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Die irren Forderungen der CSU

Immer wieder für einen Überraschung gut: die CSU-Programmkommission (Symbolbild) (Foto: Anna / CC-BY-SA)

Immer wieder für einen Überraschung gut: die CSU-Programmkommission (Symbolbild) (Foto: Anna / CC-BY-SA)

München – Die ehemalige bayrische Staats- und nun Regierungspartei (CSU) erregt mit einem Leak aus ihrem Leitantrag die Gemüter.

Zur Frage, wie sich Migranten in Deutschland zu verhalten haben, heisst es dort:

Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen.

Dadurch sollen auch Menschen wie ich (in Recklinghausen geboren) und meine Mutter (in Polen geboren) dazu gebracht werden zuhause nicht mehr polnisch zu sprechen. Wieso auch immer. Schließlich ist meine Mutter seit Ende der 70er Jahre hier, erfolgreiche Unternehmerin und ich deutscher Muttersprachler.
Aber um Sinnhaftigkeit geht es nicht, wenn man auf Forderungen der CSU schaut.

Und jetzt ist Mitraten angesagt: welche der unten stehenden Punkte wurde wirklich von der CSU gefodert – welcher ist frei erfunden?

Erst raten, dann auf die Links klicken!
(Und gerne in den Kommentaren die Trefferquote mitteilen.)

I. Die Grenzkontrollen nach Österreich sollten wieder aufgenommen werden.

II. Langzeitarbeitslose sollten an einem verpflichtenden „Gemeinschaftsdienst“ teilnehmen müssen.

III. Ein christliches Kreuz soll in jedem Klassenzimmer hängen.

IV. Homosexuelle sollten von der Laufbahn als Beamte (aber nicht als Staatsangestellte) ausgeschlossen werden.

V. Mallorca soll 17. Bundesland werden.

VI. Jugendkriminalität sollte man per Handyverbot bekämpfen.

VII. Abtreibung sollte nur bei Gefahr fürs Leben der werdenden Mutter erlaubt sein.

VIII. In deutschen Klassenzimmern sollte regelmäßig die deutschen Nationalhymne gesungen werden.

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49 Kommentare zu “Die irren Forderungen der CSU

  • #1
    Ko

    Diese Spaßpartei. Da kann sich die Partei Die PARTEI aber noch ein gewaltiges Stück abschneiden.

  • #2
    keineEigenverantwortung

    Da waren aber schon ein paar Hinterbänkler dabei, die mal das Sommerloch füllen wollten.

    Ein absurdes Thema, das die kränkelnde CSU wieder in Schlagzeilen bringt. Ob dies das richtige Thema ist, ist zweifelhaft und zeigt die Schwäche der CSU:
    – Kein gutes Personal
    – In der Koalition kuscheln CDU und SPD mit einem leicht linken Kurs.
    – Die PKW-Maut wird nicht eingestampft und frisst weiter Ressourcen und Energie, die sinnvoll verwendet werden kann. Es sei denn man will unbedingt ein weiteres Bürokratiemonster inkl. Bürgerüberwachung.
    – Eine AfD, die alte Themen der CxU-Parteien besetzt.

    Wenn ich in vielen Supermärkten/Discounter im Ruhrgebiet einkaufe, ist es schon auffällig, dass in einigen Bezirken fast keine Gespräche der Kunden in der offiziellen Landessprache stattfinden.

    In vielen Regionen, in die vor Jahrzehnten Deutsche auswanderten, wird aber auch noch in den deutschen Vereinen/Gruppen/Kolonien etc. Deutsch gesprochen und das Kind studiert in Deutschland.

    Wenn ich mich entscheiden würde, in einem anderen Land zu leben, würde ich vermutlich auch direkt die Landessprache nutzen.

    Dass der Vorschlag aus Bayern kommt, ist schon interessant. Ich muss jetzt an Ski-Interviews mit bayerischen Athleten denken, die Untertitel hatten, damit auch der Ruhrpottler wusste, was da gesagt wurde. 🙂

  • #3
    keineEigenverantwortung

    @1: Die Ampelfrau aus Dortmund war aber auch nicht schlecht 🙂

    Wenn man keine Probleme hat….

  • #4
    Erdgeruch

    Bayern ist nicht Deutschland und sollte sich wieder mit Österreich vereinigen.

    Ich kann die Spinner ja nicht mal abwählen, für mich hat diese Partei null demokratische Legitamitation mir auf die Nüsse zu gehen

  • #5
    Martin Kaysh

    Das ist ein widerlich einseitiger Bericht. Er unterschlägt, dass die richtig irren Forderungen noch immer erfolgreich umgesetzt wurden oder werden.
    1. Herdprämie
    2. Autobahnmaut.
    Also, nicht lachen. Die machen.

  • #6
    NRW_Kritiker

    @Erdgeruch

    Ja sie haben Recht! Es gibt ja schon die Vision der Großschweiz oder einem Zusammenschluss der Alpenländer Österreich, Norditalien, Baden-Württemberg und Bayern.

    Was an dem Antrag „Irre“ ist weiss man wohl nur in NRW Sozialisten Häusern. Die Personen sollen angehalten werden deutsch zu sprechen. Auf einer gemeinsamen Basis muss man sich ja irgendwie unterhalten.

    Die große Frage ist was wäre Nord-Deutschland ohne den Süden (Baden-Württemberger sind den Bayern in gewissen Ansichten nicht Fremd).

    Wo soll Frau Kraft den ohne diese Bundesländer das nächste mal mit dem Klingelbeutel auftauchen? In Schleswig-Holstein? Ach da regiert ja auch die SPD! Meck-Pom? Schon wieder SPD! Thüringen? Ach da ist die SPD Steigbügelhalter.

    Man fragt sich doch bei vielen Debatten wer wirklich arroganter ist! Der Norden und Westen der teilweise nichts auf die Reihe mehr bekommt, oder der ganze böse Süden.

  • #7
  • #8
    Rainer Möller

    Sebastian Bartoschek und seine Mutter haben ja instinktiv alle richtig gemacht, indem sie zu Hause Deutsch gesprochen haben; deshalb ist er heute deutscher Muttersprachler.
    Und warum gönnt er den Immigranten, die nach ihm gekommenen sind, nun nicht den gleichen Erfolg????

  • #9
    Rainer Möller

    Und wäre er als Psychologe nicht verpflichtet, mit dem Wort „irre“ etwas sorgfältiger umzugehen? Gibt es da nicht berufsethische Grenzen?

  • #10
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    @Rainer Möller: ich empfehle meinen Artikel zu lesen bevor man kommentiert.

    Und zum Begriff „irre“ verweise ich als Journalist auf folgenden Eintrag aus dem Duden: http://www.duden.de/rechtschreibung/irre

  • #11
    Klaus Lohmann

    @NRW_Kritiker: Oh, werden die Islamkritiker hier auch langsam irre? Was ist denn die sprachliche „gemeinsame Basis“ z.B. einer syrischen Familie, wenn sie sich intern, also *in der Familie* unterhält? Oder wollten Sie nur irgendeinen geistigen Sondermüll hier abladen, um ihre Bazifreundschaften zu grüßen?

  • #12
    WALTER Stach

    NRW-Kritiker -6-

    Ja, Sie dürften tendenziell richtig liegen, wenn sie davon ausgehen, was ich aus Ihrem Beitrag entnehmen muß,

    daß

    a.)
    außerhalb Bayerns keine Partei darauf kommen dürfte, einen solchen Irrsinn in einem Leitantrag für einen Parteitag zu formulieren, da hat die CSU -wieder einmal- ihre (Be-)Sonderheit nachgewiesen, und

    daß
    b.)
    vermutlich innerhalb Bayerns dieser Irrsin sehr wohl viel Beifall finden dürfte.

    PS
    Was ist, wenn in einigen Familien in Bayern, aber z.T. auch im öffentlichen Raum in Bayern überwiegend „ur-bayrisch“ gesprochen wird, wo durch die Kommunikation mit allen Nichttbayern, die weder „ur-bayrisch“ sprechen noch diese Sprache verstehen,regelmäßig unmöglich, zumindest nur eingeschkränkt möglich ist?

  • #13
    NRW_Kritiker

    @Klaus Lohmann und WALTER Stach

    „Mia san Mia“ was übersetzt bedeutet „wir wissen wer wir sind“ das mögen in Bayern auch viele Zugewanderte. Man ist stolz auf Trachten, Bräuche und Gerichte und man passt sich zum Teil an. Toleranz ist eben keine Einbahnstraße und vor allem Personen aus dem nahen und mittleren Osten brauchen auch ein Gegengewicht sonst erschlagen diese einen ja mit Forderungen.

    Die schlimmsten Bayern kommen aus NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein (Haberthauser) und Berlin. Wird ja gerne vergessen das ein Großteil „Flüchtlinge“ in Bayern Deutsche aus Nord- und Westdeutschland sind, vertrieben unter anderen wegen schlechten Entscheidungen ihrer Landesregierungen. Darunter finden sie auch am meisten CSU Wähler, das sind Personen die über Wahlergebnisse wie in NRW nur noch mit den Kopf schütteln können.

    Ja die CSU ist teilweise ein Amigo Haufen (sieht es in NRW bei der SPD anders aus?) mit dem Unterschied die schaffen was fürs Bundesland bauen Straßen, halten Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit des Bundeslandes hoch.

    So richtig scheint es als haben viele an Rhein und Ruhr nicht verstanden was so alles schlief läuft, deswegen wählt man hier vor allem SPD. Hier müsste doch alles glänzen und die Bewohner im Kreis Freudentänze aufführen, den es regiert doch Hannelore Kraft.

    In Bayern ist die Bildung der parallel Gesellschaften zwar auch da, wird aber durch Teil Assimilation (auch Türken in Lederhosen und Dirndl) aufgeweicht.

    Zum Betreuungsgeld vulgär Herdprämie ist die Sicht vieler Gegner das Eltern unfähig sind ihre Kinder von 1-3 zu erziehen, alle wohnen in der dicht besiedelten Stadt und die gute alte DDR Versorgung mit Erziehern, die es damals schon mehr als Schein gab, kann man erhalten. Das sehen ja nicht nur ländliche Bewohner Bayerns anders.

    NRW ist in vielen Vergleichen schon hinter Sachsen zurückgefallen, irgendwo tut das als Bewohner dieses Bundeslandes schon weh. In Gegensatz zur SPD/Grünen/Die Linke kommt die CSU eben rüber wie eine moderne Volkspartei die den Bewohnern auch mal „aufs Maul“ schaut.

  • #14
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    @#13

    Ich habe deinen Kommentar frei geschaltet, weil er ein tolles Beispiel für einen beliebten rhetorischen Ausbruchsversuch ist: http://de.m.wikipedia.org/wiki/Tu_quoque

  • #15
    Frank

    Wenn männliche Mitglieder der 3. Generation immer noch kein Deutsch sprechen, keinen Job finden und die Gesellschaft der Ausgrenzung bezichtigen. Wo fängt die Problemkette an?

  • #16
    Klaus Lohmann

    @NRW_Kritiker: Vielleicht probieren Sie es auch mal mit einem Deutschkurs, bevor Sie meine Muttersprache weiter derart vergewaltigen.

  • #17
    NRW_Kritiker

    @Sebastian Bartoschek

    was leider so nicht stimmt. Schmerzhafte Analysen wieso man in vielen Bereichen anderen Bundesländern hinterherläuft kann man so ja gerne aus den Weg gehen.

    Ihre Bildauswahl spricht ja auch Bände! Bayern in Lederhosen mit gut geputzten Trompeten / Posaunen vor einem gemütlichen sonnigen See! Ja daran denken viele zuerst wenn es um Oberbayern, Schwaben und Franken geht, genau das Gegenteil eben wenn man an unser Bundesland, den Pott und an Problemviertel in Köln denkt.

    Gutes Beispiel für „Tu quoque“ war die letzte Sendung Jauch mit Frau Landesfürstin.

    Wünsche schon mal ein fröhliches weiter so! Hoffentlich geht das irgendwann gut bzw. besser.

  • #18
    Klaus Lohmann

    @Frank: Sie meinen unsere deutschen HartzIVer, die zu dieser Zeit schon mit 2 Promille an der Bude stehen und demzufolge keinen fehlerfreien Satz mehr in Blogs und Foren hinbekommen?

    Solange die eigene Bildung derart versagt, wie ich es immer häufiger bei meinen deutschen „Mitbürgern“ erleben muss, solange verbietet sich irgendeine Kritik an den Kulturfähigkeiten von Zuwanderern ganz automatisch.

  • #19
    Arnold Voss

    In einem bewusst multikulturellen Land mit entsprechendem Bildungswillen und genügenden Bildungseinrichtungen spricht der Zugewanderte über kurz oder lang fließend 2 Sprachen. Die des Landes in dem er lebt und natürlich seine Muttersprache. Diese Zweisprachigkeit ist sowohl für das Einwanderungsland als auch für den Zuwanderer von Vorteil. Für die weiteren Generation ergibt sich daraus kein Problem, denn Kinder lernen schnell und problemlos zwei Sprachen gleichzeitig. Zweisprachigkeit muss dazu aber auch gepflegt werden. Die Forderung, nur die Sprache des Einwanderungslandes zu sprechen, ist in diesem Zusammenhang nicht nur kontraproduktiv sondern in jeder Weise zuwandererfeindlich.

  • #20
    WALTER Stach

    -19-Arnold
    so ist es!

    Deshalb frage ich mich auch, ob die CSU-Absichten, die hier diskutiert werden, möglicherweise wider die eigene Vernunft -die der CSU-, in erster Linie emotionale Vorurteile einiger Bürger befriedigen sollen.

    Im übrigen frage ich mich, unabhängig vom Inhaltlichen, auf das Du eingehst, wie denn die CSU-Absichten in der Praaxis umgesetzt werden könnten.

    „Beschwert“ sich demnächst der Alteingessene in München beim Ordnungsamt, bei der Polizei darüber, daß die Familie in der benachbarten Mietwohnung meistens englich, französich, spanisch, türkisch spricht; und dann wird diese Familie „angehalten“……….???

    Greifen Polizeibeamten, Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein, wenn ich in München mit Freunden unterwegs bin und wir uns ausschließlich englisch oder……..unterhalten und dann werden die Engländer, die Franzosen,die Türken „angehalten“………..???
    Dieses „Anhalten“ bedarf polizeistaatlicher Methoden!!

    Insofern bleibe ich bei meiner Bewertung mit : „Irrsinn“.

  • #21
    Ulrike Maerkel

    @NRW-Kritiker: Hintam Berg san aa no Leit! Der Vorschlag der CSU widerspricht nicht nur der Vernunft, sondern auch der Tatsache, die von der Schwesterpartei CDU, wie von allen anderen ernstzunehmenden Bildungspolitiker längst festgestellt wurde. Wer zweisprachig ist, hat einen klaren Vorteil: Das Sprachzentrum im Gehirn wird stärker ausgebildet. Der Vorschlag ist also nicht nur irre, sondern vor allem auch dämlich. Davon abgesehen, dass das Durchsetzen dieses Eingriffs in die Privat(sprech)sphäre nur durch intensives „Wohnzimmer-Watch“ möglich wäre.

    In meiner Schulzeit in Bayern in den 70er wurden die Kinder angehalten, im Klassenzimmer nicht bayrisch zu sprechen. Das war nicht unbedingt diskriminierend gemeint, sondern lag auch daran, dass die Kinder erhebliche Schwierigkeiten mit der hochdeutschen Rechtschreibung hatten. Aber selbst das Sprechen eines Dialektes sehen einige Sprachforscher als förderlich analog zur Zweisprachigkeit an. Bei einigen (wenigen) Bayern scheint das leider nicht zur Förderung des allgemeinen Denkvermögens geführt zu haben.

  • #22
    leoluca

    Frank (#15) schreibt:
    „Wenn männliche Mitglieder der 3. Generation immer noch kein Deutsch sprechen, keinen Job finden und die Gesellschaft der Ausgrenzung bezichtigen. Wo fängt die Problemkette an?“

    Jedenfalls nicht bei der Einwanderung, denn hier handelt es sich um in Deutschland geborene und aufgewachsene junge Männer, die sich von der Wohlstands- und Aufstiegshoffnung ihrer Großeltern und Eltern verabschiedet haben und die sich schon während ihrer Schulzeit bewusst von der Mehrheitsgesellschaft mit fundamentalistischen Ressentiments abgrenzen.

    Das ist ein Problem der deutschen Politik, die das Entstehen einer sozial und kulturell abgehängten Unterschicht zulässt. Mir ist nicht bekannt, dass CDU/CSU darauf eine andere Antwort hätten als die Pflege der deutschnationalen Folklore.

  • #23
    Gastarbeiterkind

    Mein Vater, Gastarbeiter der ersten Generation, konnte auch nach vierzig Jahren kein richtiges Deutsch sprechen bzw schreiben. Meine Integration in diese Gesellschaft verdanke ich jedoch ihm und meiner Mutter, die genauso schlecht Deutsch spricht!

    Von der Politik wurde ich ausgegrenzt.

    Am Glück meines Vaters lag nicht die deutsche Sprache.

    Mir redet kein Politiker so ein Quatsch rein…

  • #24
    Arnold Voss

    Es geht bei der Sprache nicht um Glück, sondern um Verständigung, Gastarbeiterkind. Ihrem Vater und ihre Mutter hat deren Deutsch anscheinend dazu ausgereicht. Ihnen offensichtlich und glücklicherweise nicht. Sonst könnten ich hier nicht immer wieder ihre interessanten Beiträge lesen.

  • #25
    keineEigenverantwortung

    @22:
    Es ist richtig, dass es hier auch um ein Problem der Deutschen geht. Wie man dies auch immer definiert. Wenn vor einem Kindergarten Kinder mit Sätzen wie „Tim Auto“ beglückt werden, wenn sie mit dem Auto abgeholt werden, wird es zwangsläufig Sprachprobleme geben. Egal, ob es sich um Neubürger oder Deutsche der 10. Generation handelt.

    Der soziale Aufstieg ist für viele Motivation und ein Traum. Blöd ist nur, dass man Voraussetzungen benötigt, und die Luft je nach Aufstiegshöhe dünner wird. Wie viele möchten Berufs-Kicker werden und wie viele schaffen es, obwohl es sich hier wohl immer noch um den Sport handelt, wo nicht unbedingt Einzelweltmeister sein muss, um Geld zu verdienen.

    Die Politik und Gesellschaft kann Rahmenbedingungen schaffen. Wie diese angenommen werden, muss jeder selber entscheiden. „Abhängen“ ist für viele attraktiver als „Buch lesen“‚. Da kann die Politik nur wenig helfen. Bevor man immer alles auf die Politik und Gesellschaft schiebt, sollte man auch überlegen, wie viele Möglichkeiten nicht genutzt werden. Kommunikation ist Grundvoraussetzung für beruflichen Erfolg.

  • #26
    Andreas Lichte

    @ Ulrike Maerkel #21

    “Wohnzimmer-Watch”

    kommt das dabei raus, wenn man „NSA“ mit „CSU“ kreuzt ?

  • #27
    WALTER Stach

    -23- Gastarbeiterkind-
    Ich weiß nicht, wie vielen Gastarbeiterkinder es ähnlich ergangen ist wie Ihnen und die ähnlich empfinden und urteilen -sh. Ausgrenzung d.d.Poltik. Ich denke, es werden -leider- viele sein.

    Neu ist es nicht, daß Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind, ihr Leben und das ihrer Familie in eigener Verantwortung gestaltet haben, wie sie es andeuten -mit nur sehr begrenzten Möglichkeiten, in deutscher Sprache zu kommunizieren und oftmals ohne jegliche staatliche Hilfe! Neu ist das nicht,wenn ich mich z.B. daran erinnern, viele Menschen gekannt zu haben, die Ende des 19.Jahrhunderts aus Polen ins Ruhrgebiet gezogen sind und die bis an ihr Lebensende nur sehr eingeschränkt mittels der deutschen Sprache kommunizieren konnten. Das hat zwar ihre Entfaltungsmöglichkeiten über ihr unmittelbares Umfeld hinaus eingeschränkt, aber sie nicht davon abgehalten, ihr Leben im Rahmen des Möglichen eigenständig und eigenverantwortlich „in ihrer Hände zu nehmen“. Der deutschen Gesellschaft -ihrer Wirtschaft, ihrer Kultur-haben diese Menschen trotz mangelnder Kenntnisse der deutschen Sprache nicht geschadet. Im Gegenteil.Sie waren für die deutsche Gesellschaft von großem Vorteil.
    Und die Mitglieder nachfolgender Generationen haben es oftmals geschafft, sich in eigener Verantwortung, aus eigener Kraft einen „besseren“ sozialen Status zu erarbeiten als den ihrer Eltern; regelmäßig ausgestattet mit besten Kenntnissen der deutschen Sprache, die ihnen eine problemlose Kommunikation in Deutschland ermöglichten.

    Dass die USA von diesen, von solchen Einwanderern geprägt wurden und weiterhin geprägt werden, daß viele Einwanderer in vielen Großstadtquartieren in den USA bis heute ausschließlich in der Sprache ihres Herkunftlandes kommunizieren, hat letztendlch weder ein menschenwürdiges Leben dieser Einwanderern in den USA verhindert noch hat sich das negaitv auf die US-Gesellschaft ausgewirkt; im Gegenteil.

    Unbestritten ist es für die Einwanderer, für die eigenständige, eigenverantwortliche Gestaltung ihres Lebens förderlich, wenn sie in der Sprache ihrer „neuen Heimat“ kommunizieren können. Das zu fördern, ihnen dabei zu helfen, sollte eine Aufgabe des Staates, seiner Kommunen sein, und zwar primär dieser Menschen und nur sekundär “ der Wirtschaft“ wegen. Anzuordnen ist allerdings insofern nichts und dazu „anzuhalten“ -dh.die CSU-Idee- hat der Staat niemanden.
    Derzeit macht das die Bundesrepublik gegenüber Migranten,Migranten-Kindern dann -nur dann-, wenn diese die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben wollen. Dann verlangt der Staat den Nachweis von „Kenntnissen der deutsche Sprache“ mittels eines -im Detail sehr umstrittenen-Testes.

    Aus eigener Erfahrung als sog.Lesepate an einer Grundschule weiß ich, daß „man“ und wie „man“ ohne staatliche Anordnung tagtäglich helfen kann, es gezielt Kindern aus Migranten-Familien -und aus sozial schwachen, bildungsfernen Schichten der deutschstämmigen Bevölkerung- zu ermöglichen, die deutsche Sprache so gründlich zu erlernen, daß sie mit ihr mündlich,schriftlich gut kommuniziern können ( und dabei sogar erreichen kann, auch diese Kinder heranzuführen an die Schönheit der deutschen Sprache, z.B.indem man deutsche Märchen liest oder den Kindern hilft, diese eigenständig zu lesen.) Da ließe sich ganz konkret an alen Grundschulen im Lande viel,viel mehr tun, und zwar mit durchweg interessierten und engagierten Kindern, u.a. durch ein ehrenamtliches Engagement.

    Wenn es heute für die Eiwanderer, aber auch für ihre Kinder,Kindeskinder im algemeinen wesentlich schwieriger zu sein scheint als früher, eigenständig, eigenverantwortlich „ihr Leben in die Hand zu nehmen“, dann gibt es dafür vor allem einnen Grund, nämlich den, daß Staat und Gesellschaft diesen Menschen dazu nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten lasssen.

    „Aufstiegschancen“ für Kinder aus Migratenfamilien?

    leoluca-22
    -erinnert daran, daß in den Prozess bzw. in den Zustand des Verdrängen vieler Migranten, vieler Migranten-Kinder durch Staat und Gesellschaft in eine sozial, kulturell abgehängte „Unterschicht“ , einhergehend mit dem gesellschaftlichen Verdikt, dort bleiben zu müssen, zunehmend viele deutschstämmige Menschen einbezogen sind, dh. daß sie sich mit Migranten, mit Migranten-Kindern in eine sozial-kulturelle „Unterschicht“, ohne Chancen, da heraus zu kommen, wieder finden.

    Welchen Nutzen kann aus der Perspektive,besser wohl aus der Perspektivlosigkeit all dieser Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft/Abstammung, „die Beherrschung der deutschen Sprache haben“, wenn man unter sich bleibt, bleiben muß?
    Liegt es dann nicht als Perspektive vor allem der Jüngeren aus dieser Bevölkerrungschicht nahe, sich in eine Gemeinschaft z.B. mit radikalen Islamisten zu begeben, sich dort „integriert“fühlen zu können, ohne deren Sprache zu sprechen und ohne daß dort die Herkunft aus einer „sozial-kulturell“ schwachen, abgehängten Schicht der Gesellschaft zählt? Einigen scheint aus ähnlichen Gründen die Integration in die Gemeinschaft hiesiger Salafisten oder hiesiger Neo-Nazis zu genügen.

    Die Fähigkeit, eine m.E. unbedingt jedermann zu wünschende, nämlich in Deutschland mittels der deutschen Sprache kommunizieren zu können, hat solange für Migranten, für Migranten-Kinder bestenfalls sekundäre Bedeutung, solange sie tagtäglich erfahren, daß diese Fähigkeit häufig nicht einmal reicht, um eine Ausbildungsstelle zu erhalten oder einen Job, der mehr verspricht als den gesetzlichen Mindestlohn oder erfahren müssen, daß sie wegen ihrer guten deutschen Sprachkenntnisse keineswegs weniger ausländerfeindlichen Angriffen/Diskriminierungen ausgesetzt sind.

    Wenn die Bildungsminister in den Ländern sich noch mehr als bisher der Aufgabe annehmen, das Erlernen der deutsche Sprache durch Migranten, Migranten-Kinder zu fördern, ihnen dabei zu helfen, die Kinder aus sozial- und bildungschwachen Schichten deutschtämmiger Menschen eingeschlossen, dann ist das das Eine.
    Wenn die Wirtschaftsminister, die Sozialminister, die Städtebauminister nach wie vor eine ihrer wichtigsten Aufgaben nicht darin sehen, der Segregation eines Teiles unserer Gesellschaft endlich ein Ende zu setzen, dann scheitern die Bemühungen der Kultus-, der Bildugsminister, die Menschen aus diesem Teil unserer Gesellschaft vom „Wert der deutschen Sprache“ für sich -und die Gesellschaft- zu überzeugen.

  • #28
    TuxDerPinguin

    ich wäre eher dafür, Englisch zur Amtssprache zu erheben. Das öffnet den Weltmarkt an gut ausgebildeten Arbeitern, die sonst in die klassisch englischsprachigen Länder migrieren.. und Deutschland könnte mehr Einwanderung auch gut gebrauchen, schon allein aus Gründen der Demografie.

    ich fand diesen Stolz auf eine Sprache schon immer suspekt. Sprache dient dem Austausch von Information und ist beliebig austauschbar. Beide Seiten müssen sich nur drauf einigen… daher auch merkwürdig, dass die EU xx Sprachen braucht, in die alles übersetzt wird, statt (pidgin) Englisch zu wählen.

  • #29
    Klaus Lohmann

    Richtig peinlich wird es ja jetzt, da CSU-Obergeneral versucht, zu relativieren (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-generalsekretaer-scheuer-zur-deutschpflicht-fuer-migranten-a-1007094.html): „Jemanden anzuhalten – das sei Scheuer gemäß nun aber nicht als Pflicht oder staatlicher Eingriff misszuverstehen, sondern eher als Ansporn zu betrachten.“

    Der Duden zählt die Bedeutung von „anleiten“ mit „zu etwas anhalten“ und die Synonyme mit „an die Hand nehmen, anweisen, führen, instruieren, leiten, lenken, unterrichten; (gehoben) unterweisen, anhalten, anweisen, bringen, erziehen, lehren; (gehoben) auf den rechten/richtigen Weg bringen“ auf.

    Soviel also zu Scheuers anschließendem Spruch „“Die deutsche Sprache ist der Hauptschlüssel zur Integration. Da kann doch keiner was dagegen haben“ – Nein, haben wir doch nicht, solange die CSU die Migranten „nur“ auf den rechten Weg bringen will und das auch noch als „Motivation“ verkauft.

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  • #31
    Hermes Conrad

    Aus „soll dazu angehalten werden, […] in der Familie Deutsch zu sprechen“ ein Verbot der Muttersprache zu machen, lässt aber auch auf defizitäre Deutschkenntnisse schließen. Ich weiß nicht, wie die CSU ihre – zugegebenerweise populistische und auch sonst unsinnige – Äußerung gemeint hat; gesagt hat sie jedenfalls nicht, dass sie Zuwanderern den Gebrauch der Muttersprache verbieten will.

    Fakt ist aber, dass viele Zuwanderer oder auch Menschen aus Familien, die seit Generationen hier wohnen, wegen mangelnder Sprachkenntnisse schlechte Aufstiegschancen haben und dass sich das ändern muss. Wer als Zuwanderer den sozialen Aufstieg schafft, braucht zuallererst Sprachkenntnisse, und diejenigen, die den Aufstieg geschafft haben, haben sich diese meistens aus eigener Motivation angeeignet. Oft genug gerade dadurch, dass sie zu Hause auch Deutsch gesprochen haben – Geschichten von Gastarbeitereltern, die ihre Kinder dazu angehalten haben, Deutsch zu sprechen und sich in der Schule anzustrengen, und deren Kinder es dann geschafft haben, gibt es zuhauf. In letzter Zeit gibt es aber stattdessen immer häufiger Fälle, in denen die Kinder schlechter Deutsch sprechen als die Eltern. Und da gilt es, die Ursachen herauszufinden und konstruktive Vorschläge umzusetzen und nicht, wie die Populisten von der CSU, das Problem als ein Problem „mit den Ausländern“ darzustellen, oder wie die Populisten von SPD und Grünen, die Existenz des Problems vollkommen zu leugnen.

  • #32
    Klaus Lohmann

    @Hermes Conrad: Wg. Ihrer „defizitären Deutschkenntnisse“ hatte ich extra unter #29 aus dem Duden zitiert, Sie sollten die möglichen Synonyme nicht nur auf das Ihnen oder der CSU genehme reduzieren.

    Und allgemein sind mangelnde *Deutsch*kenntnisse ja wohl kein exklusives ZUwanderer-Problem, oder haben Sie den Eindruck, Durchschnitts-Biodeutschland präsentiere sich im Netz/Foren/Blogs mit astreinen Rechtschreib- und damit Muttersprachkenntnissen? Wenn es um berufliche Qualifikation geht, sollten Politiker grundsätzlich zunächst vor der eigenen Fachkräftemisere-Tür fegen, bevor sie mit dem Zeigefinger auf Nicht-Muttersprachler zeigen.

  • #33
    Hermes Conrad

    @Klaus Lohmann:
    Völlige Zustimmung – auch die Deutschkenntnisse vieler „Biodeutscher“ sind defizitär. Im Schnitt dürften aber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte schlechter abschneiden. Was auch nicht unerwartet wäre. Und bei vielen von denen dürfte es – im Gegensatz zu den „Biodeutschen“ – nicht daran liegen, dass sie nicht besser könnten, sondern, dass von mancherlei Seite gar kein Interesse daran besteht, dass Zuwanderer in Deutschland einen sozialen Aufstieg schaffen. Am Ende wählen die noch die FDP – Igitt!

    Die sprachlichen Probleme sah ich übrigens nicht im Wörtchen „anhalten“, sondern in dem „ausschließlich“, das alle in dem Satz der CSU lesen, das ich darin aber nicht finde. Offensichtlich soll niemandem die Muttersprache verboten werden.

    Der Ratschlag „Sprechen Sie doch zu Hause Deutsch – dann lernen Sie’s auch richtig“ ist allerdings wenig hilfreich, wenn dort auch niemand diese Sprache beherrscht. Wir sind derzeit dabei, ganze Stadtviertel von der gesellschaftlichen Teilhabe abzukoppeln, wenn es dort bald kaum noch Menschen gibt, die mehr als rudimentäres Deutsch sprechen. Ob die nun einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Und dagegen muss etwas unternommen werden. Sicher nicht mit den Mitteln der CSU, die sich wohl eher an die „biodeutsche“ blauweiße Wählerschaft richtet, aber auch Rot-Grün und die CDU ignorieren hier ein Problem, weil nur die Sichtweise der privilegierten Zweisprachler eingenommen wird, nicht die der prekär lebenden Zuwanderer, die den Weg zum sozialen Aufstieg suchen, der sie auch aus der Umklammerung des Nanny-Staates befreien würde, in dem sie sich als Almosenempfänger und Objekte parteipolitischer Grabenkämpfe fühlen müssen. Viele finden diesen Weg schließlich auch – was sie allerdings nicht den „Kümmerern“, sondern ihrem eigenen Engagement verdanken. Die „Kümmerer“ hingegen mögen unselbständige Zuwanderer ohne jegliches Engagement am liebsten, weil sie an ihnen vorexerzieren können, welche Fehler „die Gesellschaft“ bei der Integration macht und behaupten können, sie würden das alles viel besser hinkriegen. Der Beweis, dass die Integration in den anderen Bundesländern besser klappt als in Bayern steht allerdings noch aus.

  • #34
    WALTER Stach

    Vorschlag:
    Hermann Conrad, Klaus Lohmann:
    Laßt uns nicht über mangelnde Deutschkenntnisse diskutieren, sondern darüber, ob und inwieweit die Fähigkeit zur Kommunikation in Deuschland mittels der deutschen Sprache -mündlich,schriftlich-, u.a. für Migranten, für Kinder von Migranten verbesserungsbedürftig sein könnte und ob und ggfls. wie Staat und Gesellschaft hier helfend/unterstützend -mehr als bisher?-tätig werden könnten bzw. tätig werden sollten.

    „Mangelde Deutschkenntnisse“?

    Ich habe mich schon vor ca. 3o Jahren über gravierende Rechtschreiblmängel, gravierende Mängel in der Zeichensetzung und in der Grammatiik gewundert, wenn ich Aufsätze von Abiturienten lesen mußte, die diese anläßlich von Einstellungsprüfungen für den gehobenen Dienst in den Kommunalverwaltungen verfaßt hatten. Und fragen Sie heute ‚mal die Uni-Professoren nach ihren „Erlebnissen“, wenn sie von ihren Studenten verfaßte Abhandlungen zu lesen haben.

    Sh.dazu auch Klaus Lohmann unter -32-.
    Klaus, ich habe Deinen Beitrag erst verspätet gelesen, deshalb meine ansonsten überflüssigen Bemerkungen in Sachen „mangelnde Deutschkenntnisse“.

  • #35
    Klaus Lohmann

    @
    „Im Schnitt dürften aber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte schlechter abschneiden“ – Nein, denn wie Sprachwissenschaftler schon seit Längerem wissen, werden echte Zweisprachler den biodeutschen Monolinguisten mittel- und langfristig die qualifizierten Jobs wegnehmen. Dass die meisten Deutschen trotz jahrzehntelanger Mahnung aus Wissenschaft und Industrie immer noch kein vernünftiges Englisch als unbedingt notwendige Zweitsprache beherrschen, zeigen ja dann auch die Arbeitslosenstatistiken.

    Aber dem Xenophoben ist es weiterhin zuwider, über die eigenen Riesendefizite zu diskutieren, er bescheinigt den Ausländern unter uns dann halt einfach Faulheit und Geldgier – quasi spiegelbildtechnisch.

  • #36
    WALTER Stach

    Klaus Lohmann,
    -aus der Praxis-

    Wenn ich als Vorlese-Pate auch mit türkisch-stämmigen Kindern zu tun habe, die mittlerweile überwiegend -Anfang 2.Klasse- „das Deutsche“ gut lesen können und höre, daß die auch gut türkisch sprechen, weil sie das mit ihren Eltern zu Hause so machen, dann zeige ich denen ganz bewußt und ganz gezielt meine Bewunderung für ihre Zweisprachigkeit und ermuntere sie, stolz darauf zu sein; auch mit Beispielen: „Wenn ihr ‚mal groß seit, und türksich und deutsch sprecht, dann……………..“!!

    In der CSU überwiegt, wie ich den Medien entnehme, wohl das Entsetzen, vermutlich weniger über den Text als über das für di CSU katastrophale Medienecho. Was wird seitens der CSU getan werden?
    Ich neige zu der Vermutung, daß sie versuchen wird, durch eine Text-Interpretatin so gut es eben möglich ist „aus dem Schneider zu kommen“.
    Aber….
    -sh.12 b); und das kann die CSU nicht außer acht lassen.

  • #37
    Hermes Conrad

    @Klaus Lohmann
    „wie Sprachwissenschaftler schon seit Längerem wissen, werden echte Zweisprachler den biodeutschen Monolinguisten mittel- und langfristig die qualifizierten Jobs wegnehmen“
    Sie argumentieren hier fortwährend am Beispiel, was ich auch gar nicht in Zweifel ziehe. Natürlich ist ein Zweisprachler qualifizierter als eine einsprachiger „Biodeutscher“.

    Zwei Fragen bleiben dabei aber unbeantwortet:
    Erstens die Frage, von welchem Anteil der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und von welchem Anteil der „Biodeutschen“ wir hier reden. Sie sprechen von Arbeitslosenstatistiken – und die Arbeitslosenquoten sind unter bestimmten Zuwanderergruppen deutlich höher als unter Deutschen ohne Migrationshintergrund (unter anderen Gruppen wiederum niedriger). Wenn das alles Diskriminierung wäre, wären die Arbeitgeber dumm, die auf die Einstellung qualifizierter Mitarbeiter verzichten, nur weil diese ausländische Wurzeln haben. Und mit „im Schnitt“ meine ich einen messbaren Durchschnitt, etwa in Form von Arbeitslosenquoten oder Einkommen. Linguistisch mag es vorteilhaft sein, wenn ich fünf Sprachen spreche. Wenn mir aber keine davon hilft, eine Arbeitsstelle zu finden, werde ich nicht umhin kommen, noch eine sechste zu lernen. Bei jedem „Zweisprachler“ sollte also sinnvollerweise mindestens eine der Sprachen Deutsch oder Englisch sein, damit seine Qualifikation ihm hier nützt.

    Und zweitens die Frage, ob die so qualifizierten Menschen mit Zuwanderungsgeschichte überhaupt Interesse daran haben, hier zu arbeiten und vor allem sich hier vom Fiskus melken zu lassen. Es verlassen jedes Jahr genügend hochqualifizierte „Biodeutsche“ aus nachvollziehbaren Gründen das Land – denjenigen, die hier noch keine allzu tiefen Wurzeln geschlagen haben, dürfte das umso leichter fallen. Viele qualifizierte türkischstämmige Deutsche sind z.B. in den letzten Jahren in die Türkei gegangen. Und viele qualifizierte osteuropäische Zuwanderer haben nach Zwischenstation in Deutschland inzwischen den Absprung nach Großbritannien, in die USA, nach Kanada oder Australien geschafft. Ich denke, dass wir mit der prohibitiv hohen Abgabenlast und der absurden Vorstellung, Menschen aus der ganzen Welt würden nach Deutschland kommen wollen, um völlig Fremden hier z.B. die Rente mit 63 zu erarbeiten, viel mehr qualifizierte Zuwanderer – und Zweisprachler – verschrecken als mit irgendwelchen dummen Äußerungen der CSU.

  • #38
    Helmut Junge

    Als ich noch nicht wußte, daß es um einen „Leitantrag“ für den CSU-Landesparteitag gehen sollte, hatte ich an eine Empfehlung geglaubt. Aber offenbar war es anders gemeint. Gemeint war tatsächlich, daß die Migranten „angehalten“ werden sollten, in ihren Familien deutsch zu sprechen.
    Ehrlich gesagt, hatte ich auch nicht soviel Fantasie mir das vorzustellen, daß deutsche Politiker ernsthaft über so etwas nachdenken würden. aber unsere Brüder und Schwestern in Bayern denken wohl anders.
    Es ist wahrscheinlich das Ziel der Familienpolitik der CSU, daß die familien vom staat kontrolliert werden sollen. Technisch möglich ist das schon. Und was möglich ist, wird eines Tages auch gemacht. Nicht nur Merkel Handy kann abgehört werden. Auch, was in den Wohnzimmern gesagt wird, ob ein Kruzifix an der Wand hängt, Lederhosen, Dirndl im Kleiderschrank hängen, usw. Wenn dann noch auf die Erkenntnisse der werbeindustrie, die jede Menge Informationen über die Kosumverhalten gesammelt hat, genutzt werden können, was alles im nächsten Leitantrag beschlossen werden kann, dazukommt, ist jeder bayrische bruder und jede Schwester besser erfaßt, als es Gestapo oder Stasi jemals konnten. Das muß natürlich gut und populistisch begründet werden und kommt deshalb wahrscheinlich später. aber die Frage nach dem Kruzifix sollte unbedingt jetzt schon im Antrag stehen. Denn die ist doch völlig unverfänglich. Wer so etwas zuhause hängen hat, braucht nichts zu befürchten. also keine Angst, liebe CSU. Politiker sollten sowieso Immer Interesse für die Bürger zeigen. Weil ich aber immer noch nicht glauben will, daß Politiker voll blöde sind, halte ich für möglich, daß es sich um ein ablenkungsmanöver handeln könnte, das einfach verschleiern soll, daß diese Regierungspartei nicht genügend Finanzierungs mittel für Sprachkurse für Erwachsene Asylanten bereitstellen will. Das wäre nämlich wirklich ihre Aufgabe. Nur darüber wird nicht gesprochen.

  • #39
    Klaus Lohmann

    @#37 Hermes Conrad: Sie werden es nicht glauben, aber viele qualifizierte Türken haben nie vorgehabt, hier ihr Leben zu beenden, und sind trotz der Existenz als braver Steuerzahler nicht vor dieser Last geflüchtet – zum einem nicht geringen Teil auch, weil sie hier nicht auf Rente, sondern auf Selbstständigenbasis arbeiten.

    Ihr Diskriminierungsversuch über eine verquere Wirtschaftsflüchtlings-Definition ist meilenweit neben der Realität und wird eigentlich nur durch Ihre Vorstellung gestützt, Ausländer verhalten sich zum großen Teil wie Bioteutsche und haben damit keinen Bock auf Maloche.

  • #40
    Hermes Conrad

    @Klaus Lohmann
    Auch das glaube ich Ihnen aufs Wort – aber genau diese meine ich nicht. Sondern junge qualifizierte fließend zweisprachige türkischstämmige Menschen, die Deutschland verlassen, obwohl sie hier geboren sind.

    Allerdings möchte ich die Debatte an dieser Stelle lieber beenden, da mir scheint, dass es mir nicht gelingen wird, Ihre Vorurteile gegen „Biodeutsche“ – ein Begriff, den ich lieber nur in Anführungszeichen verwende, da er mir mindestens latent rassistisch erscheint – wirkungsvoll zu widerlegen und eine ideologiefreie Diskussion hier wohl nicht möglich ist.

  • #41
    Helmut Junge

    Auch ich kenne persönlich nur solche Migranten, die sehr gut Deutsch können, und eigentlich ist etwas anderes nicht zu erwarten, weil die Mehrheit der 16 Millionen Migranten schon längst die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat. Das ist mit der Kenntnis der deutschen Sprache verbunden. Die Leute, die ich kenne, sind Politiker, Wissenschaftler, oder als Kommentatoren bei den Ruhrbaronen, aber auch Nachbarn die in Eigentumswohnungen wohnen.
    Aus den Gebieten rund um das hiesige Stahlwerk kenne ich allerdings nur sehr wenige Migranten, wenn überhaupt. Wenn es also die Fallgruppe gibt, von der die CSU spricht, (über die sie spricht, muß es wohl richtig heißen) dann sollte die dort zu finden sein. Wieso ausgerechnet die CSU, deren Vertreter bekanntlich in gentrifizierter Wohnlage wohnen, solche Personen kennt, ihre Anzahl als so wichtig erachtet, daß sie einen Leitantrag für ihren Parteitag einbringen will, ist bisher nicht diskutiert worden.
    Es handelt sich ja nicht um eine Empfehlung des schnelleren Erlernens wegen, sondern um ein Leitantrag, was die Bedeutung dieses Antrags noch einmal höherschraubt.
    Nur daß diejenigen, die kein Deutsch können, vermutlich auch nicht verstehen, was auf dem CDU-Parteitag besprochen und beschlossen wird. Das ergibt sich, wenn man nachdenkt von allein.
    Also ist der Antrag für andere Ohren bestimmt und nicht an die Zielgruppe der nicht deutschsprechenden gerichtet.
    Aber an wen ist er gerichtet? An die Migranten, die hier kommentieren vermutlich auch nicht. Denn die reagieren sauer. Derzeit macht der CSU-Heneralsekretär einen Rückzieher, in Richtung „Empfehlung“. Nur auch für eine Empfehlung gilt, daß die Zielgruppe sie nicht verstünde, wenn es sie überhaupt gibt.
    Scheint an Rechtsgerichtete zu gehen, als Polemik populistischer Natur.

  • #42
    WALTER Stach

    Als Demokrat in einer pluralen Gesellschaft, der darauf bauen kann, daß notfalls das Bundesverfassungsgericht „fremdenfeindlichem Spuk“ ein Endes setzt, vor allem, wenn er sich aus dem Tun/dem Unterlassen staatlciher Organe ergibt (CSU-Initiative wird Inhalt einer Entscheidung des bayirschen Landtages oder ähnlich) könnte ich es dabei belassen, die CSU-Initiative wie gesschehen als irre abzutun und mit Freude registrieren, wie die öffentlikche Meinung diese Initative abtut als kabarettreife Leistung oder ähnlich.

    Aber….
    angesichts dessen, was sich derzeit in Deutschland tut und was sich hier zu entwickeln scheint bezüglcih abgrundtiefen Hasses gegen „Nichtdeutschstämmige“ mit besonderer Konzentration auf Menschen muslimischen Glaubens und auf diejenigen, die offenkundig wegen der für uns unvorstellbaren Armut in ihrer Heimat nach Deutschland kommen, bedarf es einer agressiven Auseinandersetzung mit dem Ungeist, der solche und vergleichbare Ergüsse der CSU -und darüberhinaus- produziert -sh.auch „Wer betrügt fliegt“. Hier wird durch eine Regierugnspartei (!!) -in Berlin, in München-der Ungeist gefüttert, der sich mehr und mehr -sh.u.a vor allem in.Sachsen- Luft macht. Und das kann durchaus gefährlich werden für unsere freiheitlich-demolkratische-plurale Staats- und Gesellschaftsordnung!

  • #43
    Klaus Lohmann

    @#40 Hermes Conrad: Ich kann auch gern „Kartoffeln“ statt Bioteutsche verwenden, aber Menschen wie Sie sind ja immer gleich so empfindlich, wenn’s ans Nationalgefühl geht.

  • #44
    Wolfram Obermanns

    Seltsame Sprüche im Kontext von Immigration kennt man doch von der CSU.
    ABER:
    Vor kurzem präsentierte Aladin El-Mafaalani den Delegierten der EKvW eine interessante Karte. Darin war der relative Bildungsaufstieg von Migrantenkindern für die gesamte Republik eingetragen.
    Interessant war die Karte, weil sie zwei Überraschungen bot.
    1. Die Regionen mit dem geringsten Migrantenanteilen bieten i. A. die schlechtesten Aufstiegsmöglichkeiten, schlechter als Regionen mit hohem oder sehr hohem Migrantenanteil.
    2. Das Flächenland mit den besten Aufstiegschancen war Bayern (schlechte Aufstiegschancen nur in Oberfranken und Gebieten im Bayernwald).
    (Ganz am Rande: für NRW schnitt insbesondere der Norden schlecht ab.)
    Kann es sein, daß die CSU alles richtig macht? Eine FRIGIGA (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cartoons/greser-lenz-witze-fuer-deutschland-1294625.html) gibt es nicht und in der Sache arbeitet man auch erfolgreich. Sozusagen vorne Pfui, hinten hui?

  • #45
    Frank

    @Klaus Lohmann und Helmut Junge:

    In meinem Freundeskreis kenne ich auch nur Migranten mit Akademikerhintergrund. Sie sprechen perfekt deutsch und ich nehme sie überhaupt nicht als Migranten wahr.

    Und ich kenne auch Deutsche, die wie Klaus Lohmann in ihrem SPD- oder Grünen-Ortsverein etwas über Integration faseln und ihre eigenen Kinder dann nicht im Kindergarten um die Ecke anmelden, weil es da >50% Migrantenanteil hat. Die fahren ihre Kinder morgens mit dem Auto in den nächsten Bezirk – unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand. Zu dieser doppelten Moral von Rot-Grün gehört natürlich auch, die eigene Wählerklientel schön in Abhängigkeit zu halten.

    SPD und Grüne profitieren natürlich davon, wenn Einwandererkinder nicht weiterkommen und auf ihre „Integrationsprogramme“ angewiesen bleiben.

  • #46
    Frank

    PS: Schöner Kommentar vom geschätzten Jan Fleischhauer:

    „Vielleicht sollte die CSU beim nächsten Mal in ihrem Leitantrag ein soziales Jahr für jeden Angehörigen eines Akademikerhaushalts an einer deutschen Hauptschule verlangen. Dann wüssten die Leute, die sich jetzt über die angebliche Weltfremdheit des bayerischen Sprachvorschlags echauffieren, wenigstens, wovon sie reden.“
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-und-muslime-der-laecherliche-leitantrag-der-csu-a-1007405.html

  • #47
    WALTER Stach

    Frank
    Ich fnde den Kommentar von Fleischhauer nicht schön, sondern schauerlich!

    Wer Jan Fleischhauer schätzt………..??????

    Ich kann mir vorstellen, daß Fleischauer mehr und mehr Probleme haben könnte, wenn es für ihn zukünftig darum geht, CDU/CSU Denken und Tun einerseits und AFD Denken und Tun anderseits kommentierend unterschiedlich zu werten und zu gewichten, z.B. dann, wenn es um Zuwanderung, aus welchen Gründen auch immer t, wenn es um Freiheit , um Gleicheit und um die Würde aller in Deutschland lebendenr Menschen geht; unabhängig von Rasse, Religion,Geschlecht,Herkunft.

    Es gibt jeden Tag leider zunehmend Anlaß, z.B. die AFDler, einige CDUler und CSUler, aber eben auch den einen oder den andere Journalisten, z.B. Jan Fleischhauer, wenn sie denn allesamt „auf dem Boden der Verfassung zu stehen meinen und nicht außerhalb“, den Absatz 3 des Art.3 GG in Erinnerung zu rufen:

    „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, sener Heimat, seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politschen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden“.

    Ein Ideal, das hier postuliert wurde? Ja!

    Foglich kann die Realität in Deutschland nicht „Punkt für Punkt“ diesem Ideal gerecht werden.

    Nur steht jeder, der bewußt und gezielt diesem Ideal zuwiderhandelt, der diesem Ideal zuwider kommentiert, der diesem Ideal zuwider parteipolitische Leitlinien beschließt, außerhalb der Verfassung! Der muß folglich eine andere Verfassung wollen!!

  • #48
    Klaus Lohmann

    @Frank: Geschick bei der Einschätzung von Diskutanten ist auch eine Folge ausreichender Bildung, aber bei mir hat Ihr Geschick wohl komplett versagt. Weder bin ich in der SPD (Gott bewahre!), noch bei den Grünen (Beezelbub hilf!) und für den Migrantenanteil muss ich nicht ums Eck, brauche auch keine Kinder irgendwo anmelden und halte meinen Vorort vom braunen Gesocks und spießbürgerlich dummschwatzenden Islamhassern sauber.

    ich habe auch nirgendswo was von „Akademikerhintergrund“ geschrieben, da war bei Ihnen wohl eher eine Phobie gegen Bildung am Werk.

    PS: Fleischhauer ist der Allerallererste, der mit Ausflügen in die Realität anfangen sollte. Dann hat er auch keine Zeit mehr für solch einen spießigen Gedankenmüll.

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