
Nach dem Ende des Old Daddy Duisburg an seiner ursprünglichen Location auf der Steinschen Gasse, ließ Peter Jurhahn, früherer Betreiber des Old Daddy in Duisburg, die legendäre Disco wieder auferstehen: Im Eventschloss PULP wurde, seit September 2023, alle paar Monate Old-Daddy-Revival-Partys veranstaltet. Am 31. Mai 2025 fand dort die letzte Old-Daddy-Revival-Party statt. Mit teilweise negativer Kritik, weil Besucher zu später Stunde noch in die übervolle Location reingelassen wurden und keine Getränke, außer Softdrinks, mehr vorrätig waren.
Seit dem 1. Juni 2025 ist das PULP geschlossen.
Danach wurde lange nach einer neuen Location für das Event gesucht. Erfolgreich: Am vergangenen Samstag fand wieder eine Old-Daddy-Party statt.
Die neue Location für die Old-Daddy-Revival-Party in den Räumen der Duisburger Rheingold-Brauerei kam gut an.
Daddy-Revival in Wanheimerort

Gut versteckt, zwischen dem Duisburger PICNIC-Hub und einer Rettungswache der Johanniter-Unfallhilfe, auf dem früheren Gelände ehemaligen Schlosserei der Kemper Draht & Kabelwerke, findet man seit 2024 die Rheingold-Brauerei. Früher – seit 1827 – wurde das Kultbier in Friemersheim gebraut, in den 80er Jahren machte die Brauerei dicht. Seit dem letzten Jahr gibt es Rheingold in Duisburg-Wanheimerort.

Ich war bisher dort mehrmals auf Events, wie zum Beispiel dem Bierfestival 2025. Die Location mag ich nicht nur wegen ihres urigen Charakters: Die Räume der Brauerei sind von meiner Wohnung fußläufig erreichbar.

Als wir am Samstag gegen 22:00 Uhr bei der Party-Location ankommen, läuft mir direkt SPD-Ratsherr Torsten Steinke mit seinem Sohn Paul über den Weg. Er wohnt noch näher an der Location, quasi in Steinwurfweite entfernt. Er hat die Entscheidung getroffen, das Event gleich vor Ort zu erleben statt nur zuhause die Musik zu hören, die dort gespielt wird.
Die Stimmung ist gut, auch wenn es in der neuen Halle und draußen eisig kalt ist.
Was positiv ist: Neben jungen Gästen – die zu der Zeit, als ich erstmals im Old Daddy war, noch nicht mal geplant waren – sehe ich viele bekannte Gesichter aus früheren Daddy-Zeiten.
Das Old Daddy ist, zusammen mit seinem Stammpublikum, in Würde gealtert.
Das die neue Location komplett ebenerdig ist, macht den Veranstaltungsort ideal für zukünftige Revivals. Das ursprüngliche Daddy an der Steinschen Gasse war für ältere Jahrgänge mit Handycaps nur schwer bzw. mit Hilfe anderer zugänglich. Aufgrund der Treppe, die hinter dem Eingang mit den Türstehern (Wie das Urgestein „Brötchen“ oder Markus!) in die Räume führte.
Was früher zum Old Daddy mit dazugehörte, wie beispielsweise die Scherben von kaputten Gläsern und Flaschen auf dem Boden und ausgeschüttete Getränke, fehlt hier. Schlecht finde ich das nicht. Außerdem kann man sich problemfrei über dem gesamten Gelände bewegen ohne über Erbrochenes oder alkoholisierte Menschen, die einfach eingeschlafen sind, zu stolpern.
Die Rheingold-Location ist komplett fit für die Generation Rollator.

Im großen Rheingold-Saal, normalerweise bestuhlt und mit Tischen ausgestattet, läuft Pop-Musik der 80er Jahre: Madonna, Duran Duran, Wolfsheim, Soft Cell, B-Movie, Depeche Mode, Kim Wilde, Dexys Midnight Runners bringen die Gäste auf die Tanzfläche. Bei „I love Rock ‚’n Roll“ von Joan Jett & Blackhearts wird die Tanzbühne gestürmt.
DJ Peter Cheesy weiß, was sein Publikum hören mag.
Wesentlich kälter, mit härterer Musik, ist es im Rohbau der neuen Halle. Dort ist es dunkler als im fertigen Gastraum der Brauerei. Es läuft Musik wie z.B. „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana. Die Halle ist komplett voll, die Stimmung ist bombastisch. Trotz der Kälte, die man einfach weggetanzt.
Peter Jurjahn: „Die Resonanz war gut.“
Neben DJ Peter Cheesy stehend, sehe ich Peter Jurjahn, Betreiber der Old-Daddy-Club-Lounge im Kulttempel Oberhausen und früherer Betreiber des Old Daddy in Duisburg. Seit dem Ende der Duisburger Kultdisco, veranstaltet er die Old-Daddy-Revivals.
Ruhrbarone: Heute ist Old-Daddy-Revival-Party an einer neuen Location. Wie kam es dazu?
Peter Jurhahn: Das Problem war ja, das PULP ist zu als Location und man musste eine passende Location suchen und wir sind auf die Leute vom Rheingold aufmerksam geworden, haben mit denen gesprochen darüber, ob wir das vielleicht zusammen hochziehen können. So ist das zustande gekommen.
Und dann haben wir gesagt: „Okay, machen wir jetzt!“. Ein bisschen unglücklich, weil die Halle nebenan noch ein Rohbau ist, muss man dazu sagen. Ein bisschen kühl auch, der Kälteeinbruch ist jetzt natürlich ein Problem. Wir hätten die lieber vorher gemacht, aber da hatte man keinen Termin frei.
Also wenn wir die jetzt im Frühjahr machen, wenn jetzt zum Beispiel draußen 10 Grad ist, ist das abends auch kein Problem, aber jetzt natürlich sehr schattig.

Ruhrbarone: Sind hier weitere Events geplant oder ist das erstmal nur ein Testlauf?
Peter Jurhahn: Ja, erstmal ist es ein Testlauf. Wir werden danach natürlich ein wenig Kritik bekommen, ist klar. Wegen der Kälte zum Beispiel. Da werden wir sagen, dass wir das aufnehmen und dann werden wir vielleicht dann so sagen, dass wir die nächsten Events vielleicht im Frühjahr, im Sommer und vielleicht im Frühherbst machen. Nicht mehr so spät.
Jetzt hast du natürlich den Kälteeinbruch. Letzte Woche waren noch 12, 13, 14 Grad draußen, da wäre das kein Problem gewesen. Ist natürlich ein bisschen unglücklich, weil der Kälteeinbruch kam für uns.
Die Halle ist OK hier von der Temperatur her. Aber nebenan ist das natürlich nicht zufriedenstellend, auch für uns nicht.
Ruhrbarone: Wie ist jetzt die Resonanz nach der Wiedereröffnung und der Abschlussparty im PULP?
Peter Jurhahn: Die Resonanz war gut. Wir haben natürlich gut Fahrt und Karten verkauft. Den Kartenvorverkauf haben wir von vornherein begrenzt, weil wir auch nicht wussten, wie das hier zu händeln ist, auch von der Gastronomie und so weiter. Es ist gar nicht so einfach, eine Location zu finden, für eine entsprechende Menge von Leuten. Wir wissen ja auch, dass die Nachfrage da ist. Wir werden uns nach der Veranstaltung nochmal mit den Gastronomiebetreibern hier zusammensetzen und gucken, ob wir ein paar Dinge besser machen werden.
Ruhrbarone: Wieviele Leute passen hier heute rein?
Peter Jurhahn: Wir haben jetzt insgesamt auf 1000 begrenzt.
Ruhrbarone: Also wird der Laden hier heute voll werden?
Peter Jurhahn: Wahrscheinlich, ja. Die Karten sind ja weg.
Deshalb haben wir das auch gemacht und nicht so wie im Mai, ohne Vorverkauf, sondern einfach nur Abendkasse. Und da wussten wir ja auch, was kommt. Die letzte Party ist natürlich ein bisschen durch die Decke gegangen, muss man dazu sagen. Da war natürlich auch mit zu rechnen. Aber jetzt haben wir das gemacht von vornherein, um nicht irgendwie da einfach mal 2000 Leute stehen zu haben und du kannst sie nicht abfrühstücken auf gut Deutsch. Da gibt es natürlich dann richtig Ärger.

Das Rheingold-Team meistert souverän
Was beim ersten und letzten Daddy-Revival im PULP negativ auffiel: Lange Wartezeiten um an Drinks zu kommen, wenn man überhaupt an Getränke kam (Was zwei Parties dort, zumindest für mich als Gast, sehr preisgünstig machte!).
Im Rheingold lief das komplett reibungslos. Getränke wurden zeitnah geliefert, das Personal ist eingespielt und cool. Einige Gäste, die ich von früheren Daddy-Zeiten kenne, mit denen ich kurz reden konnte, sehen das an diesem Abend ähnlich.
Das Bier der Rheingold-Brauerei, ich hatte ein Alt und ein Pils, gibt es zu Daddy-Preisen (Heißt: Nicht teuer!). Die Mischungen bei anderen Drinks sind, wie früher im Daddy, eher spritlastig:
Man knüpft hier an alte Zeiten an. Mir gefällt es, anderen Gästen auch:
Bei einem Gespräch vor den Toiletten, ist man begeistert von der Party. Man diskutiert kurze Zeit (komplett erfolglos!), wo man sich gerade befindet („Geil hier in Mündelheim!“, „Nee, wir sind in Serm!“, „Das ist Bissingheim!“) und vermisst die Pizza-Bude um die Ecke. Bei der man, wie auf der Steinschen Gasse, nach dem Daddy-Besuch noch etwas speisen konnte. Ein Food-Truck beim nächsten Event wäre eine gute Sache.
Richtigen Stress gab es beim Daddy-Revival auch nicht. Die Türsteher Frika und Marc hatten draußen, nur gewärmt durch die Hitze einer Feuertonne, einen ruhigen Abend.
Ich freue mich auf die nächste Old-Daddy-Party im Rheingold. Party on, Duisburg!











