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Christuskirche Bochum: So stoppt man den BDS

Thomas Wessel Foto: Ayla Wessel


Thomas Wessel, der Pfarrer der Christuskirche in Bochum, hat ein Rezept gegen den BDS gefunden: Sponsoren aus Israel.

Die Christuskirche in Bochum ist eine erfolgreiche Kulturkirche. Das Gotteshaus hat sich zu einem der wichtigsten Hot-Spots der Konzertszene im Ruhrgebiet entwickelt: Ob Laibach, Peter Murphy oder die Reihe Urban Urtyp – jedes Jahr finden dort dutzende Konzerte statt.

Doch Pfarrer Thomas Wessel steht vor einer Herausforderung: „Ich möchte nicht, dass in der Christuskirche Künstler auftreten, die sich dem BDS angeschlossen haben.“ BDS steht für Boycott, Divestment and Sanctions und hat das Ziel, Israel zu vernichten.

Bisher hat Wessel deswegen bei jedem Künstler recherchiert, ob er einen der antisemitischen BDS-Aufrufe unterzeichnet hat oder nicht – eine nervige Sache. Auch weil sich die Frage nicht immer einfach beantworten ließ: So hat etwa Brendan Perry für „Dead can Dance“ den BDS-Aufruf unterschrieben. Lisa Gerrard, der andere Teil des Duos, jedoch nicht – Gerrad soll am 12. Oktober in der Christuskirche auftreten.

Wessel hat sich entschieden, nicht mehr jedem Künstler hinterher zu recherchieren, sondern eine Situation zu schaffen, die es BDS-Anhängern unmöglich macht, bei ihm aufzutreten, ohne die Regeln des BDS zu verraten: Wessel konnte mehrere israelische Unternehmen als Sponsoren gewinnen – auch solche, die mit staatlichen israelischen Einrichtungen kooperieren. Wer in der Christuskirche auftritt, stellt sich nun automatisch gegen den BDS. „Mein Interesse ist es ja nicht, Künstler nicht auftreten zu lassen. Ich will meinem Publikum ein attraktives Programm bieten. Wer jetzt bei uns spielt, weiß, dass wir israelische Unternehmen als Sponsoren haben. Spielt er, stellt er sich gegen die antisemitischen Regeln des BDS. Sagt er ab, enttäuscht er seine Fans, und wie die das finden, wird sich zeigen.“

Sponsoren der Christuskirche

Wessel wünscht sich, dass viele Veranstalter, öffentliche wie private, dem Beispiel folgen. Deutschland ist einer der größten Musikmärkte weltweit – wenn klar ist, dass BDS-Solidarität und der Zugang zu diesem attraktiven Markt nicht zusammengehen, könnte dies BDS schwächen. Roger Waters, der lautstärkste Vertreter dieser modernen Variante von „Kauft nicht bei Juden“, wird Musikern jedenfalls nicht ihre ausgefallenen Gagen erstatten.

Mehr zu dem Thema:

Ruhrtriennale: „BDS macht das Leben für Juden und Jüdinnen in Deutschland gefährlicher“

Hier geht es zum Programm der Christuskirche

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23 Kommentare zu “Christuskirche Bochum: So stoppt man den BDS

  • #1
  • #2
  • #3
    discipulussenecae

    Die wirklich guten Ideen erkennt mann zumeist daran, daß mann sich fragt, warum noch niemand vorher darauf gekommen ist. Respekt!

  • #4
    Robert

    Das Sponsoring könnte leider leicht Vorwürfe provozieren, dass das trotz des gemeinnützigen Rahmens „nur des Geldes wegen“ passiert. Um solchen Behauptungen von vorn herein den Wind aus den Segeln zu nehmen, fände ich es gut, wenn das Sponsoring mit rein symbolischen Beträgen geschähe. Das dürfte die Wirkung nicht schmälern und würde eine Ausweitung vielleicht erleichtern.

  • #5
  • #6
    Gerd

    @4:

    Sponsoring von der Wirtschaft istvok. Die RT erwirtschaftet ihr Geld ja auch nicht selber, sondern bekommt es vom Steuerzahler.

  • #7
  • #8
    teekay

    Naja, ob man so unkritisch ein Sponsoring von einem Unternehmen annehmen sollte, dass u.a. mit den IDF & dem US militärisch-industriellen Komplex zusammen arbeitet sei dahin gestellt, aber wir sind hier bei den Ruhrbaronen und da sind die Seiten klar verteilt.

  • #9
    Ines C.

    Best practise! @8 wenn es um die Rettung jüdischen Lebens und gegen die Vernichtung des jüdischen Volkes geht, kam es bis jetzt immer gut raus, mit dem US-militärischen Komplex zusammen zu arbeiten. Das Leben meiner Großväter und vieler anderer Soldaten wurde als Kollateral-Effekt auch noch gerettet.

  • #10
    Gerd

    @8: Schon mal die Liste der Sponsoren angesehen? Scheinbar nicht, wenn Sie von "IDF & dem US militärisch-industriellen Komplex" reden.

  • #11
    Thomas Wessel

    @teekay | Der Reiseunternehmer arbeitet ua mit dem Sapir College zusammen im Süden Israels: rund 7500 Studierende in typisch israelischer Mischung. Alle möglichen Qualifizierungsgänge mit einer Kunstschule on top. Und Raketen. Nicht Dutzende, nicht Hunderte, Tausende. College immer wieder geschlossen, Studierende verletzt, einer tot. Will sagen: Ich bin dankbar für beide Sponsoren, für das, was sie tun.

  • #12
    Arnold Voss

    @ teekay # 8

    Ohne die israelische und die amerikanische Armee würd es Israel heute nicht mehr geben. Aber vielleicht hätten sie das ja gut gefunden.

  • #13
    nussknacker56

    #8
    Statt sich z.B. mit dem eigenen libidinösen Verhältnis zu arabischen Faschisten und deren Helfershelfern auseinander zu setzen, fantasieren manche lieber über „IDF & dem US militärisch-industriellen Komplex“. Da sind schließlich alle Schablonen drin, die man seit Jahren nutzt – das schützt zuverlässig vor gefährlichen Denkprozessen und schmerzhaften Selbsterkenntnissen.

    Nur warum das immer wieder von neuem der Welt mitgeteilt werden muss, ist mir ein Rätsel.

  • #14
    Max

    Beriet die evangelische Kirche nicht früher mal Kriegsdienstverweigerer.?

    Und nun lässt sie sich von Firmen aushalten, die Geschöfte mit der IDF machen, die ja nunmal nicht nur der Verteidigung dient, sondern auch die Palästinenser ( nicht nur) in der besetzten Westbank brutal unterdrückt?

    Komisch.

  • #15
    Max

    @Arnold Voss- Sie haben Techt.Ohne die USA-Rüstungsidustrie und die israelische Armee gäbe es Israel in der jetzigen Form nicht Es würde dort anders und womöglich sehr viel friedlicher und gerechter zugehen, wenn die Konflikte politisch gelöst statt militärisch nicht gelöst worden wären .

    Insofern ist es vollkommen unerträglich, dass sich eine Einrichtung der evangelischen Kirche damit brüstet, mit militärnahen Firmen tu kooperieren, zunal sich die evangelische Kirche früher hinter den Transparenten "Frieden schaffen ohne Waffen", "Schwerter zu Pflugscharen" und ‚ "Petting statt Pershing" versammelte und in der Beratung von Kriegsdienstverweigerern verdingte.

  • #16
    Voltaire

    ..unter welchen hinterlistigen Deckmäntelchen sich der zunehmende linke Antisemitismus versteckt, ist schon erschreckend!

  • #17
    Thomas Wessel

    @ Max | 2009 sagte Edna Brocke, mit dem Hans-Ehrenberg-Preis geehrt, in der Christuskirche dies: "Ungeachtet der ganz grundsätzlichen Zweifel, ob man überhaupt aus Geschichte lernen kann, glaube ich, dass wir alle, die hier versammelt sind, sehr gegensätzliche Schlüsse aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts gezogen haben. (…) Wenn (in Deutschland) gesagt wird, „Nie wieder“, meint man an erster Stelle "Nie wieder Krieg". Wenn Juden oder jüdische Israelis von „Nie wieder“ sprechen, meinen sie "Nie wieder kampflos Opfer werden". Ich glaube, das ist ein ganz grundsätzlicher Unterschied (…) es ist eine existenziell unterschiedliche Ausgangsposition, die vielleicht auch erklärt, warum es so große Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung der Prozesse in und um Israel gibt."

  • #18
    thomas weigle

    @Thomas Wessel Genau diese unterschiedliche Ausgangsposition ist es, die es v.a. Linken so einfach macht, gegen Israel vom Leder zu ziehen. Und sich dabei auch noch gut zu fühlen. Diese Leute stehen und standen den realsozialistischen SEDlern näher als Israel, hatten die Ostberliner Machthaber doch zuverlässig und mit militärischer Hilfe auf der Seite derer gestanden, die die jüdischen Israelis ins Meer treiben wollten und wollen. Und von dem real existierenden industriellen Militärkomplex im Osten war da nie Rede. Bis heute nicht.

  • #19
    Arnold Voss

    Hallo Max, hier ein paar Tatsachen, die ihnen helfen könnten ihren politische Horizont zu erweitern:

    1. Es gab weder ein palästinensisches Volk noch ein dazu gehöriges abgrenzbares Land noch ein spezielle palästinensische Kultur oder Sprache, aber es gab immer wieder Angebote von Seiten der UNO/Völkerbund einen eigenen neuen Staat Namens Palästina zu gründen.

    2. Eine palästinensische Identität, sofern man überhaupt davon reden kann, ist überhaupt erst mit der Ablehnung der Gründung des Staates Israel entstanden und das mit dem Ziel, eben diesen Staat zu vernichten, bzw. wieder von der Landkarte verschwinden zu lassen. Was glückicherweise trotz mehrerer Angriffskriege nicht gelungen ist.

    3. Die so kreierten Palästinenser haben das Angebot eines eigenen Staates mehrfach abgelehnt und auch die bisherigen Landrückgaben der Israelis haben die Versöhnungsbereitschaft ihrer Führer sowohl der Fatah als auch der Hamas nicht vergrößert, sondern zu noch mehr Terror und Raketen geführt.

    4. So sind die Palästinenser das einzigen "Volk" geworden, das mehr unter der Nichtaufgabe seiner eigenen Vernichtungswünschen leidet, als das Land, was sie vernichten wollen. Was jedoch nichts daran geändert hat, das viele von ihnen immer noch diesen Traum haben und dabei auch noch mit viel Geld und Waffen von außen unterstützt werden.

    5. Hätten diese Palästinenser die gewaltigen Finanzen, die sie in den letzten Jahrzehnten von der UNO, ihren arabischen Freunden und aus Europa bekommen haben, nicht durch sinnlose Kriegsführung und zur Bereicherung ihrer eigenen Führer verbraucht, hätten sie ein blühender, unabhängiger und wohlmöglich sogar demokratischer Staat werden können, der in friedlicher Nachbarschaft zu Israel existieren würde.

    6. Es waren nicht die Israelis die den Palästinenser mit ihrer Vernichtung gedroht haben sondern umgekehrt und von Anfang an die Palästinenser und ihre arabischen und iranischen Verbündeten den Israelis. Und das bis heute. Deswegen und nur deswegen gibt es besetzte Gebiete, eine Mauer, harte Kontrollen und immer wieder Vergeltungsschläge von seiten der Israelis. Und das zu Recht. Israel ist der Angegriffene und nicht der Angreifer.

    7. Die Palästinenser könnten ihr Leid auf der Stelle beenden, wenn sie vorbehaltlos die Existenz Israels anerkennen, auf jede weiteren Angriff und jeden Terror auf Dauer verzichten, sich gleichzeitig von ihren extremistischen Anführern befreien und sich von deren arabischen und iranischen Einpeitschern und Unterstützern lösen. Aber sie dürfen das nicht, weil sie, im Gegensatz zu den Israelis, in einer brutalen Diktatur leben.

  • #20
    Thomas Wessel

    @Thomas Weigle | Sind Linke und Rechte und eben auch viele Liberale, die das Argument bedienen, aus Auschwitz sei irgendetwas zu lernen. Es lässt sich nichts daraus lernen, außer dass es möglich ist, alle Juden dieser Welt zu ermorden. Das ist ein Wunsch, der viele verbindet, die sonst nicht viel verbindet.

  • #21
    Fragezeichen

    Bleibt nur die Frage, ob die israelische Industrie genug Geld hat, um den gesamten deutschen Kunst- und Kulturbetrieb zu sponsorn …
    Und ja, eine Haltung, die weder die eine noch die andere Seite bedingungslos unterstützen möchte, ist so natürlich auch nicht möglich, aber das ist hier eben auch nicht erwünscht.

  • #22
    Thomas Wessel

    @ Fragezeichen | "Weder die eine noch die andere Seite"? BDS ist nicht auf Seiten der Palästinenser, wie kommen Sie darauf?

  • #23
    nussknacker56

    #21

    Ich halte ja ziemlich wenig vom deutschen Kunst- und Kulturbetrieb. Aber ich hoffe doch, dass wenigstens nicht alle nach einem Sponsoring verlangen bevor sie sich gegen eine eindeutig antisemitische Kampagne aussprechen.

    Vor vielen Jahren war es mir unbegreiflich, wieso der Nationalsozialismus so viele Mitläufer hatte. Die meisten Menschen heute haben ungleich mehr Informationen und Bildung, doch wenn ich mir anschaue, wie mühelos BDS und Konsorten agieren können – ja sich wie die Fische im Wasser bewegen können –, werden mir einige Dinge verständlicher.

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