Der schleichende Kollaps des BVB im Saisonendspurt

BVB-Trainer Niko Kovac hatte zuletzt nur noch selten Grund zur Freude. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist mal wieder diese Phase, in der man sich bei Borussia Dortmund fragt, ob das alles eigentlich ein großer Plan ist – oder einfach nur das wiederkehrende Gefühl, dass jemand mitten im Marathon beschlossen hat, spazieren zu gehen.

Die Bundesliga-Saison 2025/26 biegt auf die Zielgerade ein, doch der BVB wirkt dabei weniger wie ein ambitionierter Verfolger als vielmehr wie ein Team, das innerlich schon die Koffer für die Sommerpause packt.

Zwei Niederlagen in Serie, davor ein schmeichelhafter Sieg in Stuttgart – die Formkurve zeigt nicht nach unten, sie stürzt regelrecht ab. Und das Problem ist dabei nicht einmal nur das Ergebnis, sondern das Wie: zu wenig Tempo, zu wenig Biss, zu wenig Überzeugung. Kurz gesagt: zu wenig von allem, was man braucht, um ganz oben mitzuspielen.

Punkte ja, Überzeugung nein

Die Tabelle lügt bekanntlich nicht – aber sie verschweigt gern die Details. Ja, Dortmund wird sich aller Voraussicht nach wieder für die Champions League qualifizieren. Ja, die Punkteausbeute wirkt auf dem Papier solide. Doch wer die Spiele gesehen hat, weiß: Das Fundament dieser Saison ist brüchig.

Zu oft wurden Siege gegen schwächere Gegner irgendwie über die Ziellinie geschleppt. Gegen direkte Konkurrenz hingegen? Ernüchterung. Und genau hier liegt der Kern des Problems: Diese Mannschaft kann verwalten, aber sie kann selten dominieren. Sie kann reagieren, aber kaum diktieren.

Die jüngsten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 27 Torschüsse in drei Spielen, ein xG-Wert von 2,61 – und daraus resultieren magere drei Tore. Das ist keine Effizienz, das ist ein Offenbarungseid.

Die Rückkehr der Mentalitätsdebatte

Natürlich ist sie wieder da, die gute alte Dortmunder Lieblingsdiskussion: die Mentalitätsfrage. Und diesmal wirkt sie weniger wie ein Klischee als vielmehr wie eine ziemlich treffende Diagnose.

Wo ist der Hunger geblieben, den man einst unter den Trainern Jürgen Klopp oder auch Thomas Tuchel so eindrucksvoll sehen konnte? Wo ist dieses bedingungslose Anrennen, dieses Gefühl, dass man jedes Spiel gewinnen muss?

Stattdessen wirkt der aktuelle Kader oft wie eine Ansammlung solider Einzelspieler ohne echte gemeinsame Vision. Ambition? Vorhanden, aber selten sichtbar. Angriffslust? Eher situativ als konstant. Und genau das ist der Unterschied zwischen einem Herausforderer und einem echten Titelkandidaten.

Führungslos in die Zukunft?

Besonders heikel wird die Lage, wenn man den Blick über den Platz hinaus richtet. Die sportliche Schieflage fällt nämlich zusammen mit einem spürbaren Vakuum in der Führungsetage.

Der Rückzug von Hans-Joachim Watzke aus dem Tagesgeschäft kam spät und wirkte alles andere als sauber vorbereitet. Sein Nachfolger Lars Ricken steht nun im Scheinwerferlicht – und wirkt dabei nicht wie jemand, der die Bühne kontrolliert, sondern eher wie jemand, der noch nach dem Skript sucht.

Und dann ist da noch der neue Sportdirektor Ole Book. Seine Aufgabe? Nichts Geringeres als die Generalüberholung eines Kaders, der über Jahre hinweg ohne klare Linie zusammengestellt wurde. Eine Herkulesaufgabe – und das ist noch freundlich formuliert. Denn Zeit hat er kaum, Druck dafür umso mehr.

Ein Sommer der unbequemen Wahrheiten

Die aktuelle Formkrise wird das minimale Saisonziel, die erneute Qualifikation für die Champions League, vermutlich nicht mehr gefährden. Aber sie legt schonungslos offen, was im Sommer auf den Tisch muss: unangenehme Fragen, harte Entscheidungen und vor allem ein klares Konzept.

Denn eines ist klar: So wie jetzt reicht es für den BVB vielleicht (dank der ebenfalls nicht gerade überzeugenden Konkurrenz) hinter den übermächtigen Bayern für Platz zwei oder drei. Aber sicher nicht für mehr. Und genau dieses „mehr“ war in Dortmund einmal der Anspruch.

Aktuell wirkt der BVB jedoch wie ein Klub, der sich zwischen Vergangenheit und Zukunft verirrt hat – mit Erinnerungen an bessere Zeiten, aber ohne klare Idee, wie man dorthin zurückkommt. Und das ist am Ende vielleicht die größte Baustelle von allen.

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