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Ein Abschiedsbrief an Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein im Jahre 2005. Quelle: Wikipedia, Foto: Elke Wetzig (elya), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Lieber Herbert Feuerstein!

Ich muss mich bei dir entschuldigen! In den vergangenen Jahren hatte ich dich leider etwas aus den Augen verloren.

Zu Beginn der 1990er-Jahre, als du noch ein regelmäßiger Gast im WDR-Fernsehen warst, da bist du mir mit deinem ungewöhnlichen Humor richtig ans Herz gewachsen.

Ich habe damals fast jede Ausgabe von ‚Schmidteinander‘ und ‚Pssst!‘ gesehen, in denen du aufgetreten bist. In dieser Phase, du warst da schon über 50 Jahre alt, habe ich dich leider erst so richtig zu schätzen gelernt.

Klar, ich wusste auch schnell, dass du zuvor wohl bereits beim satirischen ‚Mad‘-Magazin für Schlagzeilen gesorgt hattest, doch blieb mir diese Phase deiner Laufbahn, die viele Freunde und Kollegen offenbar bereits so sehr wertschätzen, weitestgehend fremd. Umso mehr wusste ich persönlich damals deine Auftritte im Fernsehen zu schätzen.

Ich war damals sogar schnell so begeistert von diesen, dass ich einen dieser vom WDR in Umlauf gebra´chten Aufkleber mit ‚Schmidteinander‘-Logo auf meiner Wohnungstür in Frankfurt kleben hatte, wo ich damals gerade eine Ausbildung machte.

Von meinen Besuchern kannte dich und deine Sendung dort kaum jemand. Immer wieder wurde ich daher auf dieses merkwürdige ‚Türschild‘ angesprochen, musste erklären, was es damit genau auf sich hatte und habe bei diesen Gelegenheiten gerne Werbung für eure Sendung im dritten Programm gemacht.

Rasch warst du bei mir und vielen meiner damaligen Freunde und Besucher ‘Kult’. Auch nach dem Ende von ‚Schmidteinander‘ in der Mitte der 90er-Jahre habe ich deine weitere Laufbahn stets mit Interesse und großer Sympathie begleitet. Ich las etliche deiner kleinen Reisebüchlein sehr gerne, habe mir immer wieder Dokus über ‚Feuersteins Reisen‘ im TV angesehen, einige Dinge aus dieser Zeit sogar in meiner DVD- und Buch-Sammlung dauerhaft eingelagert.

Trotzdem wurde es im Laufe der Jahre deutlich stiller um dich und ich habe, das muss ich zugeben, dich ebenfalls ein Stück weit aus den Augen verloren.

Irgendwann tauchtest du noch einmal mit einer sehr ungewöhnlichen Sendung im WDR auf, in der dich der Sender mit einer Live-Sendung durch eine komplette Nacht hindurch begleitete, dich sogar mit einer Zipfelmütze schlafend im Bett übertrug. Daran erinnere ich mich auch viele Jahre später noch immer sehr gut. Was für ein ungewöhnliches Projekt!

Irgendwann stolperte ich dann im Jahre 2014 urplötzlich über deine Biografie, habe diese auch hier im Blog damals kurz vorgestellt. Die Resonanz darauf war überschaubar. Mir war das trotzdem wichtig, weil ich gerne auf dein durchaus ungewöhnliches Leben hinweisen und an dieser Stelle im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten etwas zusätzliche Aufmerksamkeit für dein damals neues Buch schaffen wollte.

Danach wurde es dann aber leider endgültig still um dich. Zumindest aus meiner Sicht. Erst gestern konfrontierte mich mein Vater zur Mittagszeit kurz mit der Meldung, dass du im Alter von 83 Jahren jetzt verstorben bist.

Das weckte in mir, trotz all der Trauer über deinen Tod, direkt sehr viele schöne Erinnerungen an meine eigene Jungendzeit. Für diese bin ich dir sehr dankbar. Das wollte ich dich einfach noch einmal kurz wissen lassen, auch wenn es dafür jetzt in der Realität wohl leider zu spät ist.

Erfreut war ich am gestrigen Mittwoch zudem darüber, wie groß die Schlagzeilen waren, welche die Nachricht über dein Ableben, verursacht hat. Kein großes Medium, dem du, trotz der vielen Jahre in der medialen ‚Versenkung‘ zuletzt, nicht einen mehr oder weniger ausführlichen Beitrag wert gewesen bist. Darauf kannst du stolz sein, denke ich. Diese Wertschätzung erfährt längst nicht jeder Satiriker und Humorist.

Besonders gefreut hat mich am Abend dann ein von dir selbst verfasster zweistündiger Nachruf, über den ich bei den Kollegen des WDR gestolpert bin. In deiner unnachahmlichen Art, deinem von mir geschätzten Humor hast du dich damit bei mir und sicherlich auch bei vielen anderen, noch einmal frisch in Erinnerung gebracht. Danke auch dafür!

Ich habe jetzt, wie bereits eingangs erwähnt, ein etwas schlechtes Gewissen, dass du aus meinem Alltag in den letzten Jahren so gut wie verschwunden warst.

Du warst für mich (und offenbar für ungeahnt viele andere in diesem Lande auch) einer der ganz großen deiner Zunft. Und als einen solchen werde ich dich auch in Zukunft in Erinnerung behalten. Fest versprochen!

Mach es gut, Herbert!

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Ein Kommentar zu “Ein Abschiedsbrief an Herbert Feuerstein

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    Peter Ansmann

    Die MAD-Phase fing bei mir früh an und endete spät. 🙂

    Irgendwann im Jahre 1984, müsste im Herbst gewesen sein, hab ich meinen ersten Kinofilm alleine ohne Mama schauen dürfen: Gremlins 🙂 Die Woche drauf, war ich krank und musste Zuhause bleiben. Mutti hat mich ja immer gut medial versorgt, hatte den Namen des Filmes, in dem ich war, irgendwie in Erinnerung und kam von einkaufen mit dem MAD-Magazin (Das ich da noch nicht kannte.) und dem Satz: "Das war doch der Film wo Du drin warst." -> Diese Version der Gremlins enthielt aber sehr oft das Wort "Lechtz" und "Stöhn" und klar – bei der Kinoszene wurde "gefummelt". 😀 Mein Onkel, PARDON-Leser, vom Humor so drauf wie ich, kam von der Arbeit, sah das Heft und meinte trocken "Deine Mutter hat sich wohl nicht so genau angeschaut, was sie Dir da gekauft hat." 🙂 Seitdem war ich Stammleser bis 1990. Inklusive aller Don-Martin-Sonderbände. 🙂

    Der Entwicklung meines Humors hat es ja anscheinend auch nicht geschadet.

    Aber seitdem: Feuerstein-Fan. Schmidteinander – Das Beste (Vier DVDs) – kann ich weitgehend zitieren. 🙂

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