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Britta Hofmann im Interview: „Fußball ist mein Zuhause. Da schlägt mein Herz.“

Britta Hofmann interviewt Schalke-Trainer Andre Breitenreiter.

Britta Hofmann interviewt Schalke-Trainer Andre Breitenreiter.

Britta Hofmann hat es geschafft. Die in Hamm aufgewachsene Sportjournalistin gehört inzwischen längst zu den etablierten Frauen in der noch immer männerdominierten Fußballszene. Millionen Fußballfans kennen  die sympathische Vollblut-Journalistin wohl mehrheitlich durch die Live-Übertragungen der UEFA Europa League, wo sie zusammen mit dem Ex-BVB-Profi Patrick Owomoyela die Spiele für den Abo-Sender ‚Sky‘ auf der ganz großen internationalen Fußballbühne moderiert.

Aber auch im Rahmen der regelmäßigen Bundesligaübertragungen ist Hofmann als Feldreporterin inzwischen längst zu einer festen Größe geworden, ist an fast jedem Wochenende in einem Stadion vor Ort.  Bereits seit dem Jahre 2011 arbeitet die Blondine zudem für den Sportnachrichtensender ‚SSNHD‘, war dort bereits von Anfang an im Team als Moderatorin mit an ‚Bord‘.

Den Ruhrbaronen verriet Britta Hofmann im Exklusiv-Interview mit Robin Patzwaldt, so kurz vor den entscheidenden Wochen der Fußballsaison, nun so einige bisher wohl unbekannte Hintergründe zu Ihrer Karriere, ihre ganz persönlichen Einschätzungen zur aktuellen Lage in Bundesliga und Europa League, ihre Erinnerungen an das Aus des BVB in Liverpool, und sie gab uns dabei u.a. auch einen kurzen Einblick in ihre konkreten Pläne für das weitere Jahr 2016.

Ruhrbarone: Die meisten unserer Leser werden Dich ja sicherlich durch deine diversen aktuellen Tätigkeiten im Fernsehen kennen. Wie hat sich deine Berufslaufbahn denn eigentlich bis hierhin entwickelt?

Hofmann: Ich bin schon relativ früh mit meinem Vater ins Stadion gegangen und hab dort als 12-Jährige irgendwann alles aufgesaugt. Unter anderem eben auch die Reporter am Spielfeldrand, die damals noch mit riesigen Kopfhörern rumliefen und deshalb gut zu erkennen waren. Und dieses Bild hat sich eingeprägt, wie so eine Zielflagge. Da würde ich gerne stehen wollen, Spieler direkt nach dem Spiel das Mikro unter die Nase halten, ganz nah am Spielfeld sitzen. Teil des Spiels sein, wenn auch nicht aktiv, sondern drumherum, für die Zuschauer. Ich wusste also schon relativ früh, wo ich hin will… Das hat mir sicherlich insgesamt geholfen, denn so konnte ich ganz in Ruhe überlegen, welchen Weg ich gehen möchte.

Mit 17, nachdem ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe, bin ich zu unserer Lokalzeitung und habe gefragt, ob ich nicht am Wochenende Berichte schreiben könnte. Ich hatte Glück und stand ab da mit Block, Stift, Aufnahmegerät und Fotokamera neben dem Platz.

Immer wenn es irgendwie ging, habe ich Journalisten gefragt, wie sie es gemacht haben und was sie mir raten würden. Eine sehr gute Ratgeberin war damals die Mutter von Mats Hummels, die als Fußball-Chefin beim DSF gearbeitet hat. Sie meinte, „Britta, geh nach Köln und studiere Sportjournalismus auf Diplom, dann hast du schon mal eine sehr gute Basis.“

So hab ich das gemacht… und es war die absolut richtige Entscheidung. Ich habe währenddessen fürs Radio, Printmedien und Fernsehagenturen gearbeitet bis ich bei n-tv gelandet bin. Dort habe ich dann noch ein Volontariat angeschlossen und war, wie man so schön sagt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich durfte mich als Sportmoderatorin probieren und durfte weitermachen… 2011 kam dann das Angebot von Sky Sport News HD und ich bin nach München gezogen.

Ruhrbarone: Welche Sportarten verfolgst Du aktuell sonst noch intensiver? Sei es beruflich, oder auch privat. Welche betreibst Du vielleicht auch in Deiner Freizeit?

Britta Hofmann zusammen mit Patrick Owomoyela.

Britta Hofmann zusammen mit Patrick Owomoyela.

Hofmann: Ich bin schon ein ziemlicher Fußball-Freak. Es ist so ein bisschen, wie während meines Studiums. Ich war eine Allrounderin, nirgendwo mega, aber überall so gut, dass es gereicht hat. Ok, Turnen war eine Katastrophe und beim Fußball war ich im Vergleich schon eine der Besseren. So fühl ich mich aber nach wie vor. Ich bekomm von allem was mit, aber Fußball ist mein Zuhause. Da schlägt mein Herz.

Ruhrbarone: Zusammen mit Deinem Kollegen Martin Winkler machst Du seit einiger Zeit ja auch die lockere Web-Show #Mixedzonelive, welche ich persönlich auch schon ein paar Mal mit großem Vergnügen verfolgt habe. Wie seid Ihr denn damals auf die Idee dazu gekommen? Und wie kommt es dabei ausgerechnet zu der Partnerschaft mit Martin Winkler dabei, der ja auch Moderator bei SSNHD ist?

Hofmann: Martin und ich haben uns damals bei Sky kennengelernt. In den Anfängen der News gab es noch fixe Moderationspaare und wir waren eins. Die Chemie hat wirklich sofort gepasst und wir sind mittlerweile beste Freunde. Unsere Familien sind befreundet und wir ticken einfach gleich.

Ist doch klar, dass man dann auch mal auf verrückte Ideen kommt. Eine davon war MixedZoneLive… Leider schaffen wir es gerade nicht die Show regelmäßig zu produzieren. Das ist aber unser festes Ziel in der kommenden Saison.

Ruhrbarone: Kommen wir mal zum aktuellen Fußball. In diesen Tagen stehen ja die Halbfinalspiele der Europa League auf dem Programm. Wer ist denn jetzt Dein Titelfavorit, wo der BVB es in Liverpool ja auf dramatische Art und Weise nicht geschafft hat?

Hofmann: Die Dortmunder waren mein Favorit, ich war mir soooo sicher, dass sie sich gegen Liverpool durchsetzen. Und sie waren ja auch ganz nah dran. Aber das ist eben auch Fußball – unberechenbar. Und dafür lieben und hassen wir ihn ja auch so.

Nach so einem Spiel gehören die Reds natürlich jetzt auch zu den Favoriten. Wenn du so ein Spiel drehst, dann kannst du auch danach jede andere, qualitativ eigentlich besser besetzte Mannschaft schlagen. Und dann haben wir ja noch den FC Sevilla – der will den Titel zum 3. Mal in Serie gewinnen. Den Spaniern liegt einfach dieser Wettbewerb, auch wenn sie sicher ein Weiterkommen in der Champions League vorgezogen hätten.

Ruhrbarone: Wie hast Du das Aus des BVB damals überhaupt erlebt? Wir sind ja, wenn wir auch überregional gelesen werden, ein Blog aus dem Ruhrgebiet. Schildere doch mal deine Gedanken zum Aus des BVB damals? Wie hast Du das miterlebt?

Hofmann: Das war einfach unbeschreiblich. Owo und ich saßen auf der Tribüne und haben uns nach 9 Minuten und dem 2:0 für Dortmund angeschaut und einfach nur gelacht. Wir haben schon über unsere nächste Dienstreise geflachst. Bitte nicht in die Ukraine, lieber nach Spanien…

Beim Schlusspfiff standen wir dann schon unten am Feld, da haben wir uns auch angeguckt, aber beide einfach nur geschockt. Wenn du bei so einem Spiel, bei so einem Ergebnis im Stadion bist, dann kann man das mit Schmerzen vergleichen. Wie bei einem Schlag in den Bauch, zumindest stell ich mir das Gefühl so vor. Die ganze Anspannung, die Emotionen haben sich plötzlich so taub angefühlt.

Du zitterst die letzten Minuten mit und denkst: Nur nicht noch ein Tor, nicht noch ein Tor. Und dann fällt genau das. Es ist wirklich schwer diese Enttäuschung in Worte zu fassen, zumal wir die Dortmunder Fans direkt vor uns hatten.

Ruhrbarone: Wenn man den Wettbewerb insgesamt betrachtet, dann war die Gruppenphase häufig ja noch eher zäh. Seit den KO-Spielen ist es jetzt jedoch deutlich spektakulärer. Wohl auch, weil die Champions League-Absteiger noch mit dazu gekommen sind. Wie beurteilst Du diesen Wettbewerb aktuell?

Hofmann: Die K.O.-Phase bringt ja an sich schon mehr Brisanz mit, weil es in zwei Spielen um alles oder nichts geht. Gruppenphase kannst du ja auch mal etwas ausprobieren oder auf die Spiele in der heimischen Liga Rücksicht nehmen. Das ist in diesen entscheidenden Duellen in der Regel nicht der Fall, Ausnahmen, wie Tottenham gibt es natürlich trotzdem.

Ich muss gestehen, dass ich die Europa League in dieser Saison phasenweise spannender fand als die Partien in der Champions Leauge. Wir hatten tolle Teams dabei, auch aus deutscher Sicht. Ich hoffe sehr, dass wir in der kommenden Spielzeit wieder so stark vertreten sind und es eine Mannschaft vielleicht auch endlich mal ins Finale schafft.

Ruhrbarone: Kanntest Du deinen Kollegen Patrick Owomoyela eigentlich auch schon bevor man Euch im Vorjahr als neues Moderatorenduo der Euro League vorgestellt hat persönlich?

Hofmann: So richtig haben wir uns eigentlich erst in der Vorbereitung auf die Sendung kennengelernt. Und es hat sofort gepasst. Die Chefs haben also ein gutes Näschen bewiesen, es mit uns auszuprobieren. Wir haben denselben Humor und sind beide relativ locker. Und klar, dann hat man natürlich auch zwischen den Sendungen Kontakt. Wir tauschen uns über Fußballthemen aus oder auch einfach über unsere Töchter, die fast gleich alt sind. Eine tägliche Whatsapp, ob der andere gut geschlafen hat, gibt es aber nicht. 😀

Ruhrbarone: Kommen wir mal auf deinen ‚Produktionsalltag‘ zu sprechen. Wenn man Dir so auf Facebook folgt, dann merkt man rasch, dass Du offenbar sehr viel unterwegs bist. An wie vielen Tagen im Jahr bist Du schätzungsweise eigentlich insgesamt auf Reisen?

Hofmann: Puh, das ist schwer zu sagen oder auch zu planen. Du weißt ja zu Beginn der Saison noch nicht, wie die sich mal entwickeln sollte. Dass wir mit dem Duell Dortmund-Liverpool ins Stadion gehen, war da ja noch nicht vorherzusehen. Da bist du dann natürlich richtig viel unterwegs. 3 Tage Dortmund, 3 Tage Liverpool, dann direkt wieder Bundesliga. Das war schon etwas stressig. Zumal das Spiel an der Anfield Road wirklich viel Kraft gekostet hat. Die Tage im Newsroom sind wirklich rar geworden, obwohl ich die sehr genieße.

Ruhrbarone: Wie siehst Du aktuell die Entwicklung der Fußball-Bundesliga? Viele Fans finden es ja bedenklich, dass die Bayern die Liga immer mehr zu dominieren scheinen? Was sagst Du dazu?

Britta Hofmann interviewt Darmstadts Sandro Wagner.

Britta Hofmann interviewt Darmstadts Sandro Wagner.

Hofmann: Diese Diskussion wiederholt sich ja schon seit Jahren. Ich glaube fest daran, dass es auch in Zukunft immer wieder Klubs geben wird, die den Bayern Paroli bieten können. Siehe Dortmund. Ein neuer Trainer auf der Bayernbank bedeutet ja nicht gleich auch, dass es so erfolgreich weitergeht. Und ich bin mir sicher, dann ist der BVB in der kommenden Saison da und wird nicht mehr bester Zweiter aller Zeiten, sondern an den Bayern vorbeiziehen. Natürlich muss man jetzt auch mal abwarten, was die Transferperiode so bringt. Wechselt Hummels wirklich nach München? Wie ersetzt der BVB Gündogan? Was tut sich bei den Bayern. All das wird sicher mit entscheiden.

Schlimmer find ich den Abstand nach den beiden Teams. Da bekommt es seit Jahren kein Klub konstant hin gefährlich zu werden. Und natürlich spielen da dann auch die Gelder der Champions League eine Rolle.

Ruhrbarone: Im Sommer ist ja auch noch die EM in Frankreich. Wie schätzt Du da die Chancen der Deutschen Mannschaft ein? Wirst Du persönlich dann auch in Frankreich vor Ort mit dabei sein?

Hofmann: Nein, ich werde nicht mit dabei sein. Ich werde den Sommer genießen und an irgendeinem tollen Ort die Spiele verfolgen.

Die deutsche Mannschaft ist als Weltmeister automatisch Favorit. Dass es momentan personell mal wieder nicht optimal aussieht, macht mir keine Sorgen. Das war doch bis jetzt irgendwie immer so… Aber ich bin sehr gespannt, wer sich da noch ins Rampenlicht spielt. Was ist mit den Belgiern zum Beispiel? Ich freu mich auf den EM-Sommer und hoffe, wir können es den Spaniern gleich machen und nach der WM jetzt den EM-Titel holen.

Ruhrbarone: Kommen wir zum Schluss noch einmal auf Deine persönliche Karriere zurück. Was war für Dich denn Dein ganz persönlicher Karrierehöhepunkt bisher? Woran denkst Du besonders gerne zurück, und woran vielleicht auch eher weniger? Gab es schon spektakuläre Pannen?

Hofmann: Dortmund an der Anfield Road als Moderator zu erleben war natürlich ein absolutes Highlight, allerdings auch gleichzeitig Tiefpunkt.

Ich erinnere mich gerne an meinen Fackellauf zurück. Ich durfte am 24. März 2008  in der Nähe von Olympia das Olympische Feuer 110 Meter weit tragen. Das war wirklich ein Gänsehautmoment.

Meine traurigste Sendung war die Abschiedsfeier von Robert Enke, die wir damals live übertragen haben. Sehr emotional und so weit weg vom schönen Sport.

Pannen hatte ich schon so viele. 😀 Am Anfang hatte ich immer große Angst bei Stefan Raab aufzutauchen, aber irgendwann lacht man über sich selbst und merkt, das ist der beste Weg damit umzugehen.

Ruhrbarone: Vielen Dank, Britta! Dir für die Zukunft natürlich weiterhin ‚Alles Gute‘!

Zweimal Hofmann im SSNHD-Studio. Ruth (links) und Britta (rechts) Hofmann.

Zweimal Hofmann im SSNHD-Studio. Ruth (links) und Britta (rechts).

 

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