbild musste einzig nach Westen gerichtet sein, um dies so zu sehen. Hitlers Besatzungspolitik in Polen kostete nicht weniger Menschenleben, als die kriegerischen Handlungen zuvor. Vom ersten Tag an begann ein bis zu diesem Zeitpunkt einzigartiges

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Offener Brief an Alexander Gauland

Alexander Gauland Foto: Metropolico.org Lizenz: CC BY-SA 2.0

 Guten Tag Herr Gauland!

Das «geehrter» spare ich mir in Ihrem Fall. Mit grosser Verwunderung habe ich Ihre Worte zum 8.Mai gelesen. Ihrer Meinung nach wäre der 8.Mai kein Feiertag für Deutschland, weil Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg Gebietsverluste hinnehmen musste und Gestaltungsmöglichkeiten verloren hat.

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