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Einspruch des VfL Bochum gegen die Spielwertung der HSV-Partie sorgt für Diskussionen

Fußball in Bochum. Foto: Claudia Bender

Es war eine ungewöhnlich knapp gehaltene Pressemeldung des VfL Bochum, die am Vormittag in den Sportredaktionen der Republik landete. Trotz aller Kürze des Textes sorgte sie allerdings mächtig für Aufsehen. Denn der Inhalt war ziemlich brisant:

Der VfL Bochum 1848 hat zur Fristwahrung und in Wahrnehmung seiner Verantwortung für die Mannschaft und das Vereinswohl Einspruch gegen die Spielwertung der Partie beim Hamburger SV eingelegt. Der Einspruch erfolgt im Hinblick auf die nach wie vor ungeklärte Situation um die Spielberechtigung des HSV-Spielers Bakery Jatta, wie sie sich aus den Medienberichten darstellt.“

Die Meldung bezieht sich auf eine im Profifußball nach einem Bericht der Sport Bild bereits seit der Vorwoche laufende Debatte. Laut Recherchen des Blattes könnte der HSV-Profi Jatta nämlich womöglich eine Vergangenheit als Bakary Daffeh haben und zweieinhalb Jahre älter sein als bislang angenommen.

Der Profi sorgte nach seiner Flucht aus Gambia nach Deutschland im Jahre 2015 landesweit für große Schlagzeilen, da er sich hierzulande direkt um eine Laufbahn als Fußballprofi bemühte, letztendlich damit auch Erfolg hatte, sich dem damaligen Erstligisten HSV anschloss.

Nachdem dann kürzlich die Zweifel an der Richtigkeit seiner damals bei der Einreise gemachten Angaben durch die Medienberichte öffentlich die Runde machten, hatte schon der 1. FC Nürnberg gegen die Wertung seines 0:4 im Heimspiel gegen die Hamburger Protest eingelegt, da Jatta dabei zum Einsatz kam.

Die Bochumer zogen nun nach, hatten bekanntlich am Wochenende ihrerseits mit 0:1 im Volksparkstadion gegen die Hanseaten den Kürzeren gezogen. Auch in dieser Partie war Jatta für die Norddeutschen im Einsatz.

Da der Kontrollausschuss des DFB sowie das Bezirksamt Hamburg-Mitte in der Causa Jatta vor ein paar Tagen entsprechende Ermittlungen aufgenommen haben, deren Ausgang derzeit noch offen ist, macht das Handeln der beiden gegen die Hamburger unterlegenen Klubs auf dem Papier rein logisch betrachtet durchaus Sinn.

Folgt man stur den Eigeninteressen des Teams, kann man so womöglich auf einen anderen Ausgang des Spiels spekulieren, da Jattas Spielberechtigung für diese Begegnungen womöglich zur Disposition stehen könnte. Rein rechtlich ist das Vorgehen beider Vereine demnach also nicht zu beanstanden.

Es stellt sich einem Außenstehenden in Anbetracht solcher Vorgänge jedoch die Frage, wie es um die moralische Seite der Angelegenheit bestellt ist. Steht es einem sportlich unterlegenen Rivalen des HSV tatsächlich gut zu Gesicht so zu handeln, oder ist das letztendlich nicht doch eine grenzwertige Aktion, die die eigene sportliche Schwäche und landesweit das Image eines schlechten Verlierers deutlich unterstreicht?

Zudem stellt sich hier ja auch die Frage, welchen Einfluss die jüngsten Vorgänge auf Jatta selber haben werden? Die menschliche Komponente des Ganzen sollte nicht unterschätzt werden. Die Diskussionen werden ihn als Person kaum völlig kalt lassen, ganz egal was an den gegen ihn erhobenen Vorwürfen letztendlich dran ist.

So oder so wird es spannend sein zu verfolgen, wie die Angelegenheit weiter verlaufen wird, ob der VfL am Ende durch diesen Einspruch gegen die Spielwertung tatsächlich etwas gewinnen kann, oder ob er nicht doch der zumindest moralische Verlierer dieser unschönen Angelegenheit sein wird.

Eine extrem heikle Situation, die nicht nur bei den Fußballfans zu heftigen Diskussionen führen dürfte, ist es in jedem Falle.

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15 Kommentare zu “Einspruch des VfL Bochum gegen die Spielwertung der HSV-Partie sorgt für Diskussionen

  • #1
    Klaus Lohmann

    Man kann auf vielfältige Weise den eigenen Abstiegskampf einläuten. Und der VfL hat sich offensichtlich für die "Am grünen Tisch"-Variante entschieden.

  • #2
    Yilmaz

    Das gilt doch bis in die Kreisliga, wenn in einer Mannschaft ein Spieler mit falschem Pass, bzw. Identität spielt, so wird das Spiel für diese Mannschaft als verloren gewertet.

    Da diese Situation beim HSV (Identität des Spielers) noch nicht geklärt ist, ist es auch legitim von gegnerischen Vereinen hier vorsorglich Protest gegen die Spielwertung einzulegen, dabei darf es keine Rolle spielen welche Hautfarbe der jeweilige Spieler hat, es geht hier rein um die Wahrheit.

  • #3
    thomas weigle

    Nun ja, meine hessischen Landsleute aus Darmstadt, haben auf einen Einspruch gegen das 1:1 am ersten Spieltag beim HSV verzichtet, weil sie, ich zitiere sinngemäß, die Erklärung des HSV zu seinem Spieler Jatta für glaubwürdig und ausreichend halten. Dies, obwohl der Ausgleich für den HSV durch einen Elfer durchaus diskussionswürdig war. Hat mir gefallen.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Nun, das Thema hat sich wohl gottseidank von selbst erledigt, denn der DFB hat heute bestätigt, dass es nicht ausreicht, wenn man als Einspruch einlegender Verein (nach Nürnbergs und Bochums Einsprüchen prüft der Karlsruher SC einen Einspruch gegen einen Jatta-Einsatz bei seiner kommenden Sonntags-Partie gegen den HSV) nur Mutmaßungen aus den Medien zitiert – die Vereine müssen selbst handfeste Beweise für einen Verstoß gegen die Lizenzspielerstatuten nachweisen:
    https://hsv24.mopo.de/2019/08/19/fall-jatta-dfb-klaert-auf-klagende-klubs-in-der-beweispflicht.html

    Man muss ihn nicht unbedingt mögen, um dem DFB trotzdem *manchmal* zu seiner Deutlichkeit zu gratulieren.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Danke für das Update, Klaus! Womit sich der VfL dann wohl endgültig völlig freiwillig den Stempel eines schlechten Verlierers verpasst hätte… Ungeschickt lässt grüßen! Mal sehen, ob da die Tage noch was zu kommt. Behalten wir das mal im Auge. Gute Nacht!

  • #6
    Michael Kolb

    Es ist ein völlig normaler Vorgang, dass zur Wahrung von eventuellen Rechtsansprüchen Rechtsmittel eingelegt werden, auch wenn der Erfolg sehr unwahrscheinlich ist. Alles andere wäre fahrlässig.

  • #7
    Grohün

    Bei dem 1:0 für den HSV gegen den VFL sah man bei Jatta ? aber keine Verunsicherung. Das war schon ziemlich unsportlich von ihm !

  • #8
    BVB-Fan

    Das Jatta eventuell betrogen hat, ist das eine Problem.
    Beim Alter gab es selbst beim HSV andere Erkenntnisse.
    Medizincheck halt.
    Strafbar, aber in der Dimension überschaubar.

    Das eigentliche Problem ist ein anderes:
    Stimmt der Vorwurf, dann lügt er jetzt.
    Und mit dieser Lüge zieht er alle, die ihn stützen, mit rein.
    Den Unterstützern wäre etwas mehr Abstand in der Sache anzuraten.

    Fakt ist, es gibt einen Spieler Jatta, der für Gambia gespielt hat.
    Seit dem HSV-Jatta ist der Gambia-Jatta aber verschwunden.

    Man kann sich jetzt alles schön reden, inklusive Pass.

    Aber unter dem Strich scheint es nur einen Jatta zu geben, sonst wäre der zweite schon als ultimative Entlastung in den Medien.

  • #9
    Yilmaz

    Wahrscheinlich hat der VFL Bochum genau richtig reagiert:

    https://www.deutschlandfunk.de/fall-bakery-jatta-weiter-spekulationen-um-identitaet-des.2851.de.html?drn:news_id=1043101

    Der Zeitung zufolge gibt es nun auch einen Zeugen, den der 1. FC Nürnberg benannt hat. Der Präsident des senegalesischen Erstligisten Casa Sports, Sane, könne angebliche Beweise liefern, dass es sich bei Jatta um seinen ehemaligen Spieler Bakary Daffeh handele. Dieser spielte demnach bis 2015 im Senegal und soll dann spurlos verschwunden sein.

  • #10
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Moralisch sieht die Sache wohl etwas anders aus, Yilmaz:

    https://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga2/nach-niederlage-am-sonntag-ksc-legt-protest-ein-doch-eigene-fans-solidarisieren-sich-mit-jatta-und-dem-hsv_id_11072296.html

  • #11
    thomas weigle

    Wenn da was dran ist, dann sind die bisher erzielten 10 Punkte weg. Auwei HSV!! Aus ostwestfälischer Sicht nicht schlecht, denn wer wäre dann Tabellenführer? Eine etwas ältere Dame, die auf der Alm zu Hause ist. Auch schön.

  • #12
    Klaus Lohmann

    Medienhatz… Das mit diesem Phantom "Bakary Daffeh" geistert ja schon von Anfang an durch diese Story, das war der eigentliche Aufhänger. Und dann gibt es auch von Anfang an diese vorgeblichen Zeugen, die einen kennen, der einen kennt, der wiederum einen kennt, der mal was gehört hat.

    Es gibt allerdings auch keinen Gegenbeweis, dass andersrum dieser "Bakary Daffeh" nicht von vornherein eine "Tarnidentität" von Jatta in Gambia gewesen sein könnte. Kennt hier jemand die dortigen Lebensumstände junger Gambier genauer, vor allem in Jattas Fluchtjahr Jahr 2015, in dem ein geisteskranker Diktator das Land ohne Not in eine "islamische Republik" umstrickte, nachdem dort vorher schon Menschen einfach "verschwanden" und Oppositionelle auf schlimmste Arten gefoltert wurden? Nein? Siehste…

    Zur moralischen Verkommenheit mancher Zweitligisten guter Kommentar in der Zeit von gestern: https://www.zeit.de/sport/2019-08/bakery-jatta-einsprueche-hamburger-sv

  • #13
  • #14
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Diese Pressemeldung kam gerade vom VfL rein:

    "VfL Bochum 1848 nimmt Einspruch zurück

    Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Ermittlungen zu Zweifeln an der Identität von Bakery Jatta eingestellt.

    Mit der Entscheidung der zuständigen Behörde hat sich die sportjuristische Frage für den VfL Bochum 1848 geklärt und wir sehen keine Veranlassung mehr, den Einspruch beim Deutschen Fußball-Bund gegen die Spielwertung des Auswärtsspiels beim Hamburger Sportverein am Freitag, den 16. August, aufrecht zu erhalten. Von einer Erteilung der erforderlichen Zustimmung zur Rücknahme des Einspruchs durch den Kontrollausschuss des DFB ist auszugehen.

    Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hatte die Ermittlungen zu Zweifeln an der Identität von Bakery Jatta vom Hamburger Sportverein am Montag, den 2. September, eingestellt. Der VfL hatte aufgrund begründeter Verdachtsmomente, die auch das Bezirksamt Hamburg-Mitte zur Aufnahme entsprechender Ermittlungen veranlasste, ausgelöst durch Medienberichte in der Sport Bild, später im Rahmen von „Football Leaks“ in Der Spiegel und Bild, Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt, um seiner Verantwortung für den Verein gerecht zu werden.

    Anfeindungen gegen Bakery Jatta verurteilen wir auf das Schärfste

    Der VfL hat im Zweitligaspiel gegen den HSV eine verdiente Niederlage hinnehmen müssen. Durch die veränderte Indizienlage hat sich in einem unsicheren Umfeld nun mehr Klarheit für uns ergeben und es besteht kein Grund mehr, die Rechtmäßigkeit der Spielberechtigung zu hinterfragen. Wir sind froh, dass eine Regelverletzung ausgeschlossen werden konnte und wir uns nun ausschließlich wieder dem Sportlichen zuwenden können.

    Wir bedauern es sehr, dass die Diskussionen um Bakery Jatta in den vergangenen Wochen besonders emotional geführt wurden. Die Anfeindungen gegen ihn wie auch die populistische oder parteipolitische Instrumentalisierung verurteilen wir auf das Schärfste. Wir wünschen Bakery Jatta alles erdenklich Gute!"

  • #15
    Klaus Lohmann

    Der FCN und der Karlsruher SC haben diesen Schwachsinn gerade ebenfalls beendet und ihre Einsprüche zurückgezogen.

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