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Coronavirus: Warum Zuschauerausschlüsse noch das geringste Problem im Profisport sein werden

Fans in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps

Der Profisport in Deutschland ringt mit den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus. Wie soll man angemessen mit der Gefahrenlage umgehen? Noch ist man sich nicht einig. Eine Hiobsbotschaft folgt in diesen Stunden auf die nächste.

Während erste Großveranstaltungen schon ohne Zuschauer über die Bühne gehen werden, so wird das Rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln heute zum Geisterspiel, versuchen andere Klubs ihr Programm mit aller Entschlossenheit unverändert durchzupeitschen. Union Berlin zum Beispiel will am kommenden Bundesligaspieltag trotz allem noch immer mit seinen Fans im Rücken gegen den FC Bayern München antreten. Die Debatten über das Pro und Contra laufen.

Erstaunlich ist jedoch, dass die meisten Beobachter dieser unschönen Entwicklungen dabei bisher noch immer deutlich zu kurz zu denken scheinen.

Die Deutsche Eishockeyliga hat ihre Meisterschaft am Dienstag bereits offiziell vorzeitig abgebrochen. Es wird dort keinen Deutschen Meister 2020 geben.

Was im Eishockey noch in erster Linie der Wirtschaftlichkeit geschuldet sein mag, schließlich ist die Bedeutung der Einnahmen an den Stadionkassen im Eishockey hierzulande deutlich größer als zum Beispiel beim Fußball, wo die Gelder der Fans nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Umsatzes ausmachen, dürfte schon bald auch in anderen Sportarten und Ligen zur traurigen Realität werden.

Wenn kein Wunder geschieht, werden die meisten Meisterschaften wohl bald abgebrochen werden müssen. Aber aus einem ganz anderen Grund. Erstaunlicher Weise spielt derzeit die Überlegung, dass auch etliche Sportler erkranken werden, bisher noch keine nennenswerte Rolle in den laufenden Debatten.

Dabei ist dies ein recht naheliegender Grund für einen Abbruch der laufenden Wettbewerbe. Denn was passiert, wenn die ersten Profisportler infiziert sind?

Will man dem Vorgehen bei ‚Normalbürgern‘ auch nur einigermaßen treu bleiben, dann droht ihnen und vielen ihrer direkten Kontaktpersonen der jüngeren Vergangenheit ebenfalls eine längere Quarantäne.

Man stelle sich vor ein Profi-Fußballer wird demnächst tatsächlich positiv getestet. Sofort wäre ein Großteil der Mannschaft mit der er täglich zusammen ist ebenfalls nicht mehr ruhigen Gewissens einsatzfähig.

Übereinstimmende Medienberichte gehen für Deutschland im Laufe der nächsten Zeit von einer Infektionsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung aus.

Da werden zwangsläufig Vertreter aller Gesellschaftsschichten mit dabei sein. Also auch Profisportler. Teamsportler sicherlich mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit, hängen sie doch nicht nur ständig und sehr eng als Gruppe zusammen, reisen sie doch auch besonders viel und haben stetig wechselnde Leute, sprich Gegenspieler und Betreuer, vor ihrer Nase. Dass alle dabei völlig ‘ungeschoren’ davonkommen ist nicht zu erwarten.

Und was bedeutet es, wenn auch nur die halbe Mannschaft eines Teams ausfällt, da sie entweder mit dem Virus selber infiziert ist oder auch ‘nur’ unter einer Schutzquarantäne steht? Logisch, die Mannschaft kann nicht mehr unter fairen Bedingungen am Spielbetrieb teilnehmen.

Ein Spiel mit einer B-Auswahl oder gar der Amateurvertretung? Schlicht nicht denkbar. Ein großes Terminchaos über viele Wochen oder gar Monate durch eine hohe Anzahl von neu anzusetzenden Spielen? Ebenfalls als Dauerzustand kaum realistisch.

Zumal der Terminkalender der Sportwelt bekanntlich sehr eng getaktet ist. Über eine Verlegung der Fußball-EM von diesem in den kommenden Sommer wird bereits gesprochen. Auch die Olympischen Spiele in diesem Sommer drohen so wie geplant nicht stattfinden zu können.

Viele Profiligen werden in diesem Frühjahr nicht regulär bis zum Saisonende weitermachen können. Auch nicht ohne Zuschauer in den Hallen oder Stadien. Spätestens wenn erste Spieler ausfallen wird das Durcheinander mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so groß werden, dass nur noch die Notbremse, sprich Abbruch der Spielzeit, als Lösung übrigbleiben wird. Und um das zu erkennen muss man nicht einmal Experte sein, oder Berufspessimist.

Schon am Dienstag meldete die Bild-Zeitung auf ihrem Onlineportal einen ‚Corona-Alarm‘ auf Schalke. Eine Meldung, die sich schon Minuten später als weit weniger dramatisch darstellte, als sie zunächst klang. Es konnte rasch wieder Entwarnung gegeben werden.

Doch schon in Kürze dürfte sich ein solcher Verdacht irgendwo im Lande tatsächlich bestätigen. Und dann? Hätte das Revierderby ohne Zuschauer am Samstag stattgefunden, wenn zudem nennenswerte Teile des Schalke-Teams zum Zeitpunkt des Spiels unter Quarantäne gestanden hätten? Eben!

Und früher oder später werden wir bei einer zu erwartenden Infektionsrate von deutlich über 50 Prozent in diese Situation geraten. Und dann ist die Show endgültig erst einmal gestoppt. Das dann entstehende Durcheinander wird sich in absehbarer Zeit schlicht nicht beheben lassen.

Der Profisport in diesen Breiten hat also durch das Coronavirus in Kürze wohl noch ganz andere Probleme zu erwarten als nur ein paar Geisterspiele!

 

 

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12 Kommentare zu “Coronavirus: Warum Zuschauerausschlüsse noch das geringste Problem im Profisport sein werden

  • #1
    Werntreu Golmeran

    Man bedenke nur, dass Bergamo, das angebliche Wuhan Italiens, sich für das Viertelfinale der CL qualifiziert hat.

    Da werden Anfang April im Zweifel auch keine Geisterspiele stattfinden können.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    So schnell kann das gehen:

    https://www.sport1.de/internationaler-fussball/premier-league/2020/03/coronavirus-premier-league-spiel-zwischen-man-city-und-arsenal-abgesagt

  • #3
    Klaus Lohmann

    Robin, wenn die 60-70% "Durchseuchung" erreicht sind, ist die Immunisierung abgeschlossen und neuerliche Infektionen werden wie jede Grippe behandelt. Sind grippekranke Sportler neuerdings ein Grund, ganze Vereine, Ligen, Sportarten lahmzulegen? Gesundheitlich persönlich gefährdet waren und sind weiterhin Menschen mit sehr geschwächtem Immunsystem – was im Profi-Sport eher selten vorkommt.

  • #4
    Werntreu Golmeran

    Was mich gerade wundert ist, dass das Robert Koch Institut heute keine neuen Fallzahlen für NRW vorgelegt hat. Der angegebene Wert ist der selbe wie gestern.

    Wahrscheinlich gibt es da auch keine koordinierten Abfragezeiten.

  • #5
    Franz Meier

    @ Klaus Lohmann

    in Italien gibt es inzwischen so viele Patienten, dass die Ärzte entscheiden müssen, wen sie noch intensiv-medizinisch behandeln können.

    So ein Vorgehen ist bei "Katastrophen" und bei "Krieg" vorgesehen, aber Lohmann redet weiter von: "wie jede Grippe"

  • #6
    Susanne Gunia

    Erster Fussballprofi positiv auf Corona getestet. Timo Hübers, Hannover 96.
    So schnell kann es gehen.

  • #7
    Thomas Weigle

    Union kann weiterhin den Willen haben, mit Zuschauern im Rücken zu spielen, die zuständige Behörde allerdings hat dieses "Wollen" mittlerweile untersagt, also auch dort keine Zuschauer.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @#5
    https://www.morgenpost.de/vermischtes/article228667531/Corona-Krise-Wird-es-in-Deutschland-so-wie-in-Italien.html
    "In Deutschland gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 28.000 Betten auf Intensivstationen – in Italien seien es lediglich rund 5000."

    PS: Der Bevölkerungsanteil der Influenza-*Erkrankten* (sic!) in der aktuellen Saison 2019/20 liegt lt. Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Instituts bei mehr als 8%, das sind ca. sechseinhalb *Millionen* Menschen in Deutschland (https://grippeweb.rki.de/).

    Weiter viel Spaß beim Panik-Verbreiten!

  • #9
    Thomas Weigle

    Richtig @Klaus, aber von diesen Betten sind rund 80% z.Zt. belegt mit Menschen anderer Erkrankungen, wie ich gestern in einer Sendung zum Thema von einem Fachmann hörte. M.a. W., es sind um die 5600 dieser Betten frei.

  • #10
    Franz Meier

    @ Klaus Lohmann

    du verstehst es nicht: "ernsthaft ein Problem zu sehen" ist nicht gleichbedeutend mit "Panik verbreiten":

    – Italien ist ein hochentwickeltes, europäisches Land und stößt an die Grenzen der medizinischen Versorgung der Patienten: kannst du dich da bitte mal für 5 Sekunden hineindenken, dir vorstellen, was das für die Patienten bedeutet? (und für die Angehörigen, das Klinikpersonal, das "Nein" sagen muss)

    – Merkel, beraten von den massgeblichen Virologen, Epidemiologen, und Infektiologen Deutschlands, heute zur "Corona-Krise":

    "»Wir müssen Zeit gewinnen«

    Erstmals hat sich Bundeskanzlerin Merkel ausführlich zur Corona-Krise geäußert. Sie betonte, oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung zu verlangsamen. Nur so könne eine Überlastung des Gesundheitssystem verhindert werden …", https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-deutschland-177.html

    "Überlastung des Gesundheitssystems" auch leicht verständlich mit einer Grafik präsentiert bei den Ruhrbaronen: "Warum eine frühzeitige Eindämmung von Corona so wichtig ist", https://www.ruhrbarone.de/warum-eine-fruehzeitige-eindaemmung-von-corona-so-wichtig-ist/179941

    Ich wiederhole nur, was bei den Experten inzwischen Standard ist, nur Klaus Lohmann hat eine andere "Expertenmeinung": woher kommt deine "Expertise" eigentlich?

  • #11
    Klaus Lohmann

    @ #10 "Franz Meier" od. "Josefine M." oder oder…

    Wenn man sich schon unter div. Fake-Namen hier zum Nerven meldet, sollte man wenigstens seinen Schreibstil variieren.

    Zur medizinischen Versorgung in Italien vs. Deutschland siehe meinen Link, auch wenn Lesen Ihnen offenbar schwerfällt.

  • #12
    Franz Meier

    @ Klaus Lohmann

    Jede medizinische Versorgung dieser Welt bräche bei einer exponentiellen Ausbreitung des Corona-Virus zusammen, deshalb ähnlich sich auch die Massnahmen in den verschiedensten Ländern so sehr.

    Verbreitet Merkel "Panik"?

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