
Gibt es eine Mehrheit für die gemeinsame Olympia-Bewerbung von 17 Städten in Nordrhein-Westfalen? Heute Abend wissen wir es. Unser Autor hat jedenfalls dafür gestimmt.
Ab 18 Uhr werden in den 17 Städten in Nordrhein-Westfalen die Stimmen der Ratsbürgerentscheide ausgezählt. Eine einfache Mehrheit reicht für die Annahme nicht aus, nur wenn mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten zustimmen, kann sich eine Stadt an der Olympia-Bewerbung beteiligen. Über sie entscheidet letztendlich im September der Deutsche Olympische Sportbund. Neben dem Stadthaufen „KölnRheinRuhr“ in NRW bewerben sich auch München, Hamburg und Berlin. Die Münchner haben einer Bewerbung schon zugestimmt, die Hamburger stimmen am 31. Mai ab und die Hauptstadt bewirbt sich ohne Bürgerbefragung. Ob Deutschland überhaupt den Zuschlag für die Spiele bekommt ist vollkommen offen. Man bewirbt sich gleich für drei Jahre: 2036, 2040 und 2044.
Ich habe schon vor Wochen an der Briefwahl teilgenommen und mit „Ja“ gestimmt, obwohl mich die Olympischen Spiele noch weniger als Fußballweltmeisterschaften interessieren. Ich habe mir seit Jahrzehnten keine Minute Olympia im Fernsehen angeschaut, bei Weltmeisterschaften genieße ich zumindest die Niederlagen der deutschen Nationalmannschaft und drücke England und Griechenland die Daumen. Ich halte die Bewerbung „KölnRheinRuhr“ für grottenschlecht: 17 Städte? Die Spiele auf einer Fläche zwischen Aachen und Dortmund? Das ist kein Konzept, das ist eine Zumutung.
Köln hätte sich alleine bewerben sollen: Die Stadt ist 2000 Jahre alt, die einzige Millionenstadt NRW, der Dom ist weltbekannt und die Kölner gastfreundlich und trinkfest. Aber in Nordrhein-Westfalen müssen alle immer irgendwie mitgenommen werden, es darf keiner außen vor bleiben, was natürlich Unsinn ist.
Natürlich glaube ich nicht daran, dass die Investitionen hier irgendwas wie einen besseren Nahverkehr bewirken werden, dafür ist die Fläche, auf der sie verteilt werden müssten, viel zu groß. Und selbstverständlich würde es am Ende teurer werden. Die versprochene Nachhaltigkeit ist mir als Schalker so egal, wie es der Abstieg des VfL Bochum aus der 2. Liga wäre.
Und wer bitte glaubt im Ernst daran, dass dieses Konglomerat von Städten eine Chance hat, sich gegen München oder Hamburg durchzusetzen, zweier wirklich schöner, großer Städte? Die Bewerbung „KölnRheinRuhr“ ist genauso aussichtslos wie die Deutschlands dysfunktionaler Hauptstadt Berlin, auch wenn deren regierender Bürgermeister ein großer Tennisspieler ist, der einem Match immer mal wieder den Vorzug vor der Arbeit gibt, selbst wenn Tausende seiner Bürger im Dunkeln sitzen und frieren.
Doch dann schaue ich mir die Gegner der Bewerbung an: MERA25, die vom griechischen Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis, der Schande Griechenlands, gegründete Partei ist, wie die Linke, eine Bande von Israelhassern. Und dann ist da noch der BUND. Einer seiner Vertreter hat sich auf einer Konferenz in Berlin generell gegen den Bau von Rechenzentren ausgesprochen und in Köln hat die Ökogang ein Problem mit dem Bau des olympischen Dorfes auf einer Freifläche. Huch – da könnten ja Wohnungen entstehen. Für den BUND ein Grund für Protest.
Ich hoffe, dass sie heute verlieren. Nein, es wäre keine große Niederlage, aber ich kann mich auch an kleinen Dingen erfreuen.

Ich verfolge das Thema relativ gleichgültig, da die Bewerbung am Ende ohnehin chancenlos sein wird. Selbst wenn es dazu kommt. Sich schon national durchzusetzen dürfte schwer fallen. International wäre man damit endgültig chancenlos. Von daher lohnt es sich aus meiner Sicht nicht, darüber aufzuregen. In keine Richtung… Was ich aber erstaunt zur Kenntnis nehme, ist die intensive Berichterstattung Pro Olympia im WDR. Da konnte man dem Thema ja schon seit Wochen nicht aus dem Weg gehen. Jeden Tag Olympia. Und das fast völlig unkritisch. Wenn es mit so viel ‚Hofberichterstattung‘ nicht mit dem klaren ‚Ja‘ klappt, dann weiß ich auch nicht. 😉