AfD-Parteitag Erfurt: Gegendemonstranten bedrängen Mann, der ein jüdisches Kleidungsstück trägt

Gegendemonstranten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt. Foto: Die betroffene Person
Gegendemonstranten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt. Foto: Die betroffene Person

Während der Proteste gegen den Parteitag der Alternative für Deutschland wurde ein Teilnehmer von anderen Demonstranten aufgrund eines sichtbaren, jüdisch konnotierten Kleidungsstücks bedrängt und verfolgt. Ruhrbarone hat mit der betroffenen Person gesprochen.

Am vergangenen Samstag, dem vierten Juli 2026, fand im thüringischen Erfurt der Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) statt. Laut Polizei nahmen rund 31.000 Menschen an den Gegenprotesten teil. Die Demonstrationen, die zum Ziel hatten, AfD-Mitglieder an der Anreise zu hindern, verfehlten ihr Ziel, da sich diese zu Beginn der Protestaktionen bereits am Veranstaltungsort befanden.

Für viele der angereisten Gegendemonstranten ging es aber scheinbar nur sekundär um die AfD. Im Nachhinein war vermehrt von antizionistischen Zwischenfällen berichtet worden. Transparente mit Aufschriften wie „Freiheit für Palästina“, „Das ist kein Krieg, das ist Genozid! Erfurt Students for Palestine“ oder „Gegen jede faschistische Politik“ wurden gezeigt. Der Hintergrund des zuletzt genannten Transparents war im Muster der Kufiya gestaltet; neben dem Schriftzug prangte eine Wassermelone, ein Symbol des „palästinensischen Widerstands“ (gemeint ist der Terror gegen Israel).

Die Sudra

Ein Teilnehmer der Gegenproteste trug ein Tuch um den Hals, das zur traditionellen Bekleidung der sephardischen und mizrahischen Juden (also Juden aus nahöstlichen und nordafrikanischen Regionen) gehört. Das Kleidungsstück wird Sudra genannt; der Begriff ist aramäischen Ursprungs. Aramäisch ist die Sprache, die Jesus Christus gesprochen hat. In antiken jüdischen Texten wie dem Talmud ist die Sudra umfassend dokumentiert. Durch Assimilation und Verfolgung schrumpfte die jüdische Kopfbedeckung im Laufe der Zeit zur Kippa.

Die Kufiya, das „Palästinensertuch“, ist eine Weiterentwicklung der Sudra und ist bis auf das Muster (die Sudra ziert oft der Davidstern oder andere hebräische Motive) nicht von ihrem Vorbild zu unterscheiden. Sie entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem weit verbreiteten Alltagskleidungsstück für Männer in der arabischen Welt.

In den 1960er Jahren machte Yasser Arafat, der in Ägypten geborene Vorsitzende der „Palestine Liberation Organization“ (PLO), die Kufiya zu einem Symbol der „palästinensischen“ Bewegung. Bei öffentlichen Auftritten trug er das Tuch um den Kopf geschwungen, sodass an seiner rechten Seite ein dreieckiger Zipfel herunterhing, der die Umrisse des Fantasiestaates „Palästina“ darstellen sollte. Heute ist es zu einem politischen Symbol für pro-„palästinensische“ Aktivisten geworden. Kritiker gehen so weit und nennen es das Bluttuch der Judenvernichtung.

Der Träger der Sudra möchte aufgrund von Sicherheitsbedenken anonym bleiben und wird im folgenden Text als der Betroffene bezeichnet. Nach eigenen Aussagen habe er sich als Teil der Bremer Ortsgruppe der „Iron Dome“-Bewegung um 1 Uhr nachts in Erfurt eingefunden.

Die Iron Dome-Bewegung

Nach eigener Darstellung handelt es sich um eine zivilgesellschaftliche Initiative, die sich dem entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus verschrieben hat. Der Fokus liegt auf dem Schutz, der Stärkung und der Sichtbarkeit jüdischen Lebens – konkret, praktisch und ohne Relativierungen.

Die Bewegung entstand am fünften Januar 2025, als sich fünf Frauen einer pro-„palästinensischen“ Demonstration in Hannover entgegenstellten. Wenig später kamen weitere Ortsgruppen dazu. Mittlerweile gibt es zwölf aktive deutsche Gruppen sowie eine schwedische und eine in Wien.

Die Geschehnisse während der Proteste

Bevor die erste Zubringer-Demo um 8 Uhr startete, entdeckte die betroffene Person trotz des kommunizierten Demokonsenses Gruppen, die Banner mit „Palästina“-Bezug hatten. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, lief die Person während der Demonstration vor einer solchen Gruppe und trug dabei eine Iron Dome-Fahne.

Im Laufe der Demonstration kamen immer mehr Leute zu ihr und beschwerten sich über die Fahne. Nach einer Weile wurde wegen eben dieser über den Lautsprecherwagen eine Ansage gemacht, in der es hieß, dass man hier gegen jeden Faschismus demonstrieren würde. Das würde auch den israelischen, den türkischen und den US-amerikanischen Faschismus einschließen. Deshalb forderte die Person am Mikrofon, dass faschistische Symbole, auch israelische, aus der Demo zu entfernen seien, da diese dort nichts zu suchen hätten. Davon existiert eine Videoaufnahme:

Nach dieser Ansage sei die betroffene Person erstmals bedrängt worden. Eine Person, bei der sie sich nicht sicher ist, ob diese ein Ordner war, meinte, dass die Farbe Blau, in der die Fahne gehalten war, bereits ein Problem sei. Der Betroffene machte daraufhin das Angebot, die blaue Fahne gegen eine in Regenbogenoptik zu tauschen, was zunächst angenommen wurde. Kurz darauf schritt ein weiterer Ordner ein und verbot auch das Zeigen der Regenbogenfahne.

Die Iron-Dome-Fahne in Regenbogenoptik. Die zuvor gezeigte Flagge hatte eine blaue Beschriftung. Foto: Die betroffene Person
Die Iron Dome-Fahne in Regenbogenoptik. Die zuvor gezeigte Flagge hatte eine blaue Beschriftung. Foto: Die betroffene Person

Die Demo ging ohne Fahne weiter bis zum Messegelände, wo alle Demonstrationszüge aufeinander trafen. Dort kam es laut dem Betroffenen um ca. 12:47 Uhr zum ersten Mal dazu, dass Demonstranten seinen Schal bemerkten, der mit einem Davidstern und hebräischer Schrift verziert war. Eine Gruppe beobachtete den Träger, skandierte Slogans wie „Free Palestine“ und zeigte „palästinensische“ Fahnen. Nach einer Weile sprachen Menschen aus der Gruppe die betroffene Person an und beschuldigten sie, ein Zionist zu sein. Eingeschüchtert vom aggressiven Auftreten der Demonstranten versuchte sie gegen 13 Uhr, Abstand von ihnen zu nehmen, was aber nicht gelang, da diese sie verfolgten.

Ab diesem Moment begann die betroffene Person zu filmen. Selbst als sie bei der Flucht stürzte, ließen die Verfolger nicht von ihr ab. Auf dem Video ist zu hören, wie die Verfolger „Es gibt kein Recht auf Zio-Propaganda“, „Zio, verpiss dich, keiner vermisst dich“ und „Viva Palästina“ brüllen.

Ein Demonstrationszug, der von dem Geschehen nichts mitbekommen hatte, skandierte in diesem Moment „Antideutsche sind keine Linken“, was dazu führte, dass die Verfolger sich bestätigt fühlten und mit einstimmten. Die betroffene Person lief in die Richtung mehrerer Infostände, um dort Hilfe zu suchen. Bei einem dieser Stände entdeckte sie eine Fahne mit einem Davidstern und ging auf den ihn zu. Es handelte sich um einen Stand von RIAS e. V. (Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus). Die Betreuer hatten keine Ahnung, was passiert war, und versuchten zunächst, die betroffene Person davon abzuhalten, den Stand zu betreten. Nachdem sie aber verstanden hatten, dass es sich um eine Notsituation handelte und der Flüchtende sich am Rande eines Nervenzusammenbruchs befand, half man ihm und bot Wasser und Snacks an. Der Betroffene hielt sich daraufhin noch bis ca. 14:30 Uhr am Stand auf, bis sich die Situation beruhigt hatte. Die darauffolgende Abreise über den Hauptbahnhof erfolgte ereignislos.

Die Linke hat ein Antisemitismus- und Gewaltproblem

Der Vorfall zeigt erneut, dass die linke Bewegung ein Problem mit Antisemitismus hat. Es lässt sich mutmaßen, dass weder das Zeigen der „Iron Dome“-Fahne noch das Tragen einer Sudra auf dem Parteitag der AfD zu Problemen geführt hätte.

Die Gegner der Partei, die bei den Gegendemonstrationen gewalttätig gegen Pressevertreter vorgegangen sind, vermeintliche politische Gegner gejagt und geschlagen haben und dies im Nachhinein auf einer Pressekonferenz auch noch legitimiert haben, sollten sich fragen, ob sie ihrer Sache damit einen Gefallen tun.

Denn so viel steht fest – wenn gegen Menschen, die offen für jüdisches Leben und den Staat Israel eintreten, der dies als einzige Instanz garantieren kann, gewalttätig vorgegangen wird, gehören diejenigen, von denen dieses Verhalten ausgeht, nicht zu den „Guten“, für die sie sich halten.

Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x