Fans von Rot-Weiss Essen treten Bemühungen von Millionen Familien mit Füßen!

Heute ist Heiligabend. Viele von uns müssen sich heute entscheiden, wen sie an diesem Tag, der traditionell der Familie gehört, treffen wollen, mit wem sie ihre Zeit verbringen wollen. In Zeiten der Pandemie rufen die Verantwortlichen aus Politik und Gesundheitswesen alle Bürger dieses Landes seit Wochen nachdrücklich dazu auf alle nicht notwendige Kontakte im Alltag zu vermeiden, das Risiko sich mit dem grassierenden Corona-Virus zu infizieren dadurch trotz der Verlockungen dieses Familienfestes doch bitteschön bestmöglich zu minimieren.

In Anbetracht der noch immer auf breiter Front steigenden Covid-19-Fallzahlen, treffen Deutschland diese harten Einschränkungen millionenfach bis ins Mark. Heute gibt es quer durch die Republik und darüber hinaus zig Omas, die sich erstmals entscheiden müssen mit welchem Enkel sie sich denn jetzt noch treffen können. Es gibt etliche Kinder, die ihre Eltern heute und in den kommenden Tagen nicht wie gewohnt besuchen können, Freunde, die sich in diesem Jahr leider nicht mehr treffen können. Das ist alles nicht schön und erfordert viel Selbstdisziplin und Konsequenz von uns.

Alles harte Opfer, die gestern Abend in Essen von zahlreichen Zeitgenossen massiv mit Füßen getreten wurden.

Klar, nach dem überraschenden 3:2-Erfolg des Fußball-Viertligisten RW Essen gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf im DFB-Pokal, konnte man als Essener schon mal so richtig in Wallung geraten. Die Anlässe für spontane Freude und große Begeisterung waren an der dortigen Hafenstraße, wo das Stadion steht, seit Jahren dünn gesät, um nicht zu sagen, es gab keine.

Wenn der chronisch klamme Klub aus dem Ruhrgebiet nun seit Jahren endlich mal wieder auf der nationalen Bühne auftritt, sich durch den Einzug in das Achtelfinale des Pokalwettbewerbs auch finanziell etwas Luft verschafft, dann ist das zweifelsohne ein Grund zur Ausgelassenheit.

Ausgelassenheit, die es in diesen besonderen Tagen jedoch nur in sehr eingeschränktem Maße geben dürften. Also, eigentlich zumindest.

Doch was sich da am Mittwochabend nach der Begegnung gegen die Fortuna in Essen abspielte, das gefährdet nicht nur hunderte Menschen gesundheitlich, es bedroht auch die Sonderrolle, die der Fußball in diesen Tagen in der Gesellschaft einnimmt, in dem er in Zeiten des landesweiten Shutdowns in vielen Fällen trotzdem weiterlaufen darf.

Im Internet kursierten nach Spielende am Mittwoch rasch diverse Videos von der Szenerie rund um das Stadion in Essen, die gleich eine ganze Vielzahl von Verstößen gegen die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln zeigen. Die krassesten davon dürfen wir hier aus rechtlichen Gründen noch nicht einmal zeigen. Die von den Ultras in Essen inzwischen selber stolz bei Youtube eingestellten Szenen reichen jedoch schon aus, um zu zeigen, was da gestern in Essen so gründlich schieflief.

Viele Leute kritisieren schon seit Monaten, dass dem Fußball in diesem Lande eine ihm eigentlich nicht zustehende Sonderrolle zugestanden wird. Die beliebtesten Wettbewerbe der ohnehin privilegierten Kicker laufen seit Monaten, wenn auch ohne Zuschauer in den Stadien, ungebremst weiter. Sollten sich solche Bilder wiederholen, könnte es damit jedoch bald vorbei sein. Und es fallen einem wahrlich nicht viele Gründe ein, mit denen man dann dagegen argumentieren könnte.

Die aktuellen Bilder machen schlicht wütend, torpedieren sie doch alle Bemühungen die Pandemie in Deutschland möglichst rasch wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen bzw. diese auch in den verbleibenden Wintermonaten zu behalten.

Allen Familien, denen in angesichts solcher Auswüchse, heute der sprichwörtliche ‚Kamm schwillt‘, und die sich vielleicht gerade fragen, warum sie selber heute ihre Kontakte einschränken sollen, während hier hunderte von Unvernünftigen ihren Emotionen entgegen aller Logik freien Lauf ließen, möchte man zurufen: ‚Seid bitte nicht so egoistisch und unvernünftig wie diese Fans von RW Essen am Mittwoch!‘

 

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11 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 24. Dezember 2020 um 07:04 Uhr

    In den Vereinen gibt es auch immer wieder Corona Ausbrüche.
    Die Spieler reisen insbesondere mit den Nationalmannschaften um die halbe Welt und bilden neue Cluster.

    Die Rolle des Fußballs und Spitzensports als äußerst kleine Gruppe muss hinterfragt werden.
    Ebenso gibt es dann natürlich noch die privaten Fußball-Fernseh-Treffen etc.

    Die National-Mannschaft muss mit Vorbildcharakter vorangehen.
    Auf den anderen Ebenen finde ich die Situation auch nicht mehr akzeptabel. Vom Risiko her betrachtet gibt es viele Bereiche mit geringeren Risiken und mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung, die aktuell verboten sind.

    Dann bleibt es natürlich offen, wie sehr solche Verstöße verfolgt werden. Die vielen szenekundigen Personen bei der Polizei, die immer erwähnt werden, sollten doch im Vorfeld Kenntnisse gehabt haben. Dass etwas passieren kann, war auch zu erwarten.

  2. #2 | Joe sagt am 24. Dezember 2020 um 08:29 Uhr

    Ich würde empfehlen, den Empörungsregler mal wieder etwas runter zu drehen!
    Das war gestern ein aussergewöhnlicher Abend für jeden Rot Weiss Essen Fan!
    Die meisten haben (wie ich) den Sieg zu Hause mit St. auder gefeiert.
    Ein paar hundert konnten nicht anders und haben einen spontanen Autokorso an der Hafenstraße abgehalten (nach meiner Info weitgehend unter Einhaltung der Regeln).
    Ein paar Dutzend sind dann noch zum Stadion gezogen und sich dabei sicher etwas nah gekommmen, hatten aber zumindest fast alle Masken und waren die ganze Zeit unter freiem Himmel
    Also ein Superspreaderevent würde ich nicht vermuten…

  3. #3 | Joe sagt am 24. Dezember 2020 um 08:42 Uhr

    Unabhängig vom Hauptinhalt des Artikels:
    Rot Weiss Essen ist seit der Insolvenz 2010 und der folgenden Neuaufstellung nicht mehr „notorisch klamm“, sondern wirtschaftlich solide aufgestellt (ganz im Gegensatz zu anderen „Ruhrgebietsgrössen“)
    Auch dies sollte man bei entsprechenden Artikeln zur Kenntnis nehmen und nicht immer wieder alten Vorurteile bedienen…

  4. #4 | Rwe fan sagt am 25. Dezember 2020 um 00:32 Uhr

    Dss ist Qualitätsjournalismus: über Dinge schreiben bei denen man nicht selber dabei war. Und wo bleibt der Artikel und die künstliche Aufregung über die Pyro Aktion der Bochumer Fans/ Ultras nach Rückkehr der Mannschaft aus Mainz?

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 25. Dezember 2020 um 09:04 Uhr

    @RWE Fan: Moin! Da müssen sie sich nun aber schon schon entscheiden. Einerseits Journalisten das Recht absprechen wollen Dinge zu kommentieren, die sie nur auf Bildmaterial von vor Ort gesehen haben (was übrigens völliger Quatsch ist, denn dann dürfte selbst Sky ja die Buli-Konferenz nicht mehr wie bisher ausstrahlen 😉 ), und andererseits dann direkt fragen, wo denn der Artikel zu vergleichbaren Geschehnissen bei einem anderem Klub bliebe…. Genau mein Humor! 😉

  6. #6 | nur der RWE sagt am 25. Dezember 2020 um 10:50 Uhr

    verstehe den gegen den Verein sehr unsachlich und überzogen formulierten Beitrag nicht.. der sehr reißerisch formuliert wurde.
    Vermutlich ist der Verfasser gerade durch das Ausscheiden seines Vereins genervt und mußte sich hier ein Ventil suchen…
    Ich mag keine Bengalos und bin für Einhaltung der Corona Regeln…
    aber das ist überzogen was sie hier schreiben Herr Patzwald

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 25. Dezember 2020 um 11:01 Uhr

    @nur der RWE: Ich hingegen verstehe viele der Leute auf den Videos nicht, die nach dem RWE-Spiel gegen Düsseldorf gegen so ziemlich alles verstossen haben, was aktuell für uns alle angesagt ist. Habe auch noch niemanden in meinem direkten Umfeld getroffen der das kann. Dazu muss man wohl Pyro- oder/und RWE-Fan sein 😉

    PS: Ich bin übrigens seit 1977 BVB-Fan. Aber auch das ist für mich kein Grund alles uneingeschränkt gut und richtig zu finden, was sich rund um 'meinen Klub' so tut. 😉

  8. #8 | „Ich befürchte, dass der Turn-Around auf Schalke auch mit Trainer Gross nicht gelingen wird“ | Ruhrbarone sagt am 25. Dezember 2020 um 12:20 Uhr

    […] Ein weiterer Trainerwechsel auf Schalke, Paris trennt sich von Ex-BVB-Coach Thomas Tuchel, der Pyro-Irrsinn in Essen, etliche Überraschungen im […]

  9. #9 | Günter Rense sagt am 26. Dezember 2020 um 09:19 Uhr

    Gut, dass hier einige RWE-"Fans" ohne Umschweife demonstrieren, dass man wirklich so derartig beschränkt und egozentrisch durchs Leben stolpert, wie es die restliche Öffentlichkeit schon immer vermutet hat. Das erspart weitere mühsam-sinnlose Diskussionen über Pyro-Erlebnisse und selbstverliebte Fan-Folklore auf alleinige (Gesundheits-)Kosten der Gesellschaft.

  10. #10 | Joe sagt am 26. Dezember 2020 um 14:41 Uhr

    @Günter Rense:
    Bevor man hier den großen moralischen Zeigefinger hebt, einfach mal die Fakten zur Kenntnis nehmen, wie sie auch von der Polizei Essen bestätigt werden:

    https://www.google.de/amp/s/www.sueddeutsche.de/sport/fussball-essen-polizei-feuerwerk-nach-rwe-sieg-coronakonform-abgelaufen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-201224-99-805950!amp

    Und dass die RWE Fans so „beschränkt und egozentrisch“ durchs Leben stolpern, da habe ich zB hier ein sehr plastisches Gegenbeispiel rausgesucht:

    https://rot-weiss-essen.de/newsdetail/sandy-knackt-herzenswuensche-rekord/

  11. #11 | Günter Rense sagt am 27. Dezember 2020 um 00:50 Uhr

    "Die Fernsehbilder nach dem nächsten Essener Pokal-Coup zeigten am späten Mittwochabend allerdings deutlich, dass Abstandsregeln und das Zusammenkunftsverbot für mehrere Haushalte wohl missachtet wurden." Man sollte sich als "Fan" also nicht immer nur die Rosinen in der Berichterstattung rauspulen – was wiederum nur meinen Kommentar vervollständigt.

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