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Ein ‚Hoch‘ auf den persönlichen Narzissmus

Equalizer – gemeinfrei (Public Domain)

Wie in einer Welt überleben, die persönlichen Erfolg einiger weniger Menschen zum gesellschaftlichen Maßstab werden lässt? Wer von der gesellschaftlichen Erfolgshysterie ausgeschlossen ist, aus welchen Gründen auch immer, kann sich seit einigen Jahren eine konsumtive Ersatzbefriedigung verschaffen: mit Trap Music. Die Drogen-Formel dieser Ausrichtung verlangt besonders tiefe Bässe, besonders brutale Bässe, und zwar Maschinengewehrsalven davon!

Die produzierten tiefen Frequenzen lassen sich kaum dämmen, nicht in PKWs, auch nicht in Wohnungen, schon gar nicht in solchen, die vor der Erfindung von Unterhaltungselektronik errichtet wurden, sogar professionelle Clubs und Diskotheken haben nicht selten Schwierigkeiten, den Lärm gegenüber der Umwelt zu bändigen.

Als ‚König‘ der eigenen PKW-Bleche bzw. vier Wände lässt sich kaum jemand dreinreden. Der Lärm hat im Magen zu rumoren, er hat die Pupillen erst glasig werden zu lassen, dann zum Platzen zu bringen. Die Trommelfelle sind ohnehin nach kurzer Zeit labbrig. Zum Glück liegen sie versteckt.
Die vom Trap infizierten Menschen haben nicht einmal ein Interesse an einer fachlichen Dämmung. Die Maschinengewehrsalven sind für die Öffentlichkeit bestimmt. ‚Macht die Leute nieder‘, allesamt.

Um an dem Krieg teilhaben zu können, der aus den amerikanischen Südstaaten importiert wurde, ist jedoch eine Soundapparatur erforderlich, die Bässe bis zur Unkenntlichkeit boostet. Eine neutral klingende Studioumgebung wäre hingegen der klangliche Tod. Bassboosten, bassbossten, bis zum umfallen!

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3 Kommentare zu “Ein ‚Hoch‘ auf den persönlichen Narzissmus

  • #1
  • #2
    Ke

    Ich dachte immer, dass die Bass-autos durch den Rückstoss der Töne angetrieben werden.

    Auf dem Tablet klingt es interessant. Höre ich evtl die tiefen Töne nicht mehr?

  • #3
    Reinhard Matern Beitragsautor

    Übrigens im Kontext von Trap-Music: letzte Nacht (Samstag auf Sonntag) ereignete sich eine Straßenschlacht in der Hochfelder Hochfeldstraße, nach dem Schließen einer Bar, die besonderen Spaß an Trap-Music verbreitet, drei Nächte die Woche. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens war mal wieder Bürgerkrieg! Um sechs standen vier Einsatzfahrzeuge der Polizei und zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr in der Straße …

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