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Die Macht aus Dortmund

Dr. Gerhard Langemeyer, 63, ist nicht irgendwer. Der Dortmunder SPD-Oberbürgermeister ist einer der mächtigsten Männer im Ruhrgebiet. Leider aber ist der ehemalige Kulturpolitiker kaum über die Stadtgrenzen seines Sprengels hinaus bekannt. Das sollte sich ändern, finde ich. Denn der echte Ruhrbaron Langemeyer stellt einige der wichtigsten Weichen im Revier.

Zum Beispiel hat er als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Schüchtermann Schiller’sche Familienstiftung dafür gesorgt, dass Schalke 04 eine Klinik auf das Stadiongelände nebend er Arena gesetzt bekam. Das hat den Kickern vom FC Schalke ein paar schicke Kröten eingebracht, als es dem Club wegen diverser Problemgeschäft gerade nicht so gut ging.

Aber auch für die Dortmunder Kicker vom BVB hat Langemeyer ein Herz. Die Balltretern genießen in Langemeyers Stadt ein seltenes Steuerprivileg. Ihnen wurden Millionensummen gestundet, um die…

Dr. Gerhard Langemeyer, 63, ist nicht irgendwer. Der Dortmunder SPD-Oberbürgermeister ist einer der mächtigsten Männer im Ruhrgebiet. Leider aber ist der ehemalige Kulturpolitiker kaum über die Stadtgrenzen seines Sprengels hinaus bekannt. Das sollte sich ändern, finde ich. Denn der echte Ruhrbaron Langemeyer stellt einige der wichtigsten Weichen im Revier.

Zum Beispiel hat er als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Schüchtermann Schiller’sche Familienstiftung dafür gesorgt, dass Schalke 04 eine Klinik auf das Stadiongelände nebend er Arena gesetzt bekam. Das hat den Kickern vom FC Schalke ein paar schicke Kröten eingebracht, als es dem Club wegen diverser Problemgeschäft gerade nicht so gut ging.

Aber auch für die Dortmunder Kicker vom BVB hat Langemeyer ein Herz. Die Balltretern genießen in Langemeyers Stadt ein seltenes Steuerprivileg. Ihnen wurden Millionensummen gestundet, um die Pleite der Reichtumskicker abzuwenden.

Aber auch wirtschaftlich ist Langemeyer eine Nummer im Revier: Als Aufsichtsratschef der Stadtwerke Dortmund kontrolliert der Politiker die Zusammenfügrung der Gemeindebetriebe aus Dortmund und Bochum auf die Gelsenwasser AG. Gleichzeitig ist er ab Januar als Aufsichtsrat der WestLB an den strategischen Beatungen eines der wichtigsten potentiellen Financiers des Deals beteiligt. Und auch beim RWE, das ebenfalls überlegt, bei dem neuen Gelsenwasser-Stadtwerk einzusteigen, hängt Langemeyer mit im Aufsichtsrat.

Aber sicher am wichtigsten ist der Einfluss den Langemeyer tief in den Innereien des Essener Stromriesen ausüben kann. Wie, das erkläre ich mal möglichst kurz hier: Weitaus größter Anteilseigner des RWE ist die so genannte RW Energiebeteiligungsgesellschaft. Dahinter verbergen sich die KEB Holding AG und die RW Holding AG. Wer diese beiden Firmen kontrolliert, führt ein entscheidendes Wort im Stromriesen. Hinter der RW Holding AG stecken viele Städte. Die Gesellschaft selbst aber wird nicht von den Kommunen gesteuert, sondern von der WestLB, deren Aufsichtsrat Langemeyer in wenigen Tagen beitritt. Die Bank hat nach meinen Informationen einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit der RW Holding. Der Geschäftsführer der RW Holding ist Angestelter der WestLB. Die Hauptversammlung der AG fand vor ein paar Tagen in der WestLB statt.

Die KEB Holding wiederum gehört zu 65 Prozent den Dortmunder Stadtwerken, einer weiteren Langemeyer-Adresse. Die entscheidende Vorstandsfrau der KEB Holding ist die Kämmerin von Dortmund. Und damit eine direkte Untergebene von Langemeyer.

Natürlich ist klar, wer sich dermaßen gut in Wirtschaft und Politik vernetzen kann, ist keine Pfeife. Langemeyer ist einer der fähigsten strategischen Köpfe der NRW-Solzialdemokratie. Wie gut sich durchsetzen kann, will ich nur an einem Beispiel erklären:

Langemeyer spielt im Regionalverband Ruhr (RVR), als damaliger Vorsitzender des Vorstandes, eine sehr wichtige Rolle. Der schwachen Chef des Verbandes Heinz-Dieter Klink, gilt als Indianer von Langemeyers Gnaden.

Wie dem auch sei, hier will ich erzählen, wie Langemeyer seinen Wunschkandidaten Hanns-Ludwig Brauser, dem Macher der Projekt Ruhr GmbH mit durchaus zweifelhaften Ruf, als Chef der Wirtschaftsförderung des RVR durchzusetzen konnte. Die Grünen lehnten nämlich Brauser unter anderem wegen seiner dubiosen Praktiken bei der Projekt Ruhr ab. Der Dortmunder Oberbürgermeister war aber bereit, die rot-grüne Kolaition im RVR scheitern zu lassen, wenn die Grünen Brauser nicht mittragen würden.  Sein Kalkül, die Grünen würden eher den Frosch Brauser fressen, als sich mit der CDU zu einigen. Zum Schein ging Langemeyer sogar auf Verhandlungen zur Bildung einer großen Koalition im RVR ein, um die Grünen zu brechen.

Das Kalkül des Sozialdemokraten ging tatsächlich auf. Nach heftigen Turbulenzen fraßen die Grünen Brauser, wählten ihn zum Chef der Wirtschaftsförderung, und gaben damit über weite Teile ihre politische Handlungsfähigkeit im RVR preis. Als gebrochene Partner sind sie jetzt Mehrheitsbeschaffer, denen nur ab und an ein Häppchen zugeworfen werden muss. Selbst bei dem grünen Urthema "Umweltzone Ruhr" können sich die Grünen nicht mehr gegen Langemeyer durchsetzen.

Ich finde, für eine solche durchsetzungsstarke Politik gebührt Gerhard Langemeyer Achtung. Er hat die Grünen diszipliniert, wie vor ihm vielleicht nur Joschka Fischer. Chapeau!!

Auch seine Wirtschaftspolitik ist aus Perspektive der SPD nicht zu dumm. Er hält die Fäden des kommunalen Einflusses zusammen. Leider hat seine Stadt wenig davon. Noch immer ist die Großkommune unter Haushaltssicherung.

Und ob Langemeyers Fortune seine politische Karriere in Dortmund retten kann, ist mit dem steigenden Einfluss von Franz-Josef Drabig, dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden, ebenfalls fraglich. Vor allem nach der Koksaffäre, direkt in Langemeyers Umfeld, bei der Säckeweise Geld verschwand.

Ich wünsch ihm das beste.

 

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