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Der Aufstieg der Grünen und die Entfremdung von der Demokratie

In seinem Buch „Die Grünen – Höhenflug oder Absturz beschreibt Forsa-Chef Manfred Güllner die Erfolgsgeschichte der Grünen. Auch für die nächsten Jahrzehnte sieht er die Zukunft der Partei gesichert. Was die Demokratie in Deutschland betrifft, ist er weniger optimistisch. 

Manfred Güllner hat ein Buch über den Aufstieg der Grünen beschrieben. Das es dieser Partei gegenüber kritisch ausfällt, verwundert nicht weiter: Güllner ist ein Sozialdemokrat alter Schule, beklagt die Entfremdung seiner Partei von den Facharbeitern und kleinen Angestellten seit den 70er Jahren und liegt damit auf der Linie des Göttinger Politologen Franz Walter. Beide sehen darin einen der Gründe für den Niedergang der SPD in den vergangenen 40 Jahren. Der wird besonders deutlich, wenn man sich nur die Prozente anschaut, welche die SPD bei Wahlen holt sondern auf die Stimmen: Bei der Bundestagswahl 1972 holte die SPD und ihr Bundeskanzler Willi Brandt 45,8 Prozent – 17.175.169 Menschen wählten damals die Sozialdemokraten. Rekord. Bei der Bundestagswahl 2009 erhielt die SPD nur noch 23 Prozent aller abgegebenen Stimmen – und weil die Wahlbeteiligung sank waren es in einem deutlich einwohnerstärkeren Deutschland gerade noch 9.990.488 Menschen, welche die SPD wählten. Auch die CDU verlor Wählerstimmen, wenn ich nicht so stark.

Ein Hauptgrund für die Entwicklung ist für Güllner der Aufstieg der Grünen. Die Verluste der beiden einstigen Volksparteien sowie teilweise der Rückgang der Wahlbeteiligung sind für ihn das Ergebnis der Orientierung von CDU und SPD an den Grünen. In seinem Buch belegt er, wie es den Grünen gelang SPD und CDU davon zu überzeugen, dass ihre Themen Mehrheitsthemen sind, sie, obwohl eine vergleichsweise kleine, wenn auch wachsende Partei, bei vielen Themen einen weitaus größeren Prozentsatz der Bevölkerung vertreten als dies wirklich der Fall war.

Das wirkt, schreibt Güllner, bis heute: Nur eine Minderheit glaubt an einen Umstieg auf Erneuerbare Energien – wichtiger ist den meisten Menschen eine günstige und sichere Energieversorgung. Das hält die Politik nicht davon ab, eine Energiewende mit allen Risiken und Kosten voranzutreiben, für die es nach Güllner keine Mehrheit gibt.

Die Grünen hätten sich als die einzigen Löser von Problemen präsentiert, an deren Lösung die Politik bereits Jahrzehnte vor dem Aufkommen der Grünen erfolgreich arbeiteten.  Und sie hätten es verstanden ihre Gegner moralisch zu diskreditieren: Wer gegen grüne Inhalte ist, ist nicht einfach jemand, der eine andere Meinung hat, sondern jemand der gegen die Rettung des Planten, gegen die Gesundheit der Menschen und gegen das Leiden der Tiere ist – kurzum: Kein guter, sondern ein böser Mensch.

Frauen, Frieden, Umwelt sind die Hauptthemen der Grünen und den Grünen gelang es, den Eindruck zu erwecken, als ob nur sie es wären, die sich um die Lösung dieser Probleme sorgten. Nach Güllner ist das Unsinn: In all diesen Politikfeldern habe es bereits sehr große Fortschritte, Stichwort Entspannungspolitik, vor den Grünen gegeben und diese Entwicklungen wären auch ohne die Grünen weiter gegangen, wenn auch nicht so radikal: Das heute einer der wichtigsten Industriezweige des Landes, die Automobilindustrie und ihre Produkte, fast nur noch als Problem wahrgenommen werden, wäre ohne die Grünen kaum denkbar gewesen.

Die Orientierung der anderen Parteien sieht Güllner als ein Grund für die sinkende Wahlbeteiligung. Die Grünen sind, er belegt das mit Zahlen, eine Partei vor allem gut gebildeter Frauen im öffentlichen Dienst. Ihre Kernwähler unterscheiden sich stark vom Durchschnitt der Bevölkerung – und sie sind Aufgrund ihrer Bildung und ihrer kommunikativen Kompetenz sehr gut darin, ihre Meinungen und Interessen relativ kompromisslos durchzusetzen.

Das führt dann nach Güllners Ansicht zu einer Entfremdung immer größerer Teile Bevölkerung von der Politik. Man muss sich nur einmal kurz in einen Arbeiter am Band bei VW, einem Entwicklungsingenieur bei Ford, einen arbeitslosen Industriearbeiter, einen Programmierer bei einem Automobilzulieferer hineinversetzen und sich die Frage stellen, welche Partei denn noch seine Interessen vertritt denken, um nachzuvollziehen, warum diese Leute zum Teil nicht mehr wählen gehen: Sie haben fast nur noch die Wahl zwischen verschiedenen Grünen Parteien, die sich mehr um das Wohlempfinden der Eisbären kümmern als um ihre Interessen.

In der immer geringen Wahlbeteiligung, deren Ursachen die Entfremdung  von Politik und Bevölkerung ist, sieht Güllner langfristig ein Problem für die Demokratie – von dem die Grünen und ihre disziplinierten Wähler profitieren. Denn  der Rückgang der Wahlbeteiligung ist in Deutschland höher als in anderen westlichen Staaten, wo sie relativ stabil ist. Güllners Buch ist weniger eine Kritik an den Grünen, als an CDU und SPD und ihrer Versuche die Grünen zu kopieren. Und den Medien, deren Vertreter sich den Grünen oft sehr nahe fühlen. Das Buch, wie in der Zeit geschehen, als bizarres Grünen-Bashing abzutun, ist fahrlässig. Güllner zeigt eine gefährliche Entwicklung auf und die sinkende Beteiligung bei Wahlen gibt ihm Recht. Sein Buch ist ein Mahnung an CDU und SPD, sich wieder um die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung zu kümmern und nicht um die Befindlichkeiten einer kleinen, elitären Fraktion des Bürgertums – den Wählern der Grünen.

Güllner, Manfred
Die Grünen – Höhenflug oder Absturz?
Verlag Herder, 16,99 Euro

 

 

 

 

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33 Kommentare zu “Der Aufstieg der Grünen und die Entfremdung von der Demokratie

  • #1
    TuxDerPinguin

    klingt zumindest besser als sein lächerliches Interview beim Spiegel, wo er allen Meinungsforschungsintituten widersprach, als er meinte, dort wo Grüne stark sind, wäre die Wahlbeteiligung besonders niedrig. *hust* Ostdeutschland *hust, hust*

    es ist natürlich so, dass v.a. Akademiker Meinungsführer sind. Und die Grünen sind nun mal sehr groß in diesem Klientel. CDU und SPD allerdings auch.

    Fordert man nun, dass SPD und CDU grüne Themen weniger Gewicht schenken, dann überlässt man dieses Feld den Grünen erstmal…
    aber ob man die Verluste dann durch vorherige Nichtwähler wiederbekommt?

    nicht nur die Volksparteien, sondern alle Parteien, sollten auch darauf abzielen, Nichtwähler an die Urnen zu holen – auch wenn Nichtwählen auch eine Wahlmöglichkeit in einer Demokratie ist und diese Gruppe sehr heterogen zusammengesetzt ist mit sehr unterschiedlichen Gründen.

    Die Frage ist ja dann, ob wirklich „grüne“ Themen dran Schuld sein sollen, dass die Wahlbeteiligung sinkt. Z.B. waren die „Hartz“-Gesetze ja der Auslöser zur Gründung der Linkspartei – nicht unbedingt etwas, was man „grünen“ Themen zuordnen würde.

    Ich halte daher Güllners Kern-These für falsch.
    wenn es wirklich so monokausal wäre, wie er behauptet, müsste ja z.B. die Linkspartei oder eine neuzugründene Partei spielend einfach auf 20%+ kommen.

    Güllners Thesen wirken recht simpel denkend. Gibt ja eine Menge Bücher zum Thema sinkende Wahlbeteiligung (z.B. Peter Crouch „Postdemokratie“oder Prof. Nolte „Von der repräsentativen zur multiplen Demokratie“ beides bei der bpb zu beziehen), die für mich die Situation besser beschreiben als Güllner es tut.

    um mehr Bürger an demokratische Prozesse zu beteiligen, halte ich es etwas für am erfolgsversprechendsten an Strukturen zu arbeiten… die EU hat etwa ein Demokratiedefizit. Medien berichten nie über EU-Politik, somit kommt EU-Politik nur als Nebenthema deutscher Finanzpolitik in die Medien und ist somit gleich doppelt negativ besetzt.
    Kommunen könnte man mehr Kompetenzen geben und muss gerade auf dieser Ebene Beteiligungsformen entwickeln, um alle Menschen mitzunehmen. Umbau einer Straße mag vielleicht für alle, die nicht in dieser Straße wohnen eher uninteressant zu sein, aber wenn man mehr Menschen als solche recht einfache Sachen beteiligen kann – die kein riesiges Fachwissen voraussetzen und vor Ort sichtbar werden – kann auch die Glaubwürdigkeit des demokratischen Prozesses wieder gewinnen und somit Wahlen insgesamt gewinnen.

  • #2
    jiri

    Man kann den Grünen vorwerfen, immer konservativer und etablierter zu werden, aber verantwortlich für die geringe Wahlbeteiligung sind sie sicher nicht alleine.

  • #3
  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Werner: Wie für Güllner setzt der Niedergang der SPD für Walter mit der Verdrängung der Facharbeiter aus den Ortsvereinen durch die Akademiker zu Beginn der 70er Jahre ein. Kann man bei Walter in seinem Buch „Die SPD: Vom Proletariat zur neuen Mitte“ nachlesen.

  • #5
    Tortist

    Ich kann den Thesen von Herrn Güllner nur voll zustimmen. Ich erlebe nun so ziemlich jeden Grünen-Politiker genauso wie beschrieben.

    Güllner setzt wissenschaftlich zwei Ansätze der Kommunikationswissenschaft an. Die Agenda-Setting-Theorie und die Effekte der Schweigespirale.

    Es ist wohl unstrittig das die Grünen in den letzten Jahren in vielen Bereichen die Meinungsführerschaft erreicht haben, klassisches Agenda-Setting. Das ist nun per se nicht schlimm, viele wichtige Themen sind so in den Mittelpunkt von Politik gerückt. Entscheidend ist doch eher wie sich die Grünen im politischen Diskurs mit den Leuten verhalten, die nicht ihrer Meinung sind.

    Und da geht der Gutmenschenterror los. Abweichungen in Bereich Ökölogie oder Interagration werden mit niederküppelden Geschrei beantwortet. Sogar die für den Diskurs notwendigen Worte werden als entweder offen ausbeutend, menschenverachtend oder rassistisch lautstark gebrandmarkt. Leben und leben lassen ist Grünen völlig fremd.

    Wie das geht kann man hier nachlesen http://www.zeit.de/2012/40/Strenge-Hass-Autoritaet

    Hier setzt dann die Schweigespirale an. Wenn eine lautstarke Gruppe mit akademischer Bildung im Diskurs andere, nicht so eloquente Bevölkerkungsteile niederknüppelt ziehen sie sich schweigend zurück.

    Ob sich das tatsächlich so quantifizieren lässt, weiss ich nicht.

    Bleibt aber zu hoffen, dass sich immer mehr Bürger vom Gutmenschenterror befreien. Denn die Welt ist weder grün, rot oder schwarz und die Wahrheit hat niemand gepachtet

  • #6
    Helmut Junge

    „Gutmenschenterror“ ???
    @Tortist, Du bist ja Gutmenschophob. Wird Zeit, dass Gutmenschophobie als Form von Rassismus eingestuft wird. Oder ist es schon? Kommt noch, denn schon der Begriff „Gutmensch“ ist verpönt.

    „Im Januar 2012 erhielt das Wort als Unwort des Jahres 2011 in Deutschland den 2. Platz. In der Begründung gab die Jury an, mit dem Wort werde „insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren“ und kritisierte die aus ihrer Sicht 2011 einflussreich gewordene Funktion des Wortes als „Kampfbegriff gegen Andersdenkende“.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch

    Bei Dir kommt sogar noch erschwerend dazu, dass Du das grüne Gutmenschentum als jeden Diskurs verhindernd darstellst. Wenn das mal nicht Staatsverachtend ist.

  • #7
    Tortist

    @Helmut Junge
    Das haste wieder den Trick, so geht das eben bei den Grünen, wir sind gut, wer nicht unserer Meinung ist ist nicht gut und seine Worte sind menschenverachtend. QED

  • #8
    Walter Stach

    Ich kenne relativ umfassend die Veröffentlichungen des Politikwissenschaftlers Prof.Walter, Uni Göttingen.
    Ich kenne einige wenige Veröffentlichungen von Herrn Güllner.

    Zwischen ihnen liegen, was die wissenschaftliche Qualität angeht, Welten.

    Auch dem jetzt hier „besprochenen“ Buch von Herrn Güllner fehlt es an allem, was ich von einer wissenschaftlich fundierten Arbeit erwarte. Aber vermutlich hat Herr Güllner selbst nicht diesen Anspruch.

    Er hat ein Buch mit politischemn Inhalt und mit einem politischen Ziel (!!)geschrieben, nicht mehr und nicht weniger.
    Mir entzeht sich der Inhalt des Buches einem auch nur annähernd fundiertem wissenschaftlichen Diskurs;es ist aber bestens geeignet für politische Polemiken jeglicher Art „-von Sarrazin lernen heißt für Güllner………….?“

  • #9
    Christian Wee

    Oh nein die „Gesellschaft zur deutschen Sprachreinhaltung“ hat dieses Wort also geächtet, da sollte der gute deutsche Bürger gehorchen und dieses Wort nicht mehr benutzen.

    Diese Sprachnazis haben zuvor auch schon den Begriff „Tätervolk“, der eine Unverschämtheit ist gegenüber den 1% Deutschen, die im Nationalsozialismus Widerstand leisteten, geächtet. Da kann die Volksseele ja wieder aufatmen und muss nicht mehr schreien „es gibt keine Kollektivschuld“, im anderen Falle hat Heiner Geißler- Mitglied der Wortverächter- auch schon vor einem „totalen Krieg“
    gewarnt- ach nee, da ging es um nen Bahnhof und gelangweilte Rentner, denen Polsterungen in den Zügen nicht weich genug waren.

    Ich mag das Wort auch nicht, wird zu oft von PI benutzt, das nimmt einen den Spaß.

    Im Grunde ist der Gutmensch, die Kraft, die stets Gutes will und Böses schafft, da Folgen nicht reflektiert werden und opportun danach entschieden wird, was oberflächlich „gut“ ist bzw. wie man als guter Mensch darsteht.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Walter: Die meisten Thesen des Buches von Güllner sind mit umfangreichen Statistiken belegt.

  • #11
    Walter Stach

    Stefan-10-, ja, wie bei Sarrazin, das ändert nichst an meiner Beurteilung, bestätigt sie nur .
    Aber was soll es.

    Ich frage mich, ob er mit seinem politischen, zielorientiertem Buch etwas bewirkt -in der Wählerschaft, bei den Grünen, bei den anderen Parteien?

    Ich gehe nicht davon aus -sh.mein Beitrag -8-, daß er Nennenswertes in die Politikwissenschaft -speziell in die Disziplin „politische Parteien“-einbringt -. um ggfls. zu begründen was,warum wissenschaftlich fragwürdig ist.

  • #12
    Walter Stach

    Berichtigung:

    Meiner letzter Satz zu 11 muß beginnen mit:

    „Es sei denn, um ggfls. zu begründen………..“

  • #13
    Werner Jurga

    @ Stefan # 4 : zu den Parallelen und vor allem Unterschieden zwischen den Sozialdemokraten Franz Walter und Manfred Güllner hat mittlerweile Walter Stach Alles gesagt. Dass ich die Beiträge Walters für beachtlicher halte als die Bemerkungen Güllners, magst Du Dir denken.
    Im übrigen geht das Nachdenken über die gewandelte Sozialstruktur und den relativen Bedeutungsverlust der SPD freilich weit über diese beiden Autoren hinaus. „Reflexiv“ ist hier das Schlüsselwort. Geht doch die Akademisierung der Gesellschaft nicht zuletzt auf die „sozialdemokratische Bildungsreform“ zurück, die in der Folge ihren „klassischen Milieus“ das Wasser abgräbt.

  • #14
    Arnold Voss

    Sind nicht Güllner u n d Walter Akademiker? Also habe auch die beiden die Facharbeiter aus der SPD verdrängt, oder? Und danach beschweren sie sich darüber?

    Ich bin verwirrt, Leute, denn ich dachte immer, Bildung ist gut für die Demokratie. Oder läuft das mittlerweile auch schon unter Gutmenschenverirrung.

  • #15
    Helmut Junge

    @Werner,
    egal wer was besser beschrieben hat.
    Es gibt keinen Weg mehr zurück zu den alten Strukturen.
    Und darum darf man getrost davon ausgehen, dass der Prozeß der Entfremdung von ursprünglichem Klientel innerhalb der SPD weitergeht.
    Und Ausserhalb, bei den Wählern? Auch. Es reicht nämlich nicht, sich kurz vor Wahlen an einen Infostand zu stellen. Die traditionellen SPD-Wähler haben jahrzehntelang solchen Leuten vertraut, die sie persönlich gut kannten.
    Gelesen haben die nicht viel. Schon gar nichts “ reflexives“. Jetzt kommen Akademiker und erklären Theorien, schreiben komplizierte Sachen, sind aber keine Kumpel, wie früher die Kassierer, die mit Beitragsmarken kamen, und mit denen man über die Themen sprechen konnte, die einen interessierten.

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  • #17
    Lehmar Tepman

    So…. Frauen, Frieden Umwelt. Dann fangen wir mal an.
    Frauenförderung: Auf Kosten der Kindergartenfinanzierung zB wie bei der 1. rot-grünen Koalition in NRW geschehen. Irgendwo mussten die 250 Millionen ja herkommen. Also nahm man sie den schwächsten weg, den Kindern der Unterschicht. Frieden: Seit 2 Jahrzehnten sind grüne Politiker maßgeblich an den Entscheidungen zu Kriegsbeteiligungen Der BRD beteiligt. Unvergesslich die dreisten Lügen des Aussenministers Fischer zum Eintritt in den Jugoslawien-Krieg. Ende der 90ziger die Süfafrikareisen ganzer Rudel der Parteigrößen. Auf Kosten dortiger „Sicherheitsfirmen“ sprich Söldnerunternehmen. Ernsthafte Überlegungen die Bundeswehr solcherart zu ergänzen oder gar abzuschaffen. Als Weg zum Frieden. Umwelt: Der grüne Sieg über die Getränkedose. Zeitgleich begann der Siegeszug der PET Flasche, geht bis heute ungehemmt weiter. Ein Schelm wer einen Zusammenhang sieht. Übrigens, Hr. Trittin bevorzugt zu seiner medizinischen Versorgung Bundeswehreinrichtungen. Was interessiert diese auf Eigennutz gepolten Kleinbürger das Gewusel unterhalb ihrer Schicht. Sollen die sich doch gegenseitig an die Kehlen und zerfleischen. Das lässt sich dann einfach und kostengünstig mit den Islamisten und Faschismuskeulen kurz halten.
    Hier im Ruhrgebiet die systematische Zerschlagung gewachsener Wohnbezirke der Arbeiterschaft durch die „Internationale Bauausstellung“, unvergessen. In Folge flächenmässiges krebsgeschwürartiges Entstehen dieser unsäglichen Eigenheim Siedlungen. Die mittlerweile jede vernünftige Verkehrsplanung und Infrastruktur für die Zukunft fast unmöglich machen. Das zusammenbrechende Verkehrssystem der Region: Erfolg von 30 Jahren grüner Verkehrspolitik. Verkehr und Automobilindustrie: das liegt außerhalb deren Erfahrungswelten, man residiert im Grüngürtel und plant das Alter in Australien…

  • #18
    Walter Stach

    ……..und zur SPD:
    Ich stelle zustimmend zu einigen vorangegangen Beiträgen fest, daß es in „meiner“ SPD gravierend unterschiedliche poliische Meinungen gibt, nicht nur, aber vor allem in wirtschafts-/finanz-/steuerpolitischen und in sozialpolitischen Fragen. Das dürfte unstrittig sein und das hat u.a.zu tun mit großen Unterschieden zwischen den Parteimitgliedern nach ihrer Bildung, ihrem Beruf, ihrem sozialen Status, folglich mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit und Verantwortung des Einzelnen sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber und foglich mit sehr unterschiedlichen Erwartungen der einzelnen Parteimitglieder an den Staat, vor allem in dessen Funktion als Sozialstaat.

    Wie hat eine Partei damit umzugehen, wie gehen die Parteimitglieder damit um, wie kann diese Partei trotzdem -oder gerade deshalb?-Wahlen gewinnen?

    In NRW war die SPD -relativ-erfolgreich. Warum? Gründe dafür gibt es einige, z.B. die Person der Sptizenkandidatin. Muß die SPD sich folglich bei Wahlen ehe um das Personelle kümmern und weniger um das Inhaltliche -ganz zu schweigen von mittelfristig angelegten Parteiprogrammen? Und was bedeutet das langfristig für eine traditionelle Programmpartei?

    Einige Antworten auf diese Frage sind in diversen Abhandlungen von Franz Walter nachzulesen, Antworten, deren Inhalt ich nicht immer teile, die aber stets nachdenkenswert sind.

    Allerdngs wird über diese Problematik nach meinen Erfahrungen in der Mitgliedschaft nicht, zumindest nicht hinreichend diskutiert.

    Unsicherheiten über die eigene Partei -was ist sie, was soll sie, im allgemeinen und in konkreten Fragen-stelle ich immer wieder ohne wissenschaftlichen Aufwand bzw. ohne einen solchen Anspruch fest, wenn ich Parteimitglieder frage: „Warum bist Du -noch- in der SPD“? Spontane Antworten gibt es dazu selten. Und wenn nach mehr oder weniger langen Nachdenken geantwortet wird, sind die Antworten oft nichtssagend, sind die Antworten sehr unterschiedlich, sind es oft Antworten, die ich mit gleichem Inhalt von einem CDU-Mitglied oder, je nach politischem Schwerpunktinteresse des Befragten, auch von einem Mitglied der Grünen oder der Linken erhalten würde.

    Diese Verunsicherung der Parteimitglieder und damit der Partei wird nicht minimiert oder gar beseitigt mit Verweis auf ähnliche Probleme der CDU.

    Persönlich neige ich, sicherlich auch beeinflußt von Franz Walter -nicht von Herrn Güllner- dazu, anzuregen, daß die SPD gestützt auf die Grundwerte unserer Verfassung Demokratie,Rechtsstaat,Sozialstaat und hier ihrer Tradition gemäß mit dem jederzeit und für jedermann erkennbaren Schwerpunkt „soziale Gerechtigkeit“ sich zukünftig mehr als bisher und mit noch größerer Flexibilität zeitnah politisch zu positionieren und ihre Wahlkämpfe entsprechen zeitnah zu den aktuellen Problemen zu gestalten hat und zudem der Auswahl ihres Spitzenpersonales, u.a.des Kanzlerkandidaten, ebenfalls noch mehr als bisher wahlenscheidenden Bedeutung beimessen muß;mittel- bzw.langfristig konzipierte Parteiprogramme bringen m.E. der Partei, den Parteimitgliedern und den Wählern nichts..

    Was ich vermisse, wie angedeutet, ist, daß eine solche unabdingbar notwendige Diskussion über „Was ist die SPD,was will sie, was soll sie“ von den Mitgliedern in den Ortsvereinen „von sich aus“ geführt wird, regelmäßig, nicht nur gelegentlich und vor allem nicht nur dann, wenn zentral ‚mal wieder eine solche gewollt ist, weil z.B. ein „Zukunftsprogramm“ oder Ähnliches seitens der „Parteispitze“ vorbereitet wird. Und – 15-H.Junge, auch wenn für solche Gespräche/Diskussionen nicht mehr der Hauskassierer des Ortsvereines da ist, aber „vor Ort“ wieder mehr als bisher das kritische Gespräch mit möglichst vielen Mitgliedern aus allen sozialen Schichten unbedingt gewollt wird, ließe sich das relativ problemlos organisieren -nicht nur, aber auch via Internet.

    Aber……
    demokratisch interessierte und engagierte Bürger, deren grundsätzliches Interesse und Engagement für und in einer demokratischen Gesellschaft sie dazu bringt, interessierte und engagierte Mitgliedern der SPD zu werden -oder zu bleiben- , auch ausgestattet mit dem Willen und der Fähigkeit, sich in eine selbskritische Diskussion innerhalb Partei einzubringen?

    Die meisten „Alten“ winken ab , die meisten Jüngeren sagen mir: „Wir haben andere Sorgen“ -und das verstehe ich.
    Gelegenliches Meckern über tatsächliche oder vermeintliche Fehleistungen personeller oder inhaltliciher Natur einer Partei, hier der SPD, z.B. bei den Ruhrbaronen, helfen zwar bei der Frustbewältigungen, sind aber kein Ersatz für eine fundierte, Zeit und Mühen erfordernde permanete innerparteiliche Diskussion.
    ( Und das gilt auch für das Thema Nebentätigkeiten von Volksvertretern und für ein Pro/Kontra zu Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat ;einbezogen das Ob,das Wie seiner Vortragstätigkeit und deren Vergütung.)

  • #19
    Helmut Junge

    @W.Stach (17),
    Nein, das Gespräch mit dem Hauskassierer läßt sich nicht ersetzen.
    Schon gar nicht durch Diskussionen via Internet.
    Die Mitglieder der SPD, die ich kannte und kenne, brauchen den persönlichen Kontakt, Fehlt der, verlieren sie auch die Beziehung zur Partei.
    Ich stamme aus einer alten sozialdemokratischen Familie und glaube zu wissen, wie diese ursprünglichen traditionellen Anhänger der Partei fühlen.
    Es ist auch nicht so, dass diese Leute sagen würden „ich vermisse in der Partei dieses oder jenes“, sondern wenn das fehlt, verlieren sie auch ihre Identifizierung mit der Partei. Sie Herr Stach argumentieren intellektuell. Das kennen die, sind sicher auch beeindruckt, aber „es hält sie nicht bei der Stange“.
    Ich selbst bin nur ganz kurz in der SPD gewesen. Das ist lange her, aber damals gab es viele Alternativen. Die Mehrzahl der SPD-Mitglieder sucht aber keine politischen Alternativen. Die suchen den Kumpel, die Frauen wollen unter sich quatschen. Kurz, die suchen die Nähe, keine Diskussionen, jedenfalls nicht solche, wie Sie oder ich sie führen.
    Wer anderer Meinung ist, kann gerne sein Konzept in der Praxis ausprobieren.
    Mich stört es nicht.

  • #20
    Walter Stach

    H.Junge -19-: Da gibt es bezüglich Deiner Analye meinerseits keinen Widerspruch.
    Ich war auch ‚mal Partei-und zeitweilig zugleich Fraktionsvorsitzender, und zwar zu einer Zeit als selbst in meiner Heimatstadt Waltrop, trotz Zeche eine ehe bürgerlich geprägte Gemeinde, die SPD ab 1975 die absolute Mehrheit inne hatte -als ich 1989 aus diesen beiden Funktionen ausgeschieden bin,haben wir im Herbst 1989 unser besten Kommunalwahlergebnis „aller Zeiten“ hier in Waltrop erzielt -53,4 % -darauf war ich ein wenig stolz-.

    Ich habe seinerzeit hautnah erlebt, welche Bedeutung die Partei für viele Menschen über das bloß Politische hinaus deshalb hatte, weil „man“ sich dort zu Hause fühlte, auch wegen vieler Gemeinsamkeiten sozialer-kultureller Natur -Großeltern,Eltern, zum Teil noch aktive Genossen, waren Beschäftigte im Bergbau, waren engagiert bei der AWO, im selben Fußballverein und in der Gewerkschaft, überwiegend bei der IG Bergbau,, besuchten einmal jährlich die Ruhrfestspiele u.ä.mehr.Dieses „sich zu Hause fühlen“ in der SPD hat seinerzeit die Partei in besonderer Weise zusammengehalten, hat u.a.dazu beigetragen, daß wir miteinander zwar heftig diskutierten, aber eben miteinander wie in einer Familie.Und als während meiner Zeit die Hauskassierung abgeschafft wurde, verbunden mit der geschilderten Problematik, ist es mir gelungen, einen älteren Hauskassierer zu gewinnen, weiterhin zumindest noch einige Genossen zu Hause aufzusuchen, um denen ein politisch-persönliches Gespräch zu ermöglichen, um mit ihnen „zu quatschen“ -nicht nur über Politisches.

    Das ist aber leider Geschichte, die sich nicht wiederholen läßt.

    Und selbstverständlich kann eine Diskussion via Internet nie das direkte persönliche Gespräch ersetzen. Deshalb habe ich ja nicht den Meinungsaustausch via Internet gefordert, sondern gemeint, man müssen mehr denn je darüber nachdenken, ob und wie der SPD-Tradition entsprechend wieder der Meinungstreit/der Meinungsaustausch im unmittelbar persönlichen Gespräch in den Ortsvereinen gefördert werden kann, wohl wissend, daß das so „wie früher“ nie mehr funktionieren wird und das Internet als eine Möglichkeit der parteiinternen Diskussion, vor allem für die Jüngeren, stärker als bisher zu nutzen ist.
    Und noch eine Bemerkung zum „Intellektuellem“:
    Ich habe, wie mir heute noch versichert wird, stets im parteiinternen Umgang miteinander, vor allem sprachlich, in Wort und Ton, aber auch in Mimik und Gestik, es regelmäßig geschafft, mich bei allen Parteimitglieder -in allen Parteigliederungen und im persönlichen Gespräch- als einer der ihren zu präsentieren, ohne mich ihnen anzubiedern, ohne mich selbst zu verleugnen. So kann es ein Parteivorsitzender der SPD egal auch welcher Ebene schaffen, z.B. bei den AWO-Frauen (bei Kaffee und Kuchen), in der Ortsgruppe der IGBE, bei den Selbständigen in der SPD, bei z.Teil studierenden Jusos, aber auch im persönlichen Gespräch, als einer der ihren angenommen und akzeptiert zu werden. Das gelingt nicht, wenn man beispielsweise inhaltlich-sprachlich „den Intellektuellen herauskehrt“, für den ich mich im übrigen auch nicht halte.
    Und heute?
    Es geht mir heute -sh.mein Beitrag -17- primär gar nicht mehr darum, zu diskutieren, wie „man“ als Parteivorsitzender, als Fraktionsvorsitzender, als sozialdemokr.Oberbürgermeister mit seinen Parteigenossen kommunizierrt, sondern zunächst lediglich darum, daß überhaupt parteiintern wieder mehr als bisher kommuniziert, eben auch strittig darüber diskutiert wird, „was die SPD ist, was sie sein sollte“, und zwar möglichst mit allen Parteigenossen, unabhängig von ihrem sozialen Status, ihrer kulturellen Verfaßheit,ihren intellektuellen Fähigkeiten, ihrer Wortwahl ( ob mit oder ohne „Ruhrgebietsdialekt“).

    H.Junge, ich bin mir leider ziemlich sicher, daß das, was wir hier bei den Ruhrbaronen bezüglich der SPD so eben diskutieren, die große Mehrheit der Funktionäre in „meiner“ Partei -auf allen Ebenen- gar nicht interessiert.

  • #21
    Helmut Junge

    @W.Stach, einen Punkt hatte ich vergessen, bzw. auf den bin ich wegen Deiner Replik gestoßen.
    Das ist die Wirkung von SPD-Akademikern auf die (frühere) traditionelle SPD-Mitgliedsschaft.
    Nehmen wir ein Datum um 1970, weil damals meine Großeltern über 80 waren, und noch gut dabei.
    Wenn damals ein Akademiker in den Ortsverein kam, was noch ungewöhnlich war, haben meine Großeltern mir das in etwa so wiedergegeben: Da kam gestern ein Studierter in der Versammlung. Der ist Mitglied geworden. Aber mit dem kann man sich ganz normal unterhalten. Der ist in Ordnung.
    Nur, in der Zwischenzeit sind ungezählte Akademiker Mitglied geworden, und die können sich miteinander unterhalten. Sie bilden eine große Gruppe.
    Und die sprechen über andere Themen, als die Urmitglieder und sie sprechen auch noch anders. Die Zahl macht es. Aus der Quantität ist eine neue Qualität geworden. Un der Prozeß hält an und ist nicht umkehrbar.

  • #22
    Walter Stach

    H.Junge:
    -Ja, auch ich registriere in den letzten 2o (?) Jahren, daß die Akademiker unter den Mitgliedern „meiner“ SPD zunehmend kontaktlos zu den „Sonstigen“ sind. Das liegt nicht nur an ihrer für die „Sonstigen“ abgehoben wirkenden Sprache, mittels derer sie vorsätzlich Distanz herstellen, sondern zeigt sich häufig auch in der Art und Weise ihrer Diskussion mit den „Sonstigen“, in der „akademische Genosse“ oft, zu oft, schon nach den ersten Wortbeiträgen den „Sonstigen“ klar macht, was er von deren Disk.Beiträgen hält:inhaltlich unakzeptabel, sprachlich unverständlicher Unsinn u.ä.mehr. Und was mich dabei vor allem stört, oft beschämt, ist der regelmäßig gegenüber den „Sonstigen“ überheblich, ja verächtlich wirkende Ton in den „akademischen“ Wortbeiträgen.

    Ursachen dafür?
    Eine Ursache dafür könnte sein, daß die jüngeren „akademischen Genossen“ im Alltag in ihrem bisherigen Leben jeglicher persönliche Kontakt zu den Nichtakademikern fehlt -über das Politische hinaus; ein Kontakt, den sie nciht nur nicht wünschen, den sie sogar sorgfältig meiden.

    Das war -und ist z.Teil noch- beispielsweise anders bei denjenigen, die aus nichtakademischem Elternhaus in der Bildung/Ausbildung, im Studium, im Beruf überdurchschnittlich erfolgreich waren bzw. noch sind, aber nie, wie man zu sagen pflegt, „vergessen haben, wo sie herkommen“.

    Eine andere Ursache könnte sein, daß immer mehr jüngere „akademische Genossen“ nichts von innerparteilicher Solidarität halten, eben auch zwischen Akademikern und Nichtakademikern, sondern stattdessen „Tag und Nacht“ darüber nachsinnen, was, wann,wie in der Partei zu tun ist, damit die politische Karriere gelingt.

    Sollte man in diesem Zusammenhnag über das Ob und das Wie von Verhaltensänderungen der „akademischen Genossen“ gegenüber den „Sonstigen“ in der SPD nachdenken? Ich befürchte, daß das gar nicht gewollt ist, ich befürchte sogar, daß das hier angesprochene Problem für die Mehrheit der Mitglieder in der SPD gar keines ist.

  • #23
    Helmut Junge

    @W.Stach,
    Was ich jetzt sage, läßt sich statistisch belegen, sonst würde ich mich nicht trauen das zu sagen.
    Aber mit der Zahl der Abiturienten unter den Schulabgängern wird sich der von Dir beklagte Ton noch verschärfen.
    Während nämlich 1960 nur 7% der Jahrgänge eine studienberechtigung hatten, sind es 2010 schon 50%.
    Das heißt, dass der klassische SPD-Anhänger bald in der Minderheit verschwindet.
    Denn die Entwicklung der Gesamtbevölkerung wird sich auch auf die SPD-Mitgliederstruktur auswirken.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abiturientenquote_und_Studienanf%C3%A4ngerquote#Deutschland

    Ach ja, was die Solidarität betrifft, glaube ich, dass die nicht vom Bildungsgrad abhängt. Die nächste Generation innerhalb der SPD wird vermutlich akademisch sein. So, wie in den anderen Parteien. Die werden dann ihre gemeinsamen Interessen suchen müssen.

  • #24
    Walter Stach

    -23-H.Junge -sh.vor allem Ihre Schlußbemerkung:

    Damit wären wir wieder beim Kern des Problemes, nicht nur,aber vor allem in der SPD.
    Die SPD muß sich, meine ich, als s o z i a l -demokratische Partei, weiterhin um den Arbeiter kümmern, der stirbt vorläufig nicht aus, sie muß sich um den „kleinen“ Handwerker kümmern, sie muß sich um den „Kleinrentner“ kümmern, um den Arbeitslosen.Und für diese muß selbstverständlich eine Mitgliedschaft interessant und wichtig bleiben oder wieder werden.

    Zugleich will die SPD eine Partei sein, deren Mitgliedschaft auch für Akademiker zunehmend interessant und wichtig und bzw.oder für die die SPD zumindest wählbar bleibt oder zunehmend wählbar wird.

    Geht das zusammen?
    Dazu haben wir beide in den vorstehenden Beiträge Kritisches angemerkt. Und zwar nichts, was von vornherein gegen ein Zusmmensein/Zusammenpassen von Akademikern und Nichtakademikern spricht, z.B. von Uni-Prof. und Bauarbeiter, jedoch Einiges, was dieses Zusammengehören (die Solidarität)erschwert, und zwar, wie ich meine, zunehmend, unnötig,vermeidbar. Und da sehen wir beide wohl übereinstimmend ehe als bei den Nichtakademikern bei den Akademikern Anlaß, über sich und ihren Umgang mit den Nichtakademikern in der Partei kritisch nachzudenken;dazu prädestiniert sie doch in besonderer Weise ihre akademische Ausbildung.

  • #25
    Helmut Junge

    „dazu prädestiniert sie doch in besonderer Weise ihre akademische Ausbildung.“

    Nein! Die sind doch nicht in der SPD, weil sie die Interessen Anderer vertreten wollen.
    Bei Lohnrunden in der Vergangenheit sind z.B. von Verdi freie Tage zu gunsten von mehr Lohn verscherbelt worden.
    Das ging von den Arbeitern aus („ohne Moos nix los“)
    Nur, dass es Menschen gibt, die allein um ihren Bildungsdurst stillen zu können, viel Freizeit brauchen, hat für die Arbeiter keine Rolle gespielt. Die Mehrzahl unter ihnen hat nie viel Freizeit in Bildung gesteckt. Darum gibt es nämlich diesen Unterschied. Warum sonst?

  • #26
    Walter Stach

    H.Junge -25-: Ihre Meinung teile ich ganz und gar nicht.

    1.
    Die innerparteilichen Solidarität des Akademikers mit dem Arbeiter iin der SPD muß selbstverständlich und für diesen verpflichtend sein, das gilt vor allem für den alltäglchen parteiinternen Umgang miteinander; da liegt -sh.die vorangegangen Beiträge – m.E.Einiges im argen.

    2.
    Bildungshunger,Bildungsinteresse des Arbeiters und entsprechender Einsatz von Freizeit : „das hat für die Arbeiter keine Rolle gespielt“?

    Doch, eine sehr große Rolle sogar, was generell mit Blick auf die Geschichte der Arbeiterbewegung eindrucksvoll zu belegen ist und was ich anhand der Geschichte von Arbeitern aus meiner Familie konkret begründen könnte.

    Streiten könnten wir allerdings darüber, ob, wann und vor allem warum dieser Bildungshunger, dieses Bildungsinteresse der Arbeiterschaft und ihre Bereitschaft, dafür ihre Freizeit zu opfern, nachgelassen habe könnte, was wiederum voraussetzt, daß wir uns über den Inhalt des Begriffes Bildung , wie er in diesem Zusammenhang verwandt wird, verständigen müßten.

    Wir kommen aber allmählich vom „Thema ab“.

  • #27
    helmut Junge

    Herr Stach, vermutlich definieren Sie „Arbeiter“ anders als ich, bzw. wie es bei Wickipedia definiert ist.
    Dann reden wir aneinander vorbei und finden nach diesem langen Diskurs genau deshalb auch keinen Abschluß.
    Einfluß auf die Entwicklung der SPD hätten wir aber auch dann nicht, wenn wir uns in allen Punkten einig wären. Eigentlich Schade, denn die gute alte Tante hätte den einen oder anderen Anstoß schon nötig.
    Aber es soll nicht sein, hat nie sein sollen, und so geht sie ihren Weg ohne auf unseren Rat, den wir nicht mal geben könnten (s.Oben), zu hören.

  • #28
    Helmut Junge

    „Die innerparteilichen Solidarität des Akademikers mit dem Arbeiter iin der SPD muß selbstverständlich und für diesen verpflichtend sein, “

    Dieser Satz von Ihnen, @Walter Stach, ist mir die ganze letzte Nacht nicht aus dem Sinn gegangen.

    Der Satz ist absurd!

    Auch wenn früher mal alles anders war.
    Wir leben jetzt. Deshalb sind solche Dogmen nicht mehr passend.
    Schon lange nicht mehr.
    Der Anteil der Arbeiter innerhalb der arbeitenden Bevölkerung liegt mittlerweile unter 50%. Die Gruppe der Angestellten ist über 50%.

    Von den Akademikern einmal abgesehen, ist es immer noch so, dass weder Gewerkschaften, noch SPD, wirklich Zugang zu dieser großen Gruppe der Angestellten hat.

    Und deshalb halte ich solche Sätze wie oben, die aus der Mottenkiste stammen,
    eher für abschreckend, als für werbend.

  • #29
    Walter Stach

    H.Junge -28-:

    Ich kann mich Ihnen gegenüber offensichtlich nicht verständlich machen -meine Schuld.

    Ich erinnere an den Anlaß dieser Diskussion.

    Im Eingangskommentar wird von Stefan Laurin im 2.Satz festgestellt:“ Güllner…….beklagt die Entfremdung seiner Partei von den Facharbeitern und kleinen Angestellten.“

    Exakt darauf bezogen habe ich in meinen Disk.beiträgen versucht, einige Gedanken vorzutragen;nicht mehr, nicht weniger, und zwar im wesentlichen abgestellt auf Kommunikationsprobleme und das nicht zuletzt auch wegen einiger dazu von Ihnen aufgeworfenen Fragen -sh.u.a.-21-..Großeltern…….

    In ihrem Kern kreisen meine Gedanken während dieser Diskussion ständig um die Frage, ob die Entfremdung von Facharbeitern und Angestellten, unterstellt dieser These wird zugestimmt, parteiintern in der SPD auch damit zu tun haben könnte, daß die Akademiker in der SPD nicht mehr, nicht mehr hinreichend mit den Facharbeitern, den kleinen Angestellten, den älteren, nicht akademischen Rentnern in der Partei kommunizieren, weil sie das nicht können oder nicht wollen.

    Und wenn es ein solches von mir angedachten innerparteiliches Problem gibt, hat das zwangsläufig Folgen für das Außenverhältnis der SPD zu den Facharbeiter, den kleinen Angestellten….!

    Eine SPD, die sich nicht mehr den Facharbeitern, den kleinen Angestellten, den Kleinstrentner verpflichtet fühlt, jedenfalls in deren Wahrnehmung, also eine SPD, die folglich für diese, wenn sie der Partei -noch-angehören, grundsätzliche Probleme aufwirft, eine SPD die folglich für diese auch nicht mehr „Erste-Wahl“sein kann, hätte für mich substantiell S o z i a l -demokratisches aufgegeben.

    Das will die SPD nicht, das kann sie nicht wollen.

    Und deshalb müssen die „akademischen Parteimitglieder“, die sich in der Regel in ihrem sozialen Status, im Bildungsniveau, aber auch in ihren pers.Interessen, in ihrer Motivation für die Mitgliedschaft in der Partei von den Facharbeitern, den kleinen Angestellten, den Kleinstrentner unterscheiden, von sich aus mehr und anders als bisher bemüht sein, parteiintern und parteiextern in der Kommunikation mit den „Anderen“ Nähe und Solidarität zu zeigen, nicht zuletzt mittels der Sprache,und nicht Distanz demonstrieren, z.B.durch eine Sprache, die den Facharbeitern pp.fremd ist.

    Ich mache es jetzt kurz und knapp:
    Ist für den Akademiker in der SPD der Facharbeiter,der kleine Angestellte Genosse?
    Man muß das Wort „Genosse“ nicht verwenden, aber was es beinhaltet, sollte parteiintern für Alle unverändert gelten und das muß auch in der parteiinternen Kommunikation jederzeit und unbestritten von jedermann wahrzunehmen sein.

    Und daraus habe ich gefolgert, daß der akademische gebildete/ausgebildete Genosse solidarisch ist mit dem weniger Gebildeten, daß die akademisch gebildete Führungskraft aus Verwaltung/Politik als Genosse solidarisch ist mit „seinen“ weniger gebildeten Facharbeitern und kleinen Angestellten, deren Genosse er in der SPD ist.
    Und es sollte, damit die SPD nicht einen ihrer Wesenskerne verliert, selbstverständlich sein, daß eine solche Gesinnung im alltäglichen Verhalten -nicht nur gepredigt in sog.Sonntagsreden-intern und extern von „meinen“ akademischen Genossen praktiziert wird.

    Das klingt Ihnen zu idealistisch? Aus der Mottenkiste, wie Sie sagen.

    Ich sehe das weiterhin ganz anders.

    Mir geht es letztlich um einen kleines Stück gelebter Solidarität des (sozial-bildungs-) Starken mit dem (sozial-bildungs-) Schwachen, wahrnehmbar und spürbar in der Kommunikation.
    Und dieses kleine Stück ist substantieller Bestandteil einer
    s o z i a l demkratischen Partei, jedenfalls für mich.

    Nicht nachvollziehen kann ich deshalb Ihre Aussage, daß solche Gedanken, die sich in entsprechenden Sätzen in meinen Blogbeiträgen wieder finden, ehe abschreckend als werbend wirken.

    Im übrigen wurden meine Gedanken nicht gesteuert von Motiven, die etwas mit Werben/Abschrecken zu tun haben. Ich habe nur „nach-„gedacht über Güllner, den Kommentar von Stefan Laurin, und in diesem Zusammenhang über Vieles, was mittlerweile zu alldem nachzulesen ist -u.a.bei Franz Walter.

    Wachsende Kommunikationsprobleme zwischen den „akademischen“ Parteigenossen und den „Anderen“ -intern/extern-, und eine diesbezüglich festzustellende Entfremdung, über die ich mir in diesem Blog Gedanken gemacht habe, können ihre Ursache darin haben, daß Motive und Ziele einer Partiemitgliedschaft z.B. für Akademiker einerseits und Nichtakademiker andereseits, für den hochbezahlten Angestellten einerseits, den Facharbeitr andererseits, nicht nur immer gravierender von einander abweichen, sondern in deren Folge zwangsläufig die Definition sozialdemokratischer Ziele erkennbar immer schwieriger wird, weil es an Solidarität zwischen den unterschiedlichen Parteigruppierungen mangelt, an Solidarität der Starken mit und für die Schwachen -parteiintern und parteiextern. Ich halte Letzteres -mangelndes Solidarität- nicht nur für bedeutsam in der parteiinternen/parteixternen Kommunikation, sondern auch im parteiinternen Prozeß der Festlegung sozialdemikratischer Ziele .Und das gilt vor allem-sh.dazu Anmerkungen von mir -18-im 8.Absaatz- primär bei der Zielfestsetzung der SPD zu aktuellen ,konkreten gesellschftlicher Probleme – nicht primnär für das Große Ganze“ sozialdemokratischen Zielsetzungen in Parteiprogrammen. Damit hätte ich allerdings ein „neues Fass“ geöffnet;es sollte hier und heute zu bleiben.

  • #30
    Helmut Junge

    @W.Stach,
    einfache Regel: wer von der Sache, die die innerhalb einer Partei diskutiert wird, etwas versteht, wird normalerweise auch ernst genommen.
    Aber der muß sich auch Rückfragen stellen und diese vernünftig beantworten.
    Solidarität spielt bei solchen Diskussionen keine Rolle. Darf es auch nicht.
    Alle haben das gleiche Recht.
    Wer allerdings aus der Sicht Anderer „dummes Zeug“ redet, der wird unabhängig von seiner sonstigen Vorbildung gelegentlich nicht ernst genommen.
    Da sind wieder alle gleich.
    Zum Schluß wird abgestimmt.

  • #31
    ruhrgeorg

    wie man an den Kommentaren sieht, sind die Grünen nicht als Hauptverursacher einer Entfremdung von der Demokratie zu sehen.

    Die Grünen haben sich inzwischen zu einer modern-konservativ-bürgerlichen Partei mit ökologischem Touch entwickelt, deren alleinige Anwesenheit in den Parlamenten zu einer großen umweltpolitischen Ausrichtung der ganzen Politik geführt hat.

    Dazu gesellt sich inzwischen die immer wieder von Stefan Laurin angesprochene neue Geisteshaltung bei den Grünen, in alle Lebensbereiche exakte Vorgaben für die Menschen einführen zu wollen, die einer größtmöglichen Gesundheit und Sicherheit der Gesellschaft dienen sollen. Das korrespondiert exakt mit konservativen Strömungen der CDU und CSU.

    Mir soll das öffentliche Alkoholtrinken verboten werden und dem Herrn Laurin das Rauchen in der Kneipe.

    Nichtsdestotrotz scheinen die Grünen mit Ihrer ökologischen Ausrichtung ein gedankliches Fundament zu haben, mit dem die Partei Ihren neuen Konservatismus begründen kann und sich jede Menge Stimmen bei Lehrern, Ärzten etc. sichern kann.

    Das eigentliche Problem der Entfremdung ist wohl, dass die Sozialdemokratie in Deutschland gar keine geistige Grundlage mehr zu besitzen scheint. Sie hangelt ständig irgendwo zwischen katholischer Soziallehre der CDU und Marx und verliert dadurch ständig Stimmen an CDU und Linke.

    Es gibt keine entscheidende sozialdemokratische „Utopie“ oder Grundlage mehr.

    Es gibt bei der SPD nur noch einen paffenden klugscheißenden EX-Bundeskanzler, der mit Hilfe der Medien einen völlig überforderten Kanzlerkandidaten etabliert, der es noch nicht mal schafft, das Wort Transparenz richtig zuzuordnen.

    Für mich muss sich die Sozialdemokratie in Deutschland eine neue politische Grundlage in der Sozialpolitik geben, die die Sozialdemokratie entscheidend von der katholischen Soziallehre der CDU unterscheidet.

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