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ECE-Einkaufszentrum Dortmund: „Die Meinungsfreiheit gilt draußen“

Perfomance in der Thier Galerie Foto: Rika Kaestner

Wie der Sprechchor des Schauspiels Dortmund in die Thier Galerie ging und versuchte, einen Text aufzusagen. Ein nicht nur unerfreulicher Besuch in Dortmunds größtem scheinöffentlichen Raum. Von unserem Gastautor Bastian Pütter.

Der Sprechchor des Dortmunder Schauspiels ist aufgeregt. Mehr als 70 Bürgerinnen und Bürger sind wie verabredet mit weißen Oberteilen erschienen, die sie auf dem Weg zur Probebühne noch unter dicken Jacken verbergen. Die älteste Teilnehmerin ist 80, die allermeisten Ü40. Alle haben ihren Text gelernt, einstudiert unter der Anleitung von Dramaturg Alexander Kerlin und Schauspieler Christoph Jöde.

Vor genau einem Jahr wurde er bereits vor Dortmunds zweitem monumentalen Prachtbau, dem „Dortmunder U“ zum Vortrag gebracht. Anlass war die nicht minder monumentale Abschlussfeier des Kulturhauptstadtjahres, und der Chor sprach: „Wir bauen ein U / Eine: „Zwingburg des Glanzes“ / … / Für unsere weichen: Standortfaktoren“. Das hatte genau die feine Ironie, die dem Kulturmetropolendings ein Jahr lang gefehlt hatte. Der WDR übertrug klaglos und die geladenen Gäste gingen leicht irritiert ins Warme.

„Geschäfte! Geschäfte! Geschäfte!“

Mit diesem Text will sich der Sprechchor nun aufmachen in die Nachbarschaft. „Ums Eck“ hat der Shopping-Mall-Betreiber ECE schließlich einen „lebendigen Marktplatz“ geschaffen, 33.000 Quadratmeter Wohlfühlort zum Verweilen, die Thier-Galerie.

Die Dachkonstruktion stemmt sich gegen das Gewicht des herabhängenden Weihnachtsschmucks, überall blinkt es – und es klingt: Im Souterrain hat der Pianist Feierabend, jetzt tut eine einsame Sängerin Leonard Cohens „Hallelujah“ Gewalt an.

Draußen Mistwetter, die Shopping Mall ist gut besucht an diesem Dienstagabend im Advent. Schwer bepackte Shopper, schwitzende Familien, Burger mampfende Halbwüchsige in der „Apollinaris Food Lounge“ – und Flaschensammler, die sich mit sauberen Jacken und New-Yorker-Tüten tarnen, auf der Hut vor Security im Anzug und im Videoüberwachungsraum.

„Toll: wie ihr euch auf den Beinen haltet / Toll: wie wir uns auf den Beinen halten“

Und kurz vor 18 Uhr trifft hier in kleinen Gruppen der Dortmunder Bürgerchor ein. Ein etwas aufgeregter Flashmob in spe der gesetzten Art, im Auftrag der Hochkultur sozusagen. Geplant sind „Versuche“, kleine harmlose Experimente mit ungewissem Ausgang.

Die Idee ist einfach: Tun wir so, als sei dieser Ort das, was er vorgibt zu sein. Nutzen wir ihn kurz, friedlich und grund-„bürgerlich“ als sei er öffentlicher Raum.

Die Hausordnungen sind in der Thier-Galerie fast so unsichtbar wie die Kameras. Der Sicherheitsdienst wirkt wie Service-Personal. Sein Auftrag: Zu verhindern, dass es drin so wird wie draußen. Wer nicht passt, fliegt raus oder wird gleich am Eingang aufgehalten.

Bereits wenige Minuten nachdem OB Uli Sierau am Tag der Eröffnung das rote Band durchschnitten hatte, begannen die Türsteher mit der Arbeit und lehnten die ersten Besucher ab. Trotzdem sind die Marketing-Bemühungen erfolgreich. „Das ist doch öffentlicher Raum“ werden wir heute mehrfach hören. Ist es nicht.

Es beginnt ganz still. Ein Bild kaum zu überbietender Harmlosigkeit. Menschen jeden Alters lehnen sich über eine Brüstung und schauen gespannt ins Kellergeschoss. Dort zu sehen: nichts. Passanten bleiben stehen, lehnen sich auch nach vorn, warten. Nach endlosen Minuten steigen einige Luftballons auf, fliegen lautlos vorbei an den Dutzenden Zuschauern und finden einen Platz unter der Hallendecke. Die Menge zerstreut sich. Das Sicherheitspersonal, das sich in einiger Entfernung an Schaufensterscheiben drückt, tuschelt.

„Hören Sie mich?“ – „Hören Sie“

Versuch 2: Auf dem Weg zur zweiten Station gehen die ersten Chormitglieder verloren. Die Unübersichtlichkeit der Thier-Galerie bleibt auch nach mehrmaligem Besuch verblüffend. Ein Teilnehmer wartet tapfer vor dem Esprit-Bodywear-Shop (1. OG) statt vor dem Esprit-Main-Shop (EG). Die Etagenbezeichnungen des am Hang gebauten Gebäudes helfen übrigens nicht.

Trotzdem finden sich wie zufällig mehr als 60 Menschen am verabredeten Ort an einer der Ecken des Dreiecks ein, das den Gebäudekern bildet.

Christoph Jöde zückt an einer gegenüberliegenden Brüstung einen Dirigentenstock und der Chor beginnt: „Dortmund / 76 Meter über normal Null“. Passanten erschrecken, bleiben verwundert stehen, lauschen. Personal und Kunden kommen aus den Läden, amüsiert, interessiert.

„Der Himmel hier: / war stumpf und glanzlos / Aber alles muss etwas sein: / Nichts darf nichts sein“. An dieser Stelle stürzt ein Wachmann auf Christoph Jöde zu und versucht, ihm den Taktstock zu entreißen, dann, seinen Arm unten zu halten. Eine Slapstick-Nummer. Jöde dirigiert noch hinter dem Kopf weiter, als er abgeführt wird. Der Chor macht tapfer weiter: „Was ist hier: / Dort ist: wo?“ Die Security hat die Damen und Herren eingekreist, aber es sind einfach zu viele. Und sie ähneln einfach nicht den „Zielpersonen“ aus den Schulungen.

„Wir ringen um Durchblick / Wir verbergen die Welt“

Jetzt sind wir dran. Ein Kollege der Ruhr Nachrichten und wir haben Fotos gemacht. Wachleute, bereit etwaige Fluchtversuche zu verhindern, rufen die Polizei und verbringen Zeit bis zu deren Eintreffen mit Drohungen und Beschimpfungen.

Wir weisen auf mindestens fünfzehn Passanten hin, die fotografiert und gefilmt haben, es gab ja einiges zu sehen. Eine Sicherheitsfachkraft notiert alle Buchstaben und Zahlen meines DJU-Presseausweises und kommentiert abfällig: „ver.di, ja, die kenn ich.“

Uns werden immer noch ruinösere Klagen in Aussicht gestellt, als die Polizei eintrifft. Die weigert sich zwar, die Anzeige des wütenden Wachmanns aufzunehmen, belehrt uns aber langatmig wenn auch nicht unfreundlich über die Rechtslage. (Aus diesem Grund verzichten wir, hier Fotos abzubilden. Dazu haben wir nämlich kein Recht – und die kleinere Rechtsabteilung.)

Unsere Personalien werden aufgenommen, die Beamten bestehen eindringlich auf privaten Handynummern, naja, Jäger und Sammler.

Immer wieder kommen Kundinnen und Kunden hinzu und äußern ihr Unverständnis. Auch mit besagter Fehlinformation: „Das ist doch öffentlicher Raum.“ Nein, wie gesagt. Als jemand einwendet, wir seien doch Journalisten, sagt der Wachmann mit meinem Presseausweis in der Hand: „Die Meinungsfreiheit gilt draußen.“

Das ist so schön gesagt, dass es uns fast zu Tränen rührt und wir uns freundlich mit Verbeugungen Richtung Getränkestand verabschieden. Der Dirigent erhält unmittelbar Hausverbot, die Journalisten warten auf Post.

„Nehmen wir uns, was uns gehört“

Mit der einigermaßen kühlen Cola in der Hand verpassen wir Versuch 3: Der Chor fährt Rolltreppe. Jugendliche schalten schnell – „´n Flashmob, oder?“ – und reihen sich ein, wer kann in weiß. Der wieder eingesickerte Jöde überredet strahlendweiße Mietengel mitzufahren, ein fast katholisches Bild. Es weihnachtet.

Zum Abschluss gibt’s noch ein klassisches Flashmob-Motiv. Alle Teilnehmer bleiben stehen und verharren zehn Minuten bewegungslos. Eine Frau, deren Job das Wechseln der Mülltüten in den Papierkörben ist, drückt hektisch auf ihrem Funkgerät herum. Nur ein Alarmknopf, gut, dass sie nicht das Problem beschreiben muss. Wir wischen Assoziationen zu Dawn of the Dead aus dem Gedächtnis und beobachten noch etwas die aufgeregte Security. In dieser Videozentrale muss einiges los sein, schade, dass Überwachungskameras keine Kästen mehr sind, die sich surrend bewegen.

Zurück auf der Probebühne des Schauspielhauses diskutieren die Chormitglieder. Die Stimmung ist gelöst. Lachen über den Dirigenten-Slapstick. Die Teilnehmer berichten von viel Zuspruch und vielen Fragen. Ein älterer Herr sagt nachdenklich in die Runde: „Einkaufen ist eine todernste Sache.“ Am Ende der Versuch eines Fazits. Ob es darum ging, etwas zu beweisen? Eher darum, etwas anzustoßen. Alexander Kerlin: „Dadurch, dass wir da waren, hat sich etwas gezeigt.“

Der Chortext endet übrigens mit diesen Versen:

„Hören Sie / Die Stadt gehört uns / Die Stadt gehört euch / Nehmen wir uns was uns gehört“.

Bastian Pütter ist Chefredakteur des Straßenmagazins bodo

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55 Kommentare zu “ECE-Einkaufszentrum Dortmund: „Die Meinungsfreiheit gilt draußen“

  • #1
    el-flojo

    Wäre wirklich schön, wenn die Städte noch uns gehörten. Dummerweise haben die von uns gewählten Leute unsere Städte auf den Strich geschickt.
    Das ist die Zukunft. Und Zukunft ist doch gut für alle.

  • #2
  • #3
  • #4
    Mir

    Etwas missionarisch die Aktion, weil zu begrenzt auf die Galerie, außerdem findet es nicht im öffentlichen Raum statt wie z.B. in der Einkaufsmeile und dem wirklichen Weihnachts“Markt“.

    Ziviler Ungehorsam schön und gut, Flashmob cool, nur sollte sie auch wirklich im öffentlichen Raum sein. Leute vom Kaufrausch unterbrechen um was zu zeigen… ? Die Shopper sind freiwillig in diesem Kauf-Palast. Was bleibt von der Aktion? Ein theatralisches Spiel.

  • #5
    Bastian

    Die Ruhr Nachrichten haben es im Print. Vier Spalten und erstaunlich deutlich, dafür, dass die Thier Galerie der wahrscheinlich größte Anzeigenkunde ist.
    Headline „Guerilla-Poesie“, von Tilmann Abegg.

  • #6
    Novinky Schleich

    … Flashmob hin „Guerilla-Poesie“ her…

    Der Umgang mit den Kollegen ist unerträglich:

    „Jetzt sind wir dran. Ein Kollege der Ruhr Nachrichten und wir haben Fotos gemacht. Wachleute, bereit etwaige Fluchtversuche zu verhindern, rufen die Polizei und verbringen Zeit bis zu deren Eintreffen mit Drohungen und Beschimpfungen.“

    Und seit wann muss man als Journalist seine private Handynummer herausgeben?

    Offensichtlich gibt es da Nachschulungsbedarf für den „Sicherheitsdienst“ und für die Polizei…

  • #7
    Arnold Voß

    @ MIR # 4

    „Die Shopper sind freiwillig in diesem Kauf-Palast. “ Nicht wirklich MIR:

    http://www.ruhrbarone.de/der-staubsaugereffekt-oder-warum-shopping-malls-so-erfolgreich-sind/

  • #8
    Martin Böttger

    Ich finde das eine Klasse-Aktion. Eine Welt, die uns so zum Lachen bringt, ist damit schon ein kleines Stückchen besser geworden.
    Und die Mächtigen und ihre Handlanger lächerlich machen halte ich im Vergleich mit anderen immer noch für eine der besten Widerstandsoptionen. Also weiter so!

  • #9
    Arnold Voss

    Wer in seinen Räumen einen Chor verbietet sollte lieber bei den Taliban anheuern als mitten in Dortmund ein Einkaufszentrum zu eröffnen. 😉

  • #10
  • #11
    Erich Paul

    Eine tolle Aktion war das! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die „Mächtigen“ (Chefs) so etwas mit Handgreiflichkeiten und Polizei beantwortet hätten. So agieren nur die etwas schlichter gestrickten Wesen! Vielleicht bekommen die Journalisten und die Theaterleute ja noch eine positive Nachricht von der Thier-Leitung.

  • #12
    Stefan Laurin

    @Erich Paul: ich bin mir sicher dass die Thier-Leitung gerade gemeinsam mit dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen an einer tollen Überraschung arbeitet 🙂

  • #13
    Will

    Großartig! Danke für diese wundervollen Aktion. Ich wäre gern dabei gewesen. Schön wie ihr es geschafft habt, dem Betreiber eine Reflektion seines Handels aufzuzeigen. Ich bezweifel zwar, dass er daraus Konsequenzen erwägt, allerdings muss ihm auch die Chance dazu gegeben werden. Ganz im Sinne Martin Böttgers Kommentar: „Wer die Welt zum lachen bringt, macht sie ein Stück besser“. Ich hab sehr gelacht und freue mich auf weitere Aktion!

  • #14
  • #15
    Nadine

    Von der Aktion mag man halten, was man will, der Artikel ist aber zweifelsohne ohne gleichen!
    Lieber Autor, ich hatte so viel Spaß beim Lesen! Danke!!!

  • #16
  • #17
  • Pingback: Links anne Ruhr (08.12.2011) » Pottblog

  • #19
    Georg kontekakis

    Bilder kann man machen. Filme veröffentlichen.

    Die Galerie ist öffentlich nutzbarer Raum.

    Die Macht der anderen ist Eure Angst, für eurer Recht zu streiten.

  • Pingback: Demokratiefreie Zone im ECE-Center | Kompass – Die Piratenzeitung

  • Pingback: Scheinöffentlicher Raum – flashfonic.de

  • #22
    Martin Schmitz

    Die Reaktion der Thier-Galerie-Sicherheitsleute ist ja mal dermaßen überzogen. Die Aktion hat mir gefallen.

    Dennoch, man sollte feststellen und respektieren, dass die Thier-Galerie kein öffentlicher Raum ist, wie manche sich das gerne wünschen würde. Das Gelände war dies auch nie (mit Ausnahme von 50m Straßen zwischen Potgasse und Martinstr., die allenfalls für 13 Autos als Parkfläche diente). Und dass der Betreiber Aktionen und Handlungen in seinen Räumen unterbietet, die im öffentlichen Raum möglich und erlaubt wären, finde ich nicht wirklich schlimm (die Heftigkeit in diesem Fall aber sehr wohl). Niemand würde doch auch behaupten, dass Karstadt oder Kaufhof oder irgendwelche anderen großen Geschäfte ein öffentlicher Raum wären.

    Was mich in der Vergangenheit da weitaus mehr geärgert hatte, war der Umstand, dass der ECE-Vertreter die Stadt aufforderte, etwas gegen die vielen Obdachlosen und Bettler in der City zu machen. Das war mal ein absolutes No-Go und absolut menschenverachtend.

  • #23
    Klaus Felicitas

    Das war doch der Chor der schon bei der Ruhr2010 Abschlussfeier aufgetreten ist, oder? MIR, das war damals in jeglicher Definition im Öffentlichen Raum – nämlich direkt vor dem U, und wurde auch im WDR Fernsehen übertragen.

    Und ja, mich wundert die schwarz/weiß Reaktion der Sicherheitsleute auch nicht wirklich….

  • #24
    Stuttgarter Republik

    Klasse Aktion! Das wiederholen wir dann in Stuttgart im Filz-Viertel, falls es je so weit kommt:

    http://www.fakeblog.de/2011/10/10/stuttgart-hat-entschieden-das-neue-quartier-heisst-milaneo/

  • #25
    Alexander Kerlin

    Das BVerfG hatte in diesem Frühjahr zu entscheiden, ob Versammlungs- und Meinungsfreiheit auch im öffentilch zugänglichen Bereich des Frankfurter Flughafens gelten. Dies hat es zutreffend bejaht: Der Betreiber ist als gemischt-öffentlich-privatrechtliches Unternehmen unmittelbar an Grundrechte gebunden. Und die Versammlungs- und Meinungsfreiheit gelten auch dort, wo Flächen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Von besonderem Interesse dürften die folgende Passage (Pressemitteilung Nr. 18/2011 vom 22. Februar 2011, Ziffer 2 a)) sein:

    „Wenn heute die Kommunikationsfunktion
    der öffentlichen Straßen zunehmend durch weitere Foren wie
    Einkaufszentren oder sonstige Begegnungsstätten ergänzt wird, kann die
    Versammlungsfreiheit für die Verkehrsflächen solcher Einrichtungen nicht
    ausgenommen werden, soweit eine unmittelbare Grundrechtsbindung besteht
    oder Private im Wege der mittelbaren Drittwirkung in Anspruch genommen
    werden können. Dies gilt unabhängig davon, ob die Flächen sich in
    eigenen Anlagen befinden oder in Verbindung mit
    Infrastruktureinrichtungen stehen, überdacht oder im Freien angesiedelt
    sind.“

    Das heißt: Das BVerfG erkennt die daraus folgende Gefahr für Versammlungs- und Meinungsfreiheit, das öffentliche Flächen zunehmend privatisiert werden und begegnet ihr dadurch, dass es den Anwendungsbereich der Grundrechte insoweit ausweitet.

  • #26
    Arnold Voss

    @ Alexander Kerlin # 25

    Endlich haben sie es begriffen. Nicht umsonst gabe es ja auch in diesem Fall Passanten, die die Reaktion des Sicherheitspersonals nicht verstanden haben, weil sie dachten, dass sie sich auf öffentlichem Gebiet befinden. Und genau dieses Gefühl, sich noch im öffentlichen Bereich zu befinden, d.h. noch nicht in einem Geschäft zu sein, soll ja die Straßen-Architektur eines Einkausfzentrums erzeugen.

    Interessant ist auch der Terminus „öffentlich zugänglich“. Das künstlich inszenierte Gefühl in einer Mall auf einer öffentlichen Straße zu sein setzt ja eben voraus, das diese auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Bin gespannt wie die Mall-Betreiber mit diesem Urteil umgehen werden, denn es stellt in seiner Kernaussage ihr Konzept und damit auch die Basis ihres Erfolges in Frage.

    Hochinteressant ist dieses Urteil auch für die Stadt Bochum bzw. für das dort geplante innerstädtische Einkaufszentrum. Zur Förderung der Integration in den Stadtraum sehen die Pläne hier eine Verteilung des EKZ auf mehr als ein Gebäude vor, zwischen denen ein echter Straßenraum entsteht der jedoch trotzdem privatisiert werden soll. Im Ruhr-EKZ-Klassiker CentrO in Oberhausen müsste nach diesem Urteil zumindest auf der Promenade und den Vorplätzen ab sofort wieder öffentliches Recht gültig sein.

  • #27
    Mir

    Die (öffentlichen) Funktionen auf einem Flughafen und in einem (privatrechtlichen) Einkaufszentrum sind schon verschieden zu beurteilen.

    Nach diesem Entscheid müssen Privatgeschäfte auf einem Flughafen auch Grundrechte wie Demo-Versammlungsfreiheit achten, aber bei rein privatwirtschaftlichen Eigentümer wie im Centro oder Thier Galerie bezweifele ich das es geduldet werden muss. Eigentum gegen Meinungsfreiheit. Interessant.

  • #28
    B.Kloppd

    Schöner Bericht, aber ganz erlich, wundert das irgend wen?
    Ich kenne kaum Leute aus Dortmund die sich diesen „Laden“ antun, und für die, böse gesagt „bauern“, von aussen rum ist es eine willkommene ablenkung zu bauer sucht frau und richter-shows.

    P.S. die polizei muss nicht mehr erfahren als das was auf dem personalausweis steht. Zu mehr haben sie keine berechtigung. Wenn sie versuchen so an telefon nummern zu kommen um möglicherweise freundschaften zu schliessen und dazu gar noch drohen, wenn die nummer nicht rausgegeben wird dann, dann, dann… ist das gegen die verfassung der sie die treue geschworen haben. Aber auch nix neues.

    P.P.S.
    Vllt. sollten die manager der gallerie mal in erwegung ziehen ausweis kontrollen an den eigängen zu machen, was soll schliesslich das ganze „nordstadt-pack“ dort…?

  • #29
    M.Boersma

    Um was ging es nun eigentlich bei diesem „Konzert“?
    Der übliche Weg wäre es doch vorher mit dem Betreiber Kontakt aufzunehmen.
    Dan hätte aber die Gefahr bestanden das der Betreiber erfreut den Chor eingeladen hätte, es hätte keinen „Skandal“ gegeben, und der war wohl anscheinend das Ziel.

  • #30
  • #31
    M. Dowideit

    Sehr schöne Aktion und sehr bedenkliche Reaktion. Vielleicht wäre der nächste Schritt ein Flashmob ein Flashmob mit T-Shirts á la „Thier Galerie – Meinungsfreiheit gilt draußen!“ 🙂

  • #32
    Teilnehmer

    M.Boersma

    Das ist nicht korrekt. Es ging in keinem Moment um einen „Skandal“. Die Idee war, zu Irritieren nicht mehr und nicht weniger.

    „Aber alles muss etwas sein, nichts darf ein nichts sein!.“

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  • #34
    Edda

    Schade, das hätte ich gerne erlebt. Ich habe heute verbotenerweise fotografiert. Ich gestehe, ich habe die Hausordnung nicht gelesen. Aber so schnell wie der Wachmann neben mir stand, so schnell könnte ich gar nicht mein Handy wegpacken. Wie aus dem nichts, sehr bestimmt und trotz meiner freundlichen Antwort, wie es mir einem Piktogramm an der Tür wäre, verstand er keinen Spaß und war ziemlich unfreundlich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch mal zur Thiergalerie gegen werde. Den größten Weihnachtsbaum der Welt durfte ich übrigens ungestört fotografieren. Das war dan wohl tatsächlich öffentlicher Raum

  • #35
    Upsel

    Die Idee mit der T-Shirt Aktion finde ich klasse…Mit einem solchen Shirt: „Die Meinungsfreiheit gilt draußen“ würde ich den Laden auch nochmal betreten. Ansonsten ist dieses Etablissement für mich tabu!!!

  • #36
    Arnold Voß

    @ Edda

    Im CentrO in Oberhausen werden sogar (junge) Leute die nicht ordentlich auf den Bänken sitzen von Ordnern angesprochen.

  • #37
    Arnold Voß

    @ Upsel

    Apropos T-Shirt. In New York habe ich mal eins gefunden mit folgender Aufschrift:

    „Everything is under control , keep shopping“ Habs leider wieder verschenkt.

    Würde auch prima passen.

  • #38
    Elis Leh

    Es wäre sehr interessant zu wissen, welche GEFAHR für die Security der Thier-Galerie der Sprechchor durch das Rezitieren des Dortmund-Textes dargestellt hat. Sind grôßere Menschenansammlungen suspekt, weil sie den Betrieb stôren könnten, sie potentielle Nichtkunden sind und/oder potentielle Kunden beim Abarbeiten ihrer Einkaufsliste stören …? Oder haben die Sicherheitsleute ein weitaus größeres philologisches Potential als vermutet? In diesem Fall CHAPEAU der Galerie für die Auswahl ihrer Leute. Vielleicht sollte die Geschäftsleitung diese Fähigkeiten besser nutzen, als Hausberbote zu erteilen. Das wäre intelligentes Marketing. So what; die Aktion hat ihr Ziel erreicht: IRRITATION auf vielen Seiten.

  • #39
    Peter Meier

    Hab gerade der Film zur Aktion entdeckt:

    http://www.youtube.com/watch?v=ykrgFIJlFdg&feature=mfu_in_order&list=UL

  • Pingback: Der Sprecherchor des Dortmunder Theaters in der Thier-Galerie | Ruhrbarone

  • #41
    Dine

    Also ich muss wirklich sagen, die Thier-Galerie ist ein Gebäude. Es ist dort ziemlich rummelig. Nichts gegen solche Auftritte, aber das ist ein Sicherheitsrisiko. Und die Sicherheiskräfte haben nur ihre Arbeit getan, da solche Massenaufläufe dort nun mal als Sicherheitsrisiko gelten und ich finde es echt frech, dann zu behaupten die haben Leute beschimpft. Sie haben sich doch nur bestimmt ausgedrückt und die anderen (ihr/Sie) haben mit den Beschimpfungen gegonnen. Muss man denn gleich so aggresiv bzw. ignorant reagieren, wenn man nach einer Genehmigung für diesen Auftritt gefragt wird? Also bitte! Die machen doch auch nur ihre Arbeit! Und ganz ehrlich: Bei den vielen Junkies, Obdachlosen oder agressiven Leuten bin ich dankbar, dass es sie gibt. Damit sind hier übrigends nicht alle gemeint, sonder nur die, die sich nicht benehmen können.

  • #42
  • #43
    Dine

    @Arnold

    Danke, hab ich schon, Ja, mehr als 20 Leute! Im Notfall blockieren Sie die Wege. Sorry ist nun mal so,

  • #44
    Dine

    Und die Sicherheitsleute richten sich doch auch nur nach den Vorgaben. Ein Kellner z.B. macht doch auch die Cola nicht billiger, nur weil jemand sympatischer ist.

  • #45
    Stefan Laurin

    @Dine: Wir bereiten mehrere Sachen zu dem Thema „Ordnungsrecht als Repressionsinstrument“ vor. Mich interessiert Politik und nicht die Vorgaben irgendwelcher Ordner. Wir sind hier nicht in einem juristischem Proseminar.

  • #46
    Dine

    Ne sind wir nicht, aber es kann nicht sein, dass man sich dann über Personen aufregt, die nichts dazu können. Dann sollte man sich auch nur über „Ordnungsrecht als Repressionsinstrument“ auslassen. Und die Antwort findet man gewöhnlich in den oberen Etagen und nicht am Ende der Kette!

  • #47
    Upsel

    Es geht hier nicht darum, sich über „Personen aufzuregen, die nichts dazu können“. Ich war selbst Teil der Aktion und fand es erschreckend, dass nicht mal Fotos gemacht werden durften…auch bei der Luftballonaktion war fotografieren nicht gestattet!!! Das ist anzuprangen! Und dass den Ordnern auferlegt wird, dieses Verbot durchzusetzen !!!
    Zum Thema „mehr als zwanzig Leute sind im Notfall ein Sicherheitsrisiko“. hmmm…wie sieht es dann mit den Wühl- und Grabbeltischen aus, wo sich die Menschen bei weitem undisziplinierter verhalten, als diese wirklich extrem geordnet und diszipliniert agierenden ca. 60 Menschen!!
    Dass ein grundsätzlicher Klärungsbedarf über Anwendbarkeit demokratischer Grundrechte in den Shopping-Malls besteht, hat diese Aktion auf jeden Fall überdeutlich gezeigt!! – ohne dass dabei jemand gefährdetwurde – 😉

  • #48
    Robin Patzwaldt

    @Upsel: Doch, etwas wurde gefährdet: Der Umsatz! Und zwar hat das Verhalten der Offiziellen dort meinen zukünftigen Umsatz dort gefährdet. Ich werde dort jedenfalls zukünftig keine Einkäufe mehr tätigen.

  • #49
    Upsel

    @RobinPatzwald: Dann sind wir ja schon zu zweit!!! 😉 Wenn noch 18 dazukommen sind wir ein Sicherheitsrisiko und man muss uns verbieten!!! 🙂
    Frei nach dem Motto: Am besten schaffe man das Volk ab und wähle ein Neues!!!

  • #50
    Peter Meier

    Natürlich geht es bei der Aktion nicht darum, individuelle Fehler von Ordnern aufzuzeigen. Die Security-Leute können doch nichts dafür – vermutlich wurden sie deshalb auch von den Filmern geschützt, indem sie verpixelt wurden. Es geht um vielmehr: um eine ungeklärte juristische Frage nämlich – wer herrscht da eigentlich, wo an einem gewöhnlichen Samstag 100.000 Menschen durchgeschleust werden? @ Dine: Dein „so ist es halt“ kann man doch nicht akzeptieren. So war es eben bis vor kurzen dort NICHT, wie es dort jetzt IST. Wer macht denn die Regeln? Das BVG sagt: es kann nicht sein, dass die Bürger wie Zombies zu Millionen unbelästigt von Produkt zu Produkt eiern – und eine spontane politische Aussage in diesem Raum verboten wird. Leute, da steht massiv eine Freiheit auf dem Spiel. Und wir beschneiden uns immer schon im vorhinein, aus Angst gegen diese oder jene Regel zu verstoßen (Fluchtwege zum Beispiel). Aber genau das ist der Punkt, an dem ihr REGIERT werdet, dort wo ihr selbst die Regel immer schon exikutiert, bevor ihr euch über sie überhaupt bewusst werdet. Dann erzählt euch aber auch nicht mehr, dass ihr frei wärt. Seid ihr nicht!

  • #51
    Robin Patzwaldt

    @Upsel: Ach, ich kenn da inzwischen schon so einige Leute die da einen Bogen drum machen. Allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen….
    Zum Glück kann man sich ja noch immer aussuchen wo man sein Geld hin trägt.

  • #52
    klaus hoffmann

    das ist das was die spd schergen aus dieser stadt gemacht haben, sich selbst die taschen voll, siehe langemeyer und co, sierau ist kein deut besser eine austauschbare marionette der kapitalisten clique die sich diese stadt unter den nagel gerissen hat, erst hat langemeyer die stadt mit irrsinnsprojekten ruiniert, dann das volk belogen, das geld der buerger in die schweiz verfrachtet auf die konten seiner kumpels, hurrah, dann noch den dummen august gespielt von nix gewusst, schämt euch spd legt eure ämter nieder was ist an euch sozial oder demokratisch ihr habt die stadt ruiniert, lächerlich gemacht und zur nazihochburg des ruhrgebiets verkommen lassen, lügen könnt ihr gut, ihr gehört in kein parlament geht nach hause und schämt euch ihr habt vergessen wo ihr herkommt……………………….das war mal ne arbeiterpartei, hallo schon vergessen, willy brandt wuerde euch aus der stadt jagen, ollenhauer erst recht……………………….

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