
Im Text und in den sich daran anschließenden Kommentaren wurde einiges an Ursachenforschung betrieben und vieles von dem, was gesagt worden ist, wird auch stimmen. Ich will mich an dieser Stelle gar nicht erst großartig um Tennis kümmern, da könnte man eh einen vom Pferd erzählen, warum, wieso und weshalb das angeblich niemand sowohl mehr sehen, als wohl auch nicht mehr in dem Umfang betreiben möchte, das Talente erkannt und Zählbares dabei rumkommt. Liegt mir einfach nicht am Herzen, dieser Sport.
Was mir jedoch am Herzen liegt, das ist der Radsport. Warum will niemand mehr Radrennen sehen? Naheliegend wäre eine Begründung, in der irgendwie die Worte Doping, Apotheke, Betrug, Spritze und was weiß ich denn sonst noch vorkommen, aber das ist nur die halbe Wahrheit und spring, um im sportlichen Bild zu bleiben, deutlich zu kurz. Es muss auch andere Ursachen geben.
Es mag wie ein Henne/Ei Problem erscheinen, aber die Tatsache, dass Radrennen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum noch stattfinden hat ihre Ursache darin das… Achtung… Radrennen in der Öffentlichkeit kaum noch stattfinden. Gab es bis vor wenigen Jahren noch organisierte Rennen um beinahe jede Kirche, Kirmesrennen und Kriterien. Bratwurst, Bier, private Wetten, Schürfwunden, Spaß, Ärger, Familienunterhaltung. Heute sind diese Veranstaltungen in Deutschland nahezu verschwunden. Warum?

Im Gegensatz zu Fußball und Tennis sind diese Veranstaltungen relativ aufwendig zu organisieren, sie sind vergleichsweise teuer und sie greifen ins öffentliche Leben ein. Ist so ein Fußball- oder Tennisplatz erst einmal gebaut, ja nu, dann ist der eben da, steht mehr oder weniger gut besucht herum und irgendwann stört man sich nicht mehr groß daran (und vergisst, was der Krempel gekostet hat)
Anders im Straßenradsport. Anders als ihre ballspielenden Kollegen, haben Radsportler kaum fest installierte Wettkampfstrecken. Und wenn, dann liegen sie gut, nein, sehr gut versteckt… oder kennt jemand die Radrennstrecke hier in Bochum? Dieser Sport findet auf Straßen statt, Straßen die gesperrt und gesichert werden müssen, Straßen die dem Verkehr für ein paar Stunden nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn man am Sonntag schnell mit dem Auto noch ein paar Brötchen holen möchte. Dieser Aufwand und die Kosten werden von Veranstaltern und Kommunen gescheut, man glaubt, es sei den Bürgern nicht mehr zu vermitteln. Kann sein… kann aber auch nicht sein…

Der langen, der sehr langen, Vorrede sehr kurzer Sinn: Heute hat man eine der selten gewordenen Gelegenheiten, diesen Sport hautnah zu erleben. Denn in der Bochumer Innenstadt findet eines dieser rar gewordenen Kriterien statt. Profis und Amateure, die wie die Bescheuerten durch die Straßen knistern. Individualisten in komischen Hemden, die sich im einen Rennen zu einer Mannschaft zusammenschließen, damit einer von ihnen gewinnt. Mannschaftssportler, die im nächsten Rennen allein auf die Jagd gehen. Verschrobene, ältere Herren, weit entfernt von Idealfigur und Idealfrisur, in noch komischeren Hemden und Hosen, auf knatternden Dernys (Mopeds), die sich gebärden wie „The wild bunch“ und als Schrittmacher den Fahrern Windschatten geben, damit man noch ein wenig schneller über die Straßen plästern kann… Man kann hautnah erleben, wie hart und spektakulär dieser Sport ist… was, das sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, auch am musikalischen Randprogramm liegt… aber das kann man sich zum Glück ja schöntrinken… also los, Spitzensport auf Bochums Straßen noch bis 22.00 Uhr…



NRW: Aus für „Ruhr Nachrichten“ in Bochum und Witten – „Münstersche Zeitung“ wird verkauft…


