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Die große Empörung rund um die geplante Super League im Fußball ist unehrlich

Im Stadion in Dortmund – Spielt hier auch bald die neue Super League?. Foto: Robin Patzwaldt

Die Diskussionen rund um die geplante Super League im Fußball bestimmen aktuell die Schlagzeilen im Bereich Sport. Das verwundert nicht, denn wenn sich drei Klubs aus Spanien, sechs aus England und drei aus Italien zusammenschließen wollen und damit ganz offen auf Konfrontationskurs zur Uefa und deren Champions League gehen, dann beschäftigt das naturgemäß viele Menschen.

In der neuen Liga sollen insgesamt 20 Mannschaften antreten. Für die Gründungsmitglieder sind 3,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das verdeutlich, dass die Konsequenzen groß sein werden, wenn dies Pläne tatsächlich Realität werden sollten.

Dass die Neugründung vielen Traditionalisten unter den Fußballfans nicht gefällt, ist logisch. Die aktuell riesige Aufregung hingegen nicht.

Viele Kritiker tun jetzt so, als seien sie hier ganz plötzlich quasi aus allen Wolken gefallen. Auch Vereine und Verbände geben sich erschrocken. Wer die Geschehnisse im Sport jedoch bereits eine gewisse Zeit lang beobachtet hat, für den sind die Pläne allerdings wohl nicht viel mehr als eine konsequente, wenn auch stark beschleunigte Fortsetzung der Entwicklungen der vergangenen Jahre. Die große Aufregung die aktuell herrscht, verwundert von daher bei etwas distanzierter Betrachtung dann doch etwas.

Spätestens seit der Jahrtausendwende ist der ‚moderne Fußball‘ mit dem, was man als Fan vielleicht noch in den 1980er- und 1990-er-Jahren beobachten durfte, nicht mehr zu vergleichen.

Der alte ‚Europapokal der Landesmeister‘ war zum Beispiel eine deutlich ehrlichere Veranstaltung, als es die spätere Champions League war und ist. Die Abschaffung der K.o.-Runden direkt in der ersten Runde und die Einführung der Gruppenphase war diesbezüglich der deutlich sichtbare Anfang allen ‚Übels‘.

Klar, dass die beteiligten Klubs einen Wettbewerb vorziehen, wo man nicht womöglich direkt zum Auftakt in einem direkten Duell mit einem Underdog ausscheiden kann. In einer Gruppenphase werden Überraschungen deutlich seltenen und sind erhoffte Einnahmen daher besser planbar und der sportliche Erfolg für die Favoriten wahrscheinlicher. Völlig nachvollziehbar, dass da viele ‚Große‘ ihren Spaß daran hatten und haben.

Wie sehr sich viele Vereine nach einiger Zeit dann jedoch auf die dabei zu generierenden Einnahmen verlassen haben, das hat zum Beispiel Borussia Dortmund vor einigen Jahren der gesamten Sportwelt gezeigt. Eine verpasste Champions League-Qualifikation kurz nach der Jahrausendwende hat den Verein einst bekanntlich beinahe in den Ruin getrieben. Und auch vor noch gar nicht allzu langer Zeit machte der BVB mit einer Versicherung Schlagzeilen, die das Risiko der Borussen bei einem Verpassen der Königsklasse abfedern sollte und es im konkreten Fall auch tat.

Dass nun einige besonders prominente Klubs auf die Idee kommen, diese Entwicklung noch ein entscheidendes Stück weiter zu treiben, sich eine Teilnahme an der neuen Super League quasi garantieren lassen, passt da nur ins Bild.

Als Fan mag man auf diese Dinge keine Lust haben, doch kommen sie weder überraschend noch wird sich die Entwicklung ab sofort aufhalten oder gar umkehren lassen. Zudem erscheint die riesige Aufregung bei DFB und UEFA in diesen Stunden ein Stück weit unehrlich, waren es doch auch Vertreter dieser Organisationen, die in den vergangen Jahren ein großes Stück dieses Weges mit beschritten und diesen teilweise sogar aktiv gefördert haben.

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5 Kommentare zu “Die große Empörung rund um die geplante Super League im Fußball ist unehrlich

  • #1
    Herr Kai

    Danke für den Artikel !
    Als Herr Ceferin sich gestern im TV dazu äußerte, konnte ich es gar nicht glauben.
    So.So…Die UEFA und der DFB haben dem Fußball also nicht geschadet und wenn jetzt jemand so
    etwas ähnliches machen will, dann ist das der Untergang des Fußballs.
    Was ist eigentlich mit Katar, Spitzengehältern, Teure Fernsehrechte ( auch ohne Publikum ),
    Bestechung, Änderung der Spieltage und den einen oder anderen Skandal bei der UEFA und dem DFB ? Das war dann alles zum Wohle der Fans ?

  • #2
  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Das wird die Entwicklung zu mehr Kommerz, mehr Spaltung in den Ligen und zu mehr Entfremdung vieler Fans von ihren Klubs in den kommenden Jahren auf Dauer aber auch nicht aufhalten. Dafür läuft das Ganze schon zu lange. Und auch die Reformpläne der UEFA für die Champions League gehen ja in eine ähnliche Richtung. Gefreut haben die Nachrichten vom Abend mich aber trotzdem.

  • #4
    thomas weigle

    @ Robin Das ist sicherlich richtig-leider. Dennoch ist es schön, dass die Bäume dieser Totengräber des Fußballs z.Zt noch nicht in den Himmel wachsen.

  • #5
    sneaking_beauty

    Die größten Gewinner der Super League wären Clubs wie Everton, Leicester City, Sevilla, Valencia und auch Dortmund oder Leverkusen. Ohne die Spitzenklubs würden diese dann regelmäßig um die Meisterschaften spielen.

    Eine solche Super League würde am Ende aber ohnehin wegen Langeweile und schlechten Einschaltquoten scheitern. Klar, es gibt Leute, die am liebsten jede Saison zweimal Bayern gg. Barcelona sehen würden, aber auch für die wäre spätestens nach zwei Jahren Ernüchterung da. Erinnert sich noch jemand, als Dortmund und Bayern in zwei Jahren sechsmal aufeinander trafen? War irgendwann auch nichts Besonders mehr.

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