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„Die Deutschen könnten Israels Sicherheitsbedenken ihren “Freunden” in Tehran übermitteln“

Iranische Drohne auf isralischem Gebiet Bild: Israel Defense Force

Arye Shalicar ist Major der Reserve der Israelischen Armee und ehemaliger Pressesprecher der israelischen Streitkräfte. Der in Göttingen geborene Politologe und Buchautor ist heute Abteilungsleiter im Geheimdienstministerium im Büro des Ministerpräsidenten Israels.

Ruhrbarone: Zuerst die wichtigste Frage: Wie geht es den beiden verletzten israelischen Piloten?

Arye Sharuz Shalicar:  Den israelischen Piloten geht es gut. Einer von ihnen wurde heute vom israelischen Fernsehen interviewt.

Ruhrbarone:  Wer steuerte die iranische Drohne, über Israel flog?

Shalicar:  Die iranische Drohne wurde von iranischen Operativen in Syrien nach Israel gesteuert. Die eindringende iranische Drohne wurde in den frühen Morgenstunden des Samstag von einem israelischen Apache Hubschrauber über israelischem Territorium abgeschossen.

Ruhrbarone: In den vergangenen Tagen gab es wieder mehr Raketenangriffe auf Israel.  Standen die in einem Zusammenhang mit der Verletzung der israelischen Grenze durch die Drohne?

Shalicar: Raketenfeuer auf Israel aus Libanon und Syrien ist eine Seltenheit. Eine Situation der gegenseitigen Abschreckung vis a vis der Hisbollah Terrororganisation im Libanon hält die Grenze ruhig seit dem letzten Krieg 2006. An der syrischen Grenze hingegen kommt es hin und wieder zu Zwischenfällen, die nicht immer mit Absicht stattfinden. Oftmals fliegen Raketen, die eine Seite auf die andere Seite im Bürgerkrieg schiesst unbeabsichtigt über die Grenze. Dazu kommt das die verschiedenen Gruppierungen im innermuslimischen Krieg in Syrien im Laufe der letzten Jahre mit sich selbst beschäftigt waren und jeder versucht hat sich einen Vorteil zu erkämpfen. Erst vor einigen wenigen Monaten hat die schiitische Seite die Oberhand gewonnen. Die schiitischen Truppen sind selbstbewusster geworden und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sie es gewagt haben auf israelische Kampfjets zu schießen. Eine Explosion der Selbstbewusstheit, die ihnen teuer zu stehen bekam.

Ruhrbarone:  Israel und Syrien befinden sich ja seit Jahrzehnten im Kriegszustand. Meistens war es ruhig. Werden Syrien und der Iran jetzt auf Eskalation setzen?‘

Shalicar:  Ich bin der Ansicht, dass Syrien und Iran und Russland, obwohl sie Verbündete sind in Syrien, keineswegs immer identische Interessen haben. Russland will Stabilität und sich wirtschaftlich bei der Rekonstruktion des Landes bereichern. Assad und die syrischen Truppen wollen wieder die komplette Herrschaft und der Iran will sich militärisch aufbauen/basieren/festsetzen/etablieren und als darauffolgenden Schritt auch wirtschaftlichen Gewinn nach Hause tragen. Assad und seine Truppen, Hisbollah und iranische Milizen haben zwar die Oberhand über einen Grossteil des Landes zurück erobert, jedoch wissen sie, dass insbesondere sowohl die Kurden im Norden, als auch die Amerikaner sie nicht alles machen lassen werden wie ihnen passt, wie der amerikanische Angriff auf Dutzende sunnitische Kämpfer nähe Deir a Zour vor ca. einer Woche bewiesen hat.

Ruhrbarone: Geht Israel davon aus, dass das nun der Auftakt für einen großen Konflikt ist? Der Drei-Fronten-Krieg über den wir vor wenig Tagen sprachen?

Shalicar:  Ein mehr-Fronten-Krieg ist eine Option, die vom Sicherheitsestablishment Israels in Betracht gezogen wird, falls “der Stein ins rollen geraten sollte”. Man geht davon aus das keine Seite an einem Krieg interessiert ist, jedoch reicht ein Zwischenfall, eine einzige Miscalculation und wir werden uns in einer neuen blutigen Realität wiederfinden, in der Israel aus Syrien, Libanon und Gaza beschossen wird. Alles drei Bereiche unter direkter Oberhoheit des Iran.

Ruhrbarone: Was erwartet Israel jetzt vom Westen und vor allem auch von der Bundesregierung?

Shalicar:  Israel hat sich unter anderem mit den USA und den Russen besprochen, direkt nach dem Zwischenfall. Deeskalation ist wichtig. Nicht weniger wichtig ist, dass alle regionalen und internationalen Mächte verstehen, dass Israel mehrere rote Linien bekannt gegeben hat vis a vis Syrien, eines davon ist, dass es nicht erlauben wird, dass Iran sich militärisch in Syrien basiert und von dort aus gegen Israel operiert. Der Zwischenfall von Samstag war genau das Resultat dieser iranischen Strategie. Iran spielt mit dem Feuer und könnte die gesamte Region in einen neuen Konflikt hinein ziehen. Das muss verhindert werden. Die Deutschen könnten Israels Sicherheitsbedenken ihren “Freunden” in Tehran übermitteln und zur Deeskalation beitragen.

 

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7 Kommentare zu “„Die Deutschen könnten Israels Sicherheitsbedenken ihren “Freunden” in Tehran übermitteln“

  • #1
    Helmut Junge

    Ich glaube, daß Rußland in dieser Frage schwach ist, weil es wichtige eigene Interesse in Syrien verfolgt. USA sind schwach, weil ebenso eigene Interessen in Syrien verfolgen. Leider aber ist die Situation kompliziert, weil die zwei nicht mehr unter sich abhandeln können, denn mit Türkei und Iran sind zwei lokale Mächte dabei, die dazwischen fuschen. Die Frage, die sich mir stellt, ist die, ob Assad die selber ins Land geholten Iraner jemals wieder los wird, und wie weit die fähig sind, dort selbst tätig zu werden, und ob die das wollen, und was Israel dagegen machen kann. Der Luftkrieg der letzten Tage ist m.E. nur gegenseitiges Stärkezeigen. Durch die modernen Luftabwehrraketen scheint sich ein wesentlicher Faktor der Kriegsführung allmählich zu ändern. Lufthoheit ist schwieriger herzustellen, was gefährlich ist für alle Staaten, die keine lebensmüden Bodenkämpfer entsenden können. Das betrifft den ganzen sogenannten Westen, aber auch Israel. Daraus könnte sich in einigen Jahren ein echtes Problem ergeben. Ein schwerwiegendes Problem sogar. Im Augenblick sehe ich das noch weniger stressig.

  • #2
    Klaus W.

    Israel fliegt seit Jahren Angriffe gegen Ziele in Syrien- lange, bevor der Bürgerkrieg ausgebrochen war oder der Iran offen in Syrien operierte.

    Insofern wäre es sicher angebracht gewesen, Shalicar hier gezielter zu befragen. Insbesondere hätte er danach gefragt werden können, inwieweit Israel nicht selbst mit seinen fortgesetzten völkerrechtswidrigen Vorgehen in Syrien der Provokateur ist. Das "Einfliegen" einer iranischen Drohne rechtfertigt keinen Luftangriff auf syrische oder vermeintlich iranische Stellungen.

    Der erstmalige Abschuss eines israelischen Kampfjets auf syrischen Territorium ist die Folge hunderter Verletzungen des syrischen Luftraums und der wiederholten Bombardieringen syrischer Einrichtungen und Stellungen durch die IDF.

    Auf der anderen Seite kann Israel nicht darüber befinden, welchen Mächten Syrien die Unterhaltung von Militärpräsenzen auf seinem Territorium erlaubt. Trotz der katastrophalen Situation ist Syrien völkerrechtlich gesehen ein souveräner Staat, dem Israel sein Territorium und seine militärstrategischen Entscheidungen betreffend keine Vorgaben zu machen hat.

    Israel hat dies genauso hinzunehmen wie der Iran die Stationierung amerikanischer Truppen in verschiedenen Golfstaaten hinzunehmen hat.

    Der Iran kann kein Interesse an einer direkten militärischen Auseinandersetzung mit Israel haben – schon alleine deshalb, weil Israel militärisch aller Voraussicht nach stärker (und atomar) bewaffnet ist und darüber hinaus mit den USA einen starken Verbündeten hat – Irak und Libyen dürften hier abscheckendes Beispiel genug sein.

    Inwieweit allerdings Israel -im Verbund mit den Hardlinern in der Iranpolitik in den USA- nun darauf drängt -und entsprechend provoziert- , dem Iran den lang ersehnten militärischen Schlag zu versetzen, ist eine ungeklärte Frage, deren Beantwortung in Israel sicher auch davon abhängt, welche Risiken für Israel zu befürchten sind. Denn- hier ist Shalicar zuzustimmen- in dieser Situation hätte Israel tatsächlich zumindest in der Hisbollsh-die Hamas ist dem Grunde nach kampfunfähig und stellt für Israel keine Ernst zu nehmende Gefahr mehr dar- einen weiteren Gegner, der in den letzten Jahren massiv aufgerüstet und seinen Einfluss und Zugang zur regulären libanesischen Armee ausgebaut hat.

    Es ist mehr als zwefelhaft, ob Sicherheit und Frieden im Nahen Osten dauerhaft durch Kampfflugzeuge und Raketen gewährleistet werden kann- der eingeschlagene Weg könnte für ALLE dort in einer weiteren infernalischen Katastrophe enden.

  • #3
    ke

    Dann haben wir mittendrin den Irak und die Ausbildungs-Aktivität der Bundeswehr, die jetzt auf den ganzen Irak ausgedehnt werden sollen.

  • #4
    Michael

    Allein der letzte Satz des Interviews ist Gold wert.

    Der Aggressor ist eindeutig der Iran, der die Drohne gegen Israel eingesetzt hat. Damit war Reaktion – die Zerstörung der Drohne und der Operationsbasis – durch die Streitkräfte Israels mehr als gerechtfertigt. Jeder Staat würde so reagieren, wenn es von einem auf Terror & Krieg ausgerichtetes faschistisches Regime, wie es im Iran herrscht, angegriffen wird. Nur von den Juden erwartet man, dass sie auch noch die andere Backe hinhalten. Das tun die nicht – gewöhnt euch dran.

  • #5
    nussknacker56

    #2 Klaus W.
    „…Israel nicht selbst mit seinen fortgesetzten völkerrechtswidrigen Vorgehen in Syrien der Provokateur ist.“
    Ihre Sprache sagt einiges über Ihr Selbstverständnis aus.

    „Auf der anderen Seite kann Israel nicht darüber befinden, welchen Mächten Syrien die Unterhaltung von Militärpräsenzen auf seinem Territorium erlaubt. … Israel hat dies genauso hinzunehmen wie der Iran die Stationierung amerikanischer Truppen in verschiedenen Golfstaaten hinzunehmen hat.“

    Israel hat gar nichts hinzunehmen.
    (Syrien und Israel befinden sich aufgrund eines fehlenden Friedensvertrages übrigens formal im Kriegszustand.) Der Iran hat einseitig und mehrfach erklärt, Israel zu vernichten. Das ist nicht nur leeres Geschwätz, sondern der Iran versucht im Libanon und Syrien eine Stellvertreterarmee aufzubauen bzw. unterstützt terroristische Bewegungen, wie die Hisbollah, mit Geld, Waffen und dem Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Das alles wissen Sie alles ganz genau und trotzdem spielen Sie hier den empörten „Kritiker“, der auf ein Völkerrecht verweist.

    Eine Frage: Warum stellen sich Deutsche – wie Sie –, so offensichtlich begeistert auf die Seiten derer, die den israelischen Staat vernichten wollen?

  • #6
    Klaus W.

    Herr Nussknacker der Sinn Ihrer -Ihre Wutrede abschleßende -unterstellenden Frage erschließt sich mir nicht.
    1.)
    Woher wollen Sie wissen, ob ich "Deutscher" bin und was tut das zur Sache?
    2.)
    Welche Rolle spielt es, welche Staatsangehörigkeit man hat, wenn man eine von Ihrer Haltung abweichende Meinung vertritt?
    3.)
    Finden Sie, dass Israel , weil Israel und Syrien sich offiziell im "ruhenden" Kriegszustand befinden -Friedensverhandlungen scheiterten insbesondere an der Weigerung Israels zur Rückgabe der völkerrechtswidrig annektierten Golanhöhen – das Recht hat- wie heute von israelischen Militärs auf Spiegel Online berichtet wurde- seit Jahren weit über 1000 (!!!) Luftangriffe auf syrisches Territorium zu fliegen und dort nach Belieben Ziele zu bombardieren?

    Mir ist kein einziger syrischer Luftangriff und auch sonst keine nennenswerten militärischen Aggressionen Syriens auf Israel bekannt.

    Würde Syrien und der mit ihm verbündete Iran genau so reagieren wie Israel nun auf EINE -offensichtlich auch unbewaffnete – iranische Drohne reagiert- nämlich mit Luftangriffen- würden wir im Nahen Osten schon längst einen weiteren infernalischen Krieg erleben müssen, von dessen Auswirkungen natürlich auch die europäischen Verbündeten Israels nicht verschont blieben.

    Und noch eine Frage-woher wollen Sie eigentlich wissen, ob tatsächlich eine iranische Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen ist?

    Weil es das israelische Militär , das nur darauf wartet, gegen den Iran mit Unterstützung der USA militärisch vorzugehen, behauptet?
    .

  • #7
    Burkhart Berthold

    Nussknacker hat natürlich recht. Angesichts des bedauerlichen Umstandes, dass die iranische Führung zu den Kräften der Region gehört, die erklärtermaßen die Absicht verfolgen, Israel zu zerstören – lieber Klaus W.: äußert sich darin nicht ein dem Völkerrecht widersprechender Gedanke? – muss Israel militärische Aktivitäten des Irans in Syrien und Libanon verhindern. Das geht, leider, nicht mit dem Werfen von Wattebäuschen oder mit besorgten Reden vor der UNO, jener heiligen Quelle des Völkerrechts. Dass Ihnen, lieber Klaus, keine militärische Aktivität Syriens gegen Israel bekannt ist, wundert wenig, liegt aber nicht am mangelnden "guten Willen" der syrischen Führung, sondern daran, dass sie gerade damit beschäftigt ist, andere Leute abzuschlachten. Wenn Sie im Geschichtsbuch ein wenig zurückblättern wollten, sagen wir, bis zum Oktober 1973, würden Sie sehen, wie es um die Einstellung Syriens gegenüber Israel bestellt ist. Da mittlerweile aber auch ziemlich viele Syrer in Deutschland herumlaufen, könnten Sie sich die Mühe machen, diese Leute mal nach ihrer Einstellung zu Israel zu fragen. Kleiner Tip: Seien Sie dabei vorsichtig. Viele Syrer sind ziemlich temperamentvoll.

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