
Die Postwachstumsideologie ist der wirtschaftliche Überbau eines wohlstandsverwahrlosten Bürgertums, das nicht ertragen kann, dass Wohlstand kein Privileg einer kleinen Oberschicht ist. Energie soll teuer und knapp sein, die Wirtschaft nicht mehr wachsen, die Menschen sollen statt in Büros und Fabriken über Felder stapfen, um Kartoffeln und Weizen mit weniger Maschinen zu ernten. Der Klimawandel ist der willkommene Hebel, um diese Armutsphilosophie zu propagieren.
Nun haben Buro Happold, das Institut Empirica und urbi_et eine Studie veröffentlicht, in der sie das Ende des Wohnungsbaus fordern. „In den letzten Jahren werden immer weniger Bauentscheidungen für Wohnungsbauprojekte getroffen, weil die Investitionskalkulationen nicht mehr auskömmlich sind. Die Analysen zeigen, dass die Projektkosten um circa ein Drittel fallen müssten, um bei beim aktuell gegebenen Umfeld der Mieten und Finanzierungszinsen zu mehr Bauentscheidungen zu kommen“, stellt urbi_et treffend fest. Aber nicht die Kosten, die zu einem guten Teil auf Vorschriften zum Energiesparen zurückgehen, sollen sinken, sondern es soll aufgehört werden, zu bauen: „Aus Sicht des Klima- und Umweltschutzes wäre es wünschenswert, wenig oder gar keine neuen Wohnungen mehr zu bauen. Jeder zusätzliche Quadratmeter Wohnfläche verbraucht Ressourcen und verursacht Emissionen. Würden keine Wohnungen neu gebaut, ließe sich ein großer Teil dieser Emissionen sofort einsparen – so viel, wie kurzfristig in keinem anderen Bereich.“
Der Hebel, mit dem das erreicht werden soll, ist die Erhöhung der Grundsteuer, die auf die Miete umgelegt werden kann und auch das Wohnen im Eigentum verteuert: „Höhere laufende Kosten des Wohnkonsums schaffen Anreize zur effizienteren Nutzung und eine bessere Verteilung.“ Während vor allem in den Großstädten immer weniger Menschen sich eine Wohnung leisten können, werden also unter dem Banner des Klimaschutzes höhere Mieten gefordert. Die dekadenteste Fraktion der Öko-Bourgeoisie erträgt es nicht, wenn auch Menschen mit normalem Einkommen gut wohnen. Auch sollen Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden: „So können höhere Grundsteuern zu einer Erhöhung der Umzugswahrscheinlichkeit von älteren Hausbesitzer*innen führen.“ Wer also jahrzehntelang für ein Haus oder eine Wohnung gearbeitet hat, soll sie jetzt räumen und sich verkleinern. Was auf den ersten Blick vernünftig klingt, ist unmenschlich: Jungen steht die Welt zur Verfügung, Parks, Cafés und Urlaubsziele im Ausland gehören zu den Räumen, die sie nutzen können. Für ältere Menschen wird die Welt hingegen immer kleiner, und das umso mehr, als sie körperlich abbauen: Die eigene Wohnung ist oft der letzte Ort, an dem sie selbstbestimmt leben können, wenn sie längst nicht mehr in der Lage sind, diese zu verlassen.
Hohe Mieten, aus ihren Wohnungen und Häusern vertriebene Menschen – mehr Armut und Elend, korrekt gegendert: Hier zeigt sich die Menschenverachtung der Anhänger der Postwachstumsideologie.