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Dû bist dîn, ich bin mîn – Sensationeller Handschriften-Fund der Ruhrbarone

Die Sicht auf die Ursprünge deutscher Liebeslyrik dürfte sich in diesen Tagen radikal verändern. Kurz vor dem Valentinstag am 14. Februar zeichnet sich eine Katastrophe für das Selbstverständnis vieler Liebender ab, ein Selbstverständnis, das nicht selten in Bildern und Sprache auf die Kunst, insbesondere die Literatur rekurriert.
Wie Ruhrbarone-Autor Gerd Herholz jetzt nach langen Studien und Recherchen in den Kellern süddeutscher Archive herausfand, kann das bisher als ältestes Liebesgedicht deutscher Zunge anerkannte „Dû bist mîn, ich bin dîn“ wohl nur als Zweitfassung eines älteren Gedichtes gelten.
Das bisher allein bekannte Gedicht „Dû bist mîn, ich bin dîn“  wird in der wissenschaftlichen Edition zumeist so wiedergegeben:

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.

Dieses Gedicht findet sich am Ende eines ansonsten in lateinischer Sprache geschriebenen Briefes einer hohen Dame an ihren geistlichen Lehrer. Der Brief stammt aus einer Briefsammlung des Werinher von Tegernsee, die in einer um 1200 geschriebenen Handschrift erhalten ist (Bayerische Staatsbibliothek, Codex lat. 19411, siehe auch Foto links: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADE_CLM_19411_114v.jpg).

Nach langwierigen naturwissenschaftlichen Untersuchungen, etwa chemischen Analysen, wiesen die Ruhrbarone nach, dass das bekannte Gedicht nur die stark überarbeitete Fassung eines Gedichtes ist, das kürzlich erst mittels Fluoreszenzfotografie sichtbar gemacht werden konnte (siehe: Palimpsest).

Der verborgene, überschriebene Text (Dû bist dîn, ich bin mîn) liest sich rekonstruiert so:

Du bist dein, ich bin mein,
nichts könnt gewisser sein.
So ist‘s beschlossen
in unseren Herzen:
Verloren schlägt ein jedes leis für sich:
Ich/lie/be/mich/ich/lie/be/mich.

Die ungeheure Modernität dieses Gedichts einer Frau (wahrscheinlich einer Nonne), die zugleich auf eigener Identität besteht und doch bereits den Verlust jeder Kommunikation, ja, den Verlust zwischenmenschlicher Liebe insgesamt beklagt, hat die Fachwelt überrascht. Auch stellt sich die Frage von Zensur und Selbstzensur in mittelalterlichem Klerus und Adel völlig neu. In Bochum wurde mit Unterstützung des Verbandes Deutscher Papierhersteller (VDPap) bereits die Forschungsgruppe „Mittelalterliche Postmoderne als Voraussetzung zeitgenössischer Moderne“ gegründet. Die Ruhrbarone selbst werden für ihren Fund Anfang April mit dem „Grabe, wo du stehst“-Preis der schwedischen Stiftung „Wasserzeichen der Poesie“ ausgezeichnet.

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Dû bist dîn, ich bin mîn – Sensationeller Handschriften-Fund der Ruhrbarone

  • #1
    diplomclown

    Hallöle,

    toller Artikel! Aber is doch (leider) ne Ente, oder?

    Danke für Aufklärung! 🙂

  • #2
    Mir

    Liebe Ruhrbarone,
    herzlichen Glückwunsch zu dieser bahnbrechenden Entdeckung. Sie dürfte von ähnlicher Tragweite sein wie jene in Köln unlängst in Köln entdeckte lateinische Aufschrift auf einem archäologisch aus der Römerzeit stammenden Gefäß:
    „Datis nepis potus colonia“. Allerdings liest die neuere Forschung die Silbentrennung anders und teilt die ersten drei Worte noch einmal nach jeder Silbe und ordnet den Spruch der rheinisch-germanischen Sprache zu …

  • #3
    diplomclown

    Danke! Das sollte zur korrekten literaturwissenschaftlichen Einordnung ausreichen. (Wobei ich beim Übersetzen echte Schwierigkeiten hatte…)

  • #4
    Arnold Voss

    Der „Grabe, wo du stehst“-Preis der schwedischen Stiftung „Wasserzeichen der Poesie“ könnte bei wortwörtlicher Ernstnahme ungeahnte Folgen haben. Ich wage mir garnicht vorzustellen, was da alles zu Tage kommen könnte. Auch rein gegenständlich.

    Ach ja, toller Text! Bravo!

  • #5
    Helmut Junge

    Das klingt übrigens ähnlich, wie mein erster (vorläufiger) Übersetzungsversuch der beiden Schlußzeilen des zweiten Merseburger Zauberspruchs, aus dem Althochdeutschen, die aus meiner Sicht bisher immer falsch verstanden wurden.
    (bên zi bêna, bluot zi bluoda,
    lid zi geliden, sôse gelimida sin!)

    „Dein zu Mein, ( und zwar) Schein zu Schein, als wären sie geleimt.“

  • #6
    Gerd Herholz

    # 1-5: Danke, liebe Vielologen! Das nenn ich mal ein Fachpublikum. #2 Mir: Jedenfalls ist dat keene Pott usm Pott.

  • #7
    Herbert Kaiser

    Ich bin mein Dein
    äh – nein – oder doch dein Mein?
    Du bist kein Mein, mein Du!
    ..oder doch mein Ich?
    Ich fass‘ es nich –
    verknotet in mein Hirn
    muss Deimeinichdu
    darinnen sein immerzu

    auch über Valentin hinaus !

  • #8
    Gerd Herholz

    # 7 Herbert Kaiser: Verehrter Meister, Valentin hat ja überhaupt das Wesen der Liebe auf den Punkt gebracht (womit wir wieder bei „Dû bist dîn, ich bin mîn“ wären):
    „Ich bin auf Sie angewiesen, aber Sie nicht auf mich! Merken Sie sich das!“

    Oder wie mein alter Mathe-Lehrer Baumbach einmal sagte: „Glauben Sie ja nicht, wen Sie vor sich haben!“ (Beitrag zur Realismus-Debatte?)

  • #9
    Regina Albrecht

    Ich wollte gerade für den Leuchtturm auf Kap Arkona/ Rügen, wo die Jungen Leute nach der Trauung ihre Herzenschlösser mit eingravierten Namen an ein Gitter hängen und anschließend die "sluzzelin" von den Felsklippen ins tiefe, tiefe Meer werfen….ich wollte also gerade zum selben Zweck ein kleines Vorhängeschlösschen vom Graveur abholen, das das Datum unserer Trauung 20.11.2015 und unsere beiden Vornamen zeigt. Mein Mann wird in diesem Jahr 80 und ich bin auch nicht wesentlich jünger…..
    Nun lese ich also, dass die Urschrift des mittelalterlichen Liebesgedichts eigentlich von Eva-Maria Zurhorst stammt, die den postmodernen Auftrag erteilt:
    "Liebe zuerst dich selbst, und dann ist es egal, wen du heiratest"…. Des eingedenk, werde ich noch einmal scharf überlegen: Was ist zu tun? Soll ich zwei Herzen auf ewig in ein gemeinsames Schlösschen einsperren? Besser nicht.
    Also werde ich- um im Bild zu bleiben- das Schlösschen nirgendwo an ein Gitter hängen, sondern mitsamt den zwei Schlüsselchen den weiten Wellen der Ostsee anvertrauen, die es über das Kattegatt durch die Nordsee und dann einmal rund um den Globus tragen mögen.
    Einen Tag nach Valentin feiere ich meinen 77. Geburtstag, und freue mich auf dea befreite Aufatmen meines frisch angetrauten Ehemannes, wenn der Sluzzelin-Ritual einen ganz neuen Sin bekommen wird.
    Danke für die mühsame Arbeit, einen Palimpsest zu entziffern.
    Im Neutestamentlichen Textforschungsseminar einst bei Professor Kurt Aland haben wir ähnliche
    Kunsstücke vollbracht.
    Regina Albrecht, eine Vielologin

  • #10
    Gerd Herholz

    Liebe Regina Albrecht,
    zwar sind die Meere schon arg verschmutzt, aber besser ihr Schloss samt Schlüsselchen landen in der Ostsee, als dass es eine weitere unsanierte Brücke zum Einsturz brächte.
    Viel Glück für Flitterwochen und ewige Liebe.

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