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Corona-Schutz-Verordnung NRW: Verhindern, was man fördern will

Artists Against Antisemitism: Fehlfarben 2018 in der Christuskirche Bochum by (c) Olaf Rauch

 

Corona hat Öffentlichkeit verändert. Ihr Strukturwandel ist offenkundig, ein zweiter Jürgen Habermas wird sich beizeiten dafür habilitieren. Bis es soweit ist, gelten diverse Corona-Schutzverordnungen. Gestern hat das Land NRW seine aktualisierte Fassung bekannt gegeben, es steht wenig Neues drin. Für manche Branchen ist das gut, für die Veranstalter-Branche eher nicht. Sie aber ist entscheidend für die Frage, wie eine demokratische Öffentlichkeit wieder hergestellt werden kann.

Worüber Veranstalter –  mit der Christuskirche Bochum zähle ich dazu, wir zahlen Steuern und kriegen keine  –  worüber wir ungern sprechen derzeit: dass sich nur spärlich Tickets verkaufen. Die Auslastungszahlen sind traurig, die Vorverkäufe schleppen sich dahin, die Leute bleiben lieber zuhause als dass sie ein Risiko eingingen. Im staatsfinanzierten Kultursektor wenden sie das Schachbrettmuster schon freiwillig an, jene Abstandsregel in der Bestuhlung, die amtlich gar nicht eingefordert ist, aber die Kapazität des Raumes auf ein Drittel oder weniger verkleinert. So tun als ob. Als sei auch Publikum verordnet. Der zweite Habermas wird später von einer simulierten Öffentlichkeit sprechen.

Ob Kultur auf Tickets sitzen bleibt wie auf einem Schachbrettmuster oder nicht, ist aber eine selbstgewählte Reaktion auf Corona. Öffentlichkeit entscheidet aus sich heraus, ob sie stattfinden will oder verschwindet. Darauf muss eine Corona-Schutzverordnung reagieren. Die Fassung, die das Land NRW jetzt kundgetan hat, tut es nicht, die derzeit entscheidende Frage  –  2G oder 3G?  –  taucht gar nicht erst auf. Hintergrund:

Wer öffentlich Kultur veranstaltet, hat ein Faible für die 2G-Regel, ihr zufolge dürfen nur Genesene und Geimpfte eingelassen werden. Angesichts der immer wackeligen Schnelltest-Ergebnisse ist dies die beste Gewähr dafür, einen safe place zu bieten. Das wiederum ermöglicht eine halbwegs wirklichkeitsnahe Kalkulation: Auch wenn man mit 2G  –  nach Stand der Impfquote  –  ein Drittel seiner Kundschaft ausschließt, wird die Zahl derer, die sich tatsächlich als ausgeschlossen empfinden, deutlich darunter liegen. Wer sich  –  aus welchen Gründen immer  –  nicht impfen lässt, muss oder will sich selber schützen, hat also wenig Interesse daran, just jetzt dafür zu zahlen, einen geschlossenen Veranstaltungssaal aufsuchen zu dürfen. Die miesen Nutzerzahlen derzeit bedeuten: Es ist das 2G-Publikum, das zuhause bleibt.

Warum auch sollte, wer genesen ist oder geimpft, Geld ausgeben dafür, sich einen Abend lang einem Risiko auszusetzen, das sich ganz einfach vermeiden lässt, indem man gar nichts tut. Kultur? Später mal.

Kompliziert wird die Sache, weil ein Großteil der kommenden Kultur-Veranstaltungen keine Spätermal-, sondern Nachholtermine sind. Viele der kommenden Abende wurden ein- bis fünfmal verlegt, die meisten Tickets vor Corona verkauft, wer immer noch eines hat, kann es immer noch zurücktauschen. Für Veranstalter ist das ein kaum kalkulierbares Risiko, zu den Glücklichen zählt, bei wem die meisten so lange Zeit über an Bord geblieben sind. Eine Rätselfrage, hochkulturell: Wie lange bleiben Tickets am Kühlschrank kleben?

Würde jetzt die 2G-Regel auf just dieses Publikum angewandt, das seine Tickets wie Wertpapiere am Kühlschrank hält, änderte dies erneut die AGB  –  und ebenso die aller Veranstaltungen, die noch nicht verlegt, aber schon seit langer Zeit im Verkauf sind. Anders als bei einer Termin- oder Ortsverlegung aber hätten nun alle, die nicht geimpft sind, keine Wahl mehr, ob sie ihre Tickets rücktauschen oder den neuen Termin wahrnehmen wollen, sie würden stattdessen zum Rücktausch genötigt. Was, wenn sie nicht wollen? Und wenn andere nicht möchten, dass Leute genötigt werden, die mit demselben Geschmack gesegnet sind wie dem eigenen? Publikum kennt sich selber, wenn es sich mit sich solidarisiert, ist das eigentlich schön.

Was denn ja nun alles für eine 3G-Regel spricht: Einen negativen Schnelltest als zusätzliche Einlassbedingung vorzulegen, ist jedermensch zumutbar, ohne dass sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verändern würden. Was aber, wenn die geforderten Schnelltests  –  laut Beschlusslage ab 11. Oktober  –  kostenpflichtig werden, wenn also 20 Euro on top kommen, als sei dies eine Ticketgebühr für Ungeimpfte?

Dann ist die Sache durch. Ob 2G oder 3G, ein Drittel des Marktes ist perdu. Entscheidend daher, jetzt die verbleibenden zwei Drittel zu stärken.

Das Land Hessen hat entsprechend reagiert und die 3G-Regel als Standard gesetzt, ihr aber ein „2G-Optionsmodell“ zur Seite gestellt: „Die 2G-Option bietet vor allem Veranstaltern und privaten Betreibern die Möglichkeit, nur Geimpfte und Genesene einzulassen. In diesen Fällen gibt es keine wesentlichen coronabedingten Einschränkungen wie Abstandsregeln oder eine Maskenpflicht mehr“, heißt es in der Pressemitteilung des Landes: „Für Geimpfte und Genesene sind das wesentliche Erleichterungen.“

Abstandsregeln und Maskenpflicht fallen zwar auch bei der 3G-Regel in NRW teilweise weg, nicht aber das Unsicherheitsgefühl, das sich darin zeigt, dass der Ticketverkauf lahmt. Auch andere Bundesländer  –  Hamburg, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg  –  setzen auf das Optionsmodell, NRW hält das Thema unterm Tisch.

Artists Against Antisemitism: Fehlfarben mit Peter Hein 2018 in der Christuskirche Bochum by (c) Sabine Hahnefeld

 

Die Folge ist fatal: Mit der 3G-Regel für alle in NRW wird das enorme wirtschaftliche Risiko bei dem Versuch, Öffentlichkeit in diesem Bundesland herzustellen, voll und ganz auf die Veranstalter abgewälzt. Keine Möglichkeit mehr, einen „corona-bedingten Ausfall“ geltend zu machen.

Zu eben diesem Zweck  –  das öffentliche Kulturleben anzuschieben und Risiken abzufedern  –  hatte die Bundesregierung im Sommer den mit 2,5 Milliarden Euro bestückten „Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen“ aufgelegt: “Es geht wieder los!” Nur geht gar nichts los, sobald die 3G-Regel verordnet ist. Gilt 3G, greift der Sonderfonds nicht. Begründung, gestern noch einmal am Telefon erfragt:

Um auf den Sonderfonds zurückgreifen zu können, müsse eine amtliche Zugangs- und/oder Kapazitätsbegrenzung für den eigenen Laden vorliegen. In NRW werde ja nun aber allen der Zugang dank 3G möglich gemacht, also könnten auch alle Tickets in den Verkauf. Wenn dann die Leute all diese Tickets doch nicht kauften, sei das nicht mehr „corona-bedingt“, sondern eben jenen normalen Verhältnissen geschuldet, von denen NRW behauptet, sie würden mit der 3G-Regel hergestellt …

3G für alle, sagt die Landesregierung, bewirke „Normalisierung“, tatsächlich bewirkt es die Stilllegung von Öffentlichkeit. Wer will veranstalten, wenn vorab klar ist, dass man böse draufzahlen wird, weil man ein Drittel an Leuten mitziehen muss, die eh nicht kommen, eben deshalb aber zwei Drittel seiner eigenen Leute verliert?

Die Antwort ist klar, nur staatsfinanzierte Kulturbetriebe veranstalten so. Für sie ist es tatsächlich normal, so zu tun, als spräche man, um die eigenen Leute zu erreichen, alle Welt an. Normal daher auch, ein x-Faches auf jedes Ticket draufzuzahlen, das die je eigene Klientel versorgt, alle anderen sind ja mitgemeint.

Insofern mag 3G für alle den staatsfinanzierten Kulturbetrieben helfen, anderen nicht. Generell gilt, dass generelle Lösungen nur wenigen helfen und der Kultur nicht. Was nottut, sind Optionen, an die sich öffentliche Veranstaltungen anpassen lassen. Das Nach-Corona-Publikum wird sich nach Sparten und innerhalb der Sparten nach Genres verschieden entwickeln, das Publikum des Metalkonzerts anders als das der Oper, das für esoterische Lesung anders als das fürs Kindertheater. Manche Öffentlichkeiten werden sich gar nicht mehr bilden, andere neu, wieder andere wie gehabt. Darauf müssen Veranstalter reagieren können und können es, weil sie ihre Publika kennen. Sie können es nicht, wenn vorgegeben wird, was fürs Staatstheater passt. Optionen wie 2G und 3G an ein- und demselben Haus an ein- und demselben Tag sind Voraussetzung dafür, eine  –  furchtbares Wort  –  ausdifferenzierte Öffentlichkeit zu erreichen. Und sind Voraussetzung dafür, das wirtschaftliche Risiko dort zu belassen, wo es hingehört, dort aber so gut es geht zu rahmen. Ein Kernthema von CDU und FDP.

„Erstmal schauen“, sagt Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Gesundheitsminister. In fast allen Häusern laufen die Spielzeiten an und die Zeit ab. Wäre gut, wenn  –  ich geb die Hoffnung nicht auf, eben weil dies ein Kernthema von CDU/FDP ist  –  wenn NRW zügig schauen könnte und nachbessern würde. Noch gibt es hier und da Leute, die sich daran erinnern, was Öffentlichkeit einmal war.

 

 

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34 Kommentare zu “Corona-Schutz-Verordnung NRW: Verhindern, was man fördern will

  • #1
    Gefährder

    Fassen Sie sich ein Herz, schauen Sie auf die in Bochum nun wieder gebrochene Corona-Welle (offensichtlich ohne, dass wir irgend etwas an unserem Verhalten geändert hätten):
    Sind Sie sich sicher, dass Sie die richtige Frage stellen, wenn Sie nach 2G fragen? Denn so viel ist sicher: entweder die Impfung hilft und alle, die möchten, können diesen Schutz in Anspruch nehmen. Oder sie hilft nicht, aber dann haben wir gerade dennoch ohne großartige Probleme mit maximal 18 Covidpositiven auf der Intensivstation eine Corona-Welle überstanden (Bochum hat ca. 350 tausend Einwohner).
    So oder so scheint keine Überlastung eingetreten zu sein, jeder kann sich schützen. Die, die es nicht wollen, müssen es nicht.
    So wäre es vllt besser nicht nach 2G sondern nach 1G (gesund) zu rufen, wie es viele Veranstalter zumindest im Ausland tun. Vllt stellt sich auch dann wieder Öffentlichkeit her. Oder vielleicht ist Öffentlichkeit schon lang in Teilen wieder vorhanden, nur dass die deutsche Kultur- und Veranstaltungsbranche nach über einem Jahr von der Politik vertröstet werden nun nicht nach weniger Maßnahmen ruft, sondern mehr? Ich kann nur aus meiner Perspektive schreiben und Ihnen sagen:
    Machen Sie 3G, machen Sie von mir aus 2G, machen Sie Schachbrett, machen Sie Masken oder keine:
    Ich werd nicht kommen. Obs Theater Rottstr., Schauspielhaus, Prinz-Regent oder Christuskirche ist – ich werd nicht kommen. Denn eine Öffentlichkeit, die beim Thema Corona bereits ihre Entscheidung getroffen hat und meint, nach 1 1/2 Jahren halber Isolation und in großen Teilen fehlender Öffentlichkeit wären bei dieser (mittlerweile fast ausschließlich politischen) Diskussion nicht wenigstens ein paar diverse Standpunkte zu vertreten, sondern beschließt, dass es doch besser wäre, einfach ohne diese Standpunkte bzw Menschen weiter zu machen, ist halt nunmal keine. Offen steht bereits in Namen dieses schönen für unsere Demokratie so ungemein wichtigen Wortes und die großen Künstler unserer Zeit oder deren Förderer fordern das Gegenteil: geschlossen.
    Es hieß einmal, die Pandemie sei vorbei, wenn jeder Mensch ein Impfangebot bekommen hat. Das ist erreicht. In Bochum sprechen die Zahlen klar dafür, dass es sich um ein endemisches Virus handelt, dass sogar ganz ohne Fremdeinwirkung wieder zurück geht. Also ist die Pandemie vorbei.
    Nur in den Köpfen bleibt sie und natürlich in den seit Jahren überlasteten Krankenhäusern, welche ganz nach dem Prinzip des wirtschaftlichen Kalküls nach Überlastung dursten und die Anzahl Betten im Zweifel nach unten korrigieren. Da können wir noch so lange über die armen Krankenpfleger lamentieren, wenn das System es gar nicht großartig anders zulässt.
    Wenn Sie sich so sehr um die Öffentlichkeit sorgen, dann bilden Sie mit Ihren Kollegen eine neue und sagen: Öffentlichkeit muss offen sein und bleiben, damit man offen miteinander sprechen und offen Missstände ansprechen kann.
    Denn eins sollte Ihnen klar sein: Sie machen womöglich nicht mehr bei Schutzmaßnahmen mit, sondern werden von der Landespolitik durch Ihnen aufgezwungene Regeln zu Wegbereitern eines Impfdrucks, den die Politik selber nicht durchsetzen kann oder will. Viel Spaß und Glück weiterhin dabei.
    Mit freundlichen Grüßen

  • #2
    Helge Renner

    Ich finde die Einstellung des Autors problematisch.
    Hier soll die "Kultur" gerettet werden, indem die Spaltung zwischen Ungeimpften "Ketzern" und den Gläubigen "Impfaposteln" vorangetrieben wird. Was nutzt 2G, wenn Geimpfte und Genesene trotzdem auch erkranken und das Virus weitergeben können? Man siehe jetzt die 2G-Party in Münster. Mittlerweile sind von 380 Gästen fast 100 mit Corona infiziert.
    Außerdem was soll das? Wenn Impfung wirklich vor dem schlimmsten schützt, dann brauchen Geimpfte doch keine Angst zu haben. Und wenn die Impfung nicht wirkt, dann ist es auch egal ob 2G oder 3G. Geimpfte werden nicht getestet und rufen durch Impfdurchbrüche Mutationen hervor. Sie sind also viel gefährlicher als Genesene oder negativ getestete Ungeimpfte. Auch Genesene werden irgendwann zu Ungeimpften und damit zu Menschen zweiter Klasse. Das ist jetzt hier die Kultur – nimm die Segnung der Impfung an oder leide einsam in der Isolation? Hier über Ticketverkäufe jammern und dann menschen- und lebensfeindliche Parolen verbreiten und der Unterdrückung von unerwünschten Personen Vorschub leisten.
    Ich habe noch zwei Tickets für Dezember, die werde ich jetzt zurückgeben.
    Und in Zukunft werde ich für Christuskirche und Co nie mehr irgend etwas buchen.
    Weiterhin viel Spaß mit eurer Selektionskultur.

  • #3
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ „Gefährder“ | Sie zeigen nochmal, wie sinnlos 3G-für-alle ist: Als Kulturgänger sind Sie eh nicht erreichbar („ich wird nicht kommen“), aber alle müssen jetzt so tun, als säßen Sie doch im selben Saal. Und für dieses Wir-tun-so-als-ob wird den privaten Veranstaltern das wirtschaftliche Risiko übertragen.

    @ Helge Renner | Optionsmodell bedeutet, zwischen 2G und 3G wählen zu können. Wir hier haben Formate, auf die 2G passt und andere, auf die 3G passt. Es wird Künstler geben, die nur mit 2G spielen, es wird Agenturen geben, die sagen, die ganze Tour kann nur mit 3G laufen. Es werden sich ästhetische Szenen und Fangruppen bilden, für die 2G die Regel ist und andere, die 3G präferieren usw. Optionsmodell ist das Gegenteil von „lebensfeindlich“, es macht öffentliches Leben in verschiedenen Formen möglich.

    In NRW müssen jetzt aber alle immer 3G fahren, und das wird nicht dazu führen, dass Konzerte ausgelastet sind, sondern eher dazu, dass sie abgesagt werden, weil das wirtschaftliche Risiko – auf die privaten Veranstalter abgewälzt – unübersehbar wird. Wenn Sie sich für 3G oÄ engagieren, warum fordern Sie nicht einen Sonderfonds, der helfen würde, die drastischen Verluste, die einem 3G bescheren (mir, nicht Ihnen), ein wenig abzufedern? Das wäre jene Solidarität, die Sie – und da gebe ich Ihnen durchaus recht – für Nichtgeimpfte einklagen.

  • #4
    Ingenhorst

    Sehr geehrter Herr Wessels,
    ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Sie persönlich mit kaltem Lächeln im Gesicht die Selektionen vor der Pforte der Christuskirche vornehmen werden. Das Lesegerät zeigt was an, oder Sie persönlich überzeugen sich von der Richtigkeit des Ariernachweises ,um dann mit einem kleinen Wink der Hand die Richtung vorzugeben für diejenigen, die Ihrer "Kultur" beizuwohnen für qualifiziert erachtet werden und für die Aussätzigen in die andere Richtung. Apropos Christus: Gibt es da im Matthäus Evangelium nicht die Geschichte mit Jesus, der einem Aussätzigen begegnet? Und was sagt der Namensgeber Ihrer Institution? Sagt er etwa "Weiche von mir, denn Du bist ansteckend und schadet meinem Subventionsfluss"?

  • #5
    Sarah F.

    Die 5. Welle, eher ein Wellchen, ist schon wieder am Abflauen. Und Kommentatoren 1 und 2 sprechen mir aus dem Herzen. Ich war gerne Gast in der Christuskirche, hab sogar mal mein in Brüssel wohnendes kleines Patenkind zu „Eule findet den Beat“ eingeladen. Ich habe meine Gründe, mich nicht impfen zu lassen (obwohl mein Impfheft ansonsten top gepflegt ist).

    Ich habe im letzten Jahr Kultur und Gastronomie im Rahmen meiner überschaubaren Möglichkeiten mit Gutscheinkäufen etc. versucht mit zu unterstützen. Es gab eine gefühlt enorme Solidarität in der Gesellschaft. Aber irgendwie sind die Ungeimpften zu Gefährdern abgestempelt worden, obwohl etliche Virologen sagen, getestet ist besser als ungetestet, unabhängig vom Impfstatus. Und das ist auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Und nun unterstütze ich nur noch Diejenigen, die sich ganz klar gegen eine weitere Spaltung positionieren.

    Klar, Sie können jetzt den Schluss daraus ziehen, dass man dann als Veranstalter besser mit 2G fährt, zumal etliche von den 2Glern aus irrationalen Gründen Angst vor dem 3. G haben. Aber es wird hoffentlich auch eine Post-Corona-Zeit geben. In der wir einander viel verzeihen müssen, so munkelte der Pharma-Lobbyist im Gewand des Gesundheitsministers. Aber ich weiß ganz ehrlich nicht, wie schnell ich dann verzeihen kann und wann ich meinen Geldbeutel wieder für alle Kulturschaffenden öffne.

  • #6
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ Ingenhorst | Das mit dem „Ariernachweis“ ist unterirdisch, das wissen Sie selber. In der Sache geht es darum: Ich plädiere für eine Wahlmöglichkeit. Also eben für das, was Sie für sich beanspruchen. Ich möchte Veranstaltungen machen sowohl mit 3G als auch mit 2G. Und das Kriterium, nach dem sich diese Wahl entscheide, soll sein, wie sich die unmittelbar Beteiligten im Rahmen solcher Vorgaben entscheiden (und nicht wie Düsseldorf für alle entscheidet und nicht @Ingenhorst für immer).

    Wenn es eine Wahl gäbe zwischen 2G und 3G, hätten auch die Künstler eine Stimme. Hammer. Und die Crew, die jedes Konzert ermöglicht, auch da gibt es verschiedene Reaktionen auf Corona. Die Veranstalter hätten eine Stimme und vor allem anderen das Publikum: Es entscheidet letztgültig, indem es Tickets kauft oder nicht.

    Haben Sie was gegen freie Wahl?

  • #7
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ Sarah F. | Ich kenne einige, die sich nicht impfen lassen, ich finde deren Argumente nicht schlüssig, aber das geht mir bei anderen mit anderen Themen ähnlich. Eben deshalb geht es jetzt darum, verschiedene Öffentlichkeiten möglich zu machen. Wenn es zwischen 2G und 3G eine Wahlmöglichkeit gäbe für Veranstalter, würde niemand „abgestempelt“, sondern könnten alle einbezogen werden.

    „Eule findet den Beat“ – Ihr Beispiel – ist ein Format, bei dem ich sofort sagen würde, 3G würde entspannt funktionieren. Müsste man dann noch die Künstler fragen, ob sie es ähnlich sehen. Insgesamt ist diese Gesellschaft gut darin, auf Corona zu reagieren. Mit der Wahlmöglichkeit – 2G oder 3G – würde solche Eigenkompetenz und -verantwortlichkeit gestärkt, das ist mein Argument.

    Und, ja, erst solche Eigenverantwortlichkeit machte es einmal möglich zu verzeihen.

  • #8
    abraxasrgb

    Coronoia ist ein Lackmus-Test für viele Systeme in der Gesellschaft. Als Spaltung würde ich das nur polemisch bezeichnen, man erkennt halt die Phobien und andere Charaktereigenschaften von Menschen und Institutionen schneller 😉

    3G ist hierbei meiner Meinung nach der deutlich bessere Weg, überlässt 3G es doch, wie bisher, dem Kunden die Wahl, wohin er geht und wohin nicht. Nicht alle Geimpften sind Paranoiker bzw. viral infizierte Sozialphobiker, die Genesenen waren ohnehin nicht geimpft und die Ungeimpften sind entspannt und werden vermutlich nicht diejenigen sein, die im Autokino alleine mit Maske aufgesetzt im Auto sitzend, den neuesten Blockbuster ansehen und das als "Kulturveranstaltung" bezeichnen.
    Eher im Gegenteil: Unter den Geimpften vermute ich eine größere Anzahl derer, die auch in Zukunft die bekannte "Normalität" von Nähe, Dichte etc. meiden werden.

    Die klugen Veranstalter bieten sogar eigene Testungen vor Ort an 😉
    Solange wir unter dem "virokratischen Regime" leben, was die zugleich entspannteste, bequemste und zugleich sicherste Methode ist.

    Ich kann für mich zumindest glücklich sagen, dass ich nach dieser langen Zeit der Entbehrung die Vernissagen, Konzerte und Kongresse wieder geniesse, auch wenn mich der Maskenfirlefanz ungemein nervt. Dafür kann man am Buffet oder unter freiem Himmel wieder unmaskiert zusammen stehen ohne dass man blöd angeraunzt wird. Man war / ist das schön …

    Was willst Du eigentlich in Zukunft machen, wenn dieser ganze Reglementierungswahn vorbei ist und selbst Deutschland wieder zu einer hygienischen "Normalität" zurück findet?

    Ja, es kann sein, dass es dann die Christus-Kirche Veranstaltungsfirma ökonomisch nicht mehr gibt, aber das ist einer der Kollateralschäden einer verfehlten "Politik in Zeiten der Coronoia" generell. Das ist aus meiner Sicht bedauerlich, aber die Kritik an der einzelnen Regel, die uns näher an die Normalität vor Coronoia führt, ist zu kurz gegriffen und in ihrer Argumentation nicht schlüssig (zu Ende gedacht). Also Zähne zusammenbeißen und durchhalten … tief Luft holen, mit oder ohne Maske.

    Nicht die Vermeidung von Covid, sondern die gesellschaftliche, bisher normale Freiheit sind das Ziel der Maßnahmen. Mit Coronoia entspannt leben heisst frei sein. Die Risikogruppen hatten ihre Impfangebote, eigentlich jeder, jetzt ist es Zeit für Eigenverantwortung.

    Da gerade Wahlkampf ist: Ich fand Laschet nie wirklich prickelnd (außer, dass er Kraft abgelöst und mit der FDP koaliert hat), aber seit dem letzten Jahr finde ich seine Entscheidungen für einen liberaleren und weniger hysterischen Umgang mit Coronoia sehr sympathisch. Ich drücke ihm die Daumen, denn ich habe die leise Hoffnung, dass es mit ihm als Kanzler durchaus in dieser einen Sache, die mich / uns alle im Alltag betrifft, deutlich besser wird, als mit der miesgrämigen, maternalistischen Abrissbirne aus der Uckermark, die uns mit ihrer autoritären "Nudging" Neigung den ganzen Mist eingebrockt hat.

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Schweden nicht ausgestorben sind 😉

  • #9
    Susanne Scheidle

    @ Ingenhorst
    Es ist genau diese unangemessene Wortwahl und die schäbigen Vergleiche, die sie impliziert, mit der Impfgegner sich selbst ausgrenzen.

  • #10
    Ingenhorst

    Sehr geehrte Frau Scheidle,
    Sie haben leider doppelt Unrecht. Erstens bin ich kein Impfgegner und habe mir noch letzte Woche aus gegebenem Anlass ne Tetanus setzen lassen.
    Zweitens sind angesichts der in Deutschland herrschenden Zustände selbst die "schäbigen" Vergleiche mehr als geboten.

  • #11
    abraxasrgb

    @9 S. Scheidle
    Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

    Kurt Tucholsky

    PS: Nicht jeder gegen das aktuelle Atemwegs-Virus Ungeimpfte ist ein "Impfgegner", siehe z.B. weiter oben der Beitrag von Sarah. Es soll Menschen geben, die pauschal gegen jede Impfung sind, aber es gibt eine nicht geringe Anzahl von Menschen, die sehr wohl gegen vieles geimpft sind, nur nicht gegen Coronoia. oder solche, die als Erwachsene selbst geimpft sind, aber eine Impfung für ihre Kinder unsinnig oder sogar unsicher halten. Ich habe auch noch nie gehört, dass jemand anderen die Impfung verbieten oder untersagen will.

  • #12
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ abraxasrgb | Zu suggerieren, am Eingang zur Kultur ginge es zu wie auf der Rampe von Auschwitz, ist kein "Witz". Ähnlich unwitzig, Tucholsky als Kronzeuge für derart durchgeknallte Vergleiche zu bemühen. Ich hatte gehofft, der Kommentator #4 würde sich und sein übles Gerede zurücknehmen, wenn man ihm mit Vernunft begegnet, das ist nicht passiert. Und versaut jede Diskussion: Die meisten Nicht-Geimpften, das sehe ich wie Sie, haben mit dieser Art Unvernunft wie in #4 nichts am Hut.

  • #13
    Susanne Scheidle

    @ abraxasrgb #10
    Nicht jeder nicht Geimpfte ist ein Impfgegner, ganz recht.
    Allerdings sind es typischerweise Querdenker und Impfgegner, die bevorzugt den in #4 angeschlagenen Ton anstimmen.
    Und ausgerechnet mit Tucholski zu kommen wenn es darum geht unangemessene Nazi-Vergleiche zu relativieren ist wahrlich eine rhetorische Meisterleistung, Chapeau!

  • #14
    nussknacker56

    #10

    abraxasrg, was ist los? Wenn Beiträge wie der von Ingenhorst jetzt humorvoll sind, bin ich lieber ein Griesgram. Bei Impfgegnern habe ich bislang noch keinen Humor entdeckt, nur ganz viel Empfindlichkeit auf jegliche Form der Kritik.
    Susanne Scheidle hat in #9 vollkommen recht, wenn sie eine unangemessene Wortwahl und schäbige Vergleiche kritisiert.

  • #15
    Till

    @ Thomas Wessel

    haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso die Ruhrbarone "magisch" anonyme Rechte anziehen?

    Hat das vielleicht irgendetwas mit den Artikeln zu tun?

  • #16
    Helmut Junge

    ich empfinde den Kommentar #4 nicht als Witz. Wäre ich selber der Angesprochene, würde ich auch sauer reagieren.
    Wobei ich wegen meiner naturwissenschaftsnahen Ansichten nichts gegen das Wort "Selektion" habe, sondern mit mit der deutlichen Andeutung, daß es überhaupt irgendwo zugehen könnte" wie auf der Rampe von Auschwitz", was der angesprochene Thomas Wessels m.E. zu Recht scharf kritisiert.
    Eine gute Freundin ist Impfgegerin, aber wenn ich versuche, sie davon zu überzeugen sich impfen zu lassen, bleibe ich erfolglos. Trotzdem wird sie immer meine Freundin bleiben. Und ich empfinde den öffentlichen druck, der auf Impfgegner ausgeübt wird, als schlimm und undemokratisch.

  • #17
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ Anonymer Till | Wenn es rechts ist, die Möglichkeit einer Wahl zu fordern. Wenn es rechts ist, den Menschen zuzutrauen, dass sie selber wählen können. Wenn es rechts ist, sich nicht in die Opferrolle zu flüchten und es rechts ist, keine antisemitischen Vergleiche zuzulassen, dann hat das was mit den Ruhrbaronen zu tun, in der Tat. Früher nannte man es links.

  • #18
    Ingenhorst

    Sehr geehrter Herr Wessels,
    Sie haben völlig Recht, ich habe Sie in meinem Post die Nazikeule spüren lassen und Sie haben genauso reagiert, wie ich mir das vorgestellt habe. Jetzt ist ihr Argument, ich sei Antisemit. Woher nehmen Sie diesen Vorwurf? Kann es am Mangel echter Argumente für Ihre Selektionsgedanken liegen? Um die Volksgesundheit scheint es Ihnen nicht gerade zu gehen.

  • #19
    abraxasrgb

    @all
    Kennt einer irgendjemand der Empörten Tucholskys ganzes auszugsweise zitiertes Gedicht? Es heisst: Was darf Satire …
    und es endet mit:

    "Was darf die Satire?

    Alles!"

    Ich mag weder die Coronoiker, noch die Coronazis. Das ist emotionales/moralisches Aschenputtel spielen, wer sich den Schuh anziehen möchte … Depeche Mode wäre meine Antwort: try walking in my shoes
    https://www.youtube.com/watch?v=GrC_yuzO-Ss

    Ich bin RUHR-Aborigine … ich riskiere lieber eine gute Freundschaft, als einen guten Witz aus zu lassen … außerdem habe ich einen Faible für Dadaismus und nichts und niemand ist mir heilig, nicht mal das, was mir wichtig und richtig ist.

    Außerdem bin ich garantiert nicht links oder rechts, sondern völlig geradeaus. Manchmal habe ich Präferenzen, die Linke auch haben und manchmal solche, die auch Rechte habe … so what: My way or highway … YMMV take it or leave it, You won´t change it.

    Nussknacker und H. Junge … klar, ihr habt einen anderen Humor … und andere Betroffenheiten/Echo chambers/Filter bubbles. Völlig Ok.
    Können wir uns darauf verständigen, dass dieses regierungspolitisch induzierte "nudging" schlichtweg widerlich ist, weil es so dämlich ist, dass man sich schämt selbstdenkender, eigenverantwortlicher Deutscher zu sein? Falls nicht, Euer Humor oder eben auch nicht.

    Egal … am Ende ist mir das Ganze zu polarisiert eindimensional 😉

    PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Schweden nicht ausgestorben sind …

  • #20
    nussknacker56

    #15
    Helmut Junge, das verstehe ich sehr gut. Und ich würde dieser Freundin deswegen ebenfalls nicht die Freundschaft kündigen.

    ABER: Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Leute nicht bereit sind, auch nur die geringste Kritik an ihrem Verhalten zu ertragen. Impfgegner werden jedoch mit Fug und Recht kritisiert. Statt dass diese mit Argumenten kontern (daran haperts nämlich gewaltig), stellen sie sich als verfolgte Opfer dar. Sie heften sich einen gelben „Ungeimpft“-Stern an, sprechen sogar von Selektion(!) und anderen Ungeheuerlichkeiten, die sie angeblich zu erdulden hätten. Diese zelebrierte Opferrolle, in der sie sich suhlen, ist unerträglich und nicht akzeptabel.
    Was soll man mit Leuten machen, die im Altersheim, auf der Intensivstation, im Kindergarten usw. darauf bestehen eine Impfung zu verweigern? Wer soll deren Zeche bezahlen – etwa die jeweiligen Schützlinge?

  • #21
    Susanne Scheidle

    @ Ingenhorst #18
    Na, so einen schönen Gruß von Herrn Freud hat man aber schon lange nicht mehr gesehen!

  • #22
    nussknacker56

    #15

    Till, zuletzt waren Sie als "Aaron" unterwegs, davor als "martin", davor als …
    Sie sollten sich langsam für einen Namen entscheiden.

    [Sorry für dieses OT, aber es scheint mir notwendig]

  • #23
    Helmut Junge

    @Nußknacker, ich kenne das Problem, daß manche Geisteswissenschaftler mit dem Begriff "Selektion" haben, seit Sloterdijk ihn benutzt hat. Damals hat jemand aus dem Umfeld von Habermas gesagt, daß er die Rampe von Ausschwitz sehen würde, wenn er dieses Wort liest. Aber es ist nun einmal ein gebräuchliches und notwendiges Wort, das in den Naturwissenschaften und der Technik weltweit genutzt wird. Denken Sie an "Selektionsdruck" in der Evolution. Das können deutsche Geisteswissenschaftler nicht abschaffen. Egal, was die dabei sehen. Ich sehe das nicht, und deutsche Philosophen spielen außerhalb Deutschlands keine Rolle mehr.
    @abraxasrgb, meine Freundin wohnt nicht allzuweit von dir entfernt. Das ist eine unwegsame Gegend, schwer hinzukommen, und daß ihr dort einen anderen Humor entwickelt, als Leute in der Stadt, erstaunt mich nicht wirklich. @Ingenhorst sollte vielleicht mal in sich gehen, ob er nur beleidigen wollte, oder ob er Satire im Internet ausprobieren wollte. Er benutzt den Begriff "Selektion" in dem Sinne, wie es dieser zitierte Habermas-Anhänger verstanden hat.

  • #24
    Till

    @ Thomas Wessel #17

    ich schrieb: "Hat das vielleicht irgendetwas mit den Artikeln zu tun?"

    "den Artikeln", Plural, nicht mit dem Aktuellen, den ich politisch gar nicht sicher einordnen könnte.

    Was haben Sie denn für eine Erklärung dafür, dass bei den Ruhrbaronen fast nur noch Rechte diskutieren? Dass es so ist, wird ja hier am lupenreinen Nazi-Sprech überdeutlich, das von anderen durchgewinkt wird: da hat sich das Bezugssystem aber ganz weit nach rechts aussen verschoben …

  • #25
    Till

    @ nussknacker56 #22

    können Sie mir das bitte erklären? Wer ist "Aaron"? Steht "Aaron" als Codewort für eine "semitische Nazi-Verschwörung"? Um mal im Duktus dieser überaus erbauenden Diskussion zu bleiben.

  • #26
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ Helmut Junge | Schon klar, im Weinanbau steht das Wort „Selektion“ für Qualität, bei Autos gibt es Ausstattungsvarianten, die so heißen. Der Kommentar #4 hat weder mit Weinanbau noch Autos noch Natur- oder Geistes- oder sonst einer Wissenschaft zu tun, sondern damit, dass ein Bild aufgerufen wird: auf der einen Seite eine Art Mengele, auf der anderen steht wer? Und wird wohin „geschickt“?

    Das ist nicht einmal mehr eine Beleidigung für mich, weil – historisch-wissenschaftlich – so offensichtlich absurd, Beleidigungen müssen treffen. Tertium comparationis ist nicht „Mengele“, der mit Leuten verglichen wird, die ihr Publikum schützen wollen, sondern der Kommentator phantasiert sich selber als Jude, der ins Gas geschickt wird. Es ist der Verlust jeder, absolut jeder Relation – und ist antisemitisch, weil es den Mord an Millionen mit dem gleichsetzt, was der Kommentator #4 gerade tut: zuhause sitzen bei Bierchen und Schnaps und Antisemitismus wie Aerosoloe versprühen.

    Das nur nochmal zur Klarstellung, wir sind uns in der Sache selber einig.

  • #27
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ Till | Vom Vermuten allein lässt sich nicht orten, was rechts ist oder links. Dafür ist ein Blog ja da, es etwas präziser zu kriegen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Linke nicht mehr diskutieren, nun denn.

    Was "Nazi-Sprech" angeht: Ich finde, eine Chance sollte jeder – naja, möglichst jeder – kriegen, wieder zurück zu rudern, aber keine drei oder fünf oder zehn.

  • #28
    Groedi

    Herr Wessel, vielen Dank für Ihren Gedankenanstoß!

    Es tut mir so leid, dass sie sich jetzt hier mit einer so dummen und polemischen Diskussion auseinandersetzen müssen, die wirklich nichts mit diesem so schwerwiegenden Thema zu tun hat. Unsere verzweifelte Branche liegt am Boden, ist fast nicht mehr existent. Lebensentwürfe scheitern gerade, ein Großteil der zuvor Beschäftigten steht am Abgrund oder ist bereits abgestürzt. Ich selbst habe so große Verluste, dass ich von meiner eh schon viel zu dünnen Altersvorsorge leben muss, was den Blick nach vorn noch deutlich verdunkelt. Hätte ich Kinder, wäre ich am Ende. Und dennoch habe ich im Vergleich zu Anderen noch Glück, dass ich zumindest jetzt so über die Runden komme. Es gibt nicht genug Strohhalme um alle zu retten, die von der dramatischen Situation betroffen sind. In Wuppertal haben sie einen aus Spenden finanzierten Hilfsfond eigerichtet, um Kulturschaffende und aus anderen Branchen Involvierte mit dem Allernötigsten zu versorgen. Staatshilfen greifen nicht, sind viel zu kurz gedacht. Viele fallen durch das Raster. Es geht nicht mehr um die Kultur, es geht um die Miete, um Nahrung. Nichts ist mehr wie zuvor, das Leben ist vollkommen aus den Fugen geraten…

    Und hier diskutieren wir allen Ernstes über „Arierenachweise“ und solchen Käse?? Haben wir alle zu viel Zeit in dieser dramatischen Situation? Es macht traurig und fassungslos, das hier zu lesen…

    Herr Wessel, das ist ein sehr konstruktiver Vorschlag, den Sie da machen. Ich hoffe sehr, dass er an entscheidender Stelle andere Diskussionen auslöst, als diese völlig überflüssige hier.

    Ein verzweifelter Appell an jede, an jeden, denen es möglich ist: Bitte lassen Sie sich impfen! Tun Sie es nicht nur, um ihre eigene Zukunft, im dramatischsten Fall, um ihr eigenes Leben zu retten, tun Sie es nicht nur für alle in die Kultur involvierten Branchen, tun Sie es für uns alle!

    Und Schweden.. Dort oben habe ich Freunde an das Virus verloren – enge Freunde, die ganz ohne Vorerkrankungen mitten im Leben standen. Andere werden sich nicht mehr davon erholen können…

  • #29
    sneaking_beauty

    @#27 Thomas Wessel: Das ist keine Vermutung von Till, sondern Fakt. Hier wird ja nicht jeder Kommentar freigeschaltet – verständlich, denn sonst wird es unübersichtlich -, und da wirft es eben schon die Frage auf, warum bestimmte Kommentatoren immer wieder mit extremistischen Parolen (besonders krass ist es bei den Themen Einwanderung, Islam, Feminismus und natürlich auch Impfungen) durchkommen.
    Wenn das öfters passiert, spricht sich das in gewissen Kreisen rum und diese fangen dann gezielt an, zu trollen, weil sie merken, dass das hier möglich ist. Die Blogbetreiber merken wiederum, dass dies mehr Clicks generiert und dann spielt man eben verstärkt für eine bestimmte Klientel (vor zehn Jahren war dieser Blog politisch noch deutlich neutraler). Irgendwann haben dann die Linken oder die Zentristen auch keinen Bock mehr zu diskutieren und ziehen sich zurück. Und so bekommt man als Blog am Ende mehr rechte Nasen, als man erwartet hat.

  • #30
    abraxasrgb

    @ Helmut Junge Geographie und Humor
    Da ist etwas dran, anscheinend gedeiht hier, bei den sieben Zwergen, hinter den sieben Bergen der Sarkasmus, dank sonniger Südlage, prächtig. Eventuell ist es auch dem rauhen Klima im Winter geschuldet, dass wir nicht ganz so dünnhäutig sind.
    Eventuell gibt es auch ein humoristisches Nord-Süd-Gefälle?
    Wobei ich, dank der egalitären Provinzialität der Region, es ja nicht unbedingt weiter zu den gleich langweiligen Stadtzentren verschiedener "Städte" habe. Du scheinst übrigens vergessen zu haben, dass ich in der größten Stadt der Region geboren wurde 😉

    Was Deine sympathisch gelassene, wissenschaftliche Sichtweise des Begriffs der "Selektion" anbelangt, kann ich Dich aus eigener, bitteren Erfahrung nur warnen. Nachher unterstellt man Dir noch "Darwinistische" Sichtweisen 😉 Ich habe ja nicht nur die empörte Debatte um die Scheinkontroverse zwischen Sloterdijk und dem Habermässigen und seinen Jüngern hautnah erlebt, sondern die unsäglichen Anfänge der political correctness, heutigen cancel culture etc. im akademischen sozialwissenschaftlichen Milieu. Aktuell ist es sogar noch schlimmer geworden. Dir würden sich die Nackenhaare aufsträuben, wenn ich Anekdoten aus dem Seminarbetrieb erzählte …

    Was die Chuzpe @Ingenhorst anbelangt … hat er doch einen feinen, wirksamen Giftspritzer in die Diskussion gebracht. Der mag einigen sehr bitter schmecken, oder degoutant erscheinen, aber gerade selbst erklärte "Linke", die noch vor ein paar Monaten lauthals für niedrigschwellige Inklusion und das AGG lautstark eingetreten sind, haben derzeit oft (nicht alle), einen wirklich widerlichen Hang, Menschen aufgrund einer freien Entscheidung zu sanktionieren bzw. ätsch-bätschi (haben sie sich wohl von A. Nahles abgeschaut) selbst Schuld zu plärren. Nebenbei ist die lustige Diffamierung und gruppenbezogene Subsumption aller, zum eigenen Standpunkt kontroversen Meinungen, in seiner kognitiven Simplizität, wirklich Mitleid erregend.

  • #31
    Thomas Wessel Beitragsautor

    @ sneaking beauty | Sie sind doch ein sneaking schöner Beweis fürs Gegenteil 🙂

  • #32
    Till

    @ Thomas Wessel #30 / sneaking_beauty #29

    Finden Sie Ihr Smiley angesichts des von "sneaking_beauty" beschriebenen Rechtsrucks der Ruhrbarone passend?

    "sneaking_beauty", Zitat: "Irgendwann haben dann die Linken oder die Zentristen auch keinen Bock mehr zu diskutieren und ziehen sich zurück …" Leider wahr. Was beleibt ist b****.

  • #33
    abraxasrgb

    #29 @ sneaking_beauty
    Widerspruch … ich würde mal die Filterung der eigenen Blase ins diskursive Spiel bringen.
    Es gibt – gerade in den letzten zehn Jahren – eine zunehmende Anzahl von Themen, die eine gesellschaftlich (Schein-)Relevanz bekommen haben und oft apodiktisch behauptet, für die "Linke" einseitig reklamiert werden.
    Typisch ist auch die Insinuation, alles, was "rechts" sei, wäre extremistisch. Ich habe hier noch keinen "extremistischen" Beitrag gelesen, alles im Rahmen des GG und der freien Meinungsäußerung. Wie das bei den nicht freigeschalteten Kommentaren aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Wer aber bei jeder konträren, kontradiktorischen und auch nur kontroversen, also an argumentativer Auseinandersetzung interessierter Meinungsäußerung, die vom eigenen Standpunkt abweicht, gleich lautstark "rrrrääääääächts" plärrt, der muss sich am Ende nicht wundern, wenn seine gefühlte politische Umwelt aus lauter (Auf)Rechten besteht. Viele Themen, viele verschiedene Meinungen.
    Apropos Umwelt, zudem hat sich der Klimawandel vor allem im politischen Klima der Diskussionsstile gezeigt. Meiner Beobachtung nach hatte die "politische Landkarte" früher mehr als nur die eine Dimension "links-versus-rechts".
    Zudem ist die verbale Empfindlichkeit auf "böse" Schlagwörter (so etwas sagt man nicht, bzw. nicht so hart, es könnte ja eine empfindsame Seele in ihrer Wohlfühltäuschung emotional verletzt werden) in einer Weise angestiegen, dass es oft gar nicht mehr um das Thema, sondern die Worte geht. Hat gelegentlich eine skurrile Eigendynamik. Das kann man übrigens sehr schön schon bei Wittgenstein lernen, die meisten Probleme sind Scheinprobleme aus einem missverstandenem Umgang mit Sprache.
    Wer das alles nicht aushalten kann, der sollte sich nicht gerade einen dezidiert "liberalen" sprich vielfältigen, pluralen Blog als Meinungs-Deinungs-Austausch aussuchen. Wer seinen "confirmation bias" kultivieren möchte ist bei anderen, tendenziöseren oder schlagseitigeren Plattformen besser aufgehoben.
    Rechts sein ist weder illegal, illegitim noch anrüchig. Es ist etwas, das man in einer freien Gesellschaft einfach sein darf. Gilt übrigens auch für "Links". Und für die vielen anderen, meiner Auffassung nach existenten, individuellen Meinungen ebenso.

    tldr; Der rechte Eindruck entsteht aus linker "perspektivischer Kurzsichtigkeit"

    If You cannot stand the heat, keep out of the kitchen 😉

  • #34
    Helmut Junge

    @Thomas Wessel 30, ja stimmt! Allerdings werden Trolle lt. Wikipedia nicht als Links oder Rechts definiert. Es sind eher nach Aufmerksamkeit heischende Gestalten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)

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