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Das Nahost-Team des Auswärtigen Amts kennt das bedeutendste Buch des Nahen Ostens nicht.

Die Bibel ist sicher das bedeutendste Buch aus dem Nahen Osten. Der Direktor des „Nahost-Team“ des Auswärtigen Amtes Christian Buck schafft es dennoch zu Weihnachten, selten viel Dummheit in das Zeichenlimit von Twitter zu quetschen.

Heimatvertriebenes Paar im Nahen Osten auf der Flucht. Findet mit knapper Not einen Platz im Zelt. (#UNWRA) Trotzdem verlieren sie nie die Hoffnung. Auch nicht die Unterstützung kluger Könige. Kommt Ihnen bekannt vor? Frohe Weihnachten! Ihr Nahost-Team im Auswärtigen Amt.

Das soll auf die Weihnachtsgeschichte anspielen. Der Vergleich ist allerdings äußerst windschief. Einen derartigen Schindluder mit der Entstehungsgeschichte der Christenheit treiben sonst nur gottlose Pegida-Demonstranten.

Wir haben den Tweet des Ministerialbeamten mit den Evangelien verglichen.

  1. Maria und Josef reisten anläßlich Volkszählung von Nazareth nach Betlehem. Heimatvertriebene waren sie nicht.
  2. Maria und Josef als Juden ohne Fluchthintergrund würden sowieso nicht unter die Zuständigkeit der UNRWA fallen.
  3. Der Stall in dem die Krippe stand wurde nicht von einer UN-Organisation gestellt.
  4. Die Sterndeuter aus dem Morgenland haben dem kleinen Jesus sicher ihre Aufwartung gemacht. Aber der einzige König in dieser Geschichte veranlasste einen Kindermord. Keine sonderlich kluge Politik.

Selbstverständlich hagelte es Kritik für den nicht gerade bibelfesten Beamten. Seine lapidare Antwort:

Einige Ihrer Reaktionen zeigen: Dieser Tweet war offenbar missverständlich. Das bedauere ich und bitte um Nachsicht.

Missverständlich? Falsch. Aber ein deutscher Diplomat macht ja bekanntlich keine Fehler.

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9 Kommentare zu “Das Nahost-Team des Auswärtigen Amts kennt das bedeutendste Buch des Nahen Ostens nicht.

  • #1
    Wolfram Obermanns

    "sonst nur gottlose Pegida-Demonstranten"
    Äh jo.
    Auch der Verteidiger des christlichen Abendlandes, das patriotische Frontschwein par excellence T.S. verortete das Gebot der Nächstenliebe im NT.

    Es wird ja immer behauptet, die Welt würde immer komplexer. Ich denke das nicht. Es wird nur immer durchschaubarer wie oberflächlich viele sind, die sich selbst als Erklärbär darstellen.

  • #2
    Ke

    Zum Fremdschämen
    Ein weiteres Beispiel für das aktuelle Niveau der dt. Diplomaten und des Auswärtigen Amts.

    Bei welcher Krise der letzen Jahren war D ein erfolgreicher Vermittler?
    Wir haben selbst den Brexit nicht verhindern können.

    Es gilt Länder zu stabilisieren und nicht Flucht zu optimieren, wobei die "Zeltstädte" um Syrien berum sicherlich Bedarf haben.

    Oder ist das einfach die gesteuerte Kommunikation, die wir in den nächsten Monaten dank des Migrationspakt zu erwarten haben?

    "Alle Teile der Gesellschaft umfassender Ansatz. Der Globale Pakt fördert breit angelegte Multi-Akteur-Partnerschaften,
    die sich mit der Migration in allen ihren Dimensionen befassen und Migranten, die Diaspora,
    lokale Gemeinwesen, die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft, den Privatsektor, Parlamentsabgeordnete, Gewerkschaften,
    nationale Menschenrechtsinstitutionen, die Medien und andere relevante Interessenträger in die
    Steuerung der Migration einbinden"

  • #3
    Mika

    …. zur Kenntlichkeit entstellt. Es ist eben nicht missverständlich. Diese Akteure meinen das so. Man sollte sich hüten, diese Tatsache immer wieder wohlwollend zu verkennen. Wer sich schon ans Relativieren gewöhnt hat, der legitimiert diesen gefährlichen Unsinn bei Wahlen immer wieder aufs Neue.

  • #4
    rjba

    Herr Relotius hat aber schnell einen neuen Job gefunden. Offenbar sind seine Kompetenzen sehr gefragt.

  • #5
    discipulussenecae

    Der Text des AA ist – neben den von DF angeführten – auch aus diesen weiteren Gründen schwachsinnig:

    1. wären Maria und Josef auch deshalb niemals vom UNWRA unterstützt worden, weil sie eben Juden und keine Palästinenser waren (Lk 1,26f.).

    2. ist nirgendwo von einem Zelt die Rede, sondern allein von einer Krippe und einer überfüllten Herberge (Lk 2,7).

    3. hatten Maria und Josef keinen Grund, ihre Hoffnung zu verlieren; sie wußten von der Einzigartigkeit des Kindes (Lk 1,31-33).

    DF hat Recht: Etwas mehr Bibelfestigkeit würde den doch vorgeblich so gut ausgebildeten AA-Beamten zu Gesicht stehen!

    Was mich vor allem ärgert, ist diese den Lesern gegenüber arrogante und ignorante Verdrehung der Tatsachen, die ich nur als latent antisemitisch bezeichnen kann.

  • #6
    Wolfram Obermanns

    Moment!
    Es ist mit einiger Sicherheit ein dummer Fehler zu glauben, im AA wäre man ein wenig beschränkt. Das Verfälschen und Verbiegen von Bibeltexten im Sinne einer herrschenden Doktorin hat eine Tradition, die so alt ist wie das Christentum. Schon am NT selbst lassen sich entsprechende Textmanipulationen nachweisen.
    Die Lässigkeit mit der hier einmal mehr der Text passend gemacht werden kann, ist im Vergleich dazu eine Petitesse.

  • #7
    Hans-Dietmar Naujoks

    So ein gequirlter Quatsch in allen Kommentaren: ES SOLLTE EIN WITZ SEIN !!
    Und auch, wenn es ein ziemlich schlechter war, über den auch ich nicht lachen konnte, wer sowas ernst nimmt und es umfänglich kommentiert, auf Ähnlichkeiten zu Pegida hin untersucht, Kenntlichkeit durch Entstellung feststellt oder gar die Standarddiagnose Antisemitismus stellt, der hat vor allem selbst ein Rad ab und nimmt sich selbst offensichtlich unendlich wichtig.

    Dabei noch recht viel Spaß!

  • #8
    discipulussenecae

    Es tut mir leid: Für einen guten Witz bin ich immer zu haben (denn ich lache gern mal – wenn’s paßt … 😉 ). Aber im obigen Tweet habe ich trotz intensiver Suche auch nicht den Ansatz von Humor finden können!

  • #9
    Ke

    Aktuell sind die Grenzen fliessend:
    Comedy oder einfach nur Tagespolitik

    Es ist nur gut, dass es noch ein paar Journalisten gibt, die den Unsinn hinterfragen. Der Stammtisch, wenn es ihn nochgibt, lebt nicht im Elfenbeinturm und quittiert solche Leistungen zunehmend. Schade, dass Alternativen vielen.

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