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Die Prosa zum Ruhrtourismus?

MiniCover (Verlag)

Vom Autor Mark Ammern ist Ende 2014 im Duisburger AutorenVerlag Matern „Siechenhaus“ erschienen, eine Prosaarbeit, die zum eingeschlagenen Wandel der Region passen könnte, denn in diesem relativ kurzen Text, der als eBook erhältlich ist, wird ein Tourismusführer vorgestellt, der seiner Gruppe einen Ort zeigen möchte, der auf keiner aktuellen Karte verzeichnet ist.
Sein Ansatz richtet sich auf die Straßenbahnhaltestelle ‚Siechenhaus‘, die in Duisburg-Hochfeld gelegen ist, und auf die abzweigende ‚Siechenhausstraße‘, beide Überbleibsel einer Geschichte, die kaum mehr gegenwärtig ist. Ein verbliebenes Siechenhaus ist nicht auszumachen. Er schlägt seiner Gruppe vor, sich mittels einer ‚WildCard‘ ein Siechenhaus auszumalen, eines, das für die heutige Zeit typisch sein könnte. Leider geht niemand auf das Angebot ein, deshalb ist er selber gefordert.

Er führt die Touristen in eine gerontologische Klinik, die so arm ist wie die Stadt. Die Öffentlichkeitsmitarbeiterin, die ihn und die Gruppe empfängt, bittet mehrfach um Spenden, damit z.B. Flüssigseife und Klopapier angeschafft werden können. Hauptanliegen ist jedoch, plastisch vor Augen zu führen, wie sich der demografische Wandel auswirkt. Da auch die Touristen bereits älter sind, geschieht während der Besichtigung ein Unfall: ein Herr stürzt auf der Treppe, reißt eine Frau mit, und die Gruppe muss sich in das Café der Klinik begeben, um per Diashow weitere Informationen zu erhalten. Die Aufzüge sind für die Insassen und das Personal reserviert.

Die Prosa, die anfängt, als würde der Touristenführer erzählen, besteht großenteils aus Gesprächen, auch der Beginn ist sprachlich an die Gruppe gerichtet, wie sich relativ rasch herausstellt. Integriert sind Sprachkritiken des Tourismusführers und der Öffenlichkeitsreferentin, z.B. über Worte Tod, auch über Worte Natur und Kultur. Überraschenderweise passt in der Umgangssprache nichts zusammen. Sogar die Politik mischt sprachbildend mit, besonders um Arbeitsplätze in einer ‚Kultur‘ erschaffen zu helfen, die es gar nicht geben kann. Künste, die wären nach dem Touristenführer auffindbar. In diese Kategorie könnte z.B. eine Patientengruppe passen, die sich über die Klinik auf Facebook eingerichtet hat und sich intensiv mit einem ‚Schönmachen‘ beschäftigt.

Kein persönlicher Name ist überliefert. Differenzierungen lassen sich nur durch besondere Eigenschaften im Ausdruck vornehmen. Besonders auffällig ist in dieser Hinsicht das Sprachverhalten der Referentin. Alle üblichen Fugenlaute sind getilgt.

Ammern bietet mit seiner Prosa nicht einfache eine ‚Kulturkritik‘, er setzt radikaler an: am Umgang mit uns und unserer Sprache. Mark Ammern: Siechenhaus. Prosa, € 2,99 (eBook, AutorenVerlag Matern).

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2 Kommentare zu “Die Prosa zum Ruhrtourismus?

  • #1
    paule t.

    Haben solche Texte bei den Ruhrbaronen nicht üblicherweise die Kennzeichnung „Anzeige“ (wobei sie ansonsten ärgerlicherweise den Artikeln sehr ähnlich sehen)?

  • #2
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ # 1 Nein, nicht Anzeige, sondern Vorstellung. Anzeigen gibt es bei den Ruhrbaronen so gut wie keine, Vorstellungen von Projekten hingegen ziemlich viele.

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