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Eumann: TU-Dortmund leitet Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels ein

Marc Jan Eumann

Marc Jan Eumann

Schlechte Nachrichten  für NRW-Medienstaatssekretär Marc-Jan Eumann: Die TU Dortmund leitet das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels ein.

Nach zahlreichen CDU- und FDP Politikern hat es nun den ersten Sozialdemokraten erwischt. Die TU-Dortmund hat das Verfahren zur Aberkennung von Marc-Jan  Eumanns Doktortitel eingeleitet. In der  Pressemitteilung  begründet die Hochschule diesen Schritt:

Im Dezember wurde in einer Fachrezension der Vorwurf erhoben, die Dissertation, mit der Herr Dr. Eumann an der Fakultät Kulturwissenschaften der TU Dortmund 2012 promoviert wurde, beruhe auf einer Magisterarbeit, die inhaltlich-substanziell nicht erweitert worden sei. Die TU Dortmund hat davon zum Jahreswechsel Kenntnis erhalten.

Daraufhin ist ein Verfahren eröffnet worden, wie es die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis der TU Dortmund   vorsehen:

Die Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis hat den Fall sorgfältig und ergebnisoffen geprüft. Aufgrund der Komplexität der Sach- und Rechtslage hat die TU Dortmund zudem ein juristisches Gutachten eines externen Rechtsexperten in Auftrag gegeben (§6 Absatz 7). Dabei wurde der oben genannte Vorwurf geprüft.

Das Rektorat der TU Dortmund hat den Bericht der Kommission in einer Sondersitzung nun ebenso gewürdigt wie das externe Gutachten (§6 Absatz 9). Auf Grundlage dieser Unterlagen hat das Rektorat wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt und beschlossen, die Angelegenheit zuständigkeitshalber dem Fakultätsrat der Fakultät Kulturwissenschaften weiterzuleiten, damit dieser ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrads einleitet (§6 Absatz 10). Weder die Kommission noch das Rektorat können ein solches Verfahren selbst durchführen, da das Promotionsrecht – und folglich auch das Recht zur Aberkennung eines Doktorgrads – bei der Fakultät liegen.

Die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sehen vor, dass der Betroffene über die beabsichtigten Maßnahmen informiert wird und Gelegenheit zur Stellungnahme erhält (§6 Absatz 11 Sätze 4-5). Diese Stellungnahme ist abzuwarten, bevor sich das Rektorat erneut mit dem Fall befasst und die Maßnahme einleitet (§6 Absatz 11 Satz 6).

Die TU Dortmund behandelt diesen Fall so, wie sie auch jeden anderen Fall behandeln würde: nach festgeschriebenen internen Verfahrensregeln, die eine „umfassende“ und „unparteiliche“ Aufklärung erfordern (siehe §6 Absatz 7). Die oben genannten Verfahrensregeln sind öffentlich einsehbar. Unterlagen, die in diesem Verfahren verwendet werden, sind jedoch vertraulich. Die Mitglieder aller beteiligten Gremien sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, um ein faires Verfahren ohne öffentliche Vorverurteilung zu gewährleisten.

Nun wird es eng für Eumann – ein solches Verfahren hat bislang kein Politiker überstanden – wird der Doktortitel aberkannt, ist er als Staatssekretär nicht mehr haltbar. Schon vor Wochen soll sich die Landesregierung auf diesen Fall vorbereitet haben: Eumann könnte auf einen Europa-Posten abgeschoben werden. Welcher das sein könnte ist vollkommen offen. Die Opposition fordert schon jetzt Konsequenzen. Thomas Nückel, der Medienpolitische Sprecher der FDD-Fraktion erwartet das Eumann jetzt handelt: „Die Luft wird dünner für Staatssekretär Eumann. So dünn, dass keine politische Aktivität mehr möglich ist. Ich erwarte dass er sein Amt bis zum Ende des Verfahrens ruhen lässt.“

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4 Kommentare zu “Eumann: TU-Dortmund leitet Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels ein

  • Pingback: Warum Marc Jan Eumann nicht als Staatssekretär zurücktreten muss (und es vielleicht auch gar keinen titelnehmenden Anlass gibt!) … » Pottblog

  • #2
    Gabriella Wollenhaupt

    Na, so ein Pöstchen in Europa ist doch auch nett: Wenig zu tun, gutes Essen, toller Wein und eine schöne Landschaft… und gutes Monatseinkommen. Welcher „Normalbürger“ hat so viel Glück im Leben?
    Gut gelaufen, Herr Eumann!

  • #3
    der, der auszog

    Ob das politisch unabhängige und vom Bürger finanzierte Zweite Deutsche Fernsehen jemals über die Plagiatsvorwürfe gegen Jan Marc Eumann berichten wird? – Vermutlich nicht, denn Eumann sitzt im Fernsehrat des ZDF…

    2002 stand der ebenfalls politisch unabhängige und vom Bürger finanzierte Westdeutsche Rundfunk in der öffentlichen Kritik, weil seine Berichterstattung über den SPD Spendenskandal, in der Eumann erstmals sein begtrügerisches Potential unter Beweis stellen konnte, sehr zu wünschen übrig liess. – Damals saß Eumann im Rundfunkrat des WDR…

    „Die Rundfunkgebühr kann mehr…“ hieß es in den letzten Monaten immer wieder, wenn es um Eumanns Idee einer Journalismusstiftung ging. Ich bin mir sicher, dass das ZDF derzeit auch mehr könnte, ähnlich wie der WDR 2002 mehr gekonnt hätte…

    Leider bemerkt Marc-Jan Eumann nicht, dass er mit seinem derzeitigen Gehampel um seinen Doktor nicht nur seine Idee von einer Journalismusstiftung in Frage stellt, sondern auch die politisch unabhängige Berichterstattung der bereits existierenden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

    Die Opposition tut sich derzeit noch schwer mit Rücktrittsforderungen gegenüber Eumann; zum einen weil die TU Dortmund noch kein endgültiges Urteil gefällt hat, zum anderen, weil bislang nur Politiker aus CDU und FDP über ihre erschlichene Doktorwürde gestolpert sind. Aber als Bürger, der sich nicht aussuchen kann, ob er für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlen will oder nicht und gerade deshalb eine saubere und vor allem politisch unabhängige Berichterstattung erwartet, fordere ich Jan Marc Eumann an dieser Stelle auf, seinen Posten als Medienstaatssekretär aufzugeben und auch als Mitglied des Fernsehrates des ZDF zurückzutreten.

    Bringt zwar nix, ich weiß das, aber als Gebührenzahler sehe ich nicht ein, eine solche Forderung ausschliesslich den Politikern zuzubilligen.

    johannes Fischer

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