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DFB-Elf über weite Strecken von Spanien vorgeführt – und viele Medien feiern sie dafür?

Bundestrainer Joachim Löw im Einsatz. Quelle: Wikipedia, Foto: Danilo Borges/copa2014.gov.br, Lizenz: CC BY 3.0

Man mochte seinen Augen und Ohren gestern eigentlich gar nicht so recht trauen. Da wird die von Jogi Löw verantwortete Deutsche Fußballnationalmannschaft beim Testspiel in Düsseldorf über weite Phasen des Spiels von der Auswahl Spaniens vorgeführt, und die überwiegende Mehrheit der Mainstream-Medien feiert das am Ende glückliche 1:1 im Anschluss wie eine mit Bravour bestandene Meisterprüfung.

Wenige Wochen vor dem Beginn der viel kritisierten Fußballweltmeisterschaft in Russland lieferten sich beide Teams unzweifelhaft zwar einen über weite Phasen recht unterhaltsam anzuschauenden offenen Schlagabtausch, offenbarten jedoch zugleich noch immer etliche eklatante Mängel und Defizite. Die DFB-Auswahl, die an diesem Freitagabend bekanntlich nicht nur als Gastgeber sondern eben auch als Titelverteidiger auf das Feld in der Landeshauptstadt von NRW lief, profitierte im Rückblick ganz klar davon, dass ihre Gäste es versäumten die Begegnung vorzeitig zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Am Ende kam die Löw-Truppe durch einen wahren Glücksschuss von Thomas Müller vor 50.653 Zuschauern im ausverkauften Düsseldorfer Stadion so noch zu einem insgesamt schmeichelhaften 1:1-Ausgleich. Die überaus positiven und wohlwollenden Kommentare in vielen Medien im Nachgang erscheinen hierfür jedoch merkwürdig und gänzlich unangemessen.

So freute sich ARD-Kommentator Tom Bartels beispielsweise noch während des Spiels, dass der Leistungsunterschied, welcher im Vergleich zu den Spaniern ja noch im Jahre 2010 bestanden hätte, als diese Weltmeister wurden, inzwischen doch deutlich verkleinert werden konnte. Hallo? Hat der ARD-Kommentator die letzten Jahre etwa völlig versäumt? Ist es in Wahrheit nicht die DFB-Auswahl, die im Jahre 2014 ihrerseits zum amtierenden Weltmeister wurde und in Brasilien auf beeindruckende Art und Weise den Titel errang, damit zum Nachfolger der Spanier wurde?

Müsste vor diesem Hintergrund dann nicht eher Spanien nach dem jüngsten Test glücklich darüber sein, dass es den Titelverteidiger in diesem Spiel in seinem eigenen ‚Wohnzimmer‘ diesmal wieder recht deutlich beherrschte, ja eigentlich von der spielerischen Klasse her hätte gut und gerne besiegen können, ja fast müssen? Hat ein amtierender Weltmeister in einem Vorbereitungsspiel in heimischer Umgebung nicht mehr den natürlichen Anspruch diese Begegnungen allesamt zu gewinnen?

Woher dieser eher ungewöhnlich anmutende Ansatz, dass sich ‚Die Mannschaft‘ an Spanien erfolgreich herangearbeitet habe? Es ist tatsächlich nicht genau umgekehrt?

In der Form von Freitag erscheint ein Titelgewinn der Iberer im kommenden Sommer jedenfalls wesentlich wahrscheinlicher zu sein als eine Titelverteidigung durch die deutsche Auswahl, die dann beim Turnier zudem nicht den Vorteil eines Heimspiels genießen kann, wenn es in Putins Reich um frischen sportlichen Ruhm gegen die weltbesten Teams geht.

Ebenso erstaunlich auch die überraschend positive Beurteilung von Matthias Dersch derzeit im ‚Kicker‘. Dort schreibt er in Bezug auf den Kick in Düsseldorf: „Nach Wochen der Magerkost in der Bundesliga war das eine willkommene Abwechslung.“

Als regelmäßigem Beobachter der Fußball-Bundesliga fällt es einem schwer auch diesen Lobgesang völlig nachzuvollziehen. Denn wer das Spiel in Düsseldorf am Freitag einmal etwas kritischer betrachtet hat, der sah auch dort nicht nur die relativ vielen Abstimmungsschwierigkeiten in beiden Teams, die mangelhafte Chancenverwertung, der konnte auch mit weiten Phasen der zweiten Hälfte alles andere als zufrieden sein, in denen der geneigte Zuschauer zwischendurch den Spielfluss und die Klasse der ersten Hälfte arg vermisste, auf der heimischen Couch einzunicken drohte.

Worin da jetzt genau der große Vorzug gegenüber einem ’normalen‘ Bundesligaspiel gelegen haben soll? Keine Ahnung!

Von der bei Länderspielen ohnehin stets deutlich schlechteren Stimmung im Stadion und der rein künstlich anmutenden Beschallung samt durchorganisierter Schwarz-Rot-Goldener Fahnenschwenker und dem kommerziellen ‚Fanklub Nationalmannschaft‘ im Vergleich zur großen Mehrheit der Bundesligaspiele einmal ganz zu schweigen.

Der eher traditionell veranlagte Fußballfan dürfte jedenfalls auch diesmal wieder heilfroh sein, wenn die leidige Länderspielpause in einer Woche dann endlich vorbei ist und die heimischen Teams wieder in das laufende Ligageschehen einsteigen. Daran werden auch diese merkwürdigen ‚Lobhudeleien‘ rund um die Nationalmannschaft im Vorfeld der umstrittenen Russland-WM vermutlich nichts ändern können.

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5 Kommentare zu “DFB-Elf über weite Strecken von Spanien vorgeführt – und viele Medien feiern sie dafür?

  • #1
    Walter Stach

    Robin,
    im wesentlichen teile ich Deine Meinung.

    Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, wie orientierungs- und hilflos eine DFB-Auswahl auf dem Platz herumirrte wie gestern in den ersten 3o Minuten gegen Spanien. Mats Hummels hat diese Meinung ja in seinem Interview nach demSpiel, wenn auch mit anderen Worten, bestätigt.

    Die II.Halbzeit, in der die DFB-Auswahl "besser im Spiel" war, kann nur sehr bedingt bei der Bewertung der Leistungsstärke berücksichtigt werden -Auswechselungen spanischen "Spitzenpersonals" und Drosselung des Höchstgeschwindigkeits-Fußballes Spaniern, ganz sicher auch im Blick auf die anstehenden Spiele des FC Barcelona und von Real Madrid in der Champ.lig.

    Warum die Medien bei uns trotzdem die DFB-Auwahl nach der gestrigen Leistung weitgehend unkritisch "über den grünen Klee" loben, weiß ich nicht. Sollen wir Fans vor der WM in Hochstimmung versetzt werden, damit die Einschaltquoten höchstmögliche werden?
    Im übrigen nehme ich eine ähnliche mediale Einstellung war, wenn der WM-Titel von 2o14 kritiklos herhalten muß, um die DFB-Auswahl wieder zum Favoriten für die WM 2o18 herauszustellen.
    Rückblickend auf 2o14:
    "Wir " hätten das Endspiel gegen Argentinien verlieren können, wenn das Glück nicht auf unserer Seite gewesen wäre. Denn nach der Gesamtleistung….
    "Wir" hätten statt 1:o gegen Frankreich zu gewinnen, ebenso gut mit 1: o verlieren können.
    "Wir" haben sehr, sehr viel Glück gehabt, in der Verlängerung mit 2:1 gegen Algerien zu gewinnen.

    Der WM-Titel und das 7:1 gegen Brasilien sollten jedem Fan -und jedem Fußball-Journalisten- nicht dazu verführen, die Realitäten der WM in Brasilien gänzlich auszublenden und zugleich dazu führen, das "Vorführen der DFB-Auswahl" durch Spanien gestern nicht registrieren, nicht kommentieren zu wollen.

    Als Fußball-Fan war ich -nicht nur in den ersten 3o Minuten- vom Spiel der Spaniern begeistert.
    Zugleich, damit ich nicht mißverstanden werde, ist es auch aus meiner Sicht durchaus positiv, daß die DFB-Auswahl gezeigt hat, daß sie sich auch nach einer "Vorführung "wie gestern in den ersten 3o Minuten aufzurappeln weiß, um dann noch eine für mich insgesamt befriedigenden Leistung abzuliefern.

  • #2
    ke

    Hat "Die Mannschaft" gespielt? Ich dachte das gestrige Fußballereignis war der Kick von Usain Bolt.
    Den hätte ich mir auf jeden Fall lieber angeschaut als die Jogi-Beschäftigungstherapie.

    Das Wetter ist toll, man kann selber Sport treiben. Und die Randsportarten haben auch viele Ereignisse.

  • #3
    KlausW

    Naja, man hat gegen eine starke Mannschaft ein 1:1 rausgeholt. Spanien war in der zweiten Hälfte nicht mehr gut. Ich denke, dass Sie die Leistung der deutschen Nationalmannschaft vom gestrigen Abend zu schlecht beurteilen. De Gea musste bei zwei Distanzschüssen sein ganzes Können aufbieten, also hatten die Deutschen durchaus Chancen, das Spiel sogar zu gewinnen. Beide Mannschaften sind ohne Niederlage durch die Quali spaziert und haben gehörig Respekt voreinander. Und, Hitzlesberger hatte auch Recht, als er darauf hinwies, dass beide Trainer sich nicht in die Karten blicken ließen. Wenn man es sich leisten kann, Spieler wie Sane , Gündogan und Goretzka auf der Bank schmoren , Reus, Götze, den wieder erstarkten Schürrle oder auch Gnabri gar zu Hause zu lassen, sieht es für die Deutschen nicht so schlecht aus.

    Mir hat der Kick in der ersten Halbzeit gut gefallen, die Spanier boten einige Kombinationen zum Zunge schnalzen und hätte Hummels nicht einen so starken Tag gehabt – bis auf das Gegentor-hätten die Spanier eventuell auch haushoch gewonnen Ich bin schon aus -albernem- Prinzig kein Fan der deutschen Nationalmannschaft, aber seit einigen Jahren spielen sie wirklich auf "högschtem" Niveau und ansehnlich.

  • #4
    Helmut Junge

    Das was ich zwischendurch beim rumzappen gesehen habe, war ein gleichwertiges Spiel, bei dem die Akteure nicht alles gegeben haben. So ist das bei Freundschaftsspielen eben. Man will sich kein Bein brechen und gesund ins Turnier kommen. Denn wer sich jetzt verletzt, kommt nicht mit, wenn es wichtig wird. Darum muß man die mögliche Qualität abschätzen. Da ich Löw für ein Fußballgenie halte und ihm zutraue, daß er sogar mit Laienspielern ganz viel erreichen könnte, mache ich mir nun wirklich keine Gedanken. Wenn der sagt, daß alles gut ist, wird es wohl so sein. Keine Frage.

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