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Es läuft nicht gut für Guttenberg

Es läuft nicht gut für Karl Theodor Guttenberg. Hochgepusht zum beliebtesten Politiker Deutschlands schlägt jetzt das eherne Gesetz der Mediendemokratie erbarmungslos zu.

Es läuft nicht gut für Karl Theodor Guttenberg. Hochgepusht zum beliebtesten Politiker Deutschlands schlägt jetzt das eherne Gesetz der Mediendemokratie erbarmungslos zu. Ab sofort geht es auf der Achterbahn der Politbarometer steil abwärts. Ab sofort ist Guttenberg freigegeben. Doch sind wirklich „die Medien“ schuld, dass es jetzt für das „Phänomen Guttenberg“ so knüppeldicke kommt? 

Es begann im Januar mit den drei Bundeswehr-Affären, die den Verteidigungsminister in die Bredouille brachten. Seinen exzellenten Umfragewerten konnten die beiden Todesfälle und das systematische Durchschnüffeln der Post zwar nichts anhaben. Guttenberg reagierte nichtsdestotrotz äußerst giftig, nach seinen eigenen Maßstäben also „unprofessionell“ auf die entsprechenden Anwürfe. 

Bekanntlich gehört es zum Schicksal eines jeden Verteidigungsministers, früher oder später durch den Schlamm der Komissköppe in größte Schwierigkeiten gebracht zu werden. Auch wenn Struck, seinem Vor-Vorgänger, diesbezüglich größere Unbill erspart geblieben war, fällt es schwer anzunehmen, dass Merkel diesen Aspekt außer Acht gelassen haben könnte, als sie Guttenberg auf die Hardthöhe abkommandierte. 

Nachdem all die Bundeswehr-Unstimmigkeiten dem Medienstar nichts anhaben konnten, legte letzte Woche Schäuble nach und verglich das „Phänomen Guttenberg“ mit einer dümmlichen Schlagersängerin. Es erschien wie ein Foul im üblichen Duell zwischen Finanz- und Fachminister; doch es war ein ungewöhnlich schweres Foul. Und vor allem: der Pfiff des Schiedsrichters, in diesem Fall der Schiedsrichterin, blieb aus. 

Alles noch im Rahmen des gesetzmäßigen Medien-Auf-und-Abs? Und jetzt das! Guttenberg hatte bei seiner Doktorarbeit geschummelt. Wobei dies noch recht milde formuliert ist angesichts dessen, was Andreas Fischer-Lescano heute über die Süddeutsche Zeitung ans Licht gebracht hat. Das Material, was der Juraprofessor über die Fachzeitschrift „Kritische Justiz“ vorgelegt hat, ist schlichtweg erdrückend. 

Gewiss, wir schreiben alle ab, bis dass die Schwarte kracht. Erst recht im Zeitalter von Google & Co.; doch erstens gebietet es der gute Stil, hier und da zumindest mal den ein oder anderen Satz ein wenig umzustellen. Und zweitens gelten für Dissertationen – aufgrund der magischen Bedeutung, die den zwei Buchstaben auch heute noch zugemessen werden – nun einmal etwas strengere Maßstäbe.

Guttenberg schreibt in seiner Doktorarbeit seitenweise ab, ohne die Quellen anzuführen. Obgleich er dabei sogar die Kommafehler eins zu eins übernimmt, erwähnt er das verwendete Material nicht einmal im Literaturverzeichnis. Prof. Fischer-Lescano und sein Kollege Dr. Felix Hanschmann, der sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht mit Plagiatsfällen beschäftigt hatte, sind sich deshalb ziemlich sicher, dass man Guttenberg seinen Doktortitel entziehen kann. 

Um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen: so steht es in der Süddeutschen Zeitung. Ob Guttenberg dem Plagiatsvorwurf wird entgehen können, steht dahin. Ein Promotionsausschuss wird darüber zu befinden haben. Genau vor einem Jahr ist Dieter Jasper, CDU-Abgeordneter aus dem Bundestagswahlkreis Steinfurt III, mit einer gekauften Dissertation aufgefallen. In der Folge wurde ihm der Doktortitel aberkannt, und der Fall war erledigt. 

Bei Guttenberg liegt der Fall anders als bei Jasper. Was die Dissertation betrifft: Guttenberg hat sie nicht gekauft, sondern offenbar gefälscht. Was die Politik betrifft: Guttenberg ist eine andere Nummer als Jasper. Glaubte er jedenfalls. Glaubten wir jedenfalls. Glaubte das Volk unerschütterlich. Jetzt aber läuft es nicht gut für Karl Theodor Guttenberg. Der Ausgang ist ungewiss, der Promotionsausschuss ist der Rat der Götter. Was vor Gericht und auf hoher See gilt, gilt erst recht vor dem Promotionsausschuss und der hohen Generalität. Und vor Frau Merkel.

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27 Kommentare zu “Es läuft nicht gut für Guttenberg

  • #1
    DAMerrick

    „Und vor Frau Merkel“

    Das ist das Problem, und das werden auch die Zuschauer dieses Spektakels merken. Wenn Merkel richtet wird Guttenberg leben oder sterben.
    Die Frage ist dann was Schlimmer ist, ein Politiker der durch Abschreiben Doktor wurde und deshalb gehen musste oder ein Politiker der durch Abschreiben Doktor wurde und dank Mutti bleiben darf?

    Liegt wahrscheinlich doch an den Medien. Klar das Dinge aus der Politik stärker in den Focus rücken aber was die Medien jetzt daraus machen erinnert eher an ein „Juchu, endlich haben wir was Gefunden“ als an eine wirkliche Entrüstung.

  • #2
  • #3
    Angelika

    „…Und..gelten für Dissertationen – … – nun einmal etwas strengere Maßstäbe…“ (siehe Artikel)

    So ist es. Und das ist gut so!

  • #4
    Werner Krusenbaum

    Und wieso behauptet der Autor, dass Frau Merkel den Aspekt, Kommissköppe hätten bisher jeden Verteidigungsminister in Schwierigkeiten gebracht, außer Acht gelassen hat?
    Im Gegenteil, sie hat von Guttenberg mit Absicht auf die Hardthöhe geschickt. Alte Tradition bei Ihr, die Konkurrenz durch Übertragung missliebiger Aufgaben zu beseitigen. Der als Kanzler der Zukunft gehandelte Adelige musste halt entsorgt werden.
    Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte den Mann für überbewertet. Show, eine schöne junge Frau, gegelte Frisur und ernsthaft seriös gucken sowie Plattitüden ablassen, dann ist auch Lotahr Matthäus auch kanzlerabel.

  • #5
    Dieter Carstensen

    So ist das beim Adel.

    Sollten die Deutschen eigentlich wissen, nichts als Glamour und Blender.

    Als Lektüre empfehle ich zu dieser Sorte verlogener Menschen das Buch „Das Reich zerfiel, die Reichen blieben.“ von Bernt Engelmann erhätlich in dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)

    Wer Adligen vertraut, glaubt auch sein Henker würde ihn lieben.

    Ein bisschen Haargel, eine Styling Brille und ne nette Blondine an der Seite kommen vielleicht eine zeitlang bei der Klatschpresse gut an, Räuberadel im modern gestylten Gewand.

    Da ist er, der „neue Kaiser“. Das lesen die Damen gerne in den bunten Blättchen.

    Allerdings haben die Vorfahren aller, die sich heute „adelig“ nennen, ihre Vermögen zusammengeraubt und – geklaut. Als Raubritter, Plünderer und Kriegsherren, durch Unterdrückung und Gewaltherrschaft über die Masse der Bevölkerung.

    Zum Glück besteht die Bevölkerung nur noch aus weniger als 1 % dieses Adelsgesindels, aber erstaunlich ist, dass die Deutschen es immer noch nicht begriffen haben, dass man niemand aus diesem ursprünglichen Raubritterpack trauen kann.

    „Adel verpflichtet“ – passt bei Guttenberg bestens. Was nicht passt, wird halt passend gemacht, sei es bei dem Kunduz Tanklasterangriff, oder bei der eigenen Doktorarbeit.

    Das nennt sich in diesen Kreisen „Geschichtsbewusstsein“

    Ich nenne das Volksverdummung, da steht Guttenberg Frau VON der Leyen in nichts nach.

  • #6
    crusius

    Pikant finde ich die Tatsache, daß der Zweitgutachter der Arbeit ein Graduiertenkolleg zum Thema „Geistiges Eigentum“ leitet. *g*

  • #7
    crusius

    Sorry, Korrektur: Nicht der Zweitgutachter, sondern der Ombudsmann für gute wissenschaftliche Praxis – der allerdings pikanterweise ebenfalls Jurist ist und somit der Fakultät angehört, die den Titel vergeben hat.

  • #8
    Eva

    Ganz schön erbärmlich, dass ein hochgelobter Politstar in wissenschaftlichen Dingen offenbar wenig Moral hat. Unverständlich ist mir allerdings auch, warum der Doktorvater nicht überprüft hat, ob abgeschrieben wurde. Ich bin selbst Uni-Dozentin, und da das Abschreiben bei Studierenden inflationär zugenommen hat, mache ich bei jeder abgegebenen Arbeit den Google-Test, den ja wohl auch der Juraprofessor gemacht hat, dem das Plagiat auffiel. (Ein paar Sätze der Arbeit in Google eingeben, und gibt es dann Treffer, ist die Sache schnell klar.) Aber überhaupt nicht zu prüfen und dann noch ein „summa cum laude“ herauszuhauen – na ja.

  • #9
    Werner Jurga Beitragsautor

    @ Werner Krusenbaum (# 4):
    Wie ich im Artikel angemerkt habe, „fällt es schwer anzunehmen, dass Merkel diesen Aspekt außer Acht gelassen haben könnte, als sie Guttenberg auf die Hardthöhe abkommandierte.“
    Ich habe also keineswegs „behauptet …, dass Frau Merkel den Aspekt, Kommissköppe hätten bisher jeden Verteidigungsminister in Schwierigkeiten gebracht, außer Acht gelassen hat“.
    Ich schlage folgenden Deal vor: ich bemühe mich um kürzere Sätze und Sie, jedenfalls wenn Sie zu kommentieren beabsichtigen, um gründlichere Lektüre.

  • #10
    Frau Rose

    Obwohl ich dem zuvorgeschriebenen nicht widersprechen kann, stellt sich mir die Frage, was der Newswert nun genau ist. Denn man hört doch des öfteren von einigen MdB’s oder MinisterInnen, die sich bei ihren Abschluss- und Doktorarbeiten (von ihren wissenschaftl. Mitarbeitern?) unterstützen lassen, wenn nicht sogar noch mehr … und aus der Promi-TV-Welt fällt mir auch eine Person ein, wo sich hartnäckig ein ähnliches Gerücht hält, offiziell aber nur von Nachhilfestunden die Sprache war…

  • #11
    crusius

    @10 Die Rezension kursiert im Netz. Was dort zusammengetragen wurde, läßt der Universität eigentlich keine andere Wahl als die Aberkennung des Titels wegen Täuschung. Auch wenn in Bayern die Uhren anders ticken: Die Uni Bayreuth wird nicht in den Ruf einer Titelmühle kommen wollen.

    Die Rechtslage wird in einem taz-Artikel ganz gut zusammengefaßt. Hier, wie immer im Leben, gilt: Man darf sich nicht erwischen lassen. Vielleicht hätte der Minister besser einmal im Leben Abstriche betreffs seiner Eitelkeit gemacht und die Arbeit nicht in einem renommierten Fachverlag veröffentlicht. So was weckt die Neugier der Kollegenschaft.

    Ob man eine solche Vorgehensweise moralisch als Betrug werten will, sei dahingestellt. Auf jeden Fall aber handelt es sich um etwas, was „man“ nicht tut. Wie Eva schon sagte: Studenten, die bei solchen Vergehen erwischt werden, fallen durch. Theoretisch könnte die Universität in NRW sogar ein Bußgeld verhängen.

    Im übrigen sind die Bayreuther Jura-Professoren nicht zu beneiden. Das kommt davon, wenn man eine Arbeit von einem Emeritus und einem externen Gutachter prüfen läßt – nun müssen sie die Suppe auslöffeln, die andere ihnen eingebrockt haben.

  • #12
    Mir

    @Frau Rose: Im Artikel existiert kein „newswert“. Es laufen nicht nur Abschreiber umher, sondern auch viele Nachplapperer.

  • #13
    Frau Rose

    Right und ich meinte auch nicht den Beitrag oder die Beiträge zum Thema hier, sondern den Umgang der Medien allg. damit.
    Und wenn man den Gerüchten traut, gibt es im aktuellen Kabinett ja noch weitere Abschlüsse, wo man nicht genau wissen möchte, wie sie wohl entstanden sind.

  • #14
    Jens König

    Moment mal! Gutti konnte gar nicht anders als Plagiiren.
    Bei dem Verteidigungsminister handelt es sich nämlich selbst um kein Original sondern eine billige chinesische Kopie. Der mittlerweile 85 jährige echte T. v. Guttenberg lebt heute auf einer Farm in Guatemala und hatte aus Geldnot damals seinen Namen der CSU verkauft. Mit dem Adelsprädikat ausgestattet und einer Schönheitsoperation unterzogen wurde anschliessend der Industriearbeiter Fong Guong aus Kanton (dem chinesischen Original, Guang Zhou ist eine Fälschung). Da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, trägt er immer ein Platitüdenabspielgerät bei sich.
    Seine angebliche Frau ist schon die chinesische Version 2.0: Ein genetischer Klonmix aus Heidi Klum (ebenfalls geklont) und einem Brötchen. Böse Zungen behaupten, die Chinesen hätten noch Maos Witwe eingerührt.

    Da hätte man auch gleich drauf kommen können, als der Verteidigungsminister neulich im Lexus vorgefahren ist.

  • #15
    Erika

    Was macht ein Verteidigungsminister eigentlich in Kriegszeiten wie wir sie jetzt haben? Hat das Merkel nicht die Oberbefehlsgewalt? Also ist der Mann/Posten doch überflüssig…. ;-)) mit oder ohne Dr. ….

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  • #17
    Helmut Junge

    Über die Person Guttenberg hinaus, stellt sich doch die Frage, ob es bei heutigen Vielzahl von Dissertationen überhaupt noch Originale gibt.
    Auf jendenfall ist der Hinweis von @Eva, daß sie stichprobenartig googelt, interessant.
    Im obigen Fall war der Vergleich aber nur möglich, weil Guttenberg seine Arbeit ins Netz gestellt hat. Das hätte er vielleicht nicht getan, wenn er von @Evas Praktiken geahnt hätte. Aber Freude am Risiko, arrogante Frechheit sind ja bei Karrieremenschen oft dicht beieinander, und wenn man nur die beim googeln erwischt, wäre es ja auch schon ein Erfolg. Googlen könnte einen Weg öffnen, die Welt ehrlicher zu machen. Wow. Es entsteht so etwas wie Wikileaks für Doktorarbeiten! Das wird zwangsläufig so kommen, weil heutzutage alles ins Netz gestellt wird.

  • #18
    der, der auszog

    Natürlich gehört Guttenberg der Doktortitel aberkannt, sollte er geschummelt haben und genauso natürlich darf man daran anknüpfend auch auf seinen Charakter bezüglich Glaubwürdigkeit und „Klartext“ schliessen.

    Aber wieso nicht erst einmal abwarten, wie man an der Uni Bayreuth die Doktorarbeit des Minsters bewertet, statt wie es mittlerweile in Mode gekommen ist, wenn es um Guttenberg geht, blind drauflos zu hauen, sobald sich die Gelegenheit bietet? Wer, außer den geschädigten Journalisten und Wissenschaftlern, deren Urheberschaft sich KT bediente, hat denn schon die Doktorarbeit, sowie die Texte, bei denen abgekupfert worden ist, gelesen, geschweige denn überprüft? Bis auf Andreas Fischer-Lescano und das Mitarbeiterteam rund um den Doktorvater Guttenbergs bislang wahrscheinlich niemand. Trotzdem zerreißt sich die Presse und vor allem die Opposition bereits das Maul. Als wenn es nichts wichtigeres in der Politik gäbe, über das sich zu diskutieren lohnen würde – übrigens auch in Bezug auf die Politik Guttenbergs: Bundeswehrreform, Kundusaffaire, Gorch Fock, Waffenspielchen mit scharfer Munnition usw. Stattdessen versucht man sich nun an der Doktorarbeit des CSU Shootingstars abzuarbeiten, als hätte die Opposition vor all den anderen brisanten Themen in Bezug auf KT bereits kapitulliert. Und darin liegt das eigentlich tragische: das Kerngeschäft, um das es bei einem Minister gehen sollte nämlich die Politik, gerät bei der Diskussion um Doktortitel und summa cum laude, wieder mal ins Abseits.

    Ich bin bestimmt kein Freund des Adeligen aus Franken. Aber noch weniger von einem Schmierenwahlkampf im Superwahljahr, bei der es schwerpunktmäßig nicht mehr um Politik, sondern um ganz andere Dinge geht. Aber wahrscheinlich wird man sich daran gewöhnen müssen. Leider

    Johannes.

  • #19
    Eva

    Ich hoffe wirklich, dass Guttenberg entweder seinen Doktortitel aberkannt bekommt oder aber dass zumindest seine Arbeit in der Note abgewertet wird. Geschieht das nicht, habe ich nämlich ein Problem. Wie soll ich dann dem nächsten Studierenden, den ich beim Abschreiben erwische (leider habe ich das schon öfter erlebt), erklären, dass er/sie gerade einen Täuschungsversuch unternommen hat? Die erste Reaktion ist nämlich meist genau wie bei Guttenberg: keinerlei Schuldbewusstsein, zumindest kein offen gezeigtes, nur ein großes Erstaunen darüber, dass das, was da abgegeben wurde, abgeschrieben sein soll („Habe ich gar nicht bemerkt!“), und anschließend die Mitleidstour („Wenn die Arbeit durchfällt, muss ich noch ein Semester dranhängen!“). Da werde ich dann schon sauer. Es gar nicht bemerken, dass man mal eben drei Seiten aus dem Internet oder einem Fachbuch wörtlich abgeschrieben hat und dabei die Anführungszeichen und Quellenangabe „vergessen“ hat?
    Kommt Guttenberg mit dieser Nummer durch, verlieren die Unis an Glaubwürdigkeit. Mal abgesehen davon, dass ein solches Verhalten in der scientific community als äußerst unehrenhaft gilt.

  • #20
    amo

    @erika,#15
    Das Grundgesetz redet doch nur von Verteidigungsfällen, nicht von Kriegsfällen. Daher ist Guttenberg schon zurecht Oberbefehlshaber. 😉

    @der, der auszog.#18
    Es geht hier doch nicht um Urheberrecht.
    Es geht um den Nachweis einer wissenschaftlichen Eignung, die mit einem Titel einhergeht. Geschädigt ist die Universität und die Wissenschaft.

    Es geht auch nicht um ein paar vergessene Fußnoten, wie zu Guttenberg erklärte.
    Eine Täuschung liegt vor, weil eben Gedanken anderer als eigene Leistung dargestellt wurden.
    Keinem Studenten hätte ich ein Zitat über Seiten durchgehen lassen. Die eigene Leistung steht im Vordergrund, eigene Thesen lassen sich z.B. durch Zitate einordnen und belegen. Wenn aber schon die Einleitung – manche fordern, diese sollte frei von Zitaten sein, weil hier nicht belegt werden soll – abgeschrieben ist, ist das ein „dickes Ding“.
    Weil gerade der Titel in unserer Gesellschaft immer noch so viel „Ehrfurcht“ hervorruft – wenn man mal viele Jahre an der Uni gearbeitet hat, sieht man das anders – ist diese Täuschung gravierend.
    Wenn man darauf bedacht ist, den Lack auf Hochglanz zu polieren, fällt ein Kratzer eben sehr auf.

    Aber warum musste Guttenberg promovieren. Als MdB und als geschäftsführender Gesellschafter der Firma, die seinen Familienbesitz verwaltet (als Wirtschaftsminister war ersteres total wichtig) sollte man doch genug zu tun haben. Nein, für eine perfekte Karriere fehlten eben noch zwei Buchstaben im Namen. Ich hoffe, er bekommt im Sinne der Wissenschaft seine Quittung.
    Ich befürchte aber, die Hochschule möchte (wie bei zahlreichen anderen) von der Promotion eines ViP profitieren und gibt dafür ihr wertvollstes Gut preis: die Verleihung von wissenschaftlichen Ehren.

  • #21
    der, der auszog

    @ 20amo

    natürlich geht es hier um Urheberrechtsverletzungen, denn Ideen und Ergebnisse gehören nun mal demjenigen, der sie als erster geschaffen und zu Papier gebracht hat. Guttenberg darf wie jeder Wissenschaftlicher fremdes gedankliches Eigentum verwenden, muss es sogar, denn eine Doktorarbeit soll die Wissenschaft vorantreiben und deshalb baut sich eine Arbeit auf dem auf, was andere bereits erforscht und niedergeschrieben haben. Aber man hat gefälligst daraufhinzuweisen, wessen Gedanken man da in seiner Arbeit aufgreift, statt sie als seine eigenen zu deklarieren.

    Was mich an der derzeitigen Diskussion nervt ist aber etwas anderes, nämlich die Art und Weise wie die Politik versucht, aus dieser mehr oder minderen Doktorarbeitsdebatte politisches Kapital zu schlagen. Die erste Reaktion der SPD in Form ihres Verteidigungsexperten Reiner Arnold heute war beispielsweise den Rücktritt des Ministers zu fordern für den Fall, dass man ihm die Doktorwürde aberkennen sollte. In meinen Augen ist eine solche Bewertung völlig am Thema vorbeigeschossen, weil die Doktorarbeit des Juristen Guttenberg nicht direkt etwas mit der Politik des Ministers Guttenberg zu tun hat. Der Versuch ihn mit seiner Doktorarbeit als Minister zu demontieren, muss scheitern und damit hat man weder der Wissenschaft noch der Politik einen Gefallen getan.

    Das Paradoxe an Guttenbergs Popularität ist doch, dass sie immer weniger durch seine politischen Leistungen begründet wird, sondern immer mehr von der Art und Weise, wie er seine Krisen übersteht. Deshalb: Die Diskussion über den Doktortitel gehören meiner Ansicht nach bis zur Einschätzung der dortigen Professoren an die Uni Bayreuth und nicht in die Politik.

  • #22
  • #23
    DerAnonymeGallier

    Guttenberg hat seine Diss mit Sicherheit gekauft – 2007 war er längst als Politiker tätig und kaum Zeit selbst über 450 Seiten Text zu verfassen. Er hätte sicher auch nicht abgeschrieben – so dumm kann er gar nicht sein – dass Politiker-Dissertationen Journalisten und „Parteifreunden“ untersucht werden, ist logisch. Und bei Guttenbergs Multi-Millionenvermögen war der Preis für den Ghostwriter ein besseres Trinkgeld.

    Wissenschaftlich hat hier der Ghostwriter versagt, aber er wird sich gesagt haben – leicht verdientes Geld – anzeigen wird micht Guttenberg wohl nicht. 🙂

    Natürlich muss dafür Guttenberg am Ende doppelt büßen, aber Mitleid hat er weiss Gott nicht verdient. Und die stolzen Vorfahren drehen sich im Grabe um – die hätten sein bisher hohes Ansehen mit Sicherheit eher verdient … .

  • #24
    amo

    #21
    Das Thema ist aus meiner Sicht nicht das Urheberrecht.
    Guttenberg hat die Universität getäuscht, nicht einfach ein Buch geschrieben und dabei ein bischen kopiert.
    Es ist eben nicht damit getan, dass z.B. die Urheber sich im Nachinein durch das wilde Kopieren nicht geschädigt sehen.
    D.h. es geht um Täuschung. Guttenberg hat mit seiner Unterschrift glaubhaft versichert, dass er die Arbeit allein verfasst hat und eben alle Gedanken anderer gekennzeichnet sind. Da hat er eben falsches Zeugnis abgegeben.
    Damit hat er nicht nur die Aberkennung des Titels verdient, sondern auch ein Glaubwürdigkeitsverlust, weil er durch die Täuschung eine falsche Aussage gemacht.

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  • #27
    Peter Rentzsch

    Als Populärwissenschaftsautor und Texter habe ich keine Mühe einen psychologisch greifbaren Satz aufzubauen. Die Tatsache liegt aber in dem Jetzt. Lange Zeiten der Mühen und Kapitulationen ketten sich an dem Erlangen einer kanalisierten Schreibweise. Und doch hat man auf dem Markt kaum Chancen, weil große Firmen mit Computerprogrammen ganze Sätze generieren, die mehr als Beeindrucken. Jetzt kommt H. Guttenberg und kopiert was das Zeug im Internet hergibt, und bekommt sogar noch einen Doktortitel für diese oberflächliche Arbeit. Man sollte meinen, dass Plagiatie schon in der Grundschule mahnend behandelt wird. Diebstahl von Geistigen Eigentums ist das letzte, wofür der Mensch seine Intelligenz einsetzen sollte.

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