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Der Neue bei den ›Mitternachtsspitzen‹

Wo der WDR die Querfront umarmt: der Wartesaal am Dom in Köln /Bild: Monika Siebert

Wo der WDR die Querfront umarmt: der Wartesaal am Dom in Köln /Bild: Monika Siebert

Existiert unsere Demokratie nur auf dem Papier? Sind wir alle Opfer einer gigantischen Lügenkampagne? Sitzen im Bundestag nur Marionetten?

Drei von zehn Deutschen halten es einer neuen Studie zufolge für wahrscheinlich. Drei von zehn Deutschen halten es für wahrscheinlich oder sogar für sicher, dass geheime Mächte die Welt steuern. Einer von ihnen ist Christoph Sieber.

Sind wir ehrlich, sagt Christoph Sieber. Diese Demokratie existiert eh nur noch auf dem Papier.[1] Christoph Sieber ist ein deutscher Kabarettist. Wir merken es gar nicht mehr, sagt er, wie wir verarscht werden.[2] Er ist ein Kabarettist wie viele. Mit »wir« meint er die kleinen Leute,[3] mit »verarscht« meint er: manipuliert.

Es ist ein einziges Prozent der Menschheit, das uns kleine Leute manipuliert. Es ist das reichste Prozent. Diesem einen Prozent ist es in einer gigantischen Lügenkampagne gelungen, den 99 Prozent zu erzählen, dass das, was im Sinne des einen Prozents ist, im Sinne aller ist.[2] Wenn Sieber recht hätte, hätten wir es mit einer wahrlich ungeheuren Verschwörung zu tun. Das reichste Prozent: das wären immerhin 51 Millionen Menschen.

Sieber ist seit 25 Jahren Kabarettist. Er liegt seit 25 Jahren im Kampf gegen die Strippenzieher und Lobbyisten im Hintergrund.[4] Mit »Strippenzieher im Hintergrund« meint er jene Kräfte, die oben an den Fäden ziehen, an denen unten die Marionetten hängen.[1] Mit »Marionetten« meint er die Marionetten des Berliner Puppentheaters.[4] Er ein Kabarettist nach dem Geschmack des öffentlich-rechtlichen Fernsehens; im Januar übernimmt er als Gastgeber die »WDR-Mitternachtsspitzen«.

Und für einen wie ihn zahlen drei von zehn Deutschen ihre Rundfunkgebühren vielleicht sogar gerne. Unsere Demokratie, sagt Christoph Sieber, ist nur noch eine Finanzoligarchie mit demokratischen Applikationen.[2] Und in der Welt der Finanzwirtschaft kennt er sich aus: bevor er mit 25 Kabarettist wurde, hat er an der Folkwang-Universität in Essen vier Jahre lang Pantomime studiert.

Fußnoten

[1] Christoph Sieber, Alles ist nie genug, 3satFestival 2013
[2] Christoph Sieber, Programm Hoffnungslos optimistisch, 2015 – 2019
[3] Christoph Sieber, Charlie Hebdo, Denkfunk 2015
[4] Christoph Sieber, Pressetext zu Hoffnungslos optimistisch, 2015

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5 Kommentare zu “Der Neue bei den ›Mitternachtsspitzen‹

  • #1
    Pit

    Ui, ein Kabarettist mit einem kritischen Blick aus linker Perspektive auf das herrschende System.
    Das ist ja ganz neu! Hildebrandt, Pispers, Schramm und Uthoff hat es nie gegeben! Gefährlich, könnte ja zum Nachdenken anregen!
    Canceln! Sofort deplatformen!
    Da zahl ich meine Gebühren lieber für den Traumschiffarztmord!

  • #2
    EinLipper

    Merkt Herr Sieber eigentlich nicht, wie nah er mit seinen "Erkenntnissen" an rechte Verschwörungstheorien von Reichsbürgern etc anschließt? Ist mir unbegreiflich, dass solche Platitüden als "politisches Kabarett" durchgehen.

  • #3
    Spike

    Ich grüble seit einer Woche über den Sinn des letzten Satzes, und wende mich nun an die Öffentlichkeit. Und den Autor. "(…) in der Welt der Finanzwirtschaft kennt er sich aus: bevor er mit 25 Kabarettist wurde, hat er an der Folkwang-Universität in Essen vier Jahre lang Pantomime studiert." Kapiere ich den Witz nicht? Qualifiziert ein vierjähriges Pantomime-Studium zum Investment-Wanker? Sind Pantomimen und Finanzwirtschaftler gleichermaßen abzulehnen (ich meine ja…)? Please advise.

  • #4
    Jörg Metes Beitragsautor

    @ Spike: Ich meinte das ironisch. Ich meinte: Die Vorstellungen, die sich ein studierter Pantomime von der Finanzwirtschaft macht, helfen vielleicht nicht unbedingt weiter.

  • #5

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