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Dortmunds Oberbürgermeister beantwortet “Juden-Anfrage” der Nazis nicht

Ullrich Sierau

Ullrich Sierau

Im November stellte Dennis Giemsch, Ratsmitglied der Nazi-Partei “Die Rechte” eine Anfrage: Giemsch wollte wissen, wo und wie viele Juden in Dortmund wohnen. Heute hat Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) die Anfrage beantwortet.

In seiner Antwort nennt Sierau keine Zahl und verweist nur auf die Seite der Jüdischen Gemeinde Dortmunds. Mehr Infos als seit Jahren öffentlich bekannt sind gibt es nicht.  In einer Stellungnahme fordert Sierau das Verbot der Nazi-Partei:

Anfrage des Ratsmitglieds Giemsch zur Sitzung des Rates am 13.11.2014 zum

Tagesordnungspunkt „Jüdische Mitbürger in Dortmund“, Drucksache Nr.: 14315-14

Hier: Stellungnahme der Verwaltung

Sehr geehrte Damen und Herren,

die o. g. Anfrage nehme ich zum Anlass, um Folgendes festzustellen. Die Rechtsextremen wollen nicht nur mit dieser Anfrage in unserer Stadt ein Klima der Diskriminierung und Bedrohung erzeugen. Sie knüpfen damit an die unheilvolle Tradition der Judenregister an, auf deren Grundlage später die ungeheuerlichen Verbrechen des Holocaustvon den Nazis organisiert wurden.

Die Stadt Dortmund ist stolz auf ihre aufblühende jüdische Gemeinde* und ich freue mich über jeden Menschen jüdischen Glaubens, der in Dortmund lebt oder noch leben will. Die breite Welle der Verbundenheit aus der Bevölkerung mit der jüdischen Gemeinde hat mich tief beeindruckt. Auch die evangelische und katholische Stadtkirche haben sich solidarisiert und deutlich gemacht, dass sich ihr christlicher Glaube auch auf jüdischen Traditionen gründet (siehe Anlage).

Diese und ähnlich menschenverachtende Anfragen wird die Verwaltung nutzen, interessierten Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere Jugendlichen zu verdeutlichen, dass die Partei „Die Rechte“ eine direkte Nachfolgeorganisation des verbotenen nationalen Widerstands Dortmund ist und damit in der Tradition des verbrecherischen Terrorregimes des Nationalsozialismus steht.

Mit Ihrer demaskierenden Anfrage zeigen die Rechtsextremen erneut, dass ein Verbot der

Partei „Die Rechte“ dringend notwendig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Ullrich Sierau

*http://www.jg-dortmund.de/

Die Stadt hatte angekündigt, die Aafrage von Giemsch “spartanisch” beantworten zu wollen und Wort gehalten.

Dem Schreiben Sieraus, das an die Presse und die Mitglieder der Rats ging, sind Stellungnahmen der katholischen und evangelischen Kirche beigefügt, die sich gegen Antisemitismus, die Partei Die Rechte richten und sich mit der Jüdischen Gemeinde solidarisieren.

Besonders gelungen ist die Antwort der evangelischen Kirche:

ev_antwort_nazis

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14 Kommentare zu “Dortmunds Oberbürgermeister beantwortet “Juden-Anfrage” der Nazis nicht

  • #1
  • #2
    Klaus Lohmann

    Bevor irgendeine braune Sumpfnase jetzt nachmoppert – rein technisch/juristisch ist auch keine andere Antwort als der Verweis auf die Homepage der jüdischen Gemeinde Dortmund möglich, denn nur diese pflegt die Zahlen und Details werden nur an das Finanzamt weitergeleitet, so dass die Stadt keinen Zugriff darauf hat.

  • #3
  • #4
    Becca

    Gut so Ullrich Sierau!!!
    Auch die Stellungnahme der evangelischen Kirche in Dortmund, die auf die Glaubensgeschwister hinweist ist richtig!

  • #5
    Norbert

    In den 30er-Jahren (und davor) sah das der kirchliche Mainstream nicht so, von daher ist die Idee der Stellungnahme der Ev. Kirche zwar nicht schlecht, aber irgendwie auch peinlich. Mal abgesehen davon, woher die Herren Theologen immer so genau wissen, was die ganzen Mitglieder so glauben und denken.

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  • #7
    Klaus Lohmann

    @#5 Norbert: Ich kann nun wirklich nichts “Peinliches” darin entdecken, sich heute eindeutig gegen jedweden Antisemitismus zu positionieren. Soll die Kirche wieder schweigen wie damals?
    Und ja: Die “Herren Theologen” wissen z.B. sehr genau, was *ich* denke.

  • #8
    Jacques Noir

    Erstmal ist es erfreulich dass die Stadt Dortmund sich nicht einschüchtern lässt. Einem Verbot der Partei “Die Rechte” stimme ich zu und da es in der Partei noch keine V-Männer des Verfassungsschutzes gibt, so sollte ein Verbot durch das Bundesverfassungsgericht in diesem Fall wohl auch möglich sein. Bei der NPD gab es ja das Problem der V-Leute, dies gibt es in diesem Fall ja nicht.

    Worin ich aber Norbert zustimmen muss ist, dass sich gerade die evangelische Kirche in solchen Angelegenheiten lieber zurückhalten sollte. Guter Wille hin oder her, aber man merkt schon sehr deutlich dass sie sich wie so oft mal wieder nur medienwirksam aufspielen will, wie bei so gut wie jedem anderen Thema. Offenbar laufen den Protestanten die Mitglieder in Scharen weg oder wieso hat man es nötig, sich ständig überall und zu jedem Thema zu äußern?

  • #9
    Klaus Lohmann

    @Jacques Noir: Sorry, aber was soll diese Übertreibung mit “ständig überall und zu jedem Thema”??? Lesen Sie andere Medien wie wir, evt. die Evangelische Sonntags-Zeitung? Außerdem ist einer Kirche wohl eher “Senf zu allen Lebenslagen und Themen” zu erlauben als z.B. der Dachdeckerinnung.

    Sie finden in nahezu *jeder* gesellschaftlich relevanten Gruppierung irgendwelche Leichen im Keller, aber soll doch bitte nicht vom Hier und Heute, vom deutlichen Engagement gegen Rechtsaußen abhalten, oder?

  • #10
  • #11
    Bebbi

    @ Klaus Lohmann:
    Es wäre erschrekend, hätte die Kirche als Institution nichts dazu gelernt, aber sie sollte sich abgewöhnen, kund zu tun, was ihre Mitglieder glauben, wenn sie die Position der Institution meint. Das sind zwie paar Dinge. Erforscht sie sogar selber alle paar Jahre in ihren Mitgliedschaftsuntersuchungen und vor allem halte ich jedwelche Aussagen, die für sich beanspruchen, DIE Position des Christums zukommunizieren für unredlich. Dafür ist das alles viel zu plural. Und dann ist es doch eigenartig, zu sagen eine Position sei die EINE richtige Position ohne dabie zu erklären, warum man ein paar Jahrzehnte mit den gleiche Texten als Basis zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen sei.

  • #12
    Klaus Lohmann

    @Bebbi: Dann stellen Sie sich doch bitte hin und sagen deutlich: “Ich als Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde Dortmunds erkläre mich hiermit ausdrücklich nicht in meiner Zugehörigkeit eng mit dem jüdischen Glauben verbunden.”, anstatt hier um den heißen Brei rumzukommentieren. Alles Andere wäre eine Meta-Diskussion, die hier zum konkreten Sachverhalt der Nazi-Anfrage keinen Sinn macht.

  • #13
    Klaus Lohmann

    @Jonas: Auch die AIDS-Hilfe Dortmund hat sich als ebenfalls von den Nazi-Fragen betroffene Institution (noch) nicht solidarisch gezeigt. Was soll uns das nun sagen?

  • #14
    Norbert

    @Jacques Noir: Sorry, aber was soll diese Übertreibung mit “ständig überall und zu jedem Thema”??? Lesen Sie andere Medien wie wir, evt. die Evangelische Sonntags-Zeitung? Außerdem ist einer Kirche wohl eher “Senf zu allen Lebenslagen und Themen” zu erlauben als z.B. der Dachdeckerinnung.

    Ich find das keine Übertreibung. Nur zu den Kernthemen hört man kaum etwas und genau dazu sollte sie sich äußern. Keine Ahnung, warum die Kirche mehr Kompetenz darin haben soll, sich zu Dächern zu äußern als die Dachdeckerinnung zum Thema Religion/Glaube/Theologie.

    @ #10 Jonas: Das ist schon von daher schwierig, da der islam soetwas wie die Mitgliedschaft in der Institution Kirche nicht wirklich kennt. Also können sich da höchstens einzelne Moscheen zu äußern oder vielleicht noch irgendein Dachverband.

    @ #12 Klaus Lohmann
    Schade, dass du meine Argumentation nicht richtig lesen willst, um deine (?) – nicht meine – Kirche zu verteidigen.

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