
Künstliche Intelligenz hat wie keine andere Technologie das Potenzial, die Gesellschaft zu verändern. Um im globalen Wettbewerb mitzuhalten, müsste Deutschland sich von seinem irren Datenschutzfetisch und seiner grünen Energiepolitik verabschieden. Die Tech-Taliban wissen das und machen mobil.
Die auf einem Biobauernhof aufgewachsene Philosophin Eva von Redecker macht sich Sorgen: „Wir erleben ein Wettrennen um Zerstörungsfähigkeit“, sagt sie in einem Interview mit der Zeit. Und ein Beispiel für diese These hat sie auch parat: Die flächendeckende Etablierung von Large Language Models wie ChatGPT, Claude oder Gemini würde sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie extrem viel Energie verbrauchen. „Meine These wäre, dass sich dies alles gerade deshalb durchsetzt, weil es so unvernünftig ist, gerade weil es so viel Energie verbraucht.“ Das sei alles unnötig, denn auch „KI ließe sich fernab der energieintensiven Big-Data-Modelle weiter beforschen, etwa in domänenspezifischen Anwendungen mit gezielt kuratierten Daten.“ Das stimmt natürlich. Ich erinnere mich gut daran, wie einer meiner Professoren vor über 30 Jahren an einem PC mit 486er-Prozessor an neuronalen Netzwerken arbeitete und mir stolz kleine Dreiecke zeigte, die über den Monitor huschten. Dumm nur, dass auch „domänenspezifische Anwendungen mit gezielt kuratierten Daten“ nicht auf einem Billiglaptop aus dem MediaMarkt laufen, der seinen Strom vom Scheunendach nebenan bezieht: AlphaFold, das von Demis Hassabis und seinem Team entwickelte KI-System zur Vorhersage von Proteinstrukturen – Arbeiten, die 2024 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurden –, benötigt gewaltige Rechnerkapazitäten.
Um erfolgreich zu sein, muss KI skalieren, braucht riesige Mengen an Daten und Hochleistungschips. Leistungsfähige KI ist energieintensiv, das hat sie mit einer wohlhabenden Gesellschaft gemeinsam, und das ist auch kein grundsätzliches Problem: Energie kann man in nahezu beliebigen Mengen erzeugen, und China macht gerade vor, wie das geht: Das Land baut massiv Solar- und Windenergie aus, fertigt Kernkraftwerke in Serien, lässt seine Kohle- und Gaskraftwerke am Netz und forscht intensiv an Kernfusion, um das Problem des CO₂-Ausstoßes zu lösen.
KI greift die deutsche Energiewende an wie keine andere Technologie: Mit einer Ideologie, deren Ziel ein immer geringerer Energieverbrauch ist und bei der Strom nur mit Wind und Solar erzeugt wird, ist sie nicht vereinbar. Dazu kommt, dass KI ein Produktivitätsturbo ist, der das Wirtschaftswachstum antreiben wird. Für alle, die von einer Postwachstumswirtschaft träumen, ist sie der Feind schlechthin.
Und so machen die Tech-Taliban seit Monaten mobil: Die Essener Stiftung Mercator fördert mit 11,6 Millionen Euro Arbeiten und Initiativen zum Thema „Digitalisierte Gesellschaft“. Damit ist das Themenfeld erstmals besser finanziert als Klimaschutz, für den nur noch 9,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen. so wenig wie noch nie seit 2021.
Die Stiftung ist einer der wichtigsten Aktivisten-Finanzierer Deutschlands. Die von ihr unterstützten Lobby-Organisationen wie Agora Energiewende und Agora Digital gelten vielen als „Think Tanks“, arbeiten im Kern jedoch nur daran, das Land technologisch und wirtschaftlich zu ruinieren und Wachstum zu verhindern. Der Kampf gegen KI und Rechenzentren ist dabei zurzeit das Feld der zentralen Auseinandersetzung, nachdem man die Deindustrialisierung durch die propagierte Klima- und Energiepolitik erfolgreich auf den Weg gebracht hat.
Das ist zum Beispiel AlgorithmWatch. Die Berliner NGO hat sich dem Kampf gegen Rechenzentren verschrieben. Deren Zahl steigt seit dem KI-Boom vor drei Jahren rasant. Dabei sind Rechenzentren das Rückgrat der digitalen Wirtschaft: Ohne sie gibt es keine moderne KI. Unternehmen lagern Daten aus, trainieren Modelle und betreiben ihre Prozesse dort. Auch Verwaltungen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Energieversorger sind darauf angewiesen. Selbst die intelligente Steuerung des Energieverbrauchs funktioniert ohne diese Infrastruktur nicht.
AlgorithmWatch, im vergangenen Jahr von der Stiftung Mercator mit über 300.000 Euro gefördert, hat kürzlich einen Leitfaden veröffentlicht: „Wie man sich gegen Rechenzentren wehrt“. Darin heißt es etwa:
„Sie können der Errichtung eines Rechenzentrums widersprechen, wenn es auf Ackerland, in einem Wohngebiet oder in der Nähe von geschützten Lebensräumen gebaut werden soll.“
Und weiter: „Mit der Genehmigung ist der Kampf noch nicht vorbei“ – selbst dann könnten Initiativen Betreiber zwingen, ihren Wasser- und Energieverbrauch offenzulegen.
Auch das Image wird thematisiert: Gegner liefen Gefahr, als „technologiefeindlich“ zu gelten. Gleichzeitig behauptet der Leitfaden, viele Rechenzentren existierten nur wegen des KI-Hypes. Und weiter: „KI-Systeme funktionieren viel besser, wenn sie klein und spezialisiert sind – und erfordern zudem viel kleinere Rechenzentren.“
Das hat natürlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun: Fast alle industriellen KI-Anwendungen benötigen ebenso leistungsfähige Rechenzentren wie die Forschung in Materialwissenschaft, Medizin, Bioinformatik oder Physik.
AlgorithmWatch gehört gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen, Wikimedia Deutschland, Open Knowledge Foundation Deutschland und der Gesellschaft für Freiheitsrechte zum von der Stiftung Mercator geförderten „Bündnis F5“. Dieses fordert unter anderem, neue Rechenzentren ausschließlich mit zusätzlicher erneuerbarer Energie zu betreiben.
Auch die von der Stiftung Mercator geförderte Initiative Bits & Bäume unterstützt diese Forderung. Zu ihr gehören unter anderem die BUNDjugend, der DGB und das Konzeptwerk Neue Ökonomie, das für Postwachstumsökonomie wirbt, was ja nichts anderes als ein hipper Begriff für Armut ist.
Auf der Tech-Taliban-Konferenz „Cable of Resistance“ in Berlin, bei der laut einem Bericht der taz auch mehr oder weniger offen Angriffe auf technische Infrastruktur diskutiert wurden, machte der BUND-Vertreter Werner Neumann deutlich, wohin die Reise gehen soll. Im Kampf um die Deutungshoheit dürfe man nicht zu zurückhaltend auftreten. Wer nur nachhaltige Rechenzentren fordere, sie aber nicht grundsätzlich infrage stelle, drohe zum „Steigbügelhalter des Tech-Kapitals“ zu werden. „Wir haben auch nie gefordert, die Abwärme von Atomkraftwerken zu nutzen. Da müssen wir selbstbewusster werden.“
Das beste Rechenzentrum ist demnach das, das nie gebaut wird. Die beste KI diejenige, die dümmer ist als ein deutscher Öko-Aktivist.
Aber es geht der Szene nicht nur um Klima und Umwelt, auch wenn sich diese Themen in den vergangenen Jahren bewährt haben, wenn es darum ging, das Land zu ruinieren und Wohlstand zu vernichten. Man setzt auf ein Doppelframing: KI ist nicht nur eine Gefahr für Kreuzkröten und grüne Gesamtschullehrerinnen, sie wird auch von finsteren Gestalten vorangetrieben, den Tech-Bros, die nicht nur allesamt Männer sind, was ja schon schlimm genug wäre, sondern auch noch rechts: Nun ist der Tech-Investor Peter Thiel sicher ein katholisch irrlichternder rechter Intellektueller und auch Elon Musk eine politisch sicher fragwürdige Figur mit Hang zu faschistoiden Begriffen und Gesten, aber die Tech-Szene ist politisch bunt. Palantir-Boss Alex Karp ist eher ein klassischer Helmut Schmidt-Sozi. OpenAI-Gründer Sam Altman war nach einem Bericht des Spiegel in San Francisco „Teil des Übergangsteams des demokratischen Bürgermeisters Daniel Lurie, das ihn auf seine Amtsübernahme im Januar 2025 vorbereitete“, der scheidende Apple-CEO Tim Cook hielt trotz des Drucks von Trump an den Diversity-Programmen des Unternehmens fest, und Amazons Jeff Bezos scheint seine Erfüllung darin gefunden zu haben, sich als alternder Playboy zu präsentieren. Sein Bezos Earth Fund finanziert zudem Klagen radikaler Öko-Organisationen.
Ja, sie alle haben Trump gehuldigt, aber haben die Vertreter der deutschen Industrie vor ein paar Jahren, als die Öko-Antisemitin Greta Thunberg noch vergöttert wurde, auch getan. Manager sind oft auch Opportunisten, die sich dem Zeitgeist anbiedern, um ihre Unternehmen zu schützen oder etwas für sie rauszuholen. Nichts Neues unter der Sonne.
Die Tech-Taliban haben kein Interesse an einer Debatte über die Folgen von KI. Wie schon auf dem Feld der Energiepolitik sind Vernichtung und Zerstörung hier Hauptziel. Sie haben eine genaue Vorstellung davon, wie die meisten Menschen, sie selbst natürlich nicht, zu leben haben: In einem grünen Armenhaus. Es ist eine menschenverachtende, autoritäre und arrogante Ideologie, die schon viel zu lange die Politik in Deutschland und Europa entscheidend prägt und die nur Verachtung und Widerstand verdient.
