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Dem BVB fehlt es an echten Führungsspielern!

BVB-Trainer Peter Bosz und BVB-Pressesprecher Sascha Fligge im Gespräch. Foto: Robin Patzwaldt

Nein, das war gar nichts gestern. Nur 1:1 gegen APOEL Nikosia in der UEFA Campions League. Damit verlängerte sich die Durststrecke des BVB um einen weiteren unrühmlichen Höhepunkt. Zu selten wusste die Truppe von Peter Bosz in letzter Zeit auf dem Platz zu überzeugen. Nach einem Top-Start in die Fußball-Bundesliga, mit fünf Siegen in Serie zum Auftakt, machen Club und Fans derzeit ein ungewohnt tiefes Tal durch. Lediglich das 5:0 im DFB-Pokal in Magdeburg vermochte die Fanseelen zuletzt zu erfreuen. Die gefühlten und tatsächlichen Niederlagen waren zuletzt eindeutig in der Überzahl.

Die Stimmung im Umfeld ist von himmelhochjauchzend somit plötzlich auch zu einer Art Panik gekippt. Beides erschien bzw. erscheint übertrieben. Der BVB ist schließlich noch im DFB-Pokal dabei, in der Liga in der Spitzengruppe und selbst in der Champions League sollte zumindest das Überwintern in der Europa League erreichbar sein.

Massive Kritik konzentriert sich in diesen Tagen vor allem auf Trainer Bosz. Der Niederländer wäre zu unflexibel und würde zu dickköpfig an seinem scheinbar inzwischen von den Gegnern komplett entschlüsseltem System festhalten. Das mag zum Teil ja auch stimmen.

Doch für mich offenbarte sich in den letzten Spielen in erster Linie vielmehr ein ganz anderes Problem als die Trainerfrage: Der Mannschaft der Schwarzgelben fehlt es vielmehr an echten Anführern auf dem Platz.

Wenn es sportlich nicht läuft, dann findet sich aktuell einfach kein Aktiver auf dem Rasen, der die Zügel mal entschlossen in die Hand nimmt, der den anderen sagt wo es dann alternativ und erfolgreicher lang geht, so wie es früher zum Beispiel mal ein Matthias Sammer regelmäßig tat, der sich seinerzeit einen Status erarbeitet hatte, wo er auch dem vielkritisierten ‚Schönspieler‘ Andy Möller gerne mal einen Tritt in den Hintern verpassen durfte, ihn auf Fehler energisch aufmerksam machte, ihn zum Kämpfen aufforderte.

Diese Zeiten sind mir jüngst mehrfach wieder in den Kopf gekommen, wenn der BVB, so wie gestern, einfach nicht zum Erfolg finden wollte. Trotz drückender Überlegenheit auf dem Papier.

Solche großen Persönlichkeiten hat die derzeitige Dortmunder Mannschaft einfach nicht. Schon die Tatsache, dass ihr aktueller Kapitän der vergleichsweise ‚blasse‘ Marcel Schmelzer ist sagt viel über die Teamstruktur der Schwarzgelben aus.

Schmelzer hat nicht nur sportlich aktuell mit sich selber schon ausreichend zu kämpfen, er ist auch gar nicht der Typ, der andere lautstark anfeuert und zusammenstaucht, wenn es einmal wieder darauf ankäme. Solche Spieler gibt es im hochkarätig besetzten Team in diesen Tagen einfach nicht.

Und genau in diesem Punkt sind die Bayern den Westfalen meilenweit voraus. Auch in München haben sie bekanntlich ihre Probleme aktuell. Doch sind dort eben noch immer deutlich mehr Häuptlinge im Kader versammelt als in Dortmund.

Man kann also die Ursache für die aktuellen Probleme des BVB beim Trainer suchen. Doch sollte man die Mannschaft selber dabei nicht aus der Verantwortung entlassen.

Der Kader ist bekanntlich mit Nationalspielern gespickt. Viele sind noch sehr jung und haben natürliche Schwankungen in ihren Leistungen. Die Dortmunder haben aktuell aber kein funktionierendes Führungsgerüst auf dem Platz an welchem sich die großen, jungen Talente mal anlehnen könnten wenn es einmal Probleme in einem Spiel gibt, wenn Erfahrung und Teamführung mehr als üblich gefragt sind.

Da kann man sich eben auch nicht immer nur auf das Trainerteam verlassen. Hier sind dann die Führungsspieler gefragt. Und wer ist das dann in Dortmund?

Man konnte gestern einmal mehr keinen erkennen. Anders ist diese Sprachlosigkeit nach der Begegnung gegenüber den Medienvertretern übrigens auch nicht zu erklären.

Der BVB hat derzeit kein Trainerproblem, er hat einen Mangel an Führungsspielern.

Und dafür sind in erster Linie Aki Watzke und Michael Zorc verantwortlich, und eben nicht der Neuling Peter Bosz an der Bande. Der ist aktuell sozusagen eher der ‚ärmste Hund‘ in der Krise, wie ich finde!

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4 Kommentare zu “Dem BVB fehlt es an echten Führungsspielern!

  • #1
    Klaus Lohmann

    Genau den Gedanken Deiner Titelzeile hatte ich gestern abend fast permanent als "innere Leuchtschrift" im Kopf, Robin. Pische fehlt, Neven wird offensichtlich vom Verein trotz seltener Ersatzeinsätze charakterlich nix mehr zugetraut und der Rest der Truppe – nicht nur Schmelle – hat, wie Du richtig schreibst, viel zuviel mit sich selbst zu tun.

    Aber Bosz’ genauso offensichtliche, beredte Sprach- und Ahnungslosigkeit ist für mich trotzdem noch viel gefährlicher fürs ganze Team und die Ziele der Saison. Erinnert mich ein bisschen an Ancelottis fast anteilnahmsloses "Frühstücksdirektor"-Gehabe bei den Bayern und sollte auch ganz, ganz schnell beendet werden.

    Es wäre ihm ja durchaus hoch anzurechnen, wenn er seinen negativen Analysen auch Taten in Form einer Aufweichung seiner Sturheit und angepasster Taktik folgen ließe oder wenn er zumindest die Jungstars erkennbar weiterentwickeln würde, aber all das passiert eben nicht, die jungen Hoffnungsträger auf Führungsposten wie Pulisic, Guerrero oder besonders Weigl (u.A.) entwickeln sich genauso negativ wie der Rest der Truppe. Und das können Aki und Susi nicht lange unbeantwortet lassen, wenn sie Wert auf ihre Investitionen legen.

  • #2
    RobinS

    Zu Beginn der Runde hat die Mannschaft wahrscheinlich noch von Tuchels Trainingsnethoden gezehrt- nun- so der Eindruck, wird wieder Pizza und Pasta aufs Trsiningsgelände geliefert und verzehrt, was der asketische Tuchel ja zu Beginn seiner Amtszeit zur Vermeidung von Pomadigkeit abgeschafft hat.

    Die Herren Schmelzer und Sahin -Weidenfeller spielt ja eh nicht- sollten ihren großspurigen Worten – sie hatten Tuchel öffentlich demontiert- Taten folgen lassen. Sonst könnte schnell der Eindruck rntszehen, dass sich der Verein von seinen verwöhnten Regionalstars auf der Nase herumtanzen ließ.

    Vielleicht mussten die ja unter Tuchel bissel härter trainieren als ihnen lieb war.

    Im Endeffekt ist das doch eine Truppe der Gescheiterten- Sahin Marktwert früher mal 20 Mio, jetzt 5 Mio- konnte sich in Madrid und auch bei Liverpool nicht durchsetzen, Götze , einst das größte Talent im deutdchen Fussball, drückte bei den Bayern die Bank und scheint sein Gnadenbrot beim BVB zu erhalten, auch Kagawas Reise auf die Insel endete erfolglos.
    Spieler wie Schmelzer erhalten erst gar keine Angebote von anderen Topclubs und an Aubameyang, der liebend gerne nach Mailand, Barcelona oderr China gewechselt wäre, war anscheinend auch niemand ernsthaft interessiert..

    Wie also, Herr Pätzold, sollen sich dann in dieser Truppe der gescheiterten Pizza-und Pastafans ein oder mehrere glaubwürdige Antreiber herauskristallisieren.

    Der BVB ist dank seiner finanziellen Möglichkeiten immer noch eine Topadresse und hatte bei der Verpflichtung Dembeles ein glückliches wie goldenes Händchen- wenn man aber die Einkäufe von Schüttle und Götze – die jeweils um die 30 Mio kosteten und als Totalausfälle gelten müssen- muss auch die Frage nach dem Management gestellt werden.

    Der Marktwert dwr Spieler von Nikosia beläuft sich zusammrn auf 19 Mio Euro, wobei kein Spieler über einen Marktwert von über 1.5 Mio verfügt. Zum Verhleich- die Spieler des BVB bringen es auf einen Marktwert von 438 Mio Euro Außer Weidenfeller und Domink Reimann ( 3.TW) gibt es beim BVB keine Spieler, die "nur" einen Marktwert von 1.5 Mio oder darunter verzeichnen würden..

    Insofern ist es schon verwunderlich, dass dem Ferrari BVB gegen die Ente Nikosia kein zweistelliger Sieg gewinnen wollte und man stattdessen im Gleichschritt aus der CL fliegen wird.

  • #3
    Walter Stach

    Krise?
    Krise !!!!!

    Über deren Ursachen, die m.E. vielfältig sind, mag man streiten, auch über ihre Gewichtung bzw. über ihre Wertigkeit , nicht aber über ihre Existenz.

    Ich teile bezüglich der Krisen-Ursachen die dazu von Robin gemachte Grundaussage -sh. auch Klaus Lohmann -2-zum Fehlen "echter Führungsspieler". Ich gehe noch einen Schritt weiter, indem ich sage, daß jedem Spieler (Ausnahme Guerreiro) das notwendigen Mindestmaß an Aggressivität fehlt. Auch der Kapitän (!!) Schmelzer steht nicht für ein solches Mindestmaß an Aggressivität, obwohl gerade diese einen Kapitän "ausmacht" , sondern er strahlt stattdessen Ängstlichkeit aus -gegenüber seinen Mitspielern und gegenüber den Gegenspielern-, die mittlerweile auf mich befremdlich wirkt.

    (U.a. deshalb waren z.B.Schmelzer und Sahin für Tuchel nie erste Wahl. Und wenn beide sich nach wie vor in Interviews zu Wort melden ,und zwar ohne jegliche Selbstkritik gegenüber ihren eigenen Darbietungen, dann schwanke ich in meiner diesbezüglichen "Wertung" ihre Auftritte zwischen mitleidigem Kopfschütteln oder einer wütenden Kommentierung derselben -sh. in diesem Sinne auch -2-Robin S.)

    Robin,
    wenn Du im vorletzten Absatz Deines Kommentars feststellst, daß der BVB kein Trainerproblem hat, dann teile ich Deine Meinung nicht, denn ich kann und ich will nicht ausschließen, daß auch der Trainer ursächlich zu tun haben könnte mit der jetzigen BVB-Krise:

    (Fehl-)Einschätzungen der Qualität einzelner Spieler -sh. Schmelzer, sh. Sadin, sh…..?
    Mangelnde Flexibilität in der Spiel-Taktik?
    Mängel in der Motivation der Spieler, wenn es um die oben angesprochene Aggressivität eines jeden Spielers geht ? (Und zwar von der ersten bis zur letzten Spielminute. RB Leipzig zeigt -dank Hasenhüttel- was eine solche Aggressivität eines jeden Spielers über 90 Minutenbewirkt.)

    Robin,
    insofern kann m.E. der Trainer nicht ausgenommen werden, wenn über die Ursachen für die derzeitige Krise des BVB diskutiert wird, z.B. unter uns hier bei den Ruhrbaronen.

    Aber -bei aller Kritik-:
    Wenn wir BVBer über die Ursachen der derzeitigen Krise reden, sollten wir nicht völlig ausblenden, daß bis vor kurzem wichtige Spieler -Weigel, Guerreiro- verletzt waren und Piczeck immer noch verletzt ist-, und das einige Spieler sich derzeit in einem erschreckenden persönlichen Formtief befinden -Bürki, Sokratis, Auba – , aus dem sie unverschuldet hineingeraten zu sein scheinen und aus sie hoffentlich bald wieder herauskommen-.

    Und vergessen sollten wir bei aller Kritik zudem nicht, daß es auch "reichlich Pech" gegeben hat, wenn es um das "Tore-machen" gegangen ist -sh. u.a. gestern vor allem in der ersten Halbzeit-!

    Wie wird es weiter gehen?

    1,
    Als Fan habe ich auf " das Weitere" keinen Einfluß. Wenn ich mich in die Situation der letztendlich für den Verein Zuständigen und Verantwortlichen versetze, besser wohl in die Situation des Zuständigen und Verantwortlichen, nämlich des Herrn Watzke, dann kann ich nachvollziehen, warum seitens der Vereinsführung, konkret durch Watzke, allergisch reagiert wird, wenn von einer Krise die Rede ist und wenn Fans und Medien zwangsläufig über die Ursachen und damit auch über die Verursacher dieser Krise öffentlich diskutieren. Und daran kann der Vorstand des BVB nichts ändern, dh., es wird bis auf Weiteres (?) diese öffentliche Diskussion geben -auch wenn sie Watzke nervt- und die wird "so oder so" im Verein, unter den Fans Wirkung zeigen -und welche Folgen haben bzw. haben können?

    2.
    Robin,
    ich stimme Dir zu, wenn Du daran erinnerst, wie euphorisch viele Fans nach den ersten Spielen und einer Tabellenführung mit 5 Punkten vor der Bayern waren und daß es folglich insbesondere für diese Fans sehr schmerzlich ist, erleben zu müssen, daß sie in ihrer Euphorie die Qualitäten der Mannschaft absolut überbewertet haben dürften.

    Ich erlaube mir daran zu erinnern, daß ich diese Euphorie nicht geteilt haben, sondern immer wieder auch hier bei den Ruhrbaronen angemerkt habe, daß der FC Bayern wieder Meister werden würde und "unser" BVB ein Kandidat -unter mehreren- sei für die Plätze 2, 3 oder 4-. Mehr war und mehr ist nicht drin! Trotz der derzeitigen Krise halte ich es weiterhin für möglich, daß "unser" BVB hinter den Bayern auf einem dieser Plätze landen kann, wobei ich für den zweiten Platz RB Leipzig favorisiere. Das Erreichen von Platz 3, aber auch das Erreichen von "nur" Platz 4 wären für mich ein gutes Endergebnis der Spielzeit 2o17/2o18 -und die ist bekanntlich noch sehr, sehr lang und in ihr kann noch viel passieren -Positives wie Negatives aus BVB-Sicht-.

    3.
    Und am Samstag gegen die Bayern?
    Alles andere als eine deutliche Niederlage "unseres" BVB wäre für mich eine Sensation. Umso mehr wünsche ich sie mir.

    4.
    Nicht "verkneifen" kann ich mir schlußendlich die Erinnerung daran, daß ich hier bei den Ruhrbaronen nach dem Rausschmiß von Tuchel u.a. angemerkt habe, daß dann, wenn der BVB in der Spielzeit 2o17/2o18 nicht das erreichen würde, was er unter Tuchel erreicht hat -Platz 3 , Pokalsieg, Weiterkommen in der Champlig bis ins…..-, sich kritische Fragen nach den Qualitäten von Watzke und Zorc stellen könnten also nicht nur, nicht primär nach der des Trainers.

    Ich gehe davon aus, daß das sportliche Endergebnis am Ende der Spielzeit 2o17/2o18 -mit -mindestens-Platz 4 in der Liga- trotz des vorzeitigen Ausscheidens aus der Champ.lig und aus dem Pokal (nach dem "höchstwahrscheinlichen "Aus gegen den FCB in München) im Verein und von den Fans als "befriedigender Erfolg" registriert werden dürfte, also insofern Watzke und Zorc ein kritisches Hinterfragen ihres Tuns -vor allem in Sachen Rausschmiß von Tuchel- erspart bleibt. Und das wäre letztendlich für den Verein " gut so".

  • Pingback: Alle schauen auf Bosz, doch wer nimmt eigentlich Watzke und Zorc beim BVB in die Verantwortung? | Ruhrbarone

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