Kultur

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lit.RUHR: Was gut tut?

Köln sei Dank: demnächst »lit.RUHR« Von unserem Gastautor Ludger Claßen.

Köln vermeldet: „Großes Literaturfestival für das Ruhrgebiet lit.RUHR startet im Oktober 2017“. Absender war ein eingetragener Verein, dessen erster Vorsitzender Rainer Osnowski zugleich einer der drei Geschäftsführer der lit.Cologne GmbH ist. Der Verein hat dieselbe Anschrift wie die gewinnorientierte GmbH. Osnowski tat ego-stark kund, im Ruhrgebiet würden „erstmals Autoren auftauchen, die bislang daran vorbeigegangen sind“, und Verlage seien interessiert, „für die das Ruhrgebiet bislang noch Diaspora ist“. Ergänzt um den Hinweis, München, Hamburg, Berlin und Wien hätten sich vergeblich bemüht, einen Ableger der lit.Cologne zu bekommen. Weiterlesen

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Opern-Premiere in Dortmund: Otello von Giuseppe Verdi

Otello in Dortmund – Lance Ryan und Sangmin Lee (Foto: Thomas Jauk, Stage Picture)

Im Zuschauerraum ist es noch nicht ganz dunkel, die Freunde der italienischen Oper haben sich noch nicht ganz in die Sessel sinken lassen, da blitzt ihnen eine Batterie von Scheinwerfern ins Gesicht, im Orchestergraben bricht sich brachial Sturm und Seegefecht bahn und der Chor in den Gängen des Parketts verbreitet donnernde Kriegsstimmung. Jens-Daniel Herzog will in seiner Inszenierung von Giuseppe Verdis Otello gar nicht erst Wohlfühlstimmung aufkommen lassen. Im niedrigen schwarzen Bühnenkasten von Mathis Neidhardt flimmern grün-schwarze Datenbilder. Der Krieg wird längst nur noch am Bildschirm geführt. Otello wird nicht auf einem Schlachtfeld zum Kriegshelden, sondern nur durch die blinde Begeisterung des Volkes, das nach dem Heldentum giert. Weiterlesen

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Strategien für ein anderes Grün: Parkstadt Zollverein – Archipel der Paradoxien

 

Zeche Zollverein FotoLizenz © Jochen Tack/Stiftung Zollverein

Grün hat gegenwärtig Konjunktur – weniger (partei)politisch als thematisch: Öffentliche Grün- und Freiräume entwickeln mit ihrer entschleunigenden Unmittelbarkeit gerade bei den zunehmend auf globale Digitalität und Mobilität konditionierten Stadtbewohner eine hohe Anziehungskraft. Von unserem Gastautor Dieter Nellen.

„Grüne“ Qualität durch Gärten und Parks bedeutet dabei nicht nur ökologischen Ausgleich und räumliche Dekoration. Sie ist vielmehr wesentlicher Teil von Urbanität, „Stadt mit anderen Mitteln“ und steigert die Leistungskraft öffentlicher Räume im größeren Rahmen: „Landschaftsräume, die vielfältig gegliedert, fragmentiert, differenziert und zerstückelt sind, Weiterlesen

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Eierschalen­sollbruchstellenverursacher

Sonntag Punkt zehn. Sie saßen am Frühstückstisch.
Er aß ein Brot mit Aufschnitt, der nach Salami aussah.
Sie aß immer süß, weil sie mal ein Jahr in Frankreich
gelebt hatte. Croissant mit Konfitüre oder Honig,
abgesehen davon, dass sie sich immer ein Ei gönnte.
Darin war sie typisch deutsch. Die Marmelade
tropfte ihr auf die Beine und sie starrte stumpf
nach draußen in den Garten mit Pool und Hollywood-
schaukel und einem großen dicken Holzzaun, der
der Berliner Mauer Konkurrenz hätte machen können.
Die Eier lagen ruhig in den Eierbechern. Er aß seins hart,
ihres war immer weich und während er so zwischen
Wurst und Käse, Konfitüre und Brot, Honig und Kaffee
nach einem Löffel suchte, erblickte er ein stählernes
Ding und er fragte, was zum Teufel das sei.
Und sie antwortete ruhig und wie selbstverständlich:
— Ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.
Daraufhin aßen sie stumm ihre Eier und er schaute nach
draußen zur hölzernen Mauer und dachte sich: Scheiß
drauf. Heute Abend steig ich darüber und wenn die Sirenen
ertönen, die Flutlichter mich erfassen oder sie von ihrem
Wachturm aus ihre Kalaschnikow auf mich richtet, der
ich da hilflos in Unterhose im nassen Gras liegen werde.
Ich muss hier raus: Ob tot, ob lebendig, ob querschnittsgelähmt.
Ein Leben im Rollstuhl oder ein Tod im Sarg. Alles besser als
ein Eierschalensollbruchstellenverursacher.

aus: „Notizen über das Pellen einer Mandarine”
Text: Julian Gauda, Bild: Stefan Lüdemann
Release mit Lesung & Ausstellung: 7.4.2017 im Rekorder, Dortmund
Infos & Facebook-Event: bit.ly/nein10000
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Die Regierung: Raus!

 

Die Regierung Foto: Christoph Voy Lizenz: Copyright

Mit „Raus“ hat „Die Regierung“ ihr fünftes Album veröffentlicht.

Ich versuch mal, ein Album zu besprechen und das ist etwas, mit dem ich mich eigentlich sehr schwer tue – weswegen ich in über 20 Jahren nur eine Hand voll Besprechungen geschrieben habe. Aber bei dem neuen Album von Die Regierung kann ich nicht anders.

Die Regierung habe ich erst durch einen Artikel von Honke Rambow auf den Ruhrbaronen kennen gelernt. Den Namen hatte ich schon mal gehört, mehr aber auch nicht. Dann suchte ich ein wenig rum, fand einzelne Stücke der Band und ihres Sängers Tilman Rossmy. Und ich war begeistert. Ich kann nicht zählen, wie oft ich mir „Willkommen Zuhause“ angehört, was ein wirklich sehr schönes Liebeslied ist: Sehr entspannt und doch von großer Klugheit und Tiefe. Weiterlesen

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