
Hans-Joachim Watzke präsentiert sich in seinem jüngsten Interview bei einem BVB-Fanmagazin, über das in gestraffter Form auch die Kollegen der WAZ berichteten, als erfahrener Krisenmanager, der nach zwei turbulenten Jahrzehnten beim BVB noch einmal „Ordnung schaffen“ will.
Doch gerade diese Selbstinszenierung offenbart die Grundprobleme seines Führungsstils: ein Festhalten an alten Machtstrukturen, ein Hang zur Personalisierung von Konflikten und ein Verständnis von Verantwortung, das allzu oft hinter politischen Formulierungen verschwimmt.
Demokratie als Zumutung
Wenn Watzke sagt, die vergangenen Monate seien „sechs Monate gewesen, die ich in 20 Jahren nicht erlebt habe“, klingt das dramatisch – aber auch nach jemandem, der überrascht ist, dass demokratische Vereinsstrukturen nicht immer reibungslos funktionieren. Der Konflikt mit Reinhold Lunow wird von ihm vor allem als persönliche Zumutung dargestellt, weniger als Ausdruck einer legitimen Diskussion über Richtung und Identität des Vereins. Dass ein amtierender Präsident kandidieren möchte, sollte kein Schock sein. Watzkes Irritation zeigt, wie sehr der BVB an sein Machtzentrum gebunden war.
Rheinmetall: Verantwortung light
Ähnlich verhält es sich mit der umstrittenen Rheinmetall-Partnerschaft. Watzke betont seine anfängliche Skepsis, verweist auf kollektive Beschlüsse – und rückt sich gleichzeitig als jemand ins Licht, der am Ende „den Kopf hinhalten“ müsse. Das klingt nach Verantwortungsbewusstsein, ist aber eher eine politische Absicherung. Dass ihn die spätere Distanzierung einzelner Gremienmitglieder „getroffen“ habe, wirkt beinahe naiv: Wer einen derart heiklen Deal eingeht, muss mit Gegenwind rechnen – auch im eigenen Haus.
Missbrauchsvorwürfe: Die blinden Flecken der Ära Watzke
Und dann ist da das belastendste Thema: die Missbrauchsvorwürfe gegen einen früheren Mitarbeiter. Watzke beschreibt, er habe Hinweise weitergeleitet und sei davon ausgegangen, dass sich die Sache erledigt habe. Für einen Mann, der sich gern als Garant für Stabilität inszeniert, ist dieses Wegdelegieren bemerkenswert defensiv. Ob er den Vorgang damals wirklich mit der nötigen Ernsthaftigkeit verfolgt hat, bleibt offen.
Unterm Strich kündigt Watzke Reformen und ein neues „Wir-Gefühl“ an. Doch viele der Probleme, die er heute beklagt, sind in einer Ära entstanden, die er selbst gestaltet hat. Wer echte Erneuerung will, muss zuerst den eigenen Führungsstil infrage stellen. Ob Watzke dazu bereit ist? Zweifel bleiben. Ein Befreiungsschlag des zuletzt bei vielen Fans deutlich in die Kritik geratenen Watzkes war dieses extrem wortreiche Interview jedenfalls nicht!
