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Die Post- und Paket-Zusteller sind inzwischen wohl mit die ‚ärmsten Schweine‘!

Briefzustellung früher. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Wo wir am heutigen Sonntag hier einmal wieder mit unseren Stammlesern weitestgehend unter uns sind: Meckert ihr eigentlich auch so gerne und häufig über die Post?

Da kann man sich ja auch herrlich aufregen. Erst am gestrigen Tage vermeldeten etliche Medien einen deutlichen Anstieg der Reklamationen.

Demnach hat sich die Zahl der schriftlichen Beschwerden im Vorjahr mehr als verdoppelt. Sie stieg von 6100 im Jahr 2017 auf 12.615 im Vorjahr. Der Trend setzt sich auch in diesem Jahr offensichtlich so  fort. Im ersten Quartal 2019 lag die Zahl demnach schon bei knapp 4000 Beschwerden.

Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der versendeten Briefe in Deutschland im gleichen Zeitraum von 12,9 auf 12,2 Milliarden gesunken ist, schon eine bemerkenswerte Meldung. Wie verträgt sich das Alles mit einer kräftigen Portoerhöhung für Briefe und Postkarten zum 1. Juli? Auf den ersten Blick gar nicht gut.

Und in der Tat macht es erst einmal weniger Sinn, dass immer mehr Arbeiten von der Post an Subunternehmer ausgelagert werden, da diese offenkundig am Ende ‚billiger‘ sind, zugleich aber das Porto signifikant zu erhöhen.

Doch, jetzt mal ganz ehrlich, den einzelnen Zustellern der Post kann man in diesem Sektor noch am wenigsten einen Vorwurf machen. Der Fehler liegt hier im System!

Wer sich einmal ein paar Minuten mit einem ‚Postboten‘ unterhält, der erfährt sehr rasch von den sich drastisch verschlechternden Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Post. Auf breiter Front real sinkende Löhne in der Logistikbranche, mehr Druck auf den Einzelnen. In einem solchen Umfeld arbeitet man natürlich eher ungern.

Und dabei sind die Angestellten bei der Post sogar noch die heimlichen, ungekrönten Könige in dieser Branche. Konkurrierende Brief- und Paketdienste haben häufig noch deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen im Angebot.

Ein Zusteller eines privaten Paketdienstes mit drei Buchstaben berichtete mir kürzlich einmal von regelmäßigen Arbeitstagen von 5 bis 20 Uhr, und das für rund 1300 Euro brutto für den Vollzeitbeschäftigten im Monat. Da wundert es wahrlich nicht, dass es mit der Motivation der Mitarbeiter nicht allzu weit her ist, oder?

Bei einem anderen Anbieter muss der Paketzusteller für einen ‚Mini‘-Job sogar sein eigenes, privates Auto mitbringen. Wer kann, der lehnt solche Tätigkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit ab.

Wer diese Arbeiten am Ende ausführen muss, der ist im Dienst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher lustlos unterwegs oder gar regelrecht frustriert. Kein Wunder also, wenn die Leistungen der Arbeiter häufig mangelhaft sind.

Nur wie kriegen wir das wieder gedreht? Postchef Frank Appel hat erst kürzlich eine weitere Sparrunde in seinem Hause angedroht. Solche Aussagen setzen auch die Konkurrenz in der Folge weiter unter Druck. Zu einer Verbesserung der konkreten Situation der vielen ‚armen Schweine‘ in der Zustellung dürfte das also höchstwahrscheinlich nicht gerade beitragen.

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14 Kommentare zu “Die Post- und Paket-Zusteller sind inzwischen wohl mit die ‚ärmsten Schweine‘!

  • #1
    ke

    Wir haben einen Mindestlohn. Marktwirtschaft braucht Regeln und die müssen auch kontrolliert werden. Insbesondere in der Logistikbranche ist ein hoher Grad an IT vorhanden. Ich bestätige jeden Empfang etc.
    Was ist jetzt so schwer daran, einzelne Arbeitszeiten/Routen zu überprüfen? Wenn es zu häufig Klagen gibt, muss eben der Zoll eine direkte Überwachungsmöglichkeit haben. Das ist natürlich datenschutzrechtlich brisant, aber aktuell eine Möglichkeit, die Spielregeln in der Branche zu prüfen.

    Als Kunde zahle ich Geld für den Versand und für die Verpackung. Ich erwarte hier auch einen vereinbarten Service.
    Dass Briefe erst nach einer Woche kommen oder aber selbst die Branchen-Riesen aktuell bei mir ihre voraussichtlichen Zustelldaten nicht mehr einhalten, ist kaum nachvollziehbar. Das war mal besser.
    Insgesamt ist der SErvice aus meiner Sicht schlechter geworden. Hier helfen wohl nur Beschwerden der Kunden, wenn vereinbarte Leistungen nicht eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass wir alles aus Rücksicht auf die Zustellbedingungen hinnehmen, denn damit zementieren wir diese Zustände.

  • #2
    GMS

    @ke
    Was nützt ein Mindestlohn und andere Arbeitsschutzvorschriften wenn sie unterlaufen werden? Bei der letzten Diskussionsrunde hat es die CDu- abgelehnt die Firmen dafür verantwortlich zu machen das Gesetzte eingehalten und Abgaben abgeführt werden.
    Das ist der Skandal, das sich eine Partei die sich angeblich dem Rechtstaat verpflicht fühlt, ihn so mit Füßen tritt.

    @Robin Patzwaldt
    Gerade der "Marktführer" ist doch der größter Heuchler überhaupt. In den Medien sich dafür feiern lassen dass man E-Autos kauft (wo eh kein Weg drum rum führt) aber jedoch Woche Tonnen von in Plastik eingewickelten Werbemüll bei den Haushalten abkippen.
    Und warum das im Zeitalter von Fridays For Future noch keinen Artikel wert wahr, erschließt sich mir nicht.

  • #3
    Bärnd

    Man vermischt hier Brief und Paketdienst. Zu den Briefen. Das ist das Ergebnis von FDP-Politik. Die wollen alles privatisieren. Für den Normalbürger gilt aber ausschließlich die Deutsche Post. Es werden immer weniger Briefe verschickt, und dann wird der Großanteil über solche Lowcostunterbieter wie TNT und Co von den Städten genutzt. Da muss das Porto dann natürlich steigen. Paketdienst ist etwas anders, da dort immer mehr verschickt wird. Leider schützen hier Lobbyisten und CDU/CSU/FDP diese Versklavung. Es wäre viel einfacher wenn man, maximal 8 Stunden am Tag arbeiten dürfte(inkl. Abholung in den Zustellbasen), keine SUB-Dienste erlaubt würden und die Dienstleister (DP AG, Hermes, UPS und wie Sie allem heißen) direkt für die Sozialleistungen haften müssen. Minijober (und Aufstocker) in diesem Job muss verboten werden.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Welche "Beschwerden" gab es, welche Produkte waren/sind betroffen, wie viel Beschwerden waren überhaupt valide??

    Wieder mal geht nichts aus dem üblichen Meckerfurz-Gezeter der Presse und dem genauso inhaltslosen "Verdacht" eines Linken-Politniks hervor, was auch nur im Ansatz diskussionswürdig wäre – mal ganz abgesehen von der "unglaublichen" Zahl von 1 Beschwerde pro knapp 1 Million Briefen -, trotzdem tut ganz Mecker-Teutschland wieder mal so, als gäbe es bei der Post nur Briefkästen und Briefträger.

    Es gibt eine immer größer werdende Problematik bei *allen* Transportunternehmen und die heißt: nicht skalierende IT-Systeme plus überalterter Workflow im Servicebereich. Nehmen wir nur mal die gute, alte Paket-Sendungsverfolgung online und verlassen uns auf die dortigen Angaben – Pech, die sind schwammig, entsprechen häufig nicht der Realität vor Ort und nützen niemandem, weil auch der Customer Support der einzelnen Logistikfirmen sich allein auf dieses Tool im Web oder als App verlassen kann. Die haben sonst nix zum Nachfragen, der Kunde schäumt nach dem dritten Telefonat. Ich habe hier allein drei "verlorene" Paket-IDs, bei denen Pakete irgendwo auf Autobahnen oder in Gewerbegebieten nun ein Nomadenleben führen müssen, weil sie nirgendwo mehr formell existieren. Man sollte Post&Co. mal fragen, was sie derzeit und zukünftig so an Kosten für Transportversicherungen haben und ob die Versicherer nicht langsam meutern.

    Oder das unheilige Bermuda-Dreieck ebay, PayPal und DHL, bei dem es wirklich – es ist mir grad vor ein paar Tagen selbst passiert – schwarze Löcher gibt, die bezahlte Online-Paketmarken per Transaktion abbuchen, obwohl diese nachweislich niemals benutzt und nur auf Aufforderung von ebay gekauft wurden, bevor der ganze Vorgang von ebay selbst storniert wurde.

    Aber grad bei den Briefträgern und Paketboten habe ich in den letzten Monaten eigentlich nur positives erlebt. Dass die komplett unterbezahlt sind und einen Schweinejob haben, ist nicht zu übersehen, allerdings zusehends auf strukturelle Probleme hinter der "Front" der Zusteller in den überforderten Logistikfirmen zurückzuführen. Das kracht demnächst so richtig im Onlinekaufen-Land Deutschland.

  • #5
  • #6
    Klaus Lohmann

    Kleine Ergänzung für Wutbürger: der starke prozentuale Anstieg der Beschwerden über die Briefzustellung ist in erster Linie die Auswirkung der Werbung, die u.A. Verbraucherschützer und Bundesregierung erst seit 2017 für die Bundesnetzagentur als offiziellem Vermittler bei Brief-Beschwerden (die das seit 2015 als "Verbraucherservice Post" anbietet) gemacht hatte.

  • #7
    paule t.

    Wie sollen Post- und Paketdienstleister denn konkurrieren, wenn nicht über Löhne und Arbeitsbedingungen, mit entsprechenden Folgen für den Service? Der Fehler war die Privatisierung eines Bereichs, der – sofern gleiche, auskömmliche Löhne gezahlt werden – eigentlich ein natürliches Monopol ausbilden müsste, da die Bereitstellung einer Gebietsabdeckung nun mal teuer, die Zustellung der einzelenen Sendung dann aber vergleichsweise billig ist.

    Natürlich kann (und sollte) man die Arbeitgeber auf Einhaltung der vereinbarten oder vorgeschriebenen Löhne sowie die Arbeitsbedingungen kontrollieren. Effektiver wäre es aber, die Privatisierung rückgängig zu machen.

  • #8
    ke

    @7 paule t.
    Natürlich ist hier ein Wettbewerb möglich. Ein Monopol ist für den Verbraucher immer Mist. Ich kann mich noch daran erinnern, als nur ein Beamter der Post die Hoheitsaufgabe des Auschlusses einer Telefondose vornehmen durfte. Heute macht es Oma Maier selber.

    Zusteller haben:
    – IT Systeme
    – Service Zeiten
    – GEbäude, Fuhrparks, …
    – Angestellte

    Das ist eigentlich wie überall. Natürlich ist auch die Leistung der Mitarbeiter ein Faktor. Das ist dann auch nochmals vom Lohn zu unterscheiden. Mitarbeitermotivation ist ja eine Kernkompetenz für viele Geschäftsmodelle.

    Es ist einfach die Aufgabe des Staates, die Einhaltung der Gesetze zu überprüfen. Insbesondere bei den Paketdiensten sollte dies auch ohne Probleme möglich sein.

  • #9
    Klaus Lohmann

    #8 ke: "Insbesondere bei den Paketdiensten sollte dies auch ohne Probleme möglich sein."

    Bei der Post ist es die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde, die Beschwerden entgegennimmt. Nur hat diese Behörde leider kein einziges Gesetz in petto, mit dem sie die Post zu irgendetwas zwingen könnte. Diskutiert wird darüber allerdings schon seit einer Reihe von Jahren.

  • #10
  • #11
    Frank

    @ Mika

    kann man machen …

    aber wenn das als Verdienst eingeplant würde, dann hätten wir das gleiche Phänomen wie bei den "Tafeln": der Staat streicht das Soziale und setzt auf Almosen

  • #12
    Der der es weis

    Wie sollen es immer die Zusteller jedem Recht machen?
    Hat schon einer mal eine der Meckerfutzis bei der DP AG nur einen Tag gearbeitet?
    Sicherlich nicht!!!!
    Da geht es nicht nur um Briefe oder Pakete im einzelnen, die meisten haben beides im Auto. Meistens über 100 Pakete. Wo her kommt das?
    Weil jeder Mist bestellt wird, obwohl bei vielen Sachen der Weg zum Baumarkt einfacher ist.
    Da sind wir beim Thema Meckerfutzis, was bestellt Ihr alles?
    Tierfutter, Rollrasen, Gartenmöbel, Werkzeug usw ………???
    Dann immer die selben Kunden die nur bestellen und nie zuhause sind!!!
    Das sind doch nur die, die sich immer Beschwerden!!

  • #13
    R.

    Diese Arbeit können Sie max. 5 Jahren machen.
    Ich war selbst 6 Jahre als Paketbote angestellt. Lezte Jahr…. Volumen von Pakete steigt aber Lohn bleibt…. Seit 6 Jahren gleiche Geld😂😂😂… Statt gute Leute schätzen und unterstützen, stell die Post andere neue Leute, die billig sind aber ohne Erfahrung und ohne Service oder Kunde orientierung. Bei unsere Basis sind lezte Jahr 7 Mitarbeiter selber gegangen….. Ich frag mich nur wo und wie geht es weiter?????

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