Serie: Die Reichsbahn und die jüdischen Bürger  (Teil 2)

Mit Wagen dieses Typs wurden während des Holocausts Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Proesi, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de

Von unserem Gastautor Thomas Weigle

Es gab Ende 1938 noch kein generelles Beförderungsverbot für Juden bei der Reichsbahn, was etwas überrascht, war jüdischen Bürgern mittlerweile doch das Führen von KFZ untersagt, ebenso das Halten von KFZ. Führerscheine und Zulassungspapiere wurden spätestens mit Ablauf des Jahres 1938 eingezogen bzw. mussten abgegeben werden.

Wie erwähnt wurde jüdischen Bürgern Anfang 1939 die Benutzung von Speise-und Schlafwagen verboten, die vom Vorzeigearier Goebbels nach dem Pogrom geforderten Abteile für Juden wurden immerhin nicht eingeführt. Auch galten die Bestimmungen hinsichtlich der Speise-und Schlafwagen nicht für Juden anderer Staatsangehörigkeit. Allerdings galt das Verbot nicht für Ehepartner in Mischehen. Diese durften weiterhin diese Wagen benutzen, allerdings nur in Begleitung des „deutschblütigen Ehepartners.“

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Ein paar Gedanken über Adidas, Deichmann und H&M

Adidas-Originals-Ladengeschäft Foto: Jan Hagelskamp1 Lizenz: CC BY 4.0

Derzeit lese ich sehr viele Aussagen zu dem Verhalten von Adidas, Deichmann, H&M und Co. Die Unternehmen würden sich weigern ihre Mieten zu zahlen und damit private Vermieter schädigen, wohingegen kleine Unternehmen ihre Mieten zahlen und dafür pleite gehen. Von unserem Gastautor Trevor Rhûnparth.

So sinngemäß heißt es derzeit, wenn es so wahr wäre, so wäre es auch ein eindeutiger Skandal, schaut man sich aber im Detail an, was genau passiert ist:

Zum einen wurden die Vermieter im Vorfeld kontaktiert und gebeten die Mieten zu stunden. Genau das geschah auf Grundlage eines Gesetzes, dass auch von der SPD gefordert und umgesetzt wurde. Auf Grundlage dieses Gesetzes können auch Einzelhändler und kleine Unternehmen um die Stundung ihrer Mieten aufgrund der Coronaepidemie bitten

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Der Attentäter von Halle und offene Türen

Stephan Balliet Quelle: Twitter

Geehrte Leserinnen und Leser,

Wie man in der «Frankfurter Allgemeinen» lesen konnte, hat Stephan B., der Attentäter von Halle, ein umfassendes Geständnis abgelegt, in dem er unteranderem, sagte, dass er wünschte, mehr Menschen ermordet zu haben und es tatsächlich auf Juden abgesehen hatte. Welche Überraschung, dass ein Mann, der bewaffnet an Yom Kippur in eine Synagoge einzudringen versucht, Juden meucheln will! Stephan B. scheiterte allerdings an der Synagogen-Türe!

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Neue Serie: Die Reichsbahn und die jüdischen Bürger (Teil 1)

Gedenktafel zu den Deportationstransporten jüdischer Menschen aus Frankfurt zwischen 1941 und 1945. Quelle: Wikipedia; Foto: Dontworry, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Von unserem Gastautor Thomas Weigle

In dem atmosphärisch dichten und wirklich sehenswerten US-TV Kammerspiel „Conspiracy“ entlässt Kenneth Brannagh als Heydrich die Teilnehmer der Wannseekonferenz u.a. mit den Worten: „Schreiben Sie ihre Fahrpläne.“ Nun, dieser Satz machte allerdings keinen Sinn, den keiner der Teilnehmer konnte oder hatte Fahrpläne (zu) schreiben, denn das Verkehrsministerium und die Reichsbahn waren bei dieser Konferenz am Wannsee, während der die ENDLÖSUNG und ihre Durchführung beschlossen wurde, überhaupt nicht vertreten. Das war auch gar nicht nötig, denn die Fahrpläne waren bereits in Kraft bzw. das dafür nötige und erfahrene Personal stand bereits zur Verfügung. Deportationszüge rollten eh bereits seit Oktober 39 von Wien aus in den besetzten Osten.                   

Es soll in dieser kleinen Serie darum gehen, wie die Reichsbahn zunächst als Deutsche Reichsbahngesellschaft (es wird aber immer von der Reichsbahn(RB) die Rede sein) und ab 1937 als Staatsbetrieb die Vorgaben der neuen Machthaber in Bezug auf die noch jüdischen Staatsbürger umsetzte, wie sie im besetzten Osten von der Zwangsarbeit jüdischer Häftlinge profitierte. Natürlich geht es auch um die freiwillige und große Mithilfe der Reichsbahn bei der Umsetzung des Holocausts. Eine Literaturliste gibt es am Ende der Serie.

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Systemrelevant sind wir alle

Systemrelevanz (Symbolbild)
Systemrelevant: Das sind alle Berufstätigen in einer arbeitsteiligen und auf freiwilligen Kaufentscheidungen basierenden Volkswirtschaft. (Symbolbild)
Photo by Alina Grubnyak on Unsplash

Systemrelevant: Das sind alle Berufstätigen in einer arbeitsteiligen und auf freiwilligen Kaufentscheidungen basierenden Volkswirtschaft. Warum aber sind die Löhne im Gesundheitssektor so niedrig? Ein Gastbeitrag von Kalle Kappner.

Derzeit ist viel von „systemrelevanten Berufen“ die Rede, von LKW-FahrerInnen, KrankenpflegerInnen und SupermarktkassiererInnen, die in Krisenzeiten „den Laden am Laufen halten“. Mancherorts erhalten sie abends Applaus vom Balkon, in der Bild setzt man ihnen täglich ein Denkmal, und auf Facebook kursieren ihnen gewidmete Dankesbildchen. Ein systemrelevanter Pfleger merkte dazu kürzlich an: „Hört auf zu klatschen, bezahlt uns lieber besser!

Nicht ohne Grund: In den „systemrelevanten Berufen“ (von Ärzten einmal abgesehen) ist das Lohnniveau weit unterdurchschnittlich.

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Raymond Chandler: Trotz Corona-Krise durch das Los Angeles der 1930er Jahre flanieren

New Yorker Stadtteil Manhattan 1931 Foto: Autor unbekannt – U.S. National Archives Original file: american_cities_047.jpg Lizenz: Gemeinfrei

Raymond Chandler ist in meinen Augen einer der größten US-Autoren des 20. Jahrhunderts. Ihn kann man zum Vergnügen lesen, weil man Spannung sucht oder auch zum Trost. Von unserem Gastautor Ansgar Lange.

Sein literarisches Geschöpf, der Privatdetektiv Philip Marlowe, ist ein harter Junge: trinkfest, männlich, ein Frauentyp. Doch er ist auch Melancholiker und Moralist. Marlowe ist der größte Romantiker unter den Privatdetektiven. Sein geistiger Vater, der am 23. Juli 1888 in Chicago, Illinois, geboren wurde, war ebenfalls melancholisch und moralisch, wenn nicht sogar puritanisch geprägt. Doch er war auch ganz anders als Marlowe, nämlich scheu, gehemmt, unglücklich.

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Buchvorstellung: Schienenwege gestern und heute

Die Fotos aus dem Buch zeigen wir hier mit freundlicher Genehmigung des VGB-Verlages.

Von unserem Gastautor Thomas Weigle

Heute möchte ich hier im Blog auf eine Zeitreise hinweisen, die die Verlage VGB und Klartext unternommen haben, und welche durch das Ruhrgebiet führt. Von Duisburg bis Hamm wird anhand von vielen schönen Fotos aufgezeigt, wie sehr sich die Schienen- und  die Industrielandschaft verändert haben.

Schon in den70ern plante der Autor Dietmar Beckmann, den Strukturwandel im Pott fotografisch zu dokumentieren. So erkundete er das Schienennetz, die Industrielandschaft des ‚Pütt‘ per Fahrrad und sammelte zahlreiches Bildmaterial an.

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Wollen Sie ernsthaft ein Corona-Abitur?

Lisa Daimagüler Foto: Privat

Das trotzige „Durch-ziehen-wollen“ der deutschen Bürokratie bezüglich der Abschlussprüfungen im Sommersemester 2020 hat weitreichende Konsequenzen. Bezogen auf die aktuelle Lage, ist es illusorisch anzunehmen, dass sich die Situation bis Ende April weitgehend verbessert habe. Die Krise sorgt für einen absoluten Ausnahmezustand in allen Lebensbereichen. Unsere Gastautorin Lisa Daimagüler steckt Mitten in den Abiturvorbereitungen.

Dass die aktuelle Situation für manche Schüler und Schülerinnen bedeutet, sich um Angehörige kümmern zu müssen (zum Beispiel beim Erledigen der Einkäufe oder auch durch Beistehen in belastenden Zeiten) wird beim sturen Festhalten am Terminplan nicht bedacht.

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Das Regime der Islamischen Republik Iran als Wille und Wahnvorstellung

Iranischer Revolutionsführer Ali Chamene’i im Gespräch mit Putin Foto: Kremlin.ru Lizenz: CC-BY 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani

Geehrte LeserInnen!

Der heutige Text ist wieder einmal ein Quickie. Denn wie man dieser Tage in verschiedenen Medien lesen konnte, wurde ein Dolmetscher, der für die Bundeswehr gearbeitet hat, wegen Landesverrats verurteilt, weil er für den Geheim- und Nachrichtendienst der Islamischen Republik Iran, spioniert hat.

Dies ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich der Geheim- und Nachrichtendienst der Mördermullahs, es wagt, sich so in Deutschland zu gebärden. Vor einigen Jahren engagierte der VEVAK einen pakistanischen Austauschstudenten namens Syed Mustafa H., damit dieser

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Angst essen Seele auf: Im Warteraum Zukunft

Jasmina Jasmina Musić Foto: Privat Lizenz: Copyright

Von unserer Gastautorin Jasmina Musić

Im Moment fühlt man sich vielerorts als freischaffende Künstlerin wie eine Figur, die sich selbst beim freien Fall beobachtet. Jede Sicherheit fällt weg. Der Fall auf freier Strecke, diesen Ausdruck kannte ich bisher nur für Figuren die ich auf der Bühne verkörpern durfte. Eine Grenzerfahrung, die auch ein spielerischer Inspiration sein kann eine persönliche Tragödie also, die ein Figur zu einem essentiellen Tiefe bringen kann.  Doch wenn die Tragödie dein eigenes Leben bestimmt, verschiebt sich etwas gewaltig. Es wird zu deiner persönlichen Tragödie.

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