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Dieser BVB gibt Rätsel auf

BVB-Spieler Marco Reus (rechts). Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Am Mittwoch hat Borussia Dortmund wieder einmal seine Unberechenbarkeit unter Beweis gestellt. Im Achtelfinalrückspiel der UEFA Champions League 2023/24 besiegte der BVB im heimischen Westfalenstadion den niederländischen Vertreter PSV Eindhoven mit 2:0 (1:0). Nach dem 1:1-Unentschieden im Hinspiel reichte das den Dortmundern zum Einzug ins Viertelfinale. Die Borussia einmal wieder unter den acht besten Fußballmannschaften in Europa? Das mag so gar nicht zu dieser in der Bundesliga und im DFB-Pokal bisher so enttäuschenden Spielzeit des Teams passen.

So schön die Tatsache ist, dass der BVB in dieser Champions-League-Saison im vergangenen Herbst nicht nur die sogenannte ‚Todesgruppe‘ überstanden hat, sondern jetzt auch noch die erste K.o.-Runde siegreich gestalten konnte, so sehr muss man sich als langjähriger Beobachter des Klubs darüber wundern, warum gute Leistungen wie diese denn noch immer nicht regelmäßiger abgerufen werden können.

Dass die Mannschaft grundsätzlich kicken kann, das zeigt sie, insbesondere in den sogenannten ‚großen‘ Spielen immer wieder mal. Mit vermeintlichen Pflichtsiegen gegen Kontrahenten wie Bochum, Heidenheim, Hoffenheim oder auch Mainz tut sie sich seit Monaten und sogar Jahren deutlich schwerer. Immer wieder blamiert sich die Borussia bei diesen Gelegenheiten, wird gerne zum Gespött von Millionen. Ist die Bühne groß, sind die Leistungen häufig wesentlich überzeugender, wenn auch nicht immer.

Als Erklärung für dieses Phänomen jetzt einfach die beliebte Theorie heranzuziehen, dass es da ein Motivations- bzw. Charakterproblem bei den Spielern gibt, mag einen Teil der Begründung liefern, jedoch längst nicht alles. Die Gemengelage in Dortmund scheint deutlich komplizierter zu sein.

Die unausgewogene Zusammenstellung des Kaders ist sicherlich ein weiterer Teil der Erklärung. Es fehlt dem BVB zum Beispiel auffällig an erfahrenen, charakterstarken Spielern, die noch immer auf dem Zenit ihres Leistungsvermögens stehen. Spieler von einst internationalem Top-Niveau, wie etwas Mats Hummels oder auch Marco Reus, haben ihre besten Tage längst hinter sich. Sie können noch ein paar Mal pro Saison vollauf überzeugen, aber längst eben nicht mehr durchgängig.

Die hoffnungsvollen Nachwuchskräfte, wie etwa ein Youssoufa Moukoko sind noch nicht so weit, wie man es in Dortmund gerne hätte. Kurzfristige Leihgeschäfte mit anderen Klubs, die Spieler wie Jadon Sancho oder auch Ian Maatsen aus der englischen Premier League für ein paar Monate ins Ruhrgebiet lotsen, zeigen ja, dass es da unerwartete Lücken im Team gab und gibt. Nur eine langfristige Hilfe können diese Leihspieler eben auch nicht sein, weil sie sich der BVB auf Dauer nicht (mehr) leisten kann, wie selbst der Verein offen zugibt. Im Sommer dürften beide dem Kader also wieder verlustig gehen. Spätestens dann ist der Handlungsbedarf für Manager Sebastian Kehl wieder immens.

Da gab es in der Vergangenheit offensichtlich etliche Fehler in der Einschätzung der Verantwortlichen. In Dortmund dachten sie in dieser Beziehung schon wieder näher an der nationalen und europäischen Spitze zu sein, und eben nicht nur an gewissen Fußballfeiertagen, sondern auch im vermeintlich grauen Ligaalltag.

Und dann ist da natürlich auch noch die Position des Trainers. Edin Terzic ist zweifelsohne ein netter Kerl. Er ist eloquent und intelligent, passt grundsätzlich gut in die Stadt. Was ihm aber fehlt, auch wenn das in Dortmund einige nicht gerne hören, das ist die Job-Erfahrung auf absolutem Top-Niveau. Wer eine charakterlich komplizierte Mannschaft wie diese auf Dauer erfolgreich führen und anleiten soll, der muss das Fach eben selber auf Spitzenniveau beherrschen. Das tut Terzic offenkundig (noch) nicht. Erinnert sei da nicht nur an das verpatzte Meisterschaftsfinale im vergangenen Mai, sondern eben auch an die extreme Wankelmütigkeit, mit der sich die Schwarzgelben seit Jahren abmühen müssen und damit nicht zuletzt auch die Nerven des eigenen Anhangs maximal strapazieren.

Heute ist in Dortmund zweifelsohne ein Tag zum Genießen. Sich in die Runde der besten Acht auf europäischer Ebene durchgekämpft zu haben, das tut allen im Umfeld des Vereins richtig gut. Ablenken von den grundlegenden Problemen der vergangenen Monate, die ja unverändert im Hintergrund vorhanden sind, darf das aber nicht. Ansonsten wartet am Sonntag im nächsten Ligaspiel gegen Eintracht Frankfurt schon wieder die nächste Enttäuschung.

Und ein Erfolg des BVB in diesem Spiel dürfte im Hinblick auf eine angestrebte erneute Qualifikation für die ganz große Bühne des europäischen Fußballs und das schwere Restprogramm in der Bundesliga grundsätzlich nicht wesentlich unwichtiger sein als der schöne Erfolg gegen Eindhoven am Mittwoch. Auch wenn ein Sieg gegen die Eintracht wohl längst nicht so viel beachtet würde….

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