Dortmund: Ein starkes Zeichen gegen Nazis

Polizei mit drei Reihen vor Nazi-Gegnern
Polizei mit drei Reihen vor Nazi-Gegnern

In der Innenstadt demonstrierten am gestrigen Abend annähernd 1000 Menschen gegen eine Kundgebung der Neonazi-Partei „Die Rechte“. Viele Dortmunder hatten sich eingefunden, um sich den Nazis in den Weg zu stellen. Schon die Anreise zur Kundgebung wurde für die Nazi-Kader Brück und Co. zum Desaster. Ihr Auto, dass sie als Lautsprecherwagen nutzen wollten, verlor nach Attacken von Nazigegnern einen Spiegel und Teile der Stoßstange. Die Nazis flüchteten in Panik.

Später gelang es der Polizei zwar, das Auto auf den Kundgebungsort an der Kampstraße zu eskortieren, aber auch hier blieben die 65 Nazis nicht ungestört. An den Zufahrtswegen sorgten hunderte Gegendemonstranten für großen Lärm. Einer Handvoll Nazigegner gelang es sogar, durch ein Parkhaus direkt zu den Nazis vorzustoßen.

Bei ihrer Kundgebung spulten die Nazis das übliche Programm ab. Menschen, die Flüchtlingen helfen, wurden als „kranke Volksverräter“ bezeichnet. Und Ratsherr Michael Brück kündigte eine weitere Kundgebung am Mittwoch an.

Schwierig gestaltete sich die Abreise des Nazi-PKW. Die Polizei hatte sich überlegt, den Wagen durch hunderte Gegendemonstranten am Westentor zu führen. Mit einigen Ketten aus Polizeikräften stürmte sie durch die Menge, das Nazi-Auto wenige Meter dahinter. Eine Sitzblockade wurde von der Polizei geräumt. Nazigegner warfen immer wieder Flaschen und andere Gegenstände auf den Wagen der Nazis. Insgesamt unschöne Szenen. Die Polizei hätte hier besser erst den Weg frei geräumt und dann die Nazis wegfahren lassen.

Für Dortmunder Verhältnisse gab es am Montag ein beachtliches Zeichen gegen Rechts. So viele Menschen waren schon lange nicht mehr auf der Straße. Bleibt die Frage offen, ob das am Thema Flüchtlinge liegt, das derzeit in aller Munde ist, oder ob endlich große Teile der Zivilgesellschaft die Notwendigkeit verstanden haben, gegen die Nazis zu protestieren.

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2 Kommentare

  1. #1 | dkoedo sagt am 9. September 2015 um 07:08 Uhr

    Zur Gewalt einer Minderheit gegen die Rechten

    Vorab ein Wort zum Protest gegen die Rechten: Respekt, viele Menschen zeigen zur Zeit in Dortmund, dass hier kein Platz für Nazis ist

    Immer und überall sind die gewaltbereiten Gegner jedoch ein Problem. Man kann es nicht oft genug sagen, Gewalt ist keine Lösung. Zumal sie den Rechten auch in die Hände spielt. Aber wie kann man das verhindern? Eine gute Frage, auf die ich leider keine einfache Antwort habe. Eine Möglichkeit wäre, diese Leute festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Ist aber nicht ungefährlich.

    Im übrigen bin ich der Meinung, dass Protest gegen Rechts viel öfter still passieren sollte. Nichts ist schlimmer für die Rechten, als ignoriert zu werden. Vor Jahren haben das die Wambeler und Körner Bürger gezeigt, als Rechte über den Hellweg marschiert sind. Fenster waren geschlossen, niemand hat reagiert. Und das hat nichts damit zu tun, dass Naziproblem zu ignorieren, sondern ist eine besondere Form des Gegenprotestes.

    Eine Gelegenheit wäre z.B. das letzte Wochenende gewesen, als die Polizei versucht hat, die 20-30 Figuren durch den Bahnhof zum Abfahrtsgleis der S Bahn zubringen. Wenn sich da die Flüchtlingshelfer demonstrativ still abgewandt hätten, wäre auch das ein Zeichen gewesen.

    Der Polizei hätte man in aller Ruhe nach der Aktion mitteilen können, dass dieses Vorgehen, sagen wir mal, suboptimal war. Ok, ich halte es für taktisch völlig verkehrt, die Lösung, die über die Aussentreppe zum Gleis zu bringen, hätte man sofort realisieren müssen.

  2. #2 | Udate: Samstag: Irgendwo, irgendwann Nazi-Aufmarsch | Ruhrbarone sagt am 21. Oktober 2015 um 19:04 Uhr

    […] September nur mit Mühe und Not, eine Kundgebung der Rechten auf der Kampstraße zu ermöglichen. (Unser Artikel) Nach einer spontanen Kundgebung der Rechten geriet die Polizei für ihren Einsatz in die Kritik. […]

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