Die leisen Töne des Oktobers setzen ein. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Wälder erstrahlen im Herbstlicht und in Leverkusen knallen sie eine Autobahnbrücke in eine Giftmülldeponie. Aha. David und Martin kommen nach einer langen Sommertour langsam an. Oktober eben.
Amtsgericht Dortmund, Foto: Lucas Kaufmann, CC 3.0Nähert man sich dem Amtsgericht über den leeren Gerichtsplatz, so sieht man sehr schnell den Pulk von Menschen, die sich vor der sicherheitsverglasten Eingangstür knubbeln. „Das kann doch nicht… soll ich mir das wirklich… ach nö… da komm ich doch morgen… Ich muss doch gar nicht, ich will doch nur…“ sind die Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, aber dann stellt man sich doch auf die unterste freie Stufe und wartet…
Zwei Zigaretten auf der unterste Stufe und man realisiert zwei Dinge. Erstens: Wenn Leute in das Gebäude gelassen werden, dann im Schwall von vier bis siebzehn Leuten. Zweitens: Immer wieder gehen Leute an der Schlange vorbei, drängeln sich an die Tür und werden widerspruchslos eingelassen.
Nach der dritten Zigarette, mitlerweile auf der vorletzten freien Stufe (hinter einem hat sich ein Neuer eingereiht) , die nächsten Erkenntnisgewinne. Drittens: DAS WIRD DAUERN! Viertens: Die Leute die sich an der Schlange vorbeiquetschen sind dem Sicherheitspersonal bekannt und erfüllen eine Aufgabe innerhalb des Gebäudes. Fünftens: Der ältere, grinsend aus dem Gebäude kommende, Mann mit blau pinken Schuhen und pinker Krawatte (welche sich farblich mit dem rosa Aktendeckel beissen) ist wahrscheinlich Anwalt, der nicht grinsende Mann, im schwarzen Windbraker hinter ihm, wahrscheinlich nicht.
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So nah dran am Friedensnobelpreis waren wir noch nie, wie in dieser Woche. Unser Kollege Can Dündar war nominiert – und hätte gewinnen können. Spannend. Dann war da noch das Literaturfest Ruhr in der Essener Philharmonie, was aber nicht ganz so prickelnd war, wie es hätte sein können. Martin regt sich ganz schön auf. Und David hat so gut wie nichts davon mitgekriegt.
Abellio befährt die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, die Müngstener Brücke Foto: Abelio
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Christian Bayer als Antigone am Theater Oberhausen (Foto: Isabel Machado Rios)
Babett Grube ist Hausregisseurin am Theater Oberhausen. Sie stellte sich am 6.10. mit einer erstaunlichen Antigone dem Publikum vor. Nach den arg rumpeligen Schimmelmanns nun also ganz hehre griechische Tragödie auf der großen Bühne. Folgerichtig sitzt auch ein Teil des Publikums in einem Miniamphitheater auf der Bühne, der Rest darf ganz normal im Zuschauerraum Platz nehmen. An den Seiten des Portals stehen mehrere Flipcharts. Sie spielen im Weiteren keine Rolle mehr. Am Rand der Bühne sind Tische mit diversen Computern, Bildschirmen und einigen anderen technischen Apparaturen aufgestellt. Aus dem Bühnenhimmel baumeln Schläuche und LED-Lichterketten herunter. Tragödie als Versuchsanordnung, Antigone als Laborratte. Warum nicht? Vier Darsteller laufen schon während des Einlasses geschäftig herum, mit Laptops in der Hand, tippen darauf herum, murmeln irgendwas und sprechen auch mal kurz mit dem einen oder anderen Zuschauer. Dann stürmen sie irgendwann zu den Türen, rufen sich gegenseitig „sichern!“ zu
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Tradition gegen Zukunft: „Der grüne Tisch“ von Kurt Jooss. (Foto: Andrea Mohin)
Im Frühjahr diesen Jahres veröffentlichte die vom Kunsthochschulbeirat beauftragte Tanzkommission NRW ihren Abschlussbericht. Ein Jahr lang hatte sie die Tanzausbildung in NRW – an der HfMT Köln und der Folkwanguniversität der Künste in Essen unter die Lupe genommen. Obwohl der Bericht aufgrund methodischer Mängel sowie faktischer Fehler nicht unproblematisch ist und sogar nachgebessert werden musste, enthielt er doch in seiner Grundtendenz richtige Thesen: An der HfMT mangelt es der eigentlich gut und zukunftsfähig strukturierten Tanzausbildung an räumlicher und personeller Ausstattung, an der Folkwang führt eine allzu starke Fixierung auf die Tradition – Jooss, Leeder, Bausch – dazu, dass die Studierenden kaum noch marktgerecht ausgebildet werden. Sowohl etliche Leiter von Tanz-Ensembles wie auch ehemalige Studierende der Folkwang Universität bestätigen diesen Eindruck.
Nun kündigt die Folkwang Universität für den 13. bis 15. Oktober ein Symposium „Folkwang Tanz“ an.
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Seine Maske, die einer Antilope gleichkommt, wirkt so sagenhaft wie seine Musik. Wenn Lamberts Hände über Moos, Steine und Asphalt gleiten, erzeugen sie Töne, die verzaubern und sein Klavierspiel am echten Piano hat etwas so Erhabenes, dass man gebannt zuhören muss.
Von ihm ist nicht viel mehr bekannt, als seine vorsichtig-filigrane Klavierkunst, mit der er seinen “Reworks” neues Leben einhaucht. Lambert interpretiert Songs von Deichkind, Trümmer, Die Sterne, Tocotronic, Beatsteaks, Bonaparte und Ja, Panik derartig neu, dass man sie als kleine Mini-Sinfonien wiederfinden kann. Er vereint Popkultur, Jazz und Klassik und zaubert daraus wunderschöne Klaviermusik.
Im Mai 2014 erschien sein Debütalbum “Lambert”, auf dem allerdings seine eigenen Songs zu hören waren. Das Album, welches auf dem Berliner Label Staatsakt veröffentlicht wurde, hat Lambert selbst produziert und wurde von Nils Frahm abgemischt und gemastert. Mit ihm gelang ihm sein musikalischer Durchbruch.
Am 12. Mai diesen Jahres veröffentlichte der Wahlberliner sein bereits viertes Werk.
Auf „ Sweet Apocalypse“ setzt sich Lambert auf ganz persönliche Art und Weise mit Ängsten, von denen bekanntlich viele aus der Vergangenheit weit über das Heute hinausspuken, in 12 Kompositionen auseinander.
Mal spendet er Trost, mal streichelt er sanft die Katze namens Melancholie, mal entwickelt er aus der Angst einen überlebensgroßen Pathos und lässt uns unerwartet über den Dingen schweben. Auf seinem dritten Album – dem ersten, das er für das in London ansässige Label Mercury KX aufgenommen hat – beweist der maskierte Pianist Lambert wieder einmal eindrucksvoll, dass er die komplette Gefühlsklaviatur des Lebens mit enormer Leichtigkeit spielen kann.
Sein Gespür für kleine, große Melodien ist dabei immer noch außergewöhnlich. Bei diesem Ausnahmetalent beschleicht einen ständig das Gefühl, dass ihm nie die feinen Melodien ausgehen.
Auf seiner Tournee zum aktuellen Album, die am 18. Oktober in Istanbul ihren Auftakt haben wird, wird er am 28.10. in der Rotunde in Bochum und am 15.11. in der Kulturkirche in Köln zu Gast sein.